Aktuelle Feste im Jahreskreis des Heils

Österliche Zeit

"Österliche Zeit"
Vorbereitende Sonntage | Vorfastenzeit | Fastenzeit | Verkuendigung (25.03./ 7.4.)

Lazarus-Samstag | Sonntag des Einzugs in Jerusalem (der Palmen, der Blumen)
Hohe Woche: Donnerstag | Freitag | Samstag | AUFERSTEHUNGSFEST <<Fest der Feste>>|

Sonntage und Feste im Licht der Auferstehung und der SEHNSUCHT nach der VOLLENDUNG im HEILIGEN GEIST

Himmelfahrt | PFINGSTEN | Allerheiligen |
Geburt Hl. Johannes d.Täufers |


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ÖSTERLICHE ZEIT


König aller Tage, Fest der Feste, über allen Tagen stehend und sie ordnend ist das Pas´cha, das Ostern der Auferstehung des Herrn. Dahin führt diese Zeit in den 40 Tagen der Grossen Fasten und dadurch strahlt diese Zeit im Jubel der 50 Tage bis Pfingsten.

[1] Wenn man eine Reise antritt, informiert man sich, wohin es geht. Und die Fastenzeit kann mit einer Reise verglichen werden. Eine Reise mit dem Ostern der Auferstehung als Ziel. Sie ist die Vorbereitung auf die Erfüllung des Pas´cha, der wirklichen Offenbarung.
Wir sollten also zu Beginn diese Verbindung zwischen der Fastenzeit und Ostern zu verstehen suchen; denn sie offenbart etwas für unseren Glauben und unser christliches Leben sehr Wesentliches und Entscheidendes. ...
Die wirkliche Offenbarung des Osterfestes der Auferstehung bringt uns das Neue Leben. In der Feier der Osternacht, die heller ist als der Tag, können wir singen: Heute ist alles mit Licht erfüllt, Himmel und Erde und die Totenwelt. Wir feiern den Tod des Todes, die Zerstörung des Hades (der trostlosen atheistischen Todesvorstellung) den Beginn des neuen und ewig währenden Lebens.
Diese Neue Leben wurde uns Christen am Tage unserer Taufe geschenkt, wie der heilige Apostel Paulus sagt, wir sind mit Christus ... in seinem Tode begraben worden, damit wir auch, so wie Christus von den Toten auferstanden ist, in einem Neuen Leben wandeln können(Röm 6:4)
...
Doch machen wir nicht die tagtägliche Erfahrung, dass dieser Glaube wohl kaum der unsere ist, dass wir immer wieder dieses neue Leben verlieren und verraten; - dass wir in Wirklichkeit so dahinleben, als wäre Christus nicht von den Toten auferstanden und als hätte dieses einzigartige Ereignis nicht die geringste Bedeutung für uns ?
Die alles, wegen unserer Schwäche, wegen unseres Unvermögens, ständig ein Leben in Glauben, Hoffnung und Liebe auf der Ebene zu führen, auf die uns Christus gehoben hat, als er sprach: "Suchet zunächst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit"
Wir vergessen es einfach - wir sind ja so beschäftigt und so in unsere Alltagsgeschäftigkeit verwickelt - und weil wir vergessen, versagen wir.
Und durch diese Vergessen, diese Versagen und diese Sünde wird unser Leben immer wieder alt - nichtssagend, verdunkelt, letztendlich bedeutungslos - es wird zu einer Reise bar jeden Sinnes, zu einem Ziel ohne Bedeutung. Wir unternehmen alles, um selbst den Tod zu vergessen, und dann tritt er doch ganz plötzlich mitten in unser ach so von Freuden erfülltes Leben: erschreckend, unentrinnbar, absurd. Wir mögen wohl von Zeit zu Zeit unsere vielfältigen Sünden erkennen und bekennen, wir unterlassen es aber, unser Leben auf das Neue Leben, das Christus uns geoffenbart und gegeben hat, außurichten. ...

Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir ermessen, was die Wirklichkeit von Ostern umfasst und warum sie die Fastenzeit erfordert und voraussetzt. Wir werden verstehen, dass die liturgischen Traditionen der Kirche, all ihre Festkreise und Dienste vor allem geschaffen wurden, um uns zu helfen, die Erfahrung und den Genuss dieses Neuen Lebens, das wir so leicht und immer wieder verlieren und verraten, wiederzürlangen. ...
...
Indes ist das alte Leben, das Leben der Sünde und der Unwesentlichkeit, nicht leicht zu besiegen und umzugestalten. Das Evangelium erwartet und fordert von dem Menschen eine Anstrengung, zu der er in seinem augenblicklichen Zustand seinem Wesen nach nicht fähig ist. Wir sehen uns von einer Vorstellung, von einem Ziel, einer Lebensweise herausgefordert, die gänzlich über unseren Möglichkeiten liegt !
Selbst die Apostel fragten ihren Meister entmutigt, als sie Seine Unterweisungen hörten: "Wie ist das möglich ?"
Es ist tatsächlich nicht einfach, eine kleinliche Lebensvorstellung, die sich auf den alltäglichen Sorgen, dem Streben nach materiellen Gütern, nach Sicherheit und Lustbarkeiten gründet, zugunsten einer Lebensvorstellung aufzugeben, deren ausschliessliches Ziel die Vollkommenheit ist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Diese Welt hingegen verkündet in all ihren "Medien": "Seid glücklich, macht es euch leicht, wählt den beQuemen Weg". Christus sagt jedoch im Evangelium: "Wählt den schmalen Pfad, kämpft und ertragt eure Leiden, denn das ist der Weg zu dem einzig wahren Glück"
Wie können wir ohne die Hilfe der Kirche diese erschreckende Entscheidung treffen ?
Wie können wir bereuen und umkehren zu dem ruhmreichen Versprechen, das uns jedes Jahr zu Ostern gegeben wird ?

An dieser Stelle erreicht uns die Fastenzeit. Sie ist die Hilfe, die uns die Kirche als Schule der Buße anbietet, die als einzige uns in die Lage versetzt, Ostern anzunehmen - nicht als bloße Erlaubnis zum Essen, Trinken und zum Nachlassen in unseren Bemühungen, sondern wahrlich als das Ende dessen, was in uns "alt" ist, sowie als unseren Eintritt in das "Neue".

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen (der neu zum Christentum Übergetretenen) auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Indessen als die Kirche nicht mehr nur Erwachsene taufte und die Einrichtung des Katechumenats wegfiel, blieb der grundlegende Sinn der Fastenzeit derselbe. Denn, obgleich wir getauft sind, ist das, was wir ständig verlieren und verraten, genau das was wir in der Taufe empfangen haben.
Deshalb ist Ostern unsere jährliche Rückkehr zu unserer eigenen Taufe, während die Fastenzeit unsere Vorbereitung auf diese Rückkehr ist, das langwährende und ausdaürnde Bemühen, um schliesslich unseren eigenen "Hinübergang" oder "Pas´cha" in das Neue Leben in Christus zu vollziehen. Und wenn, wie wir sehen werden, die Gottesdienste in der Fastenzeit noch heute ihre glaubensunterweisenden und auf die Taufe vorbereitenden Charakter haben, so stellt das für uns nicht etwa ein "archäologisches" Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern etwas Gültiges und Wesentliches dar. Denn jedes Jahr lassen uns die Fastenzeit und das Ostern der Auferstehung einmal mehr das wiederentdecken und wiedergewinnen, zu dem wir durch den in unserer eigenen Taufe vollzogenen Tod und die durch sie bewirkte Auferstehung geworden sind.

Wie beginnen eine Reise, eine Pilgerfahrt !
Und wenn wir sie antreten, wenn wir diesen ersten Schritt in diese "glanzausstrahlende Reue" der Fastenzeit tun, sehen wir - in weiter, weiter Ferne - den Zielpunkt.
Es ist die Freude vor dem Fest des Osterns der Auferstehung, der Einzug in die Herrlichkeit des Reiches des Herrn.
Es ist dieses geistliche Schaün, dieses Vor-Kosten des Festes der Auferstehung, welches die reuevolle Traurigkeit der Fasten in helles Licht hüllt und unser Fastenmühen zu einem "geistlichen Frühling" werden lässt. Die Nacht kann finster und lang sein, aber während des gesamten Weges scheint eine nicht erklärbare und strahlende Dämmerung den Horizont zu erhellen.
" Schenke uns die Früchte des Fastens und die Fülle unserer Erwartungen, Du Menschenliebender ! "

Der Umkehr öffne die Pforten,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 


[1] Erzpriester ALEXANDER Schmeman (einer der wirksamsten orthodoxen Theologen aus der russischen Tradition des 20.Jahrhunderts und vertraut mit der geistlichen Krise des Westens, wirkte er kurz in Paris und dann in den USA, wo er 1983 als hochgeehrter Professor des Akademischen Orthodoxen Instituts des Heiligen Wladimir starb):
THE LENTEN SPRING (DER FRÜHLING DES FASTENS) St.Vladimir´s Seminary Press, Crestwood, New York 1969

O S T E R Z E I T

LAZARUS - Samstag

SONNTAG des Einzugs in Jerusalem (So. der Palmen, der Blumen)

HOHE  Woche

HOHER  Donnerstag

HOHER  Freitag

HOHER  Samstag

STRAHLENDE  AUFERSTEHUNG  -  PAS 'CHA  -  FEST der FESTE

 

Sonntage und Feste im Licht der Auferstehung


 

 

LAZARUS - SAMSTAG



Lesung:
Hebr 12: 28 - 13: 8

EVANGELIUM:
Joh 11: 1 - 45


Um schon vor Deinem Leiden
die gemeinsame Auferstehung zu bezeugen,
hast Du Lazarus von den Toten auferweckt,
Christos Gott.

Darum tragen auch wir, wie damals die Kinder,
die Zeichen des Sieges
und rufen Dir zu,

dem Besieger des Todes:
" Hosanna in den Höhen !
Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn ! "

Kirche Hl.Erzengel MICHAIL, Ossenowo(Bansko) Dimitar Molerow, Bulgarien, 19.Jhdt





Der Lazarus-Samstag ist ein Festtag, der mit dem nachfolgenden Herrentag der Palmen durch österliche Freude und gemeinsame Troparien verbunden ist. Die Auferweckung des Lazarus stellt für uns Gläubige eine Vorabbildung der Auferstehung Christi und aller Toten dar. Denn man kann die Passion Christi nur recht verstehen, wenn man ihren Ausgang, die Auferstehung, im Blick hat. Daher wird nun unmittelbar vor der Hohen und Heiligen Woche ein österliches Freudenfest gefeiert, indem wir Christos als den Besieger des Todes vergegenwärtigt schauen dürfen.

Das Tris-Hagion ist durch den Taufhymnus ersetzt, indem auch wir alle einbezogen sind:

" Alle, die ihr in Christos getauft seid,
habt Christos angezogen,
Alleluja ! "


Die Apostellesung klingt aus in die ewige Wahrheit:

" Jesus Christos ist derselbe,
gestern, heute und in die Äonen ! "




Genau gesagt endet die Fastenzeit an dem Freitag, der auf den fünften Fasten-Sonntag folgt. Der Zeitraum der vierzig Tage ist dann vorbei. Die Passionszeit dauert vom Ende der Fastenzeit bis zum Fest der Auferstehung. Sie umfasst daher den Samstag, der auf den fünften Fasten-Sonntag folgt, der auch ‚Lazarus-Samstag’ genannt wird und die ersten sechs Tage der Großen Woche.

Der Lazarus-Samstag hat einen ganz besonderen Platz im liturgischen Kalender. Er gehört nicht zu den vierzig Tagen der Fasten und auch nicht zu den Leidenstagen von Montag bis Freitag der Großen Woche. Mit dem Palm-Sonntag verkörpert er ein kurzes und frohes Vorspiel zu den folgenden Tagen der Trauer. Mit dem Palm-Sonntag verbindet ihn der Ort des Geschehens: Bethanien ist der Ort der Auferweckung des Lazarus und das ist auch der Ausgangspunkt für den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Auferweckung des Lazarus, ist auf geheimnisvolle Weise mit der Auferstehung Christi selbst verbunden; in Beziehung zu diesem Ereignis ist sie wie eine erfüllte Prophezeiung. Man kann sagen, dass an der Schwelle des Osterfestes der auferweckte Lazarus uns als der Vorläufer des über den Tod triumphierenden Jesus Christus gezeigt wird, wie in gleicher Weise an der Schwelle von Epiphanie der taufende Johannes der Vorläufer des zu offenbarenden Messias war. Aber neben dieser hauptsächlichen Bedeutung der Beziehung zur Auferstehung Christi, hat die Auferweckung des Lazarus noch andere Aspekte, über die nachzudenken nützlich ist.

Die Lesung während der Göttlichen Liturgie (Hebr 12,28-13.8) hat keinen direkten Bezug auf die Auferweckung des Lazarus. Trotzdem, einer der Verse "Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib" könnte - in spiritueller Auslegung - das Mitleid Jesu mit Lazarus zeigen. Die Epistel enthält verschiedene moralische Konzepte: die Bruderliebe soll bleiben; die Gastfreundschaft darf nicht vergessen werden; die Ehe soll in Ehren gehalten werden; den Vorstehern soll gefolgt werden. Wer versucht ist, über diese ethischen Empfehlungen leicht hinweg zu gehen, sie zwar grundsätzlich für wichtig zu halten, aber doch für recht banal, der sollte die drei Verse aufmerksam lesen, die diese ethischen Empfehlungen strukturieren. Den einen am Anfang, den in der Mitte und den anderen am Schluss. "Unser Gott ist verzehrendes Feuer ... denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht ... Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit". Denn die größten spirituellen Wahrheiten können nicht isoliert von den ganz einfachen praktischen Geboten gesehen werden, die sozusagen ihre kleine Münze sind.

Das Evangelium (Joh 11,1-45) gibt uns einen Bericht von der Auferweckung des Lazarus. Die Auslegung dieses Ereignisses durch die Kirche ist in den Gesängen des Orthros enthalten. Hören wir ihnen zu: "Als Du wolltest bezeugen.... o mein Retter, die Wahrheit Deiner glorreichen Auferstehung, erlöstest Du vom Hades den Lazarus ..." Hier finden wir die hauptsächliche Bedeutung der Auferweckung des Lazarus. Es war, wie das Troparion es ausdrückt: Vorahnung, ‚Zeugnis der Wahrheit’ der Auferstehung Christi, ein vorläufiger Beweis für die Macht Jesu über den Tod.. "Durch Lazarus, o Tod, hat Christus deine Gefangenen befreit ... vor Deinem Tod hast Du die Macht des Todes erschüttert." Die Kirche zieht eine Verbindung zwischen diesem Sieg Christi über den Tod und dem triumphalen Einzug in Jerusalem, der am nächsten Tag gefeiert wird: "O Tod, wo ist dein Sieg? ... Wir bringen Ihm die Palmzweige des jubelnden Sieges ... Drum tragen wir auch wie die Kinder die Zeichen des Sieges und jubeln Dir zu, des Todes Besieger".

