Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils


Österliche Zeit

"Österliche Zeit"
Vorbereitende Sonntage | Vorfastenzeit | Fastenzeit | Verkuendigung (25.03./ 7.4.)

Lazarus-Samstag | Sonntag des Einzugs in Jerusalem (der Palmen, der Blumen)
Hohe Woche: Donnerstag | Freitag | Samstag | AUFERSTEHUNGSFEST <<Fest der Feste>>|

Sonntage und Feste im Licht der Auferstehung und der SEHNSUCHT nach der VOLLENDUNG im HEILIGEN GEIST

Himmelfahrt | PFINGSTEN | Allerheiligen |
Geburt Hl. Johannes d.Täufers |


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25. März (7.4.)

VERKUENDIGUNG 
der 
FROHEN BOTSCHAFT 

an unsere allhl. Gebieterin, die Gottesgebaererin und stete Jungfrau Maria



Heute ist der Anfang unserer Erlösung
und die Offenbarung des Mysteriums von Ewigkeit.

Der Sohn Gottes wird zum Sohn der Jungfrau,
und Gabriel bringt das Evangelium der Gnade.

Mit ihm rufen auch wir der Gottesgebärerin zu:
Freue dich, du Gnadenerfüllte,
der Herr ist mit dir !





 
Nach Königstür-Ikone, 17.Jhdt., Arbanassi, Bulgarien

 

Kanon d. Hl. JOHANNES MONACHOS
Predigt des Hl. GREGOR von NYSSA zum Fest

Das Christus-Mysterium bildet ein Ganzes. Mitten in der vorösterlichen Fastenzeit feiert wir die Inkarnation des urewigen Wortes. Die Menschwerdung geschieht um der Erlösung willen, und die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus. 
Denn Gott wird Mensch, um uns Menschen zu vergöttlichen. Das ist kein mechanischer oder magischer Vorgang.
Die freiwillige Menschwerdung des Sohnes und Wort Gottes im Schoße der Jungfrau ruft die Freiheit des Menschen auf, von sich aus, sich ohne vergewaltigt zu werden, dem Handeln Gottes zu öffnen und so das vergöttlichte Heil in sich geschehen zu lassen. Dieses Heil besteht in der Vereinigung Gottes mit den Menschen und des Menschen mit Gott. Dazu ist das freie "Ja" jedes Menschen unerlässlich, das "Ja", wie es die Gottesgebärerin nach gewissenhafter Überlegung gesagt hat: 
" Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe nach Deinem Worte !"
Das Heil besteht aber nicht nur in der Erlösung des Menschen von der Sünde und allem Übel, sondern ebenso in der Wiederherstellung des Bildes Gottes, gemäss des ewigen Ebenbildes des Vaters in Jesus Christos, nach dem wir erschaffen wurden.

So konnte der Engel Maria die Botschaft der Freude bringen. 
Freude verkünden an Weihnachten die Heerscharen der Engel den Hirten. 
Und der Auferstandene sagt den Aposteln und uns in Seinem österlichen Gruß die Freude zu. 
So kann auch in der Fastenzeit die Freude nicht untergehen: 
Freude soll vielmehr auch die Buße leiten. Daher ist dieses Freudenfest kein Fremdkörper in der Fastenzeit; sondern gibt ihr Ausrichtung, Tiefe und Glanz. 
 

Das Datum des Festes wurde in Verbindung mit dem 25. Dezember gewählt; es ist also relativ spät festgelegt worden. Nach älterem syrischen und gallikanischem Ritus wurde es an einem der Herrentage vor Weihnachten gefeiert. Uns ist das Datum seit den Akten des Konzils von 692 bezeugt. 
Wenn es auf den Hohen Freitag oder Hohen Samstag vor Ostern fällt, wird es bei den Griechen auf den Ostertag verschoben und gemeinsam mit der Auferstehung gefeiert. 
 

 

 

*Quellenhinweis*

Dies ist gesetzt von Gott den Sterblichen, 
spricht die Makellose wiederum, dass gemeinsamer Liebe ein Kind entstamme. 
Doch ist mir gänzlich unbekannt die Lust der Vereinigung. 
Wie kannst du behaupten, dass ich gebären werde? 
Ich fürchte, du schwatzt mit Trug. 
Aber gleichwohl, schau, sprichst du: 
Lobpreiset alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Der Einwand, welchen du aussprichst, Ehrwürdige, 
entgegnet wiederum der Engel, trifft wohl zu bei den gewöhnlichen Geburten sterblicher Menschen. 
Der wahre Gott aber, künde ich dir, nimmt, jede Vernunft und jedes Begreifen übersteigend, Fleisch an, wie nur Er es weiß, aus dir. 
Drum rufe ich mit Freuden: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Du erscheinst als Künder mir der Wahrheit, 
beendete da die Jungfrau das Gespräch. 
Denn als gemeinsamer Freude Bote bist du gekommen. 
Da ich gereinigt wurde im Herzen durch den Geist, geschehe mir nach deinem Wort. 
Wohnung nehmen soll in mir Gott, 
zu dem ich mit dir rufe: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

( Kanon des JOHANNES Monachos (8. Jh.) zum Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesmutter )
(Ausschnitt)

 

 

Die jungfräuliche Empfängnis - Gottes Schöpfertat

Gregor von Nyssa (+ 394) 
zum Fest Mariae Verkündigung

*Quellenhinweis*
 

 

 

In das Heilsgeheimnis wird die Jungfrau von Gabriel eingeweiht. Die Worte der Einweihung waren Segensworte: »Freue dich, Begnadete! Der Herr ist mit dir!« (Lk 1,28). Als Gegensatz zum ersten Spruch, der an eine Frau erging, ergeht nun dies Wort an die Jungfrau. jene wurde der Sünde wegen zur Betrübnis bei der Geburt verurteilt, bei dieser aber wird durch die Freude die Betrübnis aufgehoben. Bei jener ging Betrübnis der Geburt voran, hier aber war bei der Geburt Freude als Hebamme tätig! »Fürchte dich nicht!« (Lk 1,30), spricht er.