In zweiter Linie kündigt die Auferweckung des Lazarus die Auferstehung der Toten an, die eine Folge der Auferstehung Jesu ist: "Die Auferstehung aller vor Deinem Leiden verbürgend, wecktest Du Lazarus von den Toten auf ... indem Du, der Spender des Lebens, in ihm die Auferstehung der Welt gleichsam verbürgtest ... Deine Auferstehung, Wort, in Wahrheit uns verbürgend, hast wie aus dem Schlafe Du den toten Freund ... erweckt".

Der Lazarus-Samstag ist in gewisser Weise das Fest aller Toten. Es gibt uns die Gelegenheit unseren Glauben an die Auferstehung zu bezeugen und genauer zu fassen. Als unser Herr Martha wegen ihres Zweifels sanft zurechtwies, gab Er uns eine wertvolle Lehre über unsere eigenen Toten, denn als Er zu ihr sagte: "Dein Bruder wird auferstehen", antwortete sie: "Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag" und Jesus sagte darauf: "Ich bin die Auferstehung". Marthas Glaube war in zweifacher Weise ungenügend: sie dachte an die Auferstehung ihres Bruders als etwas Zukünftiges und dann konnte sie sich diese Auferstehung nicht anders vorstellen als in Bezug auf eine Art allgemeinem Gesetz. Aber Jesus deutet an, dass die Auferstehung eine Tatsache der Gegenwart ist, denn Er Selbst ist (und verursacht nicht) die Auferstehung und das Leben. Unsere Toten leben durch und in Christus. Ihr Leben ist eng verbunden mit der persönlichen Gegenwart Jesu und verwirklicht sich in ihr. Wenn wir uns im Geiste mit einem lieben Toten zu vereinen trachten, sollten wir nicht versuchen ihn in unserer Phantasie wieder zu beleben, sondern uns mit Jesus in Verbindung zu setzen, in Jesus werden wir ihn finden.

Zum dritten ist die Auferweckung des Lazarus eine wundervolle Erläuterung des christlichen Dogmas. Sie zeigt uns, in der Person Jesu, dass menschliche und göttliche Natur vereint sind – ohne Vermischung: "Du, der Menschen Auferstehung und Leben, Christus, tratest zu des Lazarus Grab, uns Deine beiden Naturen verbürgend ..." Denn einerseits kann in Jesus die menschliche Natur ihren Gefühlen nachgeben und um den Verlust eines Freundes weinen: "Jesus weinte. Da sagten die Juden, Seht wie Er ihn liebte!" Andererseits kann die göttliche Natur in Jesus dem Tod befehlen: "Er rief mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus ..."

Schließlich gibt die Auferweckung des Lazarus dem Sünder die Hoffnung, dass er, obwohl spirituell tot, wieder zum Leben kommen kann: "Wie Du Lazarus mit göttlichem Worte, Christus, erweckt, so wecke auch mich, ich bitte Dich, auf, der an vielen Sünden gestorben." Manchmal scheint eine solch geistliche Auferweckung so unmöglich, wie die des Lazarus: "Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag." Denn alles ist Jesus möglich – die Bekehrung des schlimmsten Sünders wie die Auferweckung der Toten: "Nehmt den Stein weg!"

Das also können wir an diesem Samstag lernen, wenn wir nach Bethanien gehen zum Grab des Lazarus. Wir wollen Jesus in Bethanien begegnen und mit ihm und ihm nahe die Große Woche beginnen. Jesus lädt uns dorthin ein und wartet auf uns. "Martha rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen." Und Maria "als sie das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm." Der Herr ruft mich. Er will bei mir bleiben und mich die ganzen Tage Seines Leidens nicht verlassen. An diesen Tagen will Er sich mir neu und überwältigend offenbaren – dem, der vielleicht "schon riecht".

Herr, ich komme.




Aus: The Year of Grace, A Monk of the Eastern Church, A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church, Crestwood N.Y. 1992, p125f.
Übersetzt durch *St. Andreas Bote*



 

SONNTAG der PALMEN

(der Palmzweige und der Blumen)

Lesung: Phil 4: 4 - 9 - EVANGELIUM: Joh 12: 1 - 18


Auf dem Throne im Himmel,
auf dem Eselsfüllen auf Erden,
hast Du, Christos Gott,
den Lobpreis der Engel
und den Gesang der Kinder angenommen,

so singen auch wir und rufen Dir zu:

in der Materie verbunden mit Dir durch die Taufe,

Christos unser Gott,

sind wir des unsterblichen Lebens gewürdigt
durch Deine Auferstehung:

Zeitgen.Russ.Festtagsikone von Antonina Ganina

" Hosanna in den Höhen ! - Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn ! "

Der Palmsonntag setzt den Jubel der Auferweckung des Lazarus im Empfang des Herrn in Seiner Stadt fort: ein Freudenfest das Christos mit uns verbindet. Als äusserliche Zeichen werden die grünen und blühenden Zweige der Gläubigen gesegnet und mit brennenden Kerzen in der Prozession getragen. Und wir singen:

" Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn !
der Herr ist Gott und ist uns erschienen ! "


Die Apostellesung stimmt uns ein in die Freude:

" Brüder freuet euch im Herrn alle Zeit,
wiederum sage ich
freuet euch ! "

 


 

 

PARADIES - Sünde - Umkehr - Buße - AUFERSTEHUNG

Gott und Adam geben den Tieren Namen, Geburtskirche Arbanassi, Bulgarien, 17.Jhdt Zeitgen.Russ.Kreuz von Nikolai Schelechow Zeitgen.Russ.Ikone von Antonina Ganina

Bedenke die Stunde des Endes, o Seele,
und fürchte das Fällen des Feigenbaumes;
arbeite fleissig mit den dir gegebenen Talenten, o du Schwache,
wache und rufe:
lasset uns nicht aus dem Brautgemach Christi ausgeschlossen bleiben !


Herr und Gebieter meines Lebens,
überlasse mich nicht dem Geist der Trägheit, des Kleinmuts, der Herrschsucht und der Schwatzhaftigkeit.


Schenke mir, deinem Gläubigen, hingegen
den Geist der Weisheit, der Demut, der Geduld und der Liebe.


Ja, mein Herr und König, lass mich sehen meine Fehler
und nicht richten meinen Nächsten,
denn Du bist gesegnet in alle Ewigkeit !

In den ersten Tagen der Hohen und Heiligen Woche in der wir Gläubigen uns auf die Feiern der Höhepunkte unserer Erlösung vorbereiten, laden wir zu einer Betrachtung ein, in der eine orthodoxe Monialin aus orthodoxer Sicht das Ostermysterium in den Kontext der Heilsgeschichte der Menschheit sowie des einzelnen Menschen zum Nachfühlen aufbereitet hat.

 

 

 

Die Große Woche

Fr. George Dion. Dragas

 

Der Große Mittwoch

ist gewidmet, wie es im Synaxarion steht, dem Gedenken an die Sünderin, die bereute und die Füße des Herrn kurz vor Seinem Leiden mit wohlriechendem Öl salbte. Fast alle Hymnen dieses Tages beziehen sich auf diese Frau. Die bekannteste davon ist wohl das sog. Troparion der Kassiani, das auch durch seine erste Zeile bekannt ist,
 „Herr, die Frau, die in viele Sünden gefallen ...“ und das als Doxastikon für die Aposticha im Orthros und die Stichera in der Vesper gesungen wird. Es scheint da einige Verwirrung über die Identität dieser Frau zu geben. Die Erzählungen der Evangelien von Matthäus, Markus und Johannes (Mt 26,6-16; Mk 14,3-11; Joh 12,1-8) reden von einer Maria, die die Schwester des Lazarus ist. Lukas aber bezieht sich auf eine ähnliche Salbung durch eine Sünderin, die zu einer anderen Gelegenheit vor Seinem Leiden (Lk 7,36-50) geschah. Es scheint, dass der Gegensatz zwischen der reuigen Sünderin und dem störrischen Eiferer Judas der Lehrabsicht der Kirche mehr dient, und darum gedenkt die Tradition dieser Salbung an diesem Tag. Das Thema der Salbung des Leibes Christi findet sich auch in der Feier des Sakraments der Heiligen Ölung, die an diesem Tag nach dem Apodeipnon (Komplet) für die seelische und leibliche Gesundung der Gläubigen stattfindet.

 

Der Große Donnerstag

ist reich an festlichen Themen, denn er gedenkt gleich vier Geschehnissen, die sich ursprünglich alle am Abend dieses Tages ereigneten.
1. Die Fußwaschung, d.h. der Herr wusch die Füße Seiner Jünger,
2. das Letzte Abendmahl, d.h. die Einsetzung des Sakraments der Heiligen Eucharistie durch den Herrn,
3. das Gebet auf dem Ölberg, das der Herr in Todesangst vor Seiner Gefangennahme in Gethsemane betete, und
4. der Verrat des Judas  (nicht sein Handel mit den Hohenpriestern, sondern die Ausführung seines Verrats).

In den ersten Jahrhunderten wurde die Göttlichen Liturgie an diesem Tag nach einem gewöhnlichen Abendessen in Erinnerung an das „Letzte Abendmahl im Raum im Obergeschoß“ gefeiert. Dieser Brauch wurde schließlich durch das Trullanum (ökum. Konzil von Konstantinopel im Jahre 692) durch den Kanon 29 verboten.
An diesem Tag wusch auch der byzantinische Kaiser in einer besonderen Zeremonie die Füße von zwölf armen Leuten im Gedenken an die Fußwaschung der Jünger durch den Herrn. Dieser Brauch ist noch in Patmos und Jerusalem und anderen Klöstern erhalten geblieben, wenn der Abt die Füße seiner Mönchsbrüder wäscht.

Schließlich wurde es in Konstantinopel üblich und wird bis heute in allen autokephalen Kirchen praktiziert, dass an diesem Tag von Zeit zu Zeit die besondere Zeremonie der Weihe des Heiligen Myron gefeiert wird, das im Sakrament des Chrisma (Taufe, Firmung) gebraucht wird.

Am Abend des Großen Donnerstags wird nach der liturgischen Praxis der Orthros des Großen Freitags gesungen. Bei dieser Gelegenheit werden die „Zwölf Evangelien“ (Τα δόδεκα ἐυαγγέλια) feierlich vorgetragen, die die Geschehnisseaus dem irdischen Leben unseres Herrn vom Ende des Abendmahls bis zum Zeitpunkt des Begräbnisses und der Versiegelung des Grabes wiedergeben.
Nach dem fünften Evangelium verkündet der Priester die Kreuzigung, indem er die Verse „Heute hängt am Kreuz ...“ intoniert und eine Prozession mit dem Kreuz vom Altar zur Mitte des Kirchenschiffs führt.
Der Priester stellt das Kreuz vor die Schönen Türen und die Gläubigen kommen und verehren es.

 

Der Große Freitag

ist ohne Frage der heiligste und verehrungswürdigste Tag der Großen und Heiligen Woche, denn er gedenkt des erlösenden Leidens unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Am Morgen des Großen Freitags werden die Großen Stunden gesungen, wo Lesungen aus den messianischen Psalmen, den Propheten, den Apostelbriefen und den Evangelien vorgetragen werden, wie auch Perikopen eines jeden Evangelisten, welche sich auf die Passion des Herrn beziehen. Durch diese Lesungen und die Hymnen dazwischen wird das ganze Erlösungswerk des Herrn beredt vergegenwärtigt und die Christen angeregt über die tiefe Bedeutung nachzudenken.

In der Vesper, die sofort nach den ‚Großen Stunden’, etwa zur Mittagszeit, gesungen wird, überlebt noch ein anderer Brauch. Es die Darstellung der feierlichen Abnahme des Leibes des Herrn vom Kreuz durch den Hl. Josef von Arimathea. Die Kreuzabnahme findet statt kurz vor dem Ende der Lesung aus dem Evangelium für die Vesper. Der Priester nimmt die Darstellung des Leibes Christi vom Kreuz ab, wickelt sie in weißes Tuch und trägt sie in den Altarraum, wo er sie auf den Altar legt. Am Schluss der Vesper wird eine mit Goldfäden ausgeführte Stickerei, die den toten Leib des Herrn darstellt, genannt Epitaphios, in feierlicher Prozession durch den Priester aus dem Altarraum in die Mitte der Kirche getragen und auf einen Traghimmel gelegt, der das Heilige Grab darstellt und mit Blumen geschmückt ist.
Dies erinnert an das Begräbnis des Leibes Christi, das für die Sünden der Welt stattgefunden hat. Dadurch werden die Christen an die Tatsache erinnert, dass sie mit Christus begraben wurden, dass sie aber auch mit Ihm auferstehen können zum ewigen Leben in Herrlichkeit.

Am Abend wird der Orthros gesungen, der des Begräbnisses des Leibes des Herrn gedenkt. Mitten in ihm erklingen die „Klagelieder“, die vielleicht bekanntesten und rührendsten Gesänge der Orthodoxie, die vor dem Heiligen Grab gesungen werden. Später, während die letzten Verse der Großen Doxologie ertönen, zieht in feierlicher Prozession alles Volk hinter dem Epitaphios um die Kirche. Schon in diesem Gottesdienst beginnt die Freude der Auferstehung durchzuschimmern, da die vielen Hymnen des Großen Samstags Auferstehungscharakter besitzen. Das ist besonders der Fall in der prophetischen Lesung am Ende des Gottesdienstes, die vom Geschenk der Auferstehung spricht (Ez 37,1-14).

 

Der Große Samstag gedenkt sowohl des Begräbnisses des Leibes Christi als auch Seines Abstiegs in den Hades, wobei der Tod zerstört wurde (die Erste Auferstehung). Die Feier von Vesper und Liturgie Baseilios’ des Großen am Morgen des Großen Samstags ist geprägt von der freudigen Feierlichkeit der Auferstehung. Der Psalm 81,8 „Steh auf, Gott, richte die Erde! Denn Du erbst aus allen Völkern“ ertönt als ein Ruf der Auferstehung in dieser Feier, wenn die Priester dabei als Siegeszeichen Lorbeerblätter im Kirchenschiff über die Gläubigen werfen.

So endet die Große Woche und die Feier des Kreuzespas’cha (Πάσχα Σταυρόσιμον), damit das Auferstehungspas’cha (Πάσχα Aναστάσιμον) beginnen kann.
Das Kreuzespas’cha und das Auferstehungspas’cha sind nicht zwei, sondern eines, als das eine nicht ohne das andere bestehen kann. Beide zusammen bilden das christliche Pas’cha, da der Herr gekreuzigt wurde für die Sünden der Welt und wieder auferstand für die Rechtfertigung der Menschheit.

www.saintjohnthebaptist.org/articles/Pascha2004/htm Übersetzung: G. Wolf



Wir laden ein auf die Web-Seite eines evangelischen Religionspädagogen, der alles weitere auf seiner Web-Seite hervorragend rezipiert hat:

Vorbereitung auf das Ostermysterium


 

HEILIGER und HOHER DONNERSTAG
 

Als die gotterfuellten Juenger
durch die Waschung beim Mahle erleuchtet wurden,
ward Judas durch die Krankheit der Geldgier verfinstert,
und ueberlieferte Dich,
den gerechten Richter an die gesetzlosen Richter.
Siehe, diesen Freund des Geldes,
der um des Geldes willen dem Strick verfiel !
Fliehe die Unersaettlichkeit bis in die Seele,
die solche Dreistigkeit gegen den Meister sich erlaubt.
Allguetiger Herr,
Ehre sei Dir !