Da jeder Frau die Erwartung der Geburt Furcht bereitet, hebt die Verkündigung der freudvollen Geburt die Furcht auf. »Du wirst empfangen und einen Sohn gebären und sollst ihn Jesus nennen. Er wird sein Volk von den Sünden erlösen« (Lk 1,31). Was entgegnet Maria? Vernimm das Wort einer reinen Jungfrau! Der Engel verkündet ihr die Geburt, doch sie hält fest an der Jungfräulichkeit und misst der Unversehrtheit größeren Wert als der Erscheinung des Engels bei. Sie kann dem Engel weder den Glauben versagen, noch wird sie ihrem Entschluss untreu. »Mir ist der Umgang mit einem Mann versagt«, spricht sie. »Wie soll mir das geschehen?« (Lk 1,35) ...

Wenn Josef sie zur Ehe genommen hätte, wie konnte sie über die Botschaft des Engels befremdet sein, dass sie gebären werde? Denn nach dem Gesetz der Natur erwartete sie durchaus, auch einmal Mutter zu werden. Da aber ihr gottgeweihter Leib wie eine geheiligte Weihegabe unverletzt bewahrt werden musste, deshalb spricht sie: »Wenn du auch ein Engel bist und vom Himmel kommst und deine Erscheinung Über menschliche Erfahrung hinausgeht, so ist es doch unmöglich, dass ich einen Mann erkenne. Wie werde ich Mutter sein ohne einen Mann? Josef sehe ich als meinen Verlobten an, als Mann aber erkenne ich ihn nicht.«

Was erwidert Gabriel, der zur Jungfrau gesandt wird? Auf welches Brautgemach für die reine und unbefleckte Ehe weist er hin? »Heiliger Geist«, sagt er, »wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten« (Lk 1,35). Welch glückseliger Leib, der wegen seiner übergroßen Reinheit die guten Gaben für die Seele auf sich herabgezogen hat! Von allen anderen Menschen würde kaum eine reine Seele die Gegenwart des Heiligen Geistes in sich ertragen, hier aber wird der Leib zum Gefäß des Geistes. »Aber auch die Kraft des Höchsten wird dich überschatten«. Wie ist dieses geheimnisvolle Wort zu verstehen?

Dass Christus die Kraft Gottes und seine Weisheit ist, wie der Apostel sagt (1Kor 1,24). Die Kraft des höchsten Gottes also, die Christus ist, nimmt durch die Herabkunft des Heiligen Geistes in der Jungfrau Gestalt an.

 

 


 

Homilie auf Christi Geburt; PG 46, 1140B-1 141B, in: Heiser, Lothar, Jesus Christus, Das Licht aus der Höhe, Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 45f.
*aus St. Andreas Bote*
 

 

Kanon des Johannes Monachos (8. Jh.) 
zum Fest Mariae Verkündigung

Höre, Mädchen, reine Jungfrau, 
so kündete Gabriel den Ratschluss des Höchsten, uralt und ohne Trug: 
Sei zum Empfange Gottes bereit! Denn durch dich wendet der Unfassbare 
sich wieder den Sterblichen zu. 
Drum rufe ich mit Freuden: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Alles Sinnen der Sterblichen ist zu schwach, 
erwiderte die Jungfrau, zu ergründen, was Unbegreifliches du mir kündest. 
Ich freute mich deiner Worte, aber erschreckend fürchte ich, dass du mit Täuschung mich wie Eva weit weg von Gott führen willst. 
Doch gleichwohl, sieh, sprichst du: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Sieh, die Verwirrung löst sich dir, 
entgegnete auf diesen Einwand Gabriel. 
Denn mit Recht sagst du, der Plan sei unergründlich. 
Folge nur den Worten deiner Lippen und zweifle nicht, 
als sei er ein Truggebilde; dass Wirklichkeit er ist, das, glaube doch. 
Denn auch ich rufe mit Freuden: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Dies ist gesetzt von Gott den Sterblichen, 
spricht die Makellose wiederum, dass gemeinsamer Liebe ein Kind entstamme. 
Doch ist mir gänzlich fremd die Lust der Vereinigung. 
Wie kannst du behaupten, dass ich gebären werde? 
Ich fürchte, du schwatzt mit Trug. 
Aber gleichwohl, schau, sprichst du: 
Lobpreiset alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Der Einwand, welchen du aussprichst, Ehrwürdige, 
entgegnet wiederum der Engel, trifft wohl zu bei den gewöhnlichen Geburten sterblicher Menschen. Der wahre Gott aber, künde ich dir, nimmt, jede Vernunft und jedes Begreifen übersteigend, Fleisch an, wie nur Er es weiß, aus dir. 
Drum rufe ich mit Freuden: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

Du erscheinst als Künder mir der Wahrheit, 
beendete da die Jungfrau das Gespräch. 
Denn als gemeinsamer Freude Bote bist du gekommen. 
Da ich gereinigt wurde im Herzen durch den Geist, geschehe mir nach deinem Wort. 
Wohnung nehmen soll in mir Gott, 
zu dem ich mit dir rufe: 
Lobpreiset, alle Werke des Herrn, den Herrn!

 

 


Kanon des JOHANNES Monachos (8. Jh.) 
zum Fest der Verkündigung der Frohbotschaft an die Gottesmutter
8. Ode, im Orthros des 25. März; Menaion

*aus St. Andreas Bote*
 

 

Linkhinweise zum Fest:
Wenn Englisch kein Problem ist und Acrobat Reader zur Verfügung steht, 
dann sind alle Gottesdienste des Festes über folgenden Link zugänglich: 

 

http://www.bright.net/~palamas/CyberPsaltiri/Contents.htm 

zu ->TRIODION gehen, dort das Fest auswählen:

Einführung: AnnuIntro
kleine Vesper: AnnuSV
grosse Vesper: AnnuGV
Morgendienst: AnnuMat
Göttl.Liturgie: AnnuDL
Polyelei: AnnuPol
 

 

 


 

 

 

 



"Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen; weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen.
Doch achtet darauf, dass Euch diese Freiheit den Schwachen nicht zur Verführung gereicht
" (1Kor 8,8).  