Mystisches Abendmahl / Simon Ushakov 1685

Der Hohe Donnerstag fuehrt uns in einer Folge zum Hohen Freitag, von der Heiligen Fusswaschung zum Heiligen Mahl der Mysterien des Herrn und letztlich zum Gebet in Gethsemane und zum Verrat durch Judas und die Ueberlieferung.
In der Nachtwache bis zum fruehen Freitagmorgen werden die 12 Leidensevangelien gelesen.


L E S U N G E N:


- Morgengottesdienst -

Lk 22: 1-39



- 1. Stunde -

Jer 11: 18, 12: 5, 9-11, 14-15



- Abendgottesdienst -

Ex 19: 10-19
Hiob 38: 1-23, 42: 1-5
Jes 50: 4-11



- Liturgie unseres Hl. Vaters BASILIUS -

I. Kor 11: 23-32
Mt 26: 1-20, Joh 13: 3-17
Mt 26: 21-39, Lk 22: 43-45
Mt 26: 40 - 27: 2





Als Teilnehmer am Mahl Deines Mysteriums,
Sohn Gottes, nimm heute mich auf.
Deinen Feinden will ich das Mysterium nicht verraten,
noch Dir einen Kuss geben wie Judas.
Vielmehr will ich mit dem Raeuber bekennen:
" Gedenke meiner, o Herr, in Deinem Reiche !"
+++

Das Brot in den Haenden
streckte der Verraeter diese heimlich aus
und empfing den Lohn fuer den Verrat des Bildners,
der mit liebenden Haenden den Menschen gemacht.
Und unverbesserlich blieb Judas,
der Sklave des Geldes und betruegerische Moerder.

+++

In Ehrfurcht lasset uns alle
dem Tisch der heiligen Mysterien uns nahen,
mit reinen Seelen das Brot zu empfangen,
und zu bleiben beim Meister.
Damit wir schauen
wie Er Selbst die Fuesse waescht seinen Juengern,
und handeln nach dem, was wir gesehen.
Auf dass auch wir uns gegenseitig unterordnen
und einander die Fuesse waschen.
Denn so hat es Christus befohlen Seinen Juengern.
Aber nicht hoerte darauf Judas,
der Sklave des Geldes und betruegerische Moerder !

+++

Wegen der Auferweckung des Lazarus, o Herr, riefen Dir die Kinder der Hebraeer das "Hosanna" zu,
Menschenliebender !
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

Bei Deinem Abendmahle, Christus Gott, sagtest Du deinen Juengern voraus:
Einer von euch wird Mich verraten. -
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

Als Johannes fragte: O Herr, wer ist es, der Dich verraet ?
Da hast Du diesen durch das Brot zu erkennen gegeben. -
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

Fuer dreissig Silberlinge, o Herr,
und nach einem arglistigen Kuss suchte Dein Volk Dich zu toeten. -
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

Bei der Fusswaschung, Christus, Gott,
gebotest Du Deinen Juengern: Tut so, wie ihr es sehet. -
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

Wachet und betet,
auf dass ihr nicht in Versuchung fallet,
so sprachst Du, Christus, Gott, zu Deinen Juengern. -
Doch der gesetzlose Judas wollte es nicht begreifen.

+++

Judas, der Gesetzlose, o Herr,
der beim Mahl die Hand mit Dir in die Schuessel tauchte,
streckte frevelhaft die Haende aus, Geld zu empfangen,
und der den Preis des Myron einschaetzte,
schreckte nicht davor zurueck,
Dich, den Unschaetzbaren, zu verkaufen.
Der die Fuesse entbloesste, dass der Herr sie ihm wasche,
kuesste den Gebieter betruegerisch,
um ihn zu verraten an die Gesetzlosen.
Der dem Chor der Apostel zugezaehlt war
und die dreissig Silberlinge zaehlte.
Er sah Deine Auferstehung nicht.
Durch diese erbarme Dich unser !

+++

Judas war wirklich ein Nachfahre von denen,
die das Manna in der Wueste assen
und doch murrten gegen ihren Ernaehrer.
Als noch die Speise in ihrem Munde war,
verleumdeten die Undankbaren ihren Gott.
Judas, dieser Gottlose aber, das himmlische Brot im Munde,
setzte gegen den Erloeser den Verrat ins Werk.
O der unersaettlichen Begierde,
O der unmenschlichen Dreistigkeit !
Den Ernaehrer bringt er ins Verderben.
Der, den der Herr liebt,
uebergiebt Ihn dem Tod.
Wahrhaft der Nachfahre jener Gesetzlosen war er.
Mit diesen erhielt er als Los das Verderben.
" Du aber, Herr,
erloese unsere Seelen von solcher Unmenschlichkeit,
Du an Langmut ganz Unvergleichlicher !"

+++
Es versammelt sich schon der Hohe Rat,
den Bildner und Schoepfer des Alls
an Pilatus zu ueberliefern.
O die Gesetzlosen ! O die Glaubenslosen !
Sie wollen vor Gericht bringen den,
der kommt, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Sie bereiten zum Leiden den,
der die Leiden heilt.
Langmuetiger Herr, gross ist Dein Erbarmen,
Ehre Dir !

+++

Das von Jesaja verkuendete Lamm
begab sich freiwillig zur Schlachtbank.
Er bot dar den Ruecken den Geisselhieben
die Schultern den Wunden.
Sein Antlitz wandte Er nicht ab
vor der Schande des Bespeiens.
Zum schimpflichen Tod wird Er verurteilt.
Alles nimmt der Suendlose willig auf Sich,
um allen zu schenken die Auferstehung von den Toten.




Judaskuss  /Fresko-Ikone aus Ochrid, 1259





 

 

HEILIGER und HOHER FREITAG

Heiliges Kreuz  / Ikone von Nikolai SCHELECHOW

Heute haengt am Kreuz,
der die Erde in Wassern haengen laesst.

Mit einem Kranz aus Dornen wird umwunden
der Koenig der Engel.

Zum Spott wird mit Purpur umhuellt,
der die Himmel umkleidet mit Wolken.

Schlaege erhaelt,
der im Jordan den Adam befreite.

Mit Naegeln wird angeheftet
der Braeutigam der Kirche.

Mit einer Lanze wird durchbohrt
der Sohn der Jungfrau.

Wir verehren Deine Leiden, o Christus.
Wir verehren Deine Leiden, o Christus.
Wir verehren Deine Leiden, o Christus.

Zeige uns auch Deine herrliche Auferstehung !

Heiser: Die Gottesmutter unter dem Kreuz




Der Hohe Freitag wird in der Orthodoxie ohne Liturgie begangen. Schon am Donnerstag beginnt der Vorabend mit den 12 Leidensevangelium zur Nachtwache. Feierliches, oeffentliches Stundengebet (Königsstunden) und Gebetsgottesdienste mit Psalmengesang, Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament wie Seligpreisungen fuehren bis zu den Vorbereitungsgebetsgottesdienst vor der Auferstehungsfeier in der Pas´cha-Nacht vom Hohen Samstag zum Ostertag.

Zu unserem Heil weist uns die Orthodoxie auch durch den schraegen Balken des orthodoxen Kreuzes auf die Barmherzigkeit Gottes hin, der auch einem Raeuber noch die Reue in letzter Stunde heilsbringend belohnt. Immerhin wissen wir aus Seinem goettlichen Munde ganz sicher,
dass ein Raeuber mit Ihm in Seinem Reiche ist.

Die Verehrung des Heiligen Kreuzes geschieht im selben Dienst wie die Leidensevangelien, bei der Vesper findet die feierliche Grablegung in der Mitte des Kirchenschiffes statt.

Wir erleben die Gegenwaertigsetzung des Geschehens des Heiligen und Hohen Ruesttags, des heiligen und heilbringenden und entsetzlichen Leidens unseres Herrn und Gottes und Erloesers Jesus Christus, das Er um unseretwillen freiwillig auf Sich nahm: das Anspeien, die Stockschlaege, die Misshandlungen, die Beleidigungen, den Spott, den Purpurmantel, das Rohr, den Schwamm, den Essig, die Naegel, den Speer und vor allem das Kreuz und den Tod.
Das alles geschah am Ruesttag, aber auch die Zusage des Heils am Kreuz an den einsichtigen Raeuber, der mit Ihm gekreuzigt wurde.
(Synaxarion)
In Deiner unfassbaren und unermesslichen Barmherzigkeit, Christus unser Gott, erloese uns. Amin.



L E S U N G E N:


in der Nachtwache am Vorabend:

- 12 Leidensevangelien -

Joh 13:31 - 18:1
Joh 18: 1 - 28
Mt 26: 57 - 75
Joh 18:28 - 19:16
Mt 27: 3 - 32
Mk 15: 16 - 32
Mt 27: 33 - 54
Lk 23: 32 - 49
Joh 19: 25 - 37
Mk 15: 43 - 47
Joh 19: 38 - 42
Mt 27: 62 - 66



- 1. Stunde -

Zach 11: 10-13
Gal 6: 14-18
Mt 27: 1-56



- 3. Stunde -

Jes 50: 4-11
Roem 5: 6-11
Mk 15: 16-41



- 6. Stunde -

Jes 52:13 - 54:1
Hebr 2: 11-18
Lk 23: 32-49



- 9. Stunde -

Jer 11: 18-23; 12: 1-5, 9-11, 14-15
Hebr 10: 19-31
Joh 18:28 - 19:37



- Abendgottesdienst -

Ex 33: 11-23
Hiob 42: 12-16
Jes 52:13 - 54:1

1 Kor 1:18 - 2:2
Mt 27: 1 - 38
Lk 23: 39 - 43
Mt 27: 39 - 54
Joh 19: 31 - 37
Mt 27: 55 - 61



Den Gesetzlosen, die Dich gefangen nahmen,
riefst Du geduldig also zu, Herr:
Wenn ihr auch den Hirten geschlagen und die 12 Schafe, Meine Juenger zerstreut habt,
so koennte Ich mehr als 12 legionen Engel herbeifuehren;
aber ich bin langmuetig,
damit das Verborgene und das Geheime erfuellt werden,
das ich euch durch Meine Propheten offenbart habe.
Herr, Ehre sei Dir !

+++

Heute hat Sein Volk den Herrn ans Kreuz geschlagen,
Ihn, Der das Meer mit dem Stabe geteilt und sie durch die Wueste gefuehrt hatte.
Heute haben sie mit der Lanze durchbohrt die Seite Dessen, Der ihretwegen Aegypten mit Plagen gegeisselt hat;
Galle haben sie zum Trank Dem gegeben, Der ihnen das Manna zur Nahrung regnen liess.

+++

Dies spricht der Herr zu Seinem Volk:
Mein Volk, was habe Ich dir getan ?
Oder wodurch habe Ich dich gekraenkt ?
Deinen Blinden schenke Ich das Licht,
deine Aussaetzigen machte Ich rein.
Den Mann auf dem Bette habe ich aufgerichtet !
Mein Volk, was habe Ich dir getan ?
Und wie vergaltest du es Mir ?
Fuer das Manna gabst du Mir Galle,
fuer das Wasser in der Wueste - Essig am Kreuz;
anstatt Mich zu lieben, habt ihr Mich ans Kreuz genagelt.
Laenger ertrage Ich es nicht mehr:
Rufen will ich Meine Voelker,
und jene werden Mich preisen mit dem Vater und dem Geiste,
und Ich werde ihnen das ewige Leben schenken.

+++
Du hast, Herr, den Raeuber als Weggenossen genommen,
der blutbefleckte Haende hatte,
zu ihm geselle auch uns !
Denn Du bist der Guetige und der Menschenliebende.

+++
Ein kleines Wort hat der Raeuber am Kreuze gesprochen,
er fand seinen grossen Glauben:
in einem Augenblick ward er errettet,
und als erster oeffnete er des Paradieses Pforte und trat hinein.
Der Du seine Reue annahmst,
Herr, Ehre sei Dir !

+++
Durch einen Baum ward Adam aus dem Paradiese verbannt.
Durch den Kreuzesbaum ging der Raeuber in das Paradies.
Denn der eine - Adam - hat durch die Frucht des Apfelbaums gegen das Gebot des Schoepfers verstossen,
der andere - der Raeuber - wurde mitgekreuzigt und bekannte Dich als den verborgenen Gott.
Gedenke auch unser, o Gott, in Deinem Reiche.

+++
Du wurdest um meinetwillen gekreuzigt,
um mir die Vergebung quellen zu lassen.
Deine Seite wurde durchbohrt,
damit Du mir Stroeme des Lebens sprudeln laesst.
Mit Naegeln wurdest Du angeheftet,
damit ich durch die Tiefe Deiner Leiden auf die Groesse Deiner Macht vertraue
und zu Dir rufe:
Lebensspender, Christus,
Ehre sei Deinem Kreuze, o Erloeser, und Deinem Leiden.

+++
Du hast uns losgekauft vom Fluch des Gesetzes
durch Dein kostbares Blut.
An das Kreuz genagelt und von der Lanze durchbohrt,
liessest Du den Menschen die Unsterblichkeit hervorquellen.
Unser Erloeser, Ehre sei Dir !

+++
Als Du, Christus, gekreuzigt wurdest,
ward die Gewaltherrschaft des Todes zerstoert
und die Macht des Feindes ueberwunden.
Denn weder ein Engel noch ein Mensch,
sondern Du Selbst hast uns erloest,
Herr, Ehre sei Dir !

+++
Inmitten der Erde hast Du die Erloesung erwirkt,
Christus, Gott.
Auf das Kreuz hast Du Deine allreinen Haende ausgebreitet,
indem Du alle Voelker versammelst, die da rufen:
Ehre sei Dir !


 

Die Gottesmutter unter dem Kreuz
aus dem Buch von Heiser, Lothar, "Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres", Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.)

Von den vielen Aspekten des Kreuzesmysteriums, die in den liturgischen Feiern am Karfreitag und Karsamstag von den Gemeinden singend meditiert werden, sollen in den beiden folgenden Abschnitten nur zwei Erwähnung finden: Das Stehen und Ausharren Marias unter dem Kreuz und die Marienklage.

Der Knoten des Ungehorsams der Eva fand seine Lösung durch den Gehorsam Marias. Was nämlich die Jungfrau Eva durch ihren Unglauben verworren hatte, das löste die Jungfrau Maria durch ihren Glauben. . . . War jene Gott ungehorsam, so gehorchte diese willig Gott, damit die Jungfrau Maria zur Fürsprecherin wurde für die Jungfrau Eva. Und wie das Menschengeschlecht durch eine Jungfrau in den Tod verstrickt worden ist, so wird es auch gerettet durch eine Jungfrau. Gleichmäßig wie auf einer Waage wurde der Ungehorsam der Jungfrau aufgewogen durch den Gehorsam der Jungfrau. Ferner wurde ja die Sünde des Erstgeschaffenen durch die Züchtigung des Erstgeborenen wiedergutgemacht und die List der Schlange besiegt durch die Einfalt der Taube. Aber auch jene Fesseln wurden gelöst, mit denen wir an den Tod verstrickt waren.
(Irenäus von Lyon, Widerlegung der Häresien, III, 22,4V,19,1)

In ihrem Glauben und in ihrem Gehorsam assistiert Maria, die neue Eva, dem neuen Adam, dem »Erstgeborenen der ganzen Schöpfung« (Kol 1,15), wenn er diese in seiner Ganzhingabe erneuert. Als Eva, die »Mutter des Lebens«, durch ihren Ungehorsam Adam, den Erstgeschaffenen, zum Nein gegen Gott aufstachelte, verstrickten sie ihre Kinder mit in den Tod der Gottferne. Wenn »der Erstgeborene aus den Toten« (Kol 1,18) sich anschickt, die Macht des Todes durch seinen Tod zu vernichten, steht die neue Eva in Glauben und Gehorsam ihm zur Seite, und er bestellt sie zur Mutter der Erlösten: »Frau, dies ist dein Sohn.... Dies ist deine Mutter« (Joh 19,26 f.).

Eva hatte den Fall Adams und der Menschheit mitverschuldet; Gott will die Erhebung der Menschheit durch den zweiten Adam nicht ohne deren Mitwirkung verwirklichen. Maria ist die Repräsentantin der Menschheit, die als »heiliger Same« aus dem verbliebenen Stumpf (Jes 6,13) ihr Ja zu Gott in die Totalhingabe Jesu an den Vater mit einfließen lässt. So wird sie die neue Mutter des Lebens und die Mutter der Jüngerschaft, die in Johannes unter dem Kreuz versammelt ist und das Kreuz aushält. (Die orthodoxe Kirche, die die von Augustinus geprägte Erbsündenlehre nicht übernommen hat, sieht in diesem Durchhalten das freie Mitwirken des Geschöpfes an der Erlösungstat seines Schöpfers.) In Maria steht die Jungfrau und Mutter Kirche unter dem Kreuz, und in Johannes sind die Söhne und Töchter dieser Kirche versinnbildet, als deren Bräutigam Christus sein Leben hingibt.

In seiner Kreuzesstunde formt sich Christus die neue Eva, die Kirche. Wie aus des ersten Adam Seite Eva gebildet wurde, so fließt aus der geöffneten Seite Christi jene Kraft, die die alte Menschheit reinigt in der Taufe und sie als erneuertes Volk Gottes nährt mit der Eucharistie. Vom Kreuz herab verströmt sich das Leben Christi aus seiner Herzenswunde auf das abgestorbene Leben der Menschheit und erfüllt sie mit göttlichem und unzerstörbaren Leben. Den Wein, den »der wahre Weinstock« (Joh 1,51) symbolhaft bei der Hochzeit zu Kana ausschenkte, wird hier »zum Wein des Heiles«, der in der Eucharistie stets aufs neue gereicht wird.

Die Kirche selbst sendet ihre heiligste Vertreterin und ihr würdigstes Glied unter das Kreuz Christi, damit sie sein Erbarmen für seine sündigen Jünger, ihre Kinder, erflehe und die Gaben der Erlösung, die er der Kirche aus seiner Seite zufließen lässt, entgegennehme.

Da wir unserer vielen Sünden wegen keine Zuversicht haben,
so flehe du, Gottesgebärerin und Jungfrau, zu Dem, Der aus dir geboren wurde.
Denn viel erreicht die Fürbitte der Mutter bei dem Wohlwollen des Gebieters.
Verachte nicht der Sünder Flehen, Allverehrte,
da doch erbarmensreich und voller Macht zu retten Der ist,
Der es auf sich nahm, für uns zu leiden.
(Theotokion der 8. Antiphon am Karfreitagmorgen)

Deine lebenspendende Seite, die sprudelte wie die Quelle in Eden,
tränkt Deine Kirche, Christus,
wie ein geistiges Paradies
und verteilt sich wie in der Urzeit in die vier Evangelien,
die Welt zu bewässern
und die Schöpfung zu erfreuen
und die Heiden zu unterweisen,
dass sie Deine Königsherrschaft anerkennen.

Gekreuzigt wardst Du meinetwegen,
um mir die Vergebung zufließen zu lassen.
Durchbohrt wurdest Du an der Seite,
um mir Ströme des Lebens sprudeln zu lassen.
Mit Nägeln wurdest Du angeheftet,
damit ich bei der Tiefe Deiner Leiden der Höhe Deiner Macht vertraue und zu Dir schreie:
Lebensspender, Christus,
Ehre Deinem Kreuz und, Retter, Deinem Leiden!

Deine Mutter,
Christus,
die im Fleisch ohne Samen Dich gebar,
die Jungfrau in Wahrheit ist und auch nach der Geburt unversehrt blieb,
sie stellen wir als Fürsprecherin vor Dich hin,
Gebieter, Erbarmungsreicher,
der Verfehlungen Vergebung stets denen zu gewähren,
die zu Dir schreien:
Gedenke unser, Retter, in Deinem Reiche!
(Stichera zu den Seligpreisungen am Karfreitagmorgen)

Diese in Hymnen vorgetragenen Gedanken haben auch den Schöpfer des Kreuzigungsbildes inspiriert. Das Sterben Christi wird in seinem kosmischen und ekklesiologischen Bezug gesehen. Die Kirche des Himmels und der Erde hat sich in ihren Vertretern um ihren sterbenden Herrn versammelt. In Entsetzen und Trauer vor dem Mysterium, dass der Schöpfer der Welt von seinen Geschöpfen durch die Hinrichtung am Kreuz vernichtet werden soll, verhüllen die Engel ihr Angesicht. Ratlosigkeit hat den Jünger erfasst, der sein Haupt mit der Hand stützt, aber in Treue unter dem Kreuz durchhält. Fragend und wie in stummer Zwiesprache schaut Maria ins sterbende Antlitz ihres Sohnes; aus seiner geöffneten Seite lässt er ihr die beiden Ströme von Wasser und Blut entgegenquellen, damit sie sie als Kirche in dem reinigenden und erneuernden Sakrament der Taufe und im nährenden und erhaltenden Sakrament der Eucharistie weiterfließen lasse an alle, für die er sich in seiner Liebe verschenkt hat. »Es gibt keine größere Liebe als die, wenn einer sein Leben gibt für seine Freunde« (Joh 15,13).

Heiser, Lothar, Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres, Tyciak, Julius † und Nyssen, Wilhelm † (Hsgb.), Sophia, Quellen östlicher Theologie, Bd. 20, Trier 1981, S. 271 hier aus St.Andreas Bote


Das KREUZ auf dem Weg zur AUFERSTEHUNG

Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2014

Nachdem wir die Auferstehung Christi geschaut haben,
lasset uns anbeten den heiligen Herrn Jesus, den allein Sündlosen.
Vor Deinem Kreuz fallen wir nieder, Christus, und preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung.

Архиепископ Марк

Auf dem Weg zu Ostern begleitet uns das Kreuz ständig, genau so wie es uns vom Moment unserer Taufe bis zum Ausgang aus diesem Leben begleitet. Oder wisset ihr nicht,
daß wir, so viele auf Christum Jesum getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind?...
Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein
(Röm
6, 3 u. 5).


Ohne das Kreuz gibt es keine Auferstehung.
So haben wir uns dem Kreuz auf halbem Weg zum Osterfest am Kreuzverneigungssonntag verneigt, ebenso war das Kreuz in unseren Gedanken und Gefühlen am Großen Freitag gegenwärtig, als wir Bespeiungen und Geißelung und Backenstreiche und Kreuz und Tod erinnerten, die der Herr um unserer Rettung willen erduldete.

Einstmals galt das Kreuz als Waffe des Todes und Symbol der Schande und Erniedrigung, des Verworfenseins ??? und der Hilflosigkeit ???. Gleichsam Zeichen der völligen Ohnmacht des Menschen vor dem Bösen dieser Welt. Vor dem Hintergrund und auf der Grundlage der gottmenschlichen Tat des Heilands und Seiner lichten Auferstehung jedoch fürchten wir Christen weder Schimpf noch Schande, denn wir schämen uns nicht. Wissen wir doch: auf dem Kreuz wurde der Lebensspender ausgestreckt – das Leben Selbst. Auf dieser Waffe des Todes nahm der Gottessohn Leiden und Tod auf Sich, Der um unserer Rettung willen Leib angenommen und Sich in unseren vergänglichen Körper gekleidet hatte. Auf diesem Instrument der Folter besiegte Er Verweslichkeit und Tod als Folgen der Sünde und der Verfluchung der Menschheit. Hier zeigte Er die Ihm Allein eigene unbesiegbare und unbegreifbare Göttliche Kraft, hier leuchtete Sein Sieg auf. Von hier aus erleuchtet und erfüllt Sein Licht das ganze Weltall.

Auf dem Kreuz tötete der Herr Sünde und Tod, entmachtete den Teufel und belebte uns mit Sich. Er gab uns Macht, Kinder Gottes zu werden
(Jo 1,12), denn dem auferstandenen Christus ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben (
Mt 28, 18).
Das Königtum Christi ist eben das himmlische Königtum. Sein auferstandenes Leben ist schon nicht mehr irdisches, sondern himmlisches und preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung. überhimmlisches. Aber Sein Königtum beschränkt sich nicht auf den Himmel, sondern erstreckt sich auf die ganze Erde. Denn dafür ist Er in unsere Welt gekommen und hat den menschlichen Körper angenommen, um uns zu Teilhabern an Seinem himmlisch-irdischen Leben zu machen, uns zur Vollkommenheit, zur Unsterblichkeit, zu ewiger Seligkeit zu führen.

Auf dem Kreuz zeigte der Herr Seine Liebe zur ganzen Menschheit. Wahre Liebe ist immer Göttliche, Christi Liebe, dem Evangelium verbundene. Wenn wir den Reichtum dieser Liebe des Lebensspenders zu uns fühlen und erkennen, dann wird unser Herz leicht von Gegenliebe zu Ihm erfüllt. Und wenn solche Liebe Christi im Herzen wohnt, ist es für alle Brüder offen. Ein solches Herz ist bereit, allen zu dienen – mit seinem Besitz, Seinem Gebet, Fasten, Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut, Erbarmen bis hin zur Aufopferung für seine Freunde ???.
Auf diesem Weg kann der Mensch vollkommen Christus folgen.
Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir (
Mt 16, 24).


Wenn wir orthodoxe Christen bereit sind, unser Kreuz auf uns zu nehmen, unsere Liebe zu Christus und jedem unserer Brüder auf der Erde auszustrecken, wenn wir bereit sind, Ihm in jener Handlung nachzuahmen, in welcher Er sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm
(Phil 2, 7), dann bereiten wir uns darauf vor, Seine Herrlichkeit aufzunehmen und an Seiner Gewalt im Himmel und auf Erden teilzuhaben,
in Seiner allumfassenden Liebe. Und frohlockend singen wir: Du bist unser Gott, außer Dir kennen wir keinen anderen und Deinen Namen rufen wir an.
Kommet, alle Gläubigen, lasset uns die heilige Auferstehung Christi preisen, denn siehe, durch Christus ist Freude für die ganze Welt gekommen!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Berlin-München
Auferstehung Christi



 

HEILIGER und HOHER SAMSTAG

Anastasis (Hoellenfahrt Christi) und Passion  /Ikone Zentralrussland 19.Jhdt.

Als Du hinabkamst zum Tode,
Du unsterbliches Leben,
da hast Du den Hades getoetet
durch den Blitzstrahl der Gottheit.

Als Du aber auch die Verstorbenen
aus der Unterwelt auferweckt hast,
da haben alle Maechte der Himmlischen gerufen:
Lebensspender, Christus unser Gott,
Ehre Dir !



Der Hohe Samstag beginnt wie alle Tage am Vorabend, Freitag abend. Waehrend des Orthros werden die Gefuehle der Frauen am Grabe nachempfunden. Nach den Laudespsalmen und der Kleinen Doxologie wird das Grabtuch mit der eingestickten Darstellung des Leichnams des Herrn unter dem Gesang des Trisagions in einer Prozession um die Kirche getragen und zurueck in den Altarraum getragen. Hier wird es nach dreimaligem Umgang von den Zelebranten auf den Heiligen Tisch gelegt, waehrend die Troparien des Tages gesungen werden.
Die Vesper des Heiligen und Hohen Samstags wird mit der Basilius-Liturgie verbunden. Christi Niedersteigen in den Hades und Sein Sieg ueber den Tod werden vergegenwaertigt. In der Vesper werden vor Apostellesung und Evangelium 15 alttestamentliche Lesungen vorgetragen, waehrenddessen in alter Zeit die Taufen vollzogen wurden.

Danach wird die Auferstehungsnacht vorbereitet.


L E S U N G E N:


- Morgengottesdienst -

Jes 37: 1-14
I. Kor 5: 6-8
Gal 3: 13-14
Mt 27: 62-66



- Abendgottesdienst -

Gen 1: 1-13
Jes 60: 1-16
Ex 12: 1-11
Buch Jona 1:1 - 4:11
Josua 5: 10-15
Ex 13:20 - 15:19
Zefanja 3: 8-15
III Koen 17: 8-23
Jes 61:10 - 62:15
Gen 22: 1-18
Jes 61: 1-9
IV Koen 4: 8-37
Jes 63: 1-9, 64: 1-5
Jer 31: 31-34
Dan 3: 1-23 und das Lied der Heiligen Kinder
III Koen 17: 8-23



- Liturgie unseres Hl. Vaters Basilius -

Roem 6: 3-11
Mt 28: 1-20



Am Heiligen und Hohen Samstag feiern wir die Grabesruhe und das Hinabsteigen in den Hades unseres Herrn und Gottes und Erloesers Jesus Christus, durch den die Vergaenglichkeit unseres Menschengeschlechts verwandelt worden ist in ewiges Leben.
Durch Dein unsagbares Hinabsteigen mit uns in den Hades, Christus unser Gott,
erloese uns.
Amin (Synaxarion)

+++
Der den Abgrund verriegelt,
erscheint als Toter,
in Linnen mit Myrrhe gehuellt.
Wie ein Sterblicher wird der Unsterbliche ins Grab gelegt.
Die Frauen aber, die kamen, Ihn zu salben,
weinten bitterlich und riefen:
"Dies ist der Sabbat, der hochgesegnete,
an dem Christus vom Schlag erwacht
und auferstehen wird am dritten Tag !"

+++
Der Du die Enden der Erde zusammenhaeltst,
liessest Dich einschliessen ins enge Grab,
damit Du vom Fall in den Hades
die Menschen erloesest,
und uns schenkest ewiges Leben,
unsterblicher Gott.