Kurz vor Beginn der Großen Fastenzeit möchten wir Ihnen noch einige interessante und für die heiligen Tage sehr nützliche Bücher empfehlen. Es handelt sicher einerseits um deutschsprachige Gottesdienstliche Bücher zu den Festtagen der Fastenzeit, die sicherlich vor allem dort hilfreich sind, wo jemand der jeweiligen liturgischen Sprache nicht mächtig ist.
Zum besseren Verständnis des tiefen Sinns der Großen Fastenzeit und seiner Feste möchten wir Ihnen das äußerst nützliche Buch von Erzpriester Alexander Schmemann  ans Herz legen.
Ab sofort lieferbar ist das bereits angekündigte Buch des russischen Religionsphilosophen Iwan ljin, über das Wesen und die Eigenart der russischen Kultur. 
Unsere nächsten beiden, im März erscheinenden Titel sind: Das Gesetz Gottes, Band II, über das Neue Testament, sowie der zweite Band Die Einsiedelei und andere Geschichten, mit Kurzgeschichten aus der Feder des russischen Priesters Jaroslaw Schipow.
Mit herzlichen Grüßen, In Christo, Gregor und Katharina Fernbach

F A S T E N Z E I T

"Fastenregeln" / FASTEN / Kanon der Umkehr unseres Vaters unter den Heiligen ANDREAS von KRETA
Fasten-Hirtenbrief 2007 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: "...Zeit der Geistlichen Kaempfe"
Fasten-Hirtenbrief 2004 des Oekumen. Patriarchen BARTHOLOMAIOS: „Öffne mir, Lebensspender, das Tor zur Umkehr!“
Beten und Fasten - Erzbischof STYLIANOS von Australien
» ... sondern nur durch Beten und Fasten« (Erzpr. Prof. Alexander Schmemann (+ 1983)
Die Große Zeit der Vorbereitung auf die AUFERSTEHUNG
(aus dem "Orthodoxen Glaubensbuch")

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"
 

SONNTAGE der Fastenzeit:

1. Sonntag: Fest der ORTHODOXIE
2. Sonntag: Hl. GREGOR Palamas
3. Sonntag: KREUZVEREHRUNG
4. Sonntag: Hl. JOHANNES von der Himmelsleiter
5. Sonntag: Hl. MARIA von Aegypten

 

4. Sonntag der grossen voroesterlichen FASTEN


Hl. JOHANNES von der HIMMELSLEITER


Lesung:
Hebr. 6: 13 - 20



EVANGELIUM:
Mk. 9: 16 - 30



Durch Enthaltsamkeit

konntest du die Kraft deiner Seele erneuern;

sie mit himmlischer Herrlichkeit veredeln.

Heiliger Moench JOHANNES

Darum riefst du allen zu:

Nichts ziehet Gottes Liebe vor !





IKONE des FESTES IKONE des FESTES

Heute macht uns die Kirche aufmerksam auf den Hl. JOHANNES Klimakos (von der Himmelsleiter). Dieser Mönchsvater, der im 7. Jahrhundert lebte, verwirklichte das Ideal von Gebet und Umkehr. Schon mit 16 Jahren wurde er Einsiedler-Moench auf dem Sinai. 639 wurde er als Igumen Klostervorstand. Vor seinem Tode zog er sich wieder in die Einsamkeit zurück. Sein immer wieder gelesenes Standardwerk "Die Himmelsleiter" beschreibt in 30 Sprossen -nach dem verborgenen Leben Jesu- den Aufstieg zur Vollendung in Gott, den Kampf gegen die Laster, die den Menschen immer wieder behindern und die Tugenden die in die Nähe Gottes führen. Krönung und Ziel des allmählichen Aufstiegs ist die Ruhe der Seele in Gott.
Darauf dürfen auch wir uns in der Fastenzeit vorbereiten.
"Lasset uns Johannes ehren ... Ruhm der Asketen ..." singen wir in der Vesper und im Orthros: "Während dein Leib durch die Enthaltsamkeit abnahm, konntest du die Kraft deiner Seele erneuern, sie mit himmlischer Herrlichkeit bereichern."
Aber die Kirche erläutert die Lehre des Hl. JOHANNES Klimakos richtig, wenn sie verkündet, dass Askese sinn- und wertlos ist, wenn sie nicht Ausdruck der Liebe ist. Und wieder in der Vesper zitiert sie den Heiligen mit den Worten: "Darum riefst du allen zu: Gott habet lieb, und ewige Gnade werdet ihr finden. Nichts ziehet Seiner Liebe vor!"

Aus: The Year of Grace, A Monk of the Eastern Church, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p125f.
Übersetzt durch *St. Andreas Bote*

 

 

 

 

Ton 8:
Der Buße Türen öffne mir, o Lebensspender
denn es erwacht mein Geist zu Deinem heiligen Tempel,
da er den Tempel des Leibes ganz verunreinigt trägt;
DU  JEDOCH  ALS  DER  ERBARMER,
REINIGE  IHN  MIT  DEINER  BARMHERZIGEN GNADE !

 

 

5.3.2017

Am 1. Sonntag der Grossen Fasten feiern wir das

FEST der ORTHODOXIE
 



 

Das unbegrenzte Wort des Vaters
nahm die Grenzen der Gestalt an

durch die Fleischwerdung in Dir,
o Gottesgebaererin.

In Dir wurde das befleckte Abbild
in den urspruenglichen Zustand verwandelt

und erfuellt mit der goettlichen Schoenheit des Urbilds.

Wir aber,
indem wir das Heil erkennen,
stellen dies dar

in Werk und Wort.



 

IKONE des FESTES

 

Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH (London)
=Sunday of Orthodoxy=
Histor.Entwicklungen und Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

 

Die moralische Autoritaet von Kirche und Moenchen fuerchtend versuchten die ostroemischen Kaiser im 8.Jhdt. das Christentum zu einer abstrakten Philosophie herabzusetzen. Die Ikonen, die an die Menschwerdung des Gottessohns aus der Gottesmutter und an die vielen Heiligen, die jetzt bei Gott leben und mit uns heute auf Erden Lebenden in kirchlicher Gemeinschaft stehen, erinnern an die wahre Heimat des Christen, das Himmelreich. Als deutliche Mahnung gegen die Verabsolutierung des irdischen Reiches wurden die Ikonen von der kaiserlichen Macht fanatisch bekaempft. Unzaehlige Moenche, Laien und Geistliche erlitten durch ihr Festhalten an den Ikonen das Martyrium.
787 definierte die Kirche die genaue Bedeutung der Ikonen und ihre Verehrung. 843 setzte ein von Kaiserin Theodora einberufenes Konzil der Verfolgung ein Ende und gab den Glaeubigen auch offiziell die Ikonen wieder. Seither wird dieses Fest am ersten Sonntag der Grossen voroesterlichen Fasten gefeiert.