+++
Heute ruft stoehnend der Hades:
"Besser wäre mir gewesen,
ich haette den von Maria Geborenen nicht aufgenommen.
Denn, da Er zu mir kam,
hat Er meine Macht gebrochen,
die ehernen Tore zertruemmert,
die Seelen, die ich einst besass,
hat Er als Gott auferweckt !"
Ehre, Herr, Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung !

+++
Heute ruft stoehnend der Hades:
"Vernichtet ist meine Macht.
Ich empfing den Toten wie einen Sterblichen.
Aber ich vermag Ihn nicht gefangen zu halten.
Vielmehr verliere ich die,
ueber welche ich herrschte.
Ich hatte die Toten von der Urzeit her.
Doch siehe, dieser erweckt alle !"
Ehre, Herr, Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung !

+++
Heute ruft stoehnend der Hades:
"Aufgezehrt ist meine Macht.
Der Hirte ward gekreuzigt und erweckte den Adam.
Ueber die ich herrschte, derer wurde ich beraubt.
Die ich verschlang in meiner Staerke,
habe ich ausgespien allesamt.
Leer gemacht hat die Graeber der Gekreuzigte.
Schwach geworden ist die Macht des Todes !"
Ehre, Herr, Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung !

+++
Es schweige alles sterbliche Fleisch
und stehe mit Furcht und Zittern
und sinne auf nichts Irdisches,
denn der Koenig der Koenige
und der Herr der Herrscher
kommt als Opfer geschlachtet zu werden,
gegeben als Nahrung den Glaeubigen.

Ihm voran gehen die Choere der Engel
mit allen Maechten und Gewalten,
die vielaeugigen Cherubim,
die sechsfluegeligen Seraphim,
sie verhuellen ihr Angesicht
und rufen den Hymnus
Alleluja, alleluja, alleluja !




Der edle Joseph
nahm ab vom Kreuzesholz Deinen allreinen Leib,
huellte ihn in reines Linnen,
bedeckte ihn mit wohlriechenden Kraeutern
und legte ihn in ein neues Grab.

 

 

Engel verkuendet die Auferstehung den Frauen - zeitgen.Ikone von Leonid USPENSKY Die Apostel am Grab nach der Verkuendung der Auferstehung durch die Frauen - zeitgen.Ikone von Leonid USPENSKY

 

 


 

HEILIGER und HOHER HERRENTAG des PAS´CHA
der AUFERSTEHUNGSTAG
FEST der FESTE

AUFERSTEHUNG  /Zeitgen. Ikone von Antonina Ganina
 

ХРИСТОС ВОСКЕСЕ
В ИЗПЪЛНЕНИЕ НА ХОРА
 ПРИ
НЕМСКАТА ГИМНАЗИЯ В СОФИЯ

 

CHRISTUS IST ERSTANDEN

VON DEN TOTEN,

HAT DEN TOD

DURCH DEN TOD ZERTRETEN

UND DENEN IN DEN GRAEBERN

DAS LEBEN GESCHENKT !




 

Osterbotschaft S.Hl. des Patriarchen ALEKSIJ II von Moskau und der ganzen Rus´
Metropolit MICHAEL (Staikos) von Austria: Christus ist erstanden: Ostersonntag
Metropolit AUGOUSTINOS (Lambardakis) von Deutschland: Osterpredikt 2004
Bischof HILARION von Wien und Österreich: Osterbotschaft 2004

Bischof HILARION von Wien und Österreich: Ostern ist immer

Philipp Harnoncourt: Auf dem Weg zum leeren Grab
Martin Petzold: Zur Fülle der Freude in den Gottesdiensten der Ostertage


Predigt unseres Vaters unter den Heiligen
JOHANNES CHRYSOSTOMUS
zum heiligen und strahlenden, herrlichen und erlösenden Tag der Auferstehung Christi, unseres Gottes:


Wenn jemand fromm und gottliebend ist,
komme und erquicke er sich an dieser schoenen und glaenzenden Feier.

Wenn jemand ein wohlgesinnter Anhaenger ist,
gehe er froehlich ein in die Freude seines Herrn.

Wenn jemand sich beim Fasten abgemueht hat,
empfange er jetzt nach seinem Verdienst.

Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat,
empfange er heute seinen gerechten Lohn.

Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist,
feiere er dankend.

Wenn jemand zur sechsten Stunde angelangt ist,
so zweifle er nicht,
denn er wird nichts missen.

Wenn jemand bis in die neunte Stunde saeumte,
trete er unverzagt hinzu, ohne sich zu fuerchten.

Wenn jemand erst zur elften Stunde eingelangt ist,
fuerchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.
Denn der Gebieter ist freigebig
und nimmt den Letzten auf wie den Ersten.
Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist,
ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.

Zum spaeter Kommenden ist Er gnaedig
und freundlich zu dem Ersten.
Jenem schenkt Er
und diesen belohnt Er.

Die Werke nimmt Er an
und die Absicht lobt Er.
Die Tat ehrt Er
und der Entschluss ist Ihm willkommen.

Gehet also in die Freude unseres Herrn ein, ihr Alle.
Die Ersten und die Letzten:
empfanget den Lohn.

Die Reichen und die Armen,
freut euch miteinander.
Ausdauernde und Nachlaessige,
ehret den Tag.

Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt;
freuet euch heute.

Der Tisch ist beladen, geniesset alle.
Das Kalb ist gemaestet, niemand gehe hungrig hinaus.
Alle geniesset vom Gastmahl des Glaubens.
Alle geniesset vom Reichtum der Guete.

Niemand beklage Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich.
Niemand betrauere die Uebertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt.
Niemand fuerchte den Tod, denn des Erloesers Tod hat uns befreit.

Vernichtet hat den Tod, Der von ihm umfangen ward.
Die Beute hat dem Hades abgenommen, Der zu ihm herabkam.
Er liess Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleische.

Diese vorausschauend rief Isaja aus:
"Der Hades, ´spricht er,´ war voll Bitterkeit, als er Dir unten begegnete´."
Er war voll Bitterkeit, denn er war verhoehnt;
er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft;
er war voll Bitterkeit, denn er wurde gefesselt.
Er nahm den Leib und geriet an Gott.
Er nahm die Erde und traf auf den Himmel.
Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.

Tod, wo ist dein Stachel ?
Hades, wo ist dein Sieg ?
Auferstanden ist Christus und du bist gestuerzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Daemonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben triumphiert.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grabe.

Denn Christus ist von den Toten auferstanden,
der Erstling der Entschlafenen geworden.

Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit.
Amin.

 

Pas´cha heisst Uebergang vom Tod zum Leben, von der Finsternis zum Licht.
Dieser Uebergang geschieht mit der Auferstehung des Herrn und Erloesers fuer alle, die an Ihn glauben und durch die Taufe mit Ihm ein Leib sind.
Nach dem Ruf "CHRISTUS ist AUFERSTANDEN !" des Priesters und der Verbreitung des Auferstehungslichtes vom Altar an alle Glaeubigen beginnt der Jubelgesang, der dann die gesamte Liturgie ueber anhaelt:

Deine Auferstehung, Christus Erloeser,
besingen die Engel in den Himmeln;
wuerdige auch uns auf Erden,
reinen Herzens Dich zu loben.

ooo
Auferstehungstag !
Lasset uns Licht werden, Ihr Voelker !
Das Pas´cha, des Herrn Pas´cha !
Denn vom Tode zum Leben
und von der Erde zum Himmel
hat Christus, unser Gott, uns hindurchgefuehrt,
uns, die wir das Siegeslied singen:

Christus erstand von den Toten !

ooo
Lasset uns die Sinne reinigen
so werden wir Christus strahlen sehen
im unnahbaren Lichte der Auferstehung
und deutlich Ihn rufen hoeren:
"Freuet euch !",
wir, die wir das Siegeslied singen.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Die Himmel moegen sich freuen,
die Erde jubeln
und feiern die ganze Welt,
die sichtbare und die unsichtbare,
denn Christus ist erwacht.
Ewige Freude !

Christus erstand von den Toten !

ooo

CHRISTUS IST ERSTANDEN
VON DEN TOTEN,
HAT DEN TOD
DURCH DEN TOD ZERTRETEN
UND DENEN IN DEN GRAEBERN
DAS LEBEN GESCHENKT !

ooo

Lasset uns trinken den neuen Trank,
nicht aus unfruchtbarem Felsen
durch Zeichen hervorgebracht,
sondern aus der Unverweslichkeit Quelle,
da aus dem Grabe, aus dem wir kommen,
uns Christus Leben schenkt.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Nun ist alles mit Licht erfuellt,
Himmel und Erde und Totenwelt,
die ganze Schoepfung feiert Christi Erwachen,
in dem sie gegruendet ist.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Gestern ward ich begraben mit Dir, Christus;
heute bin ich auferweckt mit Dir, dem Auferstandenen.
Du selbst, Erloeser, verherrliche mich mit Dir
in Deinem Reiche.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Als die dem Morgen zuvorkommenden Gefaehrtinnen Marias
den Stein weggewaelzt fanden vom Grabe,
hoerten sie vom Engel:
"Den, der in immerwaehrendem Lichte ist,
was suchet ihr Ihn bei den Toten wie einen Menschen ?
Blicket auf die Grablinnen,
eilet, verkuendet der Welt,
dass auferstanden ist der Herr,
nachdem Er den Tod getoetet.
Denn Er ist der Sohn Gottes,
der Erloeser des Menschengeschlechtes."
ooo
Wie ein einjaehriges Lamm,
das willig den Opferkranz traegt, Christus,
ist Er fuer alle geopfert worden,
das reinigende Pas´cha;
es leuchtet aus dem Grab uns hervor,
die Sonne der Gerechtigkeit.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Du fuhrest hinunter
in die Tiefen der Erde, Christus,
und zerbrachest die ewigen Riegel
und der Gefesselten Ketten;
und nach drei Tagen,
wie Jonas aus dem Fische,
erstandest Du aus dem Grabe.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Mein Erloeser,
Du lebendiges und nicht im Tode verbliebenes Opfer,
als Gott hast Du Dich Selbst dem Vater dargebracht
und mit auferweckt Adam, den Urahnen aller,
Du Auferstandener aus dem Grabe !

Christus erstand von den Toten !

ooo
Des Todes Toetung,
des Hades Vernichtung,
den Anfang des neuen,
des ewigen Lebens begehen wir festlich.
Im Tanze besingen wir den Urheber in Hymnen,
der allein ist gesegnet,
der Gott der Vaeter, und hochverherrlicht.

Christus erstand von den Toten !

ooo
In Wahrheit heilig
und allgefeiert
ist diese heilbringende, lichtglaenzende Nacht.
Sie ist Vorbote des hellstrahlenden Tages der Auferstehung,
in der das urewige Licht
leiblich hervorleuchtet aus dem Grabe allen.

Christus erstand von den Toten !

ooo
O grosses, o heiligstes Pas´cha, Christus,
o Weisheit und Wort Gottes und Kraft !
gib, dass wir wahrer noch teilhaben an Dir
am abendlosen Tage Deines Reiches !

ooo

ooo

ooo

Das Freudenpas´cha,
das Pas´cha des Herrn, das Pas´cha,
das hochhehre Pas´cha
ist aufgegangen, das Pas´cha !
Umarmen wir einander in Freude !
O Pas´cha, Du Erloeser von Trauer !
Aus dem Grabe strahlt heute hervor
wie aus einem Brautgemach
Christus, der die Frauen erfuellte mit Freude,
indem Er sprach:
"Bringet Kunde den Aposteln !"

ooo

AUFERSTEHUNGSTAG !

Lasset uns Licht werden an diesem Feste,
lasset uns einander umarmen,
lasset uns "Brueder!" sagen auch denen, die uns hassen,
lasset uns alles vergeben ob der Auferstehung und rufen:

ooo

CHRISTUS IST ERSTANDEN

VON DEN TOTEN,

HAT DEN TOD

DURCH DEN TOD ZERTRETEN

UND DENEN IN DEN GRAEBERN

DAS LEBEN GESCHENKT !


 

Christus ist erstanden: Ostersonntag
aus dem Buch "Auferstehung - von erlebter orthodoxer Spiritualität"
von
Metropolit MICHAEL (Staikos), Metropolit von Austria, Wien

Die Kirche jubelt. Und die Osterikone verdeutlicht das wohl tiefste aller Glaubensgeheimnisse. In ihrer Grundform bleibt sie immer gleich: Adam wird aus der Unterwelt geholt. Christus ergreift seine Hand, in manchen Darstellungen auch die von Eva, er hält sie und lässt den – oder die – Gefallenen mit auferstehen.

Hände halten einander. Vielleicht ruft gerade diese Ikone im Westen kein Fremdgefühl hervor, vielleicht ist sie deshalb so beliebt, weil sie thematisch an Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle erinnert, dessen Zentrum ja die Berührung der schöpferischen Hand Gottes mit der Hand des Menschen ist. Oder, weil die katholischen Christen zu Ostern dem Erstandenen dieses Lied singen: „Der Sieger führt die Scharen, die lang gefangen waren, in seines Vaters Reich empor, das Adam sich und uns verlor...“

Der spirituelle Gehalt dieser Ikone ist ein sehr pragmatischer, wenn auch kein rationalistischer, wie wir ihn auf westlichen Auferstehungs-Darstellungen finden. Westliche Bilder zeigen fast immer diese Szene: Das Grab öffnet sich, die Soldaten erschrecken, Christus ersteht mit einer Fahne in der Hand ... Die Orthodoxe Kirche wurde, besonders im 19. Jahrhundert, von derlei Bildern sehr irritiert, weil sie Versuche sind, das Unverständliche zu verstehen, das Unerklärliche erklären zu wollen. Sobald wir aber das Unverständliche verstehen und das Unerklärliche erklären können, brauchen wir kein Mysterium. Denn dieses beginnt ja genau dort, wo der menschliche Verstand aufhört und die Augen, die Ohren, die Sinne der Seele und des Geistes anfangen. Ein größeres Mysterium als die Auferstehung Christi gibt es nicht. Dieses Mysterium ist die Grundlage aller Geheimnisse der Kirche.

Im Gegensatz zu den westlichen Darstellungen ist das orthodoxe Auferstehungsbild ein erlösendes, und die Osterikone trägt den Namen „Das Hinabsteigen Christi in die Unterwelt“.

„Du stiegst bis in die tiefste Erde hinab und zerbrachst die ewigen Riegel, die festhielten die Gequälten, Christus, und nach drei Tagen, wie Jonas aus dem Ungeheuer, stiegst du herauf aus dem Grab.“


Das Fest der Feste bedeutet in der Orthodoxie praktisch die Erfüllung des Planes Gottes, sein Geschöpf nicht zu behandeln wie eine Uhr, die irgendwann aufgezogen und danach ihrem Schicksal überlassen bleibt, sondern die fortwährend gewartet wird. Einen Schöpfer, der sein Geschöpf alleinzulassen gedenkt, kennen wir nicht, dafür aber einen, der sein Geschöpf ununterbrochen begleitet, ohne die von ihm geschenkte Freiheit beeinträchtigen zu wollen. In diesem Sinne ist der Höhepunkt aller Feiertage des Jahres auf den Ostersonntag konzentriert, während alle übrigen – Weihnachten, die Taufe Christi usw. – den Weg dorthin bilden. Den Weg zur Erlösung, zur Auferstehung.

Selbst der Karfreitag ist eine Station dorthin. Deshalb endet auch der Passionshymnus „Heute hängt am Holz ...“ mit dem Vers: „Wir beten deine Passion an, zeige uns aber auch deine glorreiche Auferstehung“, das heißt: „Wir beten dein Kreuz an, und wir verherrlichen deine Auferstehung.“ Sie ist das Ziel der Ziele, jedem erreichbar, nichts und niemanden ausschließend.

Genau das bringt die Auferstehungsikone zum Ausdruck: Die Tore zum Hades zerschlägt Christus, er steigt herab in den Hades, um Adam und Eva, stellvertretend für alle Männer und Frauen (oder nur Adam, stellvertretend für das gesamte Menschengeschlecht) herauszuholen zur Auferstehung. Zusammen mit allen Gerechten, mit allen Heiligen, mit allen Menschen, die gerettet werden müssen. Mit allen Nachkommen von Adam und Eva, ob heilig oder nicht, das ganze Menschengeschlecht.

Es gibt einen Brauch, der das Geschehen symbolisch innerhalb der Liturgie zum Ausdruck bringen soll. Er entstammt dem zypriotischen Brauchtum, ist aber auch in anderen griechischen Gegenden lebendig und wurde von den Zyprioten auch in Wien eingeführt: Am Morgen des Karsamstag, beim ersten Auferstehungsgottesdienst, wird gesungen: „Erheb dich, Gott, und richte die Erde! Denn alle Völker werden dein Erbteil sein“ (Ps 82,8).Und während der Priester mit der Auferstehungsikone aus dem dunklen Altarraum tritt, während erstmals die Glocken läuten und Lorbeerblätter als Zeichen des Sieges gestreut werden, fangen die Gläubigen an, mit verschiedenen Gegenständen Lärm zu schlagen. Kinder, Alte, Jugendliche, sie alle klopfen auf die Stühle, schlagen metallene Gegenstände aneinander, hantieren mit allem, was klirrt und klappert, bis ein unvorstellbarer Lärm die Kirche erfüllt. Gemeint ist jener Lärm, der entsteht, wenn Christus die Tore zum Hades zerschlägt. (Man sieht auch auf der Ikone die beiden Tore kreuzförmig übereinanderliegen.)

Diese Szene, in welcher der Priester singt, die Glocken läuten und das Volk Lärm aller Art erzeugt, war hierorts unbekannt, hat sich aber so stark etabliert, daß dieser Morgengottesdienst heute zu den beliebtesten des Jahres gehört. Die Kirche ist voll, man hat sich diesen Brauch unterdessen allgemein angeeignet.

Das beweist folgendes. Wenn man die offizielle Lehre der Kirche, die sich selbstverständlich nicht modifizieren lässt im Hinblick auf die Verstehensmöglichkeiten der Gläubigen, auf eine menschliche Art und Weise unterstützt, wenn man zulässt, diese Lehre auf menschliche Art und Weise auszudrücken, dann bleibt genügend „Verstehensraum“ für die Gläubigen.

Lärm und Feuer, dabei entsteht oft eine Stimmung, die man nicht rational erfassen kann. Und die Kirche lässt ihr freien Lauf. Denn die „Stimmung“ läuft ja auf Frömmigkeit hinaus, ohne Frömmigkeit entstünde sie überhaupt nicht. Wenn der Mensch durch strenge Liturgien, durch Ikonen, durch Mysterien immer nur gezügelt wird, dann muss er irgendwann jenen freien Raum finden, der nicht minder seine Religiosität zum Ausdruck bringt: Ostern ist ein Fest, das offen gezeigte Freude geradezu herausfordert. Deshalb singt die Kirche:

„Tag der Auferstehung, an dem wir erglänzen und einander in Festfreude umarmen. Sagen wir es, Brüder, auch denen, die uns hassen, verzeihen wir allen der Auferstehung wegen, und lasst uns rufen: Christ ist von den Toten erstanden, den Tod durch den Tod zertretend und denen in den Gräbern das Leben schenkend.“

Und der Kirchenvater, der heilige Johannes Chrysostomos (+ 14.9.407 in der Verbannung), vermittelt die Freude der Kirche in seiner Katechetischen Rede zum Ostersonntag, die zum festlichen Abschluss der Osterliturgie gehört ...

Also bezeugen Osterikone und Hymnen des Festes nicht nur die Rettung des ganzen Menschengeschlechts. Sie unterstreichen auch den besonderen Charakter der Gemeinschaft aller Gläubigen.

Metropolit Staikos, Auferstehung, von erlebter orthodoxer Spiritualität, Wien 2000, S. 108 ff.
hier aus St.Andreas Bote

 

Osterpredigt S.E. des Metropoliten Augoustinos
in der Ev.-Luth. Matthäus Kirche in München
im Rahmen der gemeinsamen Ostervesper aller Christen der ACK
am Ostersonntag, 11. April 2004 um 18.00 Uhr

Christos anesti - alithos anesti!

Christus ist erstanden - Er ist wahrhaftig auferstanden!

So grüßten sich die frühen Christen zum Fest der Auferstehung Christi, und so grüßen sich noch heute unsere orthodoxen Gläubigen während der vierzig Tage zwischen Ostern und dem Fest der Himmelfahrt Christi.

Wenn ich Ihnen heute am Osterfest, das in diesem Jahr alle Christen am selben Tag feiern, diesen Gruß zurufe, so soll das mehr sein als eine alte ehrwürdige Sitte, – es ist ein Ruf der Glaubensfreude und der zuversichtlichen Hoffnung für die Überwindung des Todes auch für uns.

Heutzutage rühmen wir uns der Tatsache, dass wir – mindestens in Deutschland – in einer pluralistischen Gesellschaft mit interkulturellem Austausch leben. Gewiss ist es erfreulich, dass die Zeiten eines kämpferischen Gegeneinander zwischen Glaubensgemeinschaften und Religionen überwunden scheinen und dem Bemühen um ein friedvolles Miteinander zu weichen.

Andererseits habe ich oft die Befürchtung, dass Unterschiede, die nach wie vor zwischen uns bestehen, zu schnell übersehen und oberflächlich übergangen werden. Toleranz darf ja nicht zur Gleichmacherei führen, und Kultur hat zwar ursprünglich etwas mit Kultus zu tun, dennoch ist eine religiöse Wahrheit etwas anderes und mehr als Kultur und eine interkulturelle Gemeinschaft noch längst nicht die wahre Gemeinschaft der Gläubigen.

Und deshalb möchte ich es am heutigen Ostersonntag noch einmal und ausdrücklich sagen: Christus ist auferstanden von den Toten; er hat den Tod durch den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt! Das ist der Siegesruf der Christen! Und das ist es, was den christlichen Glauben von allen anderen Religionen ganz wesentlich unterscheidet und zu etwas Besonderem macht, – nämlich: dass Gott in Christus Mensch wurde, dass der Gottessohn sogar den Tod auf sich nahm, ihn überwand und vom Tode auferstand und damit die Menschen aus Sünde und Grab zu Gott emporzog und in die göttliche Gemeinschaft zurückbrachte. Diese Botschaft sind wir einer Welt schuldig, die sich nach Erlösung vom Tode und nach einem Leben in Frieden sehnt. Ehe wir allerdings diese Botschaft der Welt bringen können, muss sie in unserem eigenen Leben richtunggebend sein und verwirklicht werden. Nur so werden wir zu glaubhaften Zeugen des Auferstandenen.

Dabei kann uns das Evangelium helfen, das wir eben gehört haben. Es führt uns mitten in das Ostergeschehen hinein, wie es uns im Johannesevangelium berichtet wird.

Dort bringt Maria von Magdala nach dem ersten Erschrecken über das leere Grab den Aposteln die Nachricht, dass der Leichnam Jesu weggebracht worden sei. Petrus und Johannes überzeugen sich selbst davon, dass das Grab tatsächlich leer ist. Sie verstehen noch nicht, was das zu bedeuten hat, und kehren wieder um. Maria aber bleibt weinend am Grabe und erlebt dort die erste Erscheinung des auferstandenen Herrn. Er gibt ihr den Auftrag: “Gehe hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott” (Joh 20,17).

Sollen damit die Jünger vorbereitet werden auf die Erscheinung des Auferstandenen in ihrem Kreis? Das mag sein. Auf jeden Fall sollen sie sich an das erinnern – und wir mit ihnen – , was Jesus ihnen vor seinem Leiden sagte: “Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater” (Joh 16,28), und an anderer Stelle: “…ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden…ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen” (Joh 16,20.22).

Nun ist die Stunde des Wiedersehens und der Freude da. Der Auferstandene tritt mit dem Friedensgruß mitten unter die Jünger. Sie sind frei von Schrecken und Furcht. Er zeigt ihnen seine Wunden an den Händen und in der Seite, und sie werden froh, dass sie den Herrn sehen!

Einst hatte Jesus zum Vater gebetet: “So wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich auch sie in die Welt” (Joh 17,18). Jetzt ist mit dem Tag der Auferstehung zugleich der Tag der Sendung gekommen. Der Auferstandene ist der Erhöhte, der den Aposteln zur Erfüllung ihres Auftrages den lebendigen Atem des göttlichen Geistes einhaucht. Es findet ein geistlicher Schöpfungsakt statt, der die Jünger zu göttlichen Zeugen macht, damit “der Welt die Augen geöffnet werden über die Sünde, über die Gerechtigkeit und das Gericht” (Joh 16,8). Für den Evangelisten sind Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten, – sind Auferstehung, Erhöhung und Geistverleihung untrennbar miteinander verbunden.

In diesen Höhen des Heilsgeschehens gipfelt die Aussage der Evangeliumsbotschaft. “Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen”, sagt Jesus Christus (Joh 5,24). Das erfüllt sich im Sendungsauftrag des Auferstandenen an die Apostel. Die Geistverleihung wirkt eine Vollmacht zur Sündenvergebung. Und wie einst beim Wirken Jesu ist der vertrauende Glaube an den Gottessohn Voraussetzung für die Vergebung der Sünde. Hier setzt sich das innerweltliche Gericht fort, das mit der Gestalt Jesu in die Welt kam. An Jesus Christus scheiden sich die Geister und das um so mehr und ausdrücklicher, nachdem er Sünde und Tod überwunden hat.

Vielleicht ist es für uns ungewohnt, die Auferstehung Jesu Christi so eingefügt zu sehen in das gesamte Heilsgeschehen. Und zwar in ein Heilsgeschehen, an dem bereits am Ostertag die Apostel beteiligt werden und mitwirken sollen, damit die Welt an den ewig lebendigen Gott glaubt.

Das Evangelium verschweigt uns nicht, dass ein solcher Glaube nicht selbstverständlich ist. So will sich der Apostel Thomas nur von dem leibhaft Auferstandenen überzeugen lassen! Jesus geht darauf ein und hat dabei auch die im Blick, die künftig durch das Wort der Apostel an ihn glauben werden, so wie er bei seinem Vater für diejenigen betet, die durch das Zeugnis der Jünger zum Glauben kommen (Joh 17,20). Hier sind auch wir bereits mit gemeint; wobei wir lernen, dass der Glaubenszweifel keine Erscheinung nur der aufgeklärten Moderne ist, sondern uns bereits im engsten Kreis der Apostel begegnet. Was uns heute hemmt, an den auferstandenen Herrn zu glauben, sind ja tatsächlich viel weniger unsere naturwissenschaftlichen Kenntnisse und das neuzeitliche Denken als vielmehr unser Unwissen über den Gottessohn, unser Unverständnis den Geheimnissen Gottes gegenüber. Es ist unser träges Herz, das sich nicht aus den eigenen begrenzten Vorstellungen lösen kann. Wir verschließen uns den göttlichen Erfahrungen, die wir machen dürfen und sollen, und deshalb kann sich der Zweifel einschleichen und einen befreienden Glauben verhindern.

Damit wir aber aus unserem Zweifel nicht in Verzweiflung fallen, sollen wir dem Apostel Thomas folgen, der auf das Wort des Auferstandenen hin alle Fragen und allen Kleinmut hinter sich lässt. In dem lebendigen Jesus Christus erkennt und bekennt er seinen Herrn und Gott!

Das ist ein christliches Glaubensbekenntnis, das nicht überboten werden kann. Dieser vom Tode erstandene Jesus von Nazareth offenbart sich als wahrer Gott und wird von seinem Jünger als Gott angerufen und ausgerufen! Die Lichtspur der Göttlichkeit Jesu Christi zieht sich durch das ganze Johannesevangelium und findet in der Ostergeschichte einen unvergleichlichen Höhepunkt. Das Licht der Welt, der Gnadenbringer und Erlöser von göttlicher Art, der im Anfang des Evangeliums Mensch wurde in dieser Welt, offenbart sich nun seinen Aposteln als Sieger über Sünde und Tod, als Herr und Gott.

Wir öffnen unsere Augen und Ohren so vielen Dingen, unzählige Ideen und Gedanken dringen tagtäglich ein in unser Denken und Fühlen, – schließen wir doch unser Herz vor allem dem Glauben weit auf, damit wir die erlösende Botschaft der Auferstehungszeugen empfangen! Wenn irgendetwas in dieser Welt Vertrauen verdient, dann doch das Evangelium, die “Gute Nachricht” von der Überwindung des Bösen und dem Sieg des Lebens über den Tod.

Dann können wir selbst zu Zeugen des auferstandenen und erhöhten Herrn werden und dürfen mitwirken an Gottes Heilsgeschichte zur Rettung der Welt, – so wie es im Evangelium geschrieben steht, “dass Christus musste leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tag und dass gepredigt werden muss in seinem Namen die Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern” ( Lk 24,46.47).

Gott schenke uns allen die wahre Osterfreude und erhalte uns die lebendige Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten!

Amen.

Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa

 

 

 

Osterbotschaft 2004 des Bischofs von Wien und Österreich Hilarion, an die hochwürdigen Seelsorger und die gottgeliebten Gläubigen der Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche von Wien und Österreich

Im Herrn geliebte Väter, Brüder und Schwestern! Christus ist auferstanden!

Heute feiert die gesamte christliche Welt die Auferstehung Christi. Heute herrscht in jeder Kirche, in jeder Familie Freude über den Herrn Jesus Christus, der um unserer Erlösung willen gelitten hat und auferstanden ist.

An diesem "Fest der Feste" hören wir den an uns gerichteten Jubelruf des heiligen Johannes Chrysostomos: "Tretet also alle ein in die Freude eures Herrn! Ihr Reichen und ihr Armen, jubelt miteinander. Ihr Enthaltsamen und ihr Trägen, ehrt das Fest. Ihr, die ihr gefastet habt und die nicht gefastet haben, freut euch heute. Der Tisch ist reich gedeckt, genießt alle. Niemand gehe hungrig fort. Genießt alle das Gastmahl des Glaubens. Genießt alle den Reichtum der Güte!"