Das heutige Fest kann nicht als gegen die anderen christlichen Kirchen im Westen gerichtet verstanden werden. Die Kirche im Westen und außerhalb des byzantinischen Reiches hat in dieser Zeit an den Bildern festgehalten und war so gesehen "orthodox" geblieben, waehrend der Bildersturm im Ostroemischen Reiche wuetete. Der Westen musste keinen Bildersturm erleben - aber er kennt deshalb auch keine theologische Begründungen, Richtlinien und Grenzen für religiöse Darstellungsformen.

 

S I E G der O R T H O D O X I E
Predigt von Metropolit ANTHONY (Bloom) von SUROSH
Was ein Kirchenfest den Menschen von heute sagen will


Wir feiern heute den Tag des Sieges der Orthodoxie. Von welchem Triumph soll da die Rede sein ?
Wenn wir uns gegenwaertig umschauen und tief hinein in die uns so vertraute und werte Orthodoxie blicken, wieviel Schlaffheit und Bedruecktheit sehen wir dort, wie wenig von dem, was wie ein Triumph aussieht. Freilich triumphieren wir gar nicht so sehr ueber den sichtbaren Ruhm der Orthodoxie. Ihren Sieg sehen wir vielmehr in zwei Bereichen.

Einmal darin, dass orthodoxe Menschen, ob nun ueber die Erde zerstreut oder in Volksgemeinden dicht beieinander, trotz Verfolgungen und unbeschreiblichen Schwierigkeiten ihren Glauben klar und rein erhalten, andaechtig ihren Gottesdienst bewahrt haben und den geistlichen Weg gegangen sind, der uns von Christus im Evangelium und von den Kirchenvaetern im Laufe der Jahrhunderte unserer Kirchengeschichte vermittelt worden ist.

Darueber koennen wir uns wohl freuen ! Wir empfinden Bewunderung und Ehrfurcht vor denen, die in den 2 Jahrtausenden im Glauben des reinen Bekenntnisses gestanden und in einer dem Evangelium wahrhaft entsprechenden Spiritualitaet gelebt haben. Sie konnten uns einen kostbaren, tief verinnerlichten und erbauenden Gottesdienst weitergeben. Allerdings wissen wir, wie sehr auch ein Mensch glaeubig sei und seine Kraefte anspannen mag, er wird dennoch leicht besiegt, wenn nicht der Herr Selbst ihm Kraft verleiht, wenn nicht die Gnade Gottes fuer ihn streitet. Letztlich ist der Sieg der Orthodoxie ueber den unser Herz jubelt ob der kuenftigen Hoffnung, doch ein Sieg Gottes in der menschlichen Schwachheit, ueber uns, in uns und mitten unter uns.

Der Sieg der Orthodoxie ist ein Tag, an dem wir uns freuen, weil Gott Sich als unbesiegbar von der menschlichen Suende, von der Suende des Geistes, von der Kaltherzigkeit und Unbestaendigkeit, von den Willensschwankungen und von den Fleischessuenden erwiesen hat. Gott blieb unbesiegbar in der Kirche Christi. Er blieb unbesiegbar auch in einzelnen konkreten Persoenlichkeiten.

Das Fest der Orthodoxie indes wurde aufgrund eines besonderen Vorfalls gestiftet. Es reicht zurueck in die Zeit nach dem Siebenten Oekumenischen Konzil, als die Orthodoxie endgueltig ueber den Bildersturm gesiegt hatte. Worum handelt es sich dabei ? Darum, dass die Kirche das Recht und unsere Pflicht verteidigt hat, den Ikonen Christi, der Gottesmutter und der vielen Heiligen Verehrung zu erweisen. Damit hat sie die Wahrheit der Inkarnation verteidigt; jene Wahrheit, dass Gott Sich Selbst offenbart, Sich sichtbar dastellt, vielleicht nicht voellig, aber Er zeigt Sich uns in den Bildern, die wir von Ihm geschaffen haben.

Solche Bilder sind nicht allein Ikonen. Es gibt auch Ikonen aus Worten. Andreas von Kreta sieht sie etwa in den Dogmen der Kirche, in den Lehrmeinungen der Vaeter, in der Unterweisung, die wir empfangen. Und letzten Endes offenbart sich uns Gott bildlich in den Menschen: weil naemlich ein jeder von uns in sich ein Abbild des lebendigen Gottes traegt.

Die Liturgie des heiligen Basilius des Grossen spricht von Christus, Er sei das Bild der Ebenbildlichkeit, das uns den Vater offenbart. Er ist ein vollkommenes Bild. Er -IST- die Wahrheit. Er ist vollkommener Gott wie auch vollkommener Mensch. Ja selbst in uns ist ein Abglanz dieses Bildes geblieben.

Und wenn wir heute den Triumph der Orthodoxie begehen, dann wissen wir, dass Gott sich uns in Christus durch die Inkarnation Seines Sohnes leibhaftig offenbart. Es weitet Herz und Seele, wenn wir erkennen, dass unsere geschoepfliche Welt so beschaffen ist, dass die Fuelle der Gottheit unter uns koerperlich wohnen kann.

Dadurch laesst sich Gott bildhaft darstellen, was wir an den Ikonen sehen, zumal an den lebendigen Gnadenbildern, den Menschen, sobald wir ihre menschlichen Schwaechen beiseite schieben, die unseren Gesichtskreis verdunkeln wollen. Mit sehenden Augen koennen wir naemlich durch die menschliche Schwaeche hindurch das bleibende Bild Gottes schauen und somit mitten unter den Menschen den lebendigen Gott in ihnen verehren.

Nicht ohne Grund haben die Kirchenvaeter gelehrt:
Wer seinen Bruder sieht, der sieht Gott.
Mit Andacht lasst uns deshalb in einem ehrfuerchtigen Verhaeltnis zueinander stehen, denn wir sind Erscheinung, Bild, Ikone. Lasst uns andaechtig unseren Glauben an das Dogma der Verehrung heiliger Ikonen bewahren, welches den Glauben unmittelbar bekundet, dass Gott Mensch wurde.

Lasst uns frohlocken darueber, dass von Generation zu Generation Gott in uns über unsere Schwachheit siegt, triumphiert und die Schwachheit unterordnet. Wir wollen Gott ganz und gar hingegeben leben, damit dieser Sieg vollkommen sei.

Er soll bis zum Ende den Sieg behalten, nicht nur in den verflossenen Jahrhunderten, sondern gerade heute und auch in uns. Der Widerschein Seiner Herrlichkeit moege aufgehen ueber der Welt, die in Schmerzen und Heimsuchung liegt.
Amin.
 


 

Historische Argumente und Entwicklungen im "Bilderstreit"
und die
Ikonentheologie des Hl. JOHANNES von Damaskus

 

Die Bilderstürmer (Ikonoklasten) störte an den Bilderfreunden (Ikonodoulen) nicht nur Mißbrauch oder Übertreibung der Bilderverehrung, sondern es spiegelt sich in dieser Auseinandersetzung die Endphase eines langen Ringens um die richtige Christologie. Die Ikonoklasten meinten, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Christi doch nur geglaubt, aber nicht abgebildet werden könne. Wer die menschliche Natur aber isoliert darstellen wolle, versündige sich gegen die Doppelnatur Christi. Die Vorstellung, die in Christus vorhandene göttliche Natur habe den Vorrang, und anstelle der menschlichen Seele habe der Logos dominiert fand ihren Ausdruck in der Meinung Christus sei eine reale Vermischung (Realmonophysitismus).
Dagegen hat sich das Konzil von Nicaea 325 gewendet.

Das 4. Allgemeine Konzil von Chalkedon hat 451 die Lehre von den beiden selbständig und komplett in Christus vorhandenen Naturen (Duophysitismus) nochmals betont und erneut als Glaubensbekenntnis festgelegt. In den orientalischen Regionen des Römischen Reiches wurde am Monophysitismus dennoch festgehalten. In der Äthiopischen Kirche, in der Syrisch-orthodoxen Kirche und in der Koptisch-orthodoxen Kirche haben sich Formen des Monophysitismus bis heute erhalten. In welchem geistigen und theologischen Umfeld Christusbilder oder andere religiöse Darstellungen zu rechtfertigen seien und wie sie verstanden werden sollten, war noch nicht wirklich durchdacht oder definiert. In der Bilderfrage drifteten der Osten und der Westen immer weiter auseinander, und aus politischen Gründen kam es im 8. Jahrhundert in der geographischen Mitte der damaligen Christenheit, im Oströmischen - von uns heute Byzantinisch genannten - Reich zum Eklat.

Der sogenannte "Byzantinische Bilderstreit"entwickelte sich rasch von einer Theoriediskussion zum Bürgerkrieg (Ikonoklasmus, von klazo = ich zerstöre). Was jahrhundertelang eine theologische Kontroverse und ein theoretischer Konflikt war, triftete aus politischen Gründen auf einen Bilderstreit zu, der sich zum Bürgerkrieg entwickelte.

Der richtige Glaube war damals noch nicht zur Privatsache abgewertet, theologische Fragen nicht nur ein Diskussionspotential für Gebildete.
Die richtige Interpretation des Christentums war ein reales Anliegen für jeden Bürger.

Grundlage für den byzantinischen Staat war das römische Gesetz "Cunctos populos" aus dem Jahre 380: Wer nicht den rechten Glauben hat (Häretiker), kann nicht Reichsbürger sein. Nachdem Kalif Jezid II. 721 alle Bilder aus Kirchen und Öffentlichkeit in seinem Herrschaftsbereich hatte entfernen lassen breitete sich diese materiefeindliche Ansicht auch unter den Intellektuellen im byzantinischen Herrschaftsbereich aus und Kaiser Leon III. (717—741), selbst aus Kleinasien stammend, wo schon im 7. Jahrhundert verstärkt bilderfeindliche Tendenzen ausgebrochen waren, ordnete 726 erste Zerstörungen von religiösen Bildern an, eine Versammlung kaisertreuer Beamter formulierte die theologische und juristische Verurteilung der Bilder.


Ein kaiserliches Edikt erklärte 730 den Bildergebrauch als strafbar. Patriarch Germanos von Konstantinopel, der dagegen protestierte, wurde abgesetzt, sein orthodoxer Nachfolger enthauptet.
Auch Papst Gregor III., der schon damals den später "orthodox" genannten Standpunkt vertrat, exkommunizierte alle Ikonoklasten. Mittelitalien schied aus dem Reich des Kaisers aus. Loyalität zum Kaiser stand gegen Freiheit der Kirche.


Unter Konstantin V. (741-775) wandte sich die gesteigerte gewaltsame Verfolgung auch gegen die Verehrung der Heiligen und der Gottesmutter, Moenche wurden zur Heirat gezwungen, Klöster zu Kasernen missbraucht. 50 000 griechische Mönche flohen nach Italien, an die nicht von Byzanz beherrschten Küsten des Schwarzen Meeres, Zypern, Syrien und Palästina. Der Kaiser berief gleichgesonnene kirchliche Würdenträger zu einem Konzil in seinem Palast. Erwartungsgemäß wurden die Bilder verurteilt und ihre Zerstörung angeordnet. 766 mußten sich alle Bürger durch Eid verpflichten, einem Bild nie wieder die Proskynese zu erweisen.


Zwei Themenbereiche mußten geklärt werden, bevor das Ringen um die "Rehabilitierung" der Bilder wieder aufgenommen werden konnte:
 

Welches ist das richtige Bild Christi?
Welche Verehrung kommt wem zu?

Zu groß war die Befürchtung, das Bild selbst könne Gegenstand der Verehrung sein. Im antiken Denken war im Götterbild die Kraft der Gottheit, mancher mochte das Abbild selbst für das Urbild halten.


Schon im 2. Jh. hatte sich Kirchenvater Klemens von Alexandrien darüber Gedanken gemacht:


"Ist das Urbild nicht gegenwärtig, kann das Ebenbild denselben Glanz ausstrahlen.
Ist die Wirklichkeit jedoch präsent, wird selbst das Bild noch von ihrem Glanz übertroffen;
die Ähnlichkeit bleibt jedoch bestehen, enthüllt sie doch die Wahrheit."