Unter den zum Ostergottesdienst Versammelten sind solche, die die Kirche regelmäßig besuchen, aber auch solche, die nur an den großen Feiertagen kommen, und solche, die nur selten das Gotteshaus besuchen. Es gibt unter uns Menschen, die seit ihrer Kindheit glauben, solche, die im reifen Alter zum Glauben gekommen sind, aber auch solche, die den Weg zu Gott gerade erst betreten haben. Aber Gott macht keinen Unterscheid zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden: Er glaubt an jeden Menschen. Er liebt jeden von uns, Er hört uns jedes Mal, wenn wir uns an Ihn wenden, und ist bereit, uns zu helfen.

Auch die von Gott Selbst gegründete Kirche ist immer bereit, jedem Menschen zu helfen. Wenn Sie es schwer haben, wenn Sie Leid oder Not haben, kommen Sie in die Kirche, beten Sie zu Gott, und Er wird Sie bestimmt erhören und Ihnen helfen. Aber vergessen Sie das Gotteshaus auch in den Augenblicken des Glücks nicht. Die Kirche soll Ihr geistliches Haus werden, wo Ihre Seelen gereinigt werden und das Leben durch die Gnade Gottes verklärt wird, die trotz aller menschlichen Unvollkommenheit wirkt, ungeachtet all unserer Sünden, Unzulänglichkeiten und Schwächen.

Bringen Sie Ihre Kinder in die Kirche, denn nach den Worten des Herrn ist "ihrer das Himmelreich" (Mt 19, 14). Glauben Sie nicht, dass es genügt, ein Kind zu taufen, damit es glücklich und gesund aufwächst; für sein geistliches Wohlergehen ist eine ständige Teilnahme am Leben der Kirche unumgänglich. Bringen Sie die Kinder zur Beichte und zur Kommunion, lesen Sie ihnen das Evangelium vor, lehren Sie sie zu beten, damit sie immer eine lebendige Verbindung zu Gott haben. Wenn Sie Ihre Kinder im christlichen Geist erziehen, können Sie sie vor vielen Versuchungen und Nöten bewahren, an denen die heutige Jugend zugrunde geht.

An diesem Tag der Freude beglückwünsche ich von ganzem Herzen alle Gläubigen der Russischen Orthodoxen Kirche, die auf dem Territorium Österreichs leben, - Russen, Ukrainer, Weißrussen, Moldawier, Österreicher und Vertreter anderer Nationalitäten, aber auch die Mitglieder der georgischen Gemeinde, die unsere Kirchen besuchen.

Ich beglückwünsche die Gemeindemitglieder der Kathedrale zum heiligen Nikolaus - dem geistlichen Zentrum unserer Diözese. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden in unserer Kirche weitläufige Restaurationsarbeiten durchgeführt. Wir haben nicht wenig vor zu tun, sowohl bei der Restaurierung als auch auf dem Gebiet der Entwicklung des Gemeindelebens. Liebe Gemeindemitglieder der Kathedrale! Wenn Sie den Wunsch haben zu helfen, wenden Sie sich an den Priester und sagen Sie es ihm: Jede Initiative, jeder Vorschlag wird mit Dankbarkeit angenommen werden.

Herzlich beglückwünsche ich die russisch-orthodoxen Gläubigen in der Steiermark. Lange Zeit haben Sie keinen ständigen Priester gehabt, aber jetzt wurde für die Gemeinde Mariä Schutz in Graz ein Priester ernannt, der regelmäßig die Gottesdienste feiern und Ihnen bei der Errichtung und Festigung der Gemeinde helfen wird.

Ich wende mich mit meinem Grußwort auch an die Gläubigen unserer Kirche, die in Innsbruck leben, wo in diesem Jahr zum ersten Mal ein Ostergottesdienst gefeiert wird. Ich hoffe, dass mit Gottes Hilfe auch in Tirol regelmäßig Gottesdienste stattfinden werden, aber dazu bedarf es vor allem Ihrer eigenen Initiative und Ihres Wunsches nach einem vollwertigen kirchlichen Leben.

Geliebte Kinder unserer Heiligen Kirche! Die Gegenwart und Zukunft der Russischen Orthodoxie liegt in unseren Händen. Seien Sie deshalb nicht passive Gläubige, die ihre christlichen Pflichten sofort nach dem Gottesdienst vergessen, sondern aktive Mitglieder der Kirchengemeinde, die ihren Beitrag in das Werk der Errichtung der Kirche Christi einbringen. Nicht nur Sie brauchen die Kirche, sondern die Kirche braucht auch Sie. Die Kirche existiert durch Sie, dank Ihrer Teilnahme an ihrem Leben, dank Ihrer geistigen, moralischen und materiellen Unterstützung. Jeder von Ihnen hat etwas, was er mit der Kirche teilen könnte: der eine hat materiellen Reichtum, ein anderer Freizeit, ein dritter Talente und Fähigkeiten, die er zum Nutzen der Kirche einsetzen könnte. Vergraben Sie Ihr Talent nicht in der Erde, setzen Sie es ein, damit es hundertfachen Nutzen bringe und das Leben vieler Menschen in Ihrem Umkreis verändere.

Meine Lieben! Hören wir in dieser lichten Osternacht den an uns gerichteten Aufruf des heiligen Apostels Paulus: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Phil 4,4). Die Freude über die Auferstehung Christi möge nie aus Ihrem Herzen weichen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Nahestehenden Frieden, Freude und Wohlergehen. Der Segen des Herrn sei mit euch allen. Christus ist auferstanden!

Übersetzung aus dem Russischen: Erzdiakon Viktor Schilowsky, DDr. Johann Krammer

    

 

Ostern ist immer

Bischof Hilarion von Wien und Österreich

Die Kirche existiert, dem Himmel zugewandt auf der Erde, sie lebt in der Zeit und atmet doch zugleich Ewigkeit. Ewigkeitswert liegt auch dem kirchlichen Kalender und allen Gottesdiensten des Jahres-, Wochen- und Tageskreises zu Grunde. Im Rahmen eines Jahres gedenkt die Kirche des Schöpfungsplans und erlebt die gesamte Welt- und Menschheitsgeschichte in der göttlichen Heilsabsicht zur Rettung der Menschheit. Im Jahreskreis der Feste läuft das Leben Christi vor unseren Augen ab - von seiner Geburt bis zur Kreuzigung und Auferstehung, das Leben der Gottesmutter - von ihrer Zeugung bis zu ihrem Entschlafen, das Leben aller durch die Kirche verherrlichten Heiligen.

Im Laufe einer Woche und einer Tageseinheit wird diese Geschichte wiederum vergegenwärtigt in den Gottesdiensten. Jeder Kreis hat ein Zentrum, an dem er sich orientiert: Mittelpunkt des Tageskreises ist der Gottesdienst der Eucharistie, Zentrum des Wochenkreises ist der Auferstehungstag und Zentrum des Jahreskreises das Fest der Auferstehung Christi, Ostern.

Die Auferstehung Christi war das bestimmende Ereignis in der Geschichte des christlichen Glaubens. »Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich«, schreibt der Apostel Paulus (1. Korinther 15,14). Wäre Christus nicht auferstanden, wäre das Christentum lediglich eine von vielen Morallehren und religiösen - Weltanschauungen geworden, vergleichbar dem Buddhismus oder dem Islam.

Die Auferstehung Christi legte den Grund der Kirche durch neues Leben und ein neues gottmenschliches Sein, in welchem der Mensch Gott wird, weil Gott Mensch wurde. Das Fest der Auferstehung Christi war, solange es Kirche gibt, der Eckstein des christlichen Kalenders.

Die kirchlichen Feste sind nicht nur einfache Erinnerungen an Ereignisse aus weit zurückliegender Vergangenheit. Sie wollen uns vielmehr mit in jene geistliche Realität hineinnehmen, die hinter ihnen steht und überzeitliche unvergängliche Bedeutung hat für einen jeden von uns. Jeder Christ nimmt Christus als seinen Erretter an, der - ihm zugut - Fleisch geworden ist. Deshalb werden alle Ereignisse im Leben Christi für einen jeden Christen zu einem persönlichen Erlebnis und Teil geistlicher Erfahrung. Das Fest ist also heutige Aktualisierung eines vor langer Zeit erfolgten Geschehens und ereignet sich immer wieder, zeitlos. Zu Weihnachten hören wir in der Kirche »Heute ist Christus in Bethlehem geboren«, zu Epiphanias (dem Fest der Taufe Christi im Jordan) - »Heute wird die Natur der Wasser geheiligt«, zu Ostern - »Heute hat Christus den Tod überwunden und ist auferstanden aus dem Grabe.« Wenn Menschen außerhalb der Kirche sich häufig an die bereits ihren Händen entglittene Vergangenheit halten oder hoffnungsvoll auf die noch bevorstehende Zukunft zugehen, so werden sie in der Kirche aufgerufen in einem »ständigen Heute« zu leben, d. h. in einer realen, »heute« erfolgenden und täglich sich fortsetzenden Gemeinschaft mit Gott.

Daher durchdringt das Fest der Auferstehung Christi, obwohl es nur einmal im Jahr begangen wird, das ganze Kirchenjahr, und österlicher Abglanz liegt auf dem gesamten liturgischen Kreis. Ostern oder Passah ist nicht bloß ein Kalenderdatum. Für den Christen ist Ostern immer, weil er stets die Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus braucht. Der ehrwürdige Serafim von Sarow grüßte das ganze Jahr hindurch seine Besucher mit den österlichen Worten »Christus ist auferstanden«.

  

 

Auf dem Weg zum leeren Grab

Philipp Harnoncourt, Graz

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit wohlriechenden Salben , die sie selbst zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab, in dem Jesus bestattet worden war. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war. Sie gingen in das Grab hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Während die Frauen ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden! Erinnert euch doch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen." Da erinnerten sie sich an seine Worte. Sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern. Es waren Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; und auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. Doch die Apostel hielten das alles für leeres Geschwätz und glauben den Frauen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort liegen.Dann ging er nach Hause - voll Verwunderung über das, was geschehen war. (Lukas 24, 1-12)

Das Evangelium der Osternacht, das eben vorgelesen worden ist - es ist wiederum vom Evangelisten Lukas geschrieben, wie das vom Palmsonntag und das vom Ostermontag -, spricht von einem Weg, wie diese beiden anderen.

Frauen gehen am dritten Tag nach dem Tod Jesu in aller Frühe zu seinem Grab, um ihm wenigstens noch jenen Dienst zu erweisen, der zwischen seiner Abnahme vom Kreuz und seinem sehr eilig vorgenommenen Begräbnis nicht mehr möglich war, ohne sich unrein zu machen.

Sie hätten am jüdischen Ostermahl nicht teilnehmen können, wenn sie nach Sonnenuntergang einen Leichnam berührt hätten, und außerdem war der folgende Tag auch noch ein Sabbat.

Jetzt aber wollten sie den Leichnam Jesu salben. Ihre große Zuneigung zu ihm kommt darin zum Ausdruck, dass sie selbst die wohlriechenden Salben bereitet hatten.

Niemand von den Menschen, die Jesus begleitet haben, erwartet ein Wunder. Er, auf den sie ihre Hoffnungen gesetzt haben, er, der Tote auferweckt hatte, er war jetzt selbst tot.

Die Repräsentanten der offiziellen Religion - die Ältesten, die Schriftgelehrten und die Hohenpriester - hatten seine Hinrichtung verlangt; ein aufgewiegelter Mob hatte lautstark seine Kreuzigung gefordert; und die Inhaber der politischen Macht - der bedeutungslose Schattenkönig Herodes der Jüngere und der römische Statthalter Pontius Pilatus hatten schließlich zugestimmt.

Wie eine riesige Seifenblase war das vielversprechende Wirken Jesu geplatzt und vernichtet.

Die Männer, die zu Jesus gehört hatten - seine Apostel und die übrigen Jünger - waren zwar anscheinend noch irgendwo in Jerusalem beisammen, aber ein Gang zum Grab lag ihnen fern. Zu groß war ihre Enttäuschung, vielleicht sogar ihre Verbitterung darüber, einige Jahre mit diesem Wunder-Rabbi vertan zu haben. Manche hatten schon von ihren großen Karrieren in seinem geträumt.

Einige machen sich schon bereit, um diesen Kreis schleunigst zu verlassen.

Wir haben auch heute - ebenso wie schon am Palmsonntag - zu beachten, dass die Evangelisten ihre Berichte nicht in den Tagen der geschilderten Ereignisse niedergeschrieben haben, gleichsam als Protokoll des Geschehens, sondern erst viel später, als sie bereits Zeugen des Glaubens an die Auferstehung Christi waren.

Umso erstaunlicher ist es, in wie schlechtem Licht sie sich selbst darstellen.

Die Frauen kommen allerdings etwas besser weg.

Wann immer in den Evangelien von Wegen gesprochen wird, auf denen sich etwas ereignet, gibt es neben dem oder hinter dem, was geschildert wird, etwas Besonderes zu beachten: einen Prozess - das heißt wörtlich einen Vorgang - der Glaubensbedeutung enthält. Glauben ist ja ein solcher Vorgang, eine Bewegung in einer bestimmten Richtung, gewissermaßen ein Sich-verlassen-auf. In jedem Vorgang bleibt etwas zurück, und Neues wird erreicht.

Der Weg der Frauen zum leeren Grab ist der zaghafte Beginn des Weges zum Glauben an die Auferstehung. Aber dieses Ziel ist noch weit entfernt.

Der Bericht lässt aber den aufmerksamen Hörer österliche Zeichen in manchen Bemerkungen erkennen. Die nachösterlichen Berichterstatter haben es nicht verabsäumt, verschlüsselte Hinweise auf die Auferstehung in ihre Texte einzubauen.

° Da ist einmal die Zeitangabe am Beginn des Berichtes: Am Ersten Tag der Woche. Der Erste Tag der Woche - nach unserer Wochentagsordnung immer der Sonntag - ist Gedächtnis des ersten Schöpfungstags, an dem Gott spricht: Es werde Licht!, und an dem der Schöpfer scheidet zwischen Licht und Finsternis. Die Erschaffung des Lichts, das Werk des ersten Schöpfungstages, ist vollendet im Sieg des ewigen Lichts über die Finsternis von Sünde und Tod. Für die Christen wird dieser Tag zu ihrem Urfeiertag, im Gedenken an jenen Tag, an dem Christus von den Toten erstanden und seinen Jüngern erschienen ist.

° Es folgt der Hinweis auf den Stein, der vom Grab weggewälzt war. Im österlichen Psalm 118 ist vom Stein die Rede, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist, zum Stein des Anstoßes, zum Stein der zwei Wege scheidet, zum großen Prüf-Stein zwischen Leben und Tod.

° Das leere Grab weckt zunächst keinen Auferstehungs-Glauben; es lässt - wie später zu sehen und zu hören ist - verschiedene Deutungen zu: vom gestohlenen Leichnam bis hin zu dem der aus dem Scheintod erwacht und aus dem Grab geflüchtet ist, um irgendwo im Osten ein neues Leben zu beginnen.