Ein ganz entscheidendes, weil bis dahin nie geklärtes Problem mußte weiterhin die Frage sein, an wen sich die vor den Bildern offensichtlich Verehrung wendete. Das Risiko war zu groß, daß die kultische Verehrung, die Gebete, der Weihrauch oder das sich Niederwerfen (Proskynese), die ja nur dem Urbild zukommen konnte, allmählich auf das Abbild übergehen konnte.
Die Verteidiger und Freunde der Bilder (Ikonodoulen) wehrten sich gegen den Vorwurf des "Holzanbetens", und der Bischof von Rom wurde ihr Wortführer. Papst Gregor II. (715-731) hat in zwei Synoden die bilderfeindlichen Bestrebungen zurückweisen lassen und sich deswegen mit Kaiser Leon III. heftig überworfen. Den kaiserlichen Vorwürfen entgegnete er:

"... Ihr sagtet: ,Steine und Wandbewurf betet ihr an!´
Nicht so ist es, o Kaiser, wie Ihr behauptet.

Wir verehren die Bilder, weil sie uns Denkhilfe und Anregung sind, und weil sie unser erdhaftes, sinnengebundenes Denken zur Höhe ziehen - und deshalb haben sie ihren Namen und Gebetsinschriften und Formen.

Wir aber beten sie nicht an als Götzenbilder, wie Ihr behauptet; ferne sei das.

Denn wir gründen unsere Hoffnung nicht auf sie, sondern wenn wir ein Bild des Herren anschauen, beten wir:

"Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich unser und rette uns!"

Und beim Anblick des Bildes seiner heiligen Mutter sagen wir:

"Heilige Gottesgebärerin, Mutter des Herren, flehefür uns bei Deinem Sohn, unserem wahren Gott, dass er unsere Seelen rette!"

Und vor einem Märtyrerbild:

"Heiliger Stephanus, Du Erzmärtyrer, Du hast für Christus Dein Blut vergossen und darfst darum freimütig zu ihm sprechen, bitte für uns!"

So beten wir vor den Bildern aller Blutzeugen, solche und ähnliche Gebete senden wir zum Himmel durch ihre Fürbitte...


Für die Ikonoklasten war die Eucharistie die einzig legitime Abbildung Christi. Die Ablehnungen der bilderfeindlichen Synode 754 kreisen um das Christusbild und gipfeln in der Feststellung und im Vorwurf, daß ein ehrgeiziger Maler zwar nach künstlerischen Vorstellungen den menschlichen Körper Christi darstellen könne, nicht aber dessen unsichtbare und damit nicht abbildbare göttliche Natur. Sollte er diese beiden vermischen wollen, werde er zu einem Häretiker. Dies war auch eine deutliche Abgrenzung gegen monophysitische Vorstellungen.

Während der folgenden langen Auseinandersetzung versammelten sich die Bilderfeinde (Ikonoklasten) zu einem Konzil 754 in Hiereia (Kleinasien). Wichtigster Kritikpunkt war die unwiderlegbare Tatsache, daß das Nebeneinander der göttlichen und menschlichen Natur in Christus (Duophysitismus) nicht bildhaft wiedergegeben werden könne, und sie erhoben gegen die Maler den entscheidenden Vorwurf (can.252):

"Ein solcher ,Linksmaler' hat ein Bild (eikon) gemacht, es Christus genannt. Und dieser, Christus' ist göttlicher und menschlicher Natur?

Und im übrigen hat er entweder nach dem Gutdünken seines vergeblichen Trachtens das Unumschreibbare der Gottheit mit der Umschreibbarkeit des geschaffenen Fleisches zusammen umschrieben, oder er hat jene unvermischte Einheit, damit der Widergesetzlichkeit der Vermischung schuldig werdend, vermischt.

So hat er folglich zwei Blasphemien begangen - die der Umschreibung und die der Vermischung.

Diesen beiden Blasphemien fällt nun auch derjenige anheim, der das Bild mit Proskynese verehrt..."

"Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geiste und in der Wahrheit anbeten." [Joh 4,24]

Ferner:
"Niemand hat Gott je gesehen" [Joh 1,18] und
"Ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt (eidos) gesehen " [Joh 5,37] und die Schrift preist alle selig, die da glauben, obwohl sie ihn nicht sehen. [Joh 20,29]

Auch im Alten Testament hat Gott zu Moses und dem Volk gesprochen:

"Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde"[Ex 20,4] denn auf dem Berg (Sinai) "sprach (der Herr) zu euch mitten aus dem Feuer"[Deut 4,12]
, doch "ihr habt weder seine Stimme gehört, noch seine Gestalt je gesehen."
[Joh 5,37]

 

"Sie dienen einem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge"[Hebr 8.5]
und wiederum: "Auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Maßstäben eingeschätzt haben, jetzt schätzen wir ihn halt nicht mehr so ein"
[2. Kor 5,16],
"denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende."
[2. Kor 5,7]

 

Schliesslich hat derselbe (Paulus) beweiskräftig gesprochen:


 

"So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi."[Rm 10,17]


 

 

Religiöse Bilder aller Art wurden zerstört, in den Kirchen die vorhandenen Dekorationen entfernt und durch bildlose Dekorationen abgelöst. Unter Kappadokiens Höhlenkirchen sind nicht wenige aus der Zeit des Bilderkampfes erhalten und zeigen die bildlose Malerei der Ikonoklasten, allen voran die Barbarakirche in Göreme. Unter dem etwas gemäßigteren Kaiser Leon IV. (775-780) waren die Auseinandersetzungen mehr dogmatischer Art. Nach seinem Tod berief seine bilderfreundliche Witwe, Kaiserin Eirene, nach mühsamem Zurückdrängen der auf Mönchsfeindlichkeit eingeschworenen Armee gemeinsam mit dem späteren Patriarchen Nikephoros 787 zu einer Synode in der altehrwürdigen Konzilsstadt Nicäa, in der die Bilder rehabilitiert wurden.

 

"Wir verlangen eindeutig und ausdrücklich, daß die ehrwürdigen und heiligen Ikonen ausgestellt werden wie das Bild des ehrwürdigen und heilbringenden Kreuzes selbst..."

 

Die Bilderfreunde (/Ikonodoulen) trafen sich. Auf diesem 7. allgemeinen Konzil wurde die inzwischen erarbeitete Bildertheorie des arabischen Mönches Johannes von Damaskus (ca. 650-750) zur Basis einer Theologie der Ikonen.

 

Die Bilderfeinde kannten die Positionen des wortgewaltigen Mönches aus Damaskus, er ist ihr Hauptgegner, ihn trifft ihr Bannfluch am heftigsten.

 

Johannes war bereits gestorben, konnte seine Positionen nicht selbst vertreten. Theodor, Abt des Studion-Klosters in Konstantinopel, wurde der Wortführer auf dem Konzil und betonte die Ideen des Johannes durch eigene Vertiefungen. Johannes entkräftete zunächst die Bezugnahme auf das Alte Testament mit den Hinweisen,

- dass auf Gottes Geheiß an der Bundeslade Bilder angebracht worden sind (Ex 25,18-22; Hebr 9,5)
- ebenso auf dem Vorhang des Tempels (Ex 26,31 und 36,8).

Das Hauptargument für Johannes von Damaskus war die Menschwerdung. Christus könne nicht durch Symbole, sondern nur durch seine menschliche Gestalt dargestellt werden. Seine Darstellung könne sein ewiges Bild im Sinne einer höheren Wahrheit spiegeln. Christus sei freiwillig Mensch geworden, deshalb sei es weder unmöglich noch respektlos, seine menschliche Gestalt abzubilden.

Die Inkarnation war das Hauptargument für die Rechtfertigung einer religiösen Bildkunst. Gottvater könne und dürfe aus diesem Grund allerdings nicht abgebildet werden. Johannes gibt den Bilderfeinden unumwunden zu, daß die nicht sichtbaren Glaubenswahrheiten auch nicht bildhaft dargestellt werden könnten. Aber: Alle seine Zeitgenossen hätten den historischen Jesus als Menschen gesehen, einige hätten aber glaubend seine nicht sichtbare Göttlichkeit erkannt. In seiner Verteidigungsrede für die Bilder argumentiert er:

"Ein Bild ist wirklich ein Abbild und Beispiel, ein Abdruck eines in ihm gezeigten Abgebildeten...

... daher habe ich den Mut, vom unsichtbaren Gott ein Bild anzufertigen, nicht als Unsichtbaren, sondern als um unsretwillen durch die Anteilnahme an Fleisch und Blut sichtbar gewordenen. So bilde ich nicht die unsichtbare Gottheit ab, sondern das Fleisch Gottes, das gesehen worden ist.

Wenn es schon unmöglich ist, die Seele abzubilden, wieviel mehr erst Gott, der auch der Seele das Nichtmaterielle verliehen hat..."

 

Interessant ist ein Blick auf die historische und topographische Konstellation: Um in einer bedrohlichen Phase der islamischen Angriffe die bilderfeindlichen Provinzen ans Reich zu ketten und um sie nicht in die Arme des Kalifen zu treiben, der ihnen problemlos Religionsfreiheit hat in Aussicht stellen können, war der syrische Kaiser Leon III. auf eine reichsweite Bilderfeindlichkeit eingeschwenkt, was den Vorwurf der islamischen Infiltration begründet.

Im Gegensatz dazu lebte und lehrte Johannes von Damaskus in einem Kloster in Jerusalem, das seit 637 unter islamischer Herrschaft stand und in dem die Christen ihren Ideen nachgehen konnten, ohne das Eingreifen eines sie reglementierenden christlichen Kaisers fürchten zu müssen. Die Freiheit zur Widerrede gegen den christlichen Kaiser und zur Verteidigung der Bilder konnte Johannes nur im bilderlosen islamischen Kulturkreis genießen.

Später hatten die Mönche des Studion-Klosters in Konstantinopel unter ihrem Igumen, dem Hl. Theodor viel Überzeugungsarbeit zu leisten um das durch die Propaganda der Bilderstürmer verdorbene Konstantinopel zu überzeugen. Noch einmal flammte die Terrorherrschaft der bilderfeindlichen Mächte auf, die Mönche von Studion wurden 809 vertrieben und verbannt, konnten aber bald wieder zurückkehren. Noch 815 berief ein bilderfeindlicher Kaiser ein ikonoklastisches Konzil in die Hagia Sophia ein, ersetzte willkürlich den mutigen Patriarchen Nikephoros und weitere 28 Jahre wurden Ikonen vernichtet und versucht die Kirche mit dem Gewalt einer Schreckensherrschaft dem Diktat des Kaisers zu unterwerfen. Klöster wurden geschlossen, Mönche terrorisiert, Ikonenmaler misshandelt; z.B. dem Mönch Lazarus beide Hände im Feuer verbrannt.
Erst unter Kaiserin Theodora wurde 843 das Konzil von 787 bestätigt und am 11. März, dem 1. Fastensonntag, verkündet. Die kaiserliche Macht erkannte endgültig das Recht der Kirche auf die selbstständige Regelung ihrer religiösen Angelegenheiten an.

Die Bildertheologie des Johannes wurde die Basis für die Rechtfertigung des Bildergebrauchs und Entscheidungsgrundlage für die Konzilsväter. Die entscheidenden Passagen des Konzilsbeschlusses von 787 lauten:

 

"... Die Verehrung des Bildes (eikon) geht nämlich auf das Urbild (prototypos) über, und wer das Bild verehrt, verehrt die Hypostasis dessen, was in ihm eingeschrieben ist.

Damit wird die Lehre unserer heiligen Väter bestätigt und gleichermaßen die Tradition der Katholischen Kirche, welche das Evangelium von einem Ende (der Welt) zum anderen aufgenommen hat. Somit folgen wir Paulus, der in Christo geredet hat, dem ganzen göttlichen Kreis, und den heiligen Vätern, indem wir die Überlieferungen bewahren, welche wir empfangen haben. So singen wir der Kirche prophetische Siegeshymnen:

'Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem. Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.'

Und Friede wird über dir sein bis in ewige Zeit.

Wir ordnen an, daß diejenigen, die es wagen, etwas anderes zu denken oder zu lehren oder die gegen die offenkundigen Häretiker (gerichteten) kirchlichen Überlieferungen zu verwerfen oder irgendwelchen Zusatz hinzuzusinnen, oder etwas von den kirchlichen Weihegegenständen wegzuwerfen - ein Evangeliar, ein Kreuzzeichen, eine bildliche Darstellung oder eine heilige Märtyrerreliquie - oder ränkevoll und böswillig etwas hinzufügen, um einen Punkt der rechtskräftigen Überlieferung der katholischen Kirche umzustürzen, und zwar besonders, um die kirchlichen Kleinodien oder die frommen Klosterstiftungen zu verstaatlichen, wenn sie Bischöfe oder Kleriker sind, zu entfemen, Mönche und Laien aber von der Kommunion (koinonia) auszuschließen...

Das heilige Konzil akklamierte:

Wir alle glauben so, wir alle denken dasselbe, wir alle haben mit unserer Zustimmung unterschrieben.


 

Dies ist der Glaube der Apostel, dies ist der Glaube der Rechtgläubigen.


 

Dieser Glaube fundiert die Oikumene.


 

Im Glauben an den einen Gott, der in der Dreifaltigkeit besungen wird, küssen wir die verehrungswürdigen Ikonen.


 

Diejenigen, die es nicht so halten, sind verdammt ...


 

Diejenigen, die nicht so denken, sind weit aus der Kirche entfernt."


 

 

In den zwei entscheidenden Problemkreisen war ein Kompromiß gefunden:


 

Zum einen war das für die Bilderfrage bisher unlösbare Dilemma des Duophysitismus nunmehr lösbar:
Das Bild gibt zwar nur die menschliche Natur wieder, kann aber dennoch akzeptiert werden, weil die nicht abbildbaren göttlichen Anteile dazu gewußt und ergänzend geglaubt werden. Der nicht bildhaft sichtbare Glaubensakt drückt sich in den bekennenden Inschriften aus. Das Göttliche erheischt eine Abbildung. Sie gehört zu ihm wie der Schatten zu seinem Körper.
Im Umkehrschluß wäre ein Verbot der Bilder und ihrer Verehrung eine Leugnung des sichtbar gewordenen Christus.


Theodor von Studion formulierte:

"Insofern Christus von einem unumschreibbaren Vater herkommt, kann er kein Kunstbild haben, weil er unbeschreibbar ist. In der Tat, welchem Bilde hätte die Gottheit, deren Darstellung in der Heiligen Schrift vollkommen verboten ist, gleichgestellt werden können? Insofern aber Christus von einer beschreibbaren Mutter geboren wurde, hat er natürlicherweise eine Darstellung, die dem mütterlichen Bilde entspricht. Und wenn er kein Kunstbild hätte, wäre er auch nicht von einer beschreibbaren Mutter geboren und hätte also nur eine Geburt - nämlich vom Vater. Dies aber wäre eine Umstürzung seines Heilsplanes."

Diese Überzeugung fand 843 Eingang in die Texte der Orthodoxie.

 

Zum anderen war entscheidend, daß die längst überfällige und letztlich konfliktauslösende Frage jetzt endlich ein für allemal geklärt wurde: Die vor den Ikonen vollzogene Verehrung und Kniefall (proskynesis) durch die Gläubigen gilt nicht den Holztafeln, sondern dem Urbild, geschieht nicht im Hinblick auf die Materie, sondern im Hinblick auf den Dargestellten. Die Wirkkraft des Abgebildeten ist immer im Bild. Es gibt eine Einheit von Urbild und Abbild nach Form und Ähnlichkeit. Die Anbetung (latreia) ist alleine Gott vorbehalten.

Der christliche Westen hat sich zunächst vehement für die Bilder ausgesprochen, z. B. der Diakon Epiphanius aus Catania.

 

Vergleiche der Ikone mit dem Andachtsbild westlicher Ausprägung machen die essentiellen Unterschiede deutlich:



 

Ziel der Ikone ist es, die heiligen Überzeugungen in allgemein verbindliche Bilder umzusetzen.

-
Ziel des Andachts-Bildes ist es, den Betrachter durch wie immer geartete Gestaltungsmöglichkeiten möglichst "andächtig" zu machen, d. h. er soll an die illustrierten Geschehnisse erinnert werden und emotional in sie eindringen bzw. an ihnen beteiligt sein.

 

Die Ikone basiert auf den Berichten glaubwürdiger Zeugen und auf den Richtigstellungen erleuchteter Konzilsväter.

-
Der Künstler, der ein Andachts-Bild malt, kann neue Formulierungen zur Steigerung der Wirkung "cre-ieren".

 

Themenauswahl und Bildkomposition, Repräsentation der Einzelfiguren, Gestaltung der äußeren Erscheinungen der Ikone müssen die kanonischen Traditionen fortsetzen. Neu angefertigte Werkstücke müssen die Vorbilder der Vorlagen fortsetzen.

-
Der Künstler des Andachts-Bildes beweist seinen Einfallsreichtum und seine künstlerische Kreativität durch ansprechende Neuformulierungen des Themas.

 

Den Ikonenmaler bewegt eine mystische Teilhabe an der in Gebet und Schriftlesung geschauten verklärten Welt.

-
Der Künstler des Andachtsbildes bedient sich seiner Phantasie.

 

Die künstlerische Freiheit des Ikonen-Schreibers ist in dem Satz der Heiligen Schrift zusammengefasst:
"Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit." 2 Kor 3,17

-
"Künstlerische Freiheit" im durchaus weltlichen Sinne ist die Grundlage des Gestaltungsprozesses für das Andachts-Bild des Westens.

 

(Unter Verwendung der Auszüge die der Religionspaedagoge Horst Leps aus den Seiten 15 –20, 29, 51+52 unter Weglassung der Fußnoten, aber Ergänzung der Bibelstellen aus der Einleitung des Ausstellungskatalogs "Ikonen des Ostens - Kultbilder aus fünf Jahrhunderten", herausgegeben vom Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg, St. Otto Verlag Bamberg, Copyright 1998 Erzbischöfliches Ordinariat Bamberg, Hauptabteilung Kunst und Kultur, Autor: Kurt Ruppert, Bamberg, erstellt hat)

 

 

 

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