° Zwei Männer in leuchtenden Gewändern traten zu den Frauen. Es sind zwei, das heißt, sie haben eine glaubwürdige Botschaft authentisch zu bezeugen. Und sie tragen leuchtende Gewänder, das heißt sie sind Boten des Himmels.

° Noch ehe sie den Frauen ihre Botschaft kundtun, stellen sie jene bedeutungsschwere Frage, die den unüberhörbaren Vorwurf mangelnden Glaubens enthält: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier! Als Gefolgsleute Jesu hätten sie doch wissen müssen, dass ihn der Tod nicht festhalten kann.

° Jetzt erst folgt die neue Oster-Botschaft Er ist auferstanden! und dazu die Ergänzung, dass er ja vorausgesagt habe, er werde gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.

Anders als im Bericht von Matthäus und Markus findet sich bei Lukas keine Aufforderung an die Frauen, den Aposteln die Auferstehung Jesu mitzuteilen, aber sie gehen und berichten ihnen, was sie gehört und gesehen haben. Sie tun es beinahe ängstlich, als wären sie sich dessen, was sie erlebt haben, selbst nicht sicher!

Tatsächlich halten die Männer die Erzählung der Frauen für haltlose Phantastereien.

Allein Petrus macht sich auf den Weg, um sich selbst ein Bild vom Geschehen zu machen. Aber auch er kommt über eine große Verwunderung über alles, was geschehen war, noch nicht hinaus!

Der Weg zum leeren Grab, auch der Bericht vom leeren Grab und sogar der Lokalaugenschein beim leeren Grab führen noch nicht zum Glauben an die Auferstehung.

Erst der Auferstandene selbst - und nur er selbst! - bringt den Seinen die Gewissheit, dass er auferstanden ist.

Was für ein Trost für alle, die zweifeln - damals und heute!

 

Die Fülle der Freude in den Gottesdiensten der Ostertage
von Martin Petzolt

Die byzantinische Osternachtsfeier ist auch bei Deutschen seit vielen Jahren beliebt und etabliert. Viele besuchen jährlich den feierlichen Gottesdienst der Russen, Griechen oder Serben, der in allen größeren Städten stattfindet oder gehen zu einer deutschsprachigen orthodoxen Gemeinde. Der Osterjubel gipfelt in dem Hymnus „Christos voskrese“, „Christos anesti“, „Christus ist auferstanden von den Toten, im Tode hat er den Tod zertreten, und denen in den Gräbern Leben geschenkt“.

Zu Beginn der Osternacht nach der Prozession um die verschlossene, noch dunkle Kirche wird er angestimmt und in der Nacht, in der folgenden Oktav und in der gesamten Osterzeit unzählige Male wiederholt. Desgleichen begrüßen sich von nun ab die Gläubigen mit dem Gruß:

„Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaft auferstanden!“

Doch ist das Auferstehungsevangelium, das vor der Kirchentüre mit brennenden Osterkerzen in der Hand gelesen wird (Mk 16,1-8), gar nicht die erste Verkündigung der Auferstehungsbotschaft im Gottesdienst. Schon vor der Osternacht wird ein Gottesdienst gefeiert, der auf der Schwelle der Passion mit der Grablegung zum Ostermorgen steht und die Auferstehung ankündigt. Diese Vesper des Karsamstag, mit der der Sabbat und die Grabesruhe enden und der neue Tag des Ostern anbricht, hat bereits ein Auferstehungsevangelium (Mt 28,1-20), übrigens (mit Erweiterung) das Erste der Reihe der 11 Auferstehungsevangelien, in der das Evangelium zu Beginn der Osternacht das Zweite ist. In diesem Vespergottesdienst werden zum Evangelium die schwarzen Zelebrationsgewänder gegen österlich weiße und vergoldete ausgetauscht. Mit dem Ruf: „Steh auf, Gott, richte die Erde“ (Ps 81) verstreut der Priester in der ganzen Kirche grüne Blätter, die über Ostern liegen bleiben. Vorher schon wurde die alttestamentliche Prophetie der Auferstehung in 15 Lesungen vorgetragen und eventuell Kinder getauft. Auch die Hymnen zum „Herr, ich ruf zu dir“ weisen auf die Auferstehung und kündigen sie an: Der Hades kann Christus nicht halten, vielmehr geht er durch ihn zugrunde. Denn dieser beraubt den Hades seiner Beute und vernichtet den Tod durch seine Auferstehung. Schließlich gehen in der anschließenden Basiliosliturgie viele Gläubige bereits zur Osterkommunion, zumal sie bis zu diesem Gottesdienst, der wohl auch deshalb auf den Samstagvormittag gerückt ist, die strengen Fasten- und Nüchternheitsgebote eingehalten haben. Die Fastenzeit endet mit dem Auferstehungsgottesdienst und der Eucharistiefeier in der Osternacht.

In Griechenland nehmen die Gläubigen von dem Osterlicht das Feuer mit nach Hause, um damit die Kohlen anzuzünden, über denen die Osterlämmer gebraten werden. Nebelartig sind die Dörfer von fettem Dampf eingehüllt. Auch die Russen lassen in der Nacht die neuen Speisen, auf die während der gesamten Fastenzeit verzichtet wurde, segnen, symbolisiert im Kulitsch, einem Hefekuchen mit viel Ei und Butter, und der Paschatorte aus Quark, Butter und Ei, geschmückt mit Auferstehungssymbolen und dem Ostergruß. Oft, vor allem in den Klöstern, bleibt man nach dem Nachtgottesdienst noch zum gemeinsamen Essen, genannt Agape oder Liebesmahl, bei dem es nur noch Speisen und Getränke gibt, die vorher lange entbehrt wurden: Milch, Wein, Eier, Käse, Butter und – in den meisten Klöstern allerdings nicht – Fleisch.

Die Osterfeierlichkeiten, von der Vesper angefangen über die Osternacht mit dem freudigen Osterkanon des Johannes von Damaskus bis zum Ostermahl, haben noch einen weiteren Höhe- und Schlusspunkt: die Ostervesper, auch Vesper der Liebe (Esperinós tis agápis) genannt. Zu diesem Gottesdienst werden noch einmal die schönsten Gewänder angelegt, alle Kerzen angezündet, und mancherorts eine feierliche Prozession mit der Osterikone gemacht, da sie in der Nacht aus der Kirche zum Agapemahl geleitet wurde. Ganz sicher ist diese Vesper der fröhlichste Gottesdienst. Er steht nicht mehr an der Schwelle zum Auferstehungsfest, hat keine nächtliche Prägung mehr, ist nicht mehr vom Fasten bestimmt. Mittlerweile hat ein fröhliches Mahl stattgefunden, und alle sind gewissermaßen mitten in der Osterfreude. Die Vesper fällt zunächst dadurch auf, dass sie (zumindest im liturgischen Buch) sehr kurz ist. Es kommen überhaupt keine Psalmen vor, nicht einmal der Vesperpsalm 103. Nach dem mehrfachen Ostertroparion mit den Zwischenversen, mit denen die Osternacht begonnen hat, folgt gleich das „Herr, ich ruf zu dir“ mit den Sonntagsstichiren im Zweiten Ton. Darauf folgt eine weitere Verkündigung der Auferstehungsbotschaft im Evangelium (Job 20,19-25). Es ist die Perikope von der Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern am Abend des ersten Tages der Woche, eben dem Zeitpunkt, der sich mit der gerade gefeierten Vesper trifft. Diese schließt ja auch den ersten Tag der Woche, den Ostertag ab. Jesus zeigt seine Kreuzigungswunden, schenkt ihnen den Heiligen Geist und sendet sie aus mit der Vollmacht der Sündenvergebung. Während die Osternachtsliturgie mit dem Johannesprolog als Evangelium die neue Leseordnung beginnt, hören die Gläubigen in der Vesper somit wieder eine Auferstehungsverkündigung. Bei den Griechen ist es Brauch, dieses Evangelium, das ja von der Sendung der Jünger in die Welt handelt, in möglichst vielen Sprachen zu lesen, vor allem in den Klöstern und in Westeuropa, wo ja tatsächlich Menschen verschiedener Muttersprache gemeinsam Ostern feiern. Die Russen pflegen diesen Brauch in der Osternachtsliturgie. Darauf folgen die Freudenhymnen, die auch bereits in der Osternacht zur Laudes gesungen wurden und die Liebesgemeinschaft bekräftigen, die alle Erlösten verbindet, in der Eucharistie, im Liebesmahl und im gemeinsamen Lobpreis. Zum Psalmvers: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns frohlocken und uns freuen an ihm“ lautet die Hymnenstrophe:

„Freudenpascha, Pascha des Herrn, Pascha. Das allverehrte Pascha ist uns aufgegangen. Pascha, in Freude lasst uns einander umarmen. O Pascha, Erlösung von Trauer. Denn aus dem Grabe wie aus einem Brautgemach, ist Christus aufgestrahlt. Die Frauen erfüllte er mit Freude, da er sprach: Bringt Kunde den Aposteln.“

Kann man deutlicher die Osterfreude und die daraus entspringende Liebe charakterisieren? In der Auferstehung gründet die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden, die immer auch eine Gemeinschaft der Liebenden sein muss. Nach dem „Ehre dem Vater“ folgt als Schlussstrophe:

„Der Auferstehung Tag! Strahlend prächtig lasst uns sein zum Fest und lasst uns einander umarmen. Lasst uns ‘Brüder’ sagen, auch zu denen, die uns hassen. Einig lasst uns in allem sein durch die Auferstehung. Und so lasst uns rufen: Christus ist auferstanden von den Toten, im Tode hat er den Tod zertreten, und denen in den Gräbern Leben geschenkt.“

Die Umarmung und geschwisterliche Liebe prägt tatsächlich das österliche Freudenfest. Schon vor der Osterkommunion bitten die Menschen sich gegenseitig persönlich um Vergebung. Und wenn in diesen Tagen so oft der Ostergruß gewechselt wird, und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch auf der Straße, im Geschäft, bei der Arbeit oder am Telephon, und wenn dazu auch noch der Osterkuss getauscht wird, dann wird etwas von der Erlöstheit der Christen sichtbar. Friedrich Nietzsche, der kritisierte, die Christen würden nicht erlöst wirken, hat wohl keine Vesper der Liebe und kein orthodoxes Ostern erlebt. Nach den Gesängen oder auch schon währenddessen kommen die Gläubigen zum Handkuss und Ostergruß nach vorne zum Patriarchen, Bischof, Abt oder Pfarrer und erhalten wie in der Osternacht noch einmal ein rotes Osterei. Aber die Osterfreude ist so groß und tief, dass sie hiermit nicht endet, sondern eine ganze Oktav in der Feier der Liturgie ihren Ausdruck findet. An jedem Tag wird der Osterkanon des Johannes wiederholt, die Osterstichiren der Laudes und Vesper bleiben dieselben, die Kleinen Stunden beinhalten nur Osterhymnen und die Gebete zur Stunde, die Blätter der Vesper vor der Osternacht bedecken den Boden der Kirche. Schließlich bleiben die Türen der Ikonostase geöffnet. Denn der Altar symbolisiert auch das Grab, wie dies an jedem Sonntagmorgen deutlich wird, wenn der Priester das Auferstehungsevangelium seitlich am Altar wie der Engel im Grab verkündet. Dieses ist leer, denn:

„Christus ist auferstanden! - Er ist wahrhaft auferstanden!“

aus: Der Christliche Osten, Jahrgang XLVII,1992/2, S. 83ff.
hier aus St.Andreas Bote

RUSSISCHES OSTERBRAUCHTUM-12

Des recettes pour le temps de Pâques

Sur l’Internet, plusieurs sites donnent des recettes de différents pays de plats préparés durant la période pascale.
Voici une sélection.

Pour commencer, voir cette page qui donne quelques explications sur les desserts et pâtisseries pascales. De nombreuses recettes, de différents pays d’Europe, sont proposées ici. C’est aussi le cas de cette autre page spécialisée dans les desserts ou encore de ces deux pages surtout consacrées aux desserts en chocolat. On trouve aussi des recettes de la paskha (terme orthographié de différentes manières) : deux sur ce site, une ici parmi d’autres recettes russes, ou encore ici. On trouve également des recettes grecques, comme celle du tsoureki, des biscuits de Pâques (Koulourakia lambriatika). Enfin, parmi d’autres, une recette pascale occidentale, vendéenne plus précisément : l’alise pacaude (ou ici), aussi appelée galette pâquaude ou pain de Pâques.

 


 

VOR - FASTENZEIT

"Der UMKEHR Türen öffne mir ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

 

 

SONNTAGE der Vorfastenzeit:

1. Sonntag vom ZÖLLNER und PHARISÄER
2. Sonntag vom VERLORENEN SOHN

3. Sonntag FLEISCHENTSAGUNG !   vom GERICHT

4. Sonntag BUTTERENTSAGUNG !   vom VERLUST des PARADIESES   VERGEBUNGSSONNTAG

- abends:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen
FASTEN

 

 

Vor - Fastenzeit

Warum wird die vorösterliche "Grosse Fasten" durch die vierwöchige Vorbereitungszeit eingeleitet ?
Weil die Kirche mit ihrer 2000-jährigen Erfahrung ein tiefes psychologisches Mitgefühl mit der menschlichen Natur entwickelt hat. Sie kennt unseren Hang uns von den Oberflächlichkeiten unserer Umwelt einnehmen zu lassen und unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit auf die geistlichen Güter. Ein rascher Wandel unserer Alltäglichkeit, ein unvermitteltes Hinüberwechseln in eine noch nie auch nur erspürte Praxis birgt die Gefahr uns zu überfordern. Wir dürfen nicht Wunder fordern, sondern wir bereiten uns auf immer wieder neue Anstrengungen vor. Wir müssen uns darauf vorbereiten, nach jedem Fall niemals die Anstrengungen des Aufstehens zu scheuen, wieder an die Türen der Umkehr zu klopfen und uns wieder auf den Weg zu machen.

Lasst uns die jährlich Gelegenheit nutzen, uns auf das Ziel und die Bedingungen wahrhaft christlichen Fastens zu besinnen und uns allmählich für das kommende Fasten bereit zu machen. Charakteristisch für unsere heilsame orthodoxe Tradition des Christentums ist dabei die pastorale Heranführung an die einzelnen Phasen des Heilswerkes unseres Gottes für uns Menschen. Vor dem Apell zum praktischen Vollzug der Fasten wird uns deren Bedeutung in mehreren Bildern anschaulich gemacht. So hat jede Zeit des Kirchenjahres - ohne unvermittelte Einschnitte und Brüche - in ihrer Weise Anteil am Ganzen, am alle Zeiten einschliessenden Heilsmysterium Christi. Zugleich wird dadurch aber auch deutlich, dass die Gläubigen sich nicht nur an einzelnen Festzeiten einseitig und nach Belieben bedienen sollen, wie an einem Selbstbedienungs-Buffet, sondern in allen Zeiten des Kirchenjahres in demütiger Offenheit und aktiver Teilnahme am Gebet der Kirche eine weitere Stärkung in ihrem Lebensweg als Christen mitbekommen.

Die Haltung demütiger Offenheit aber muss immer wieder neu mutig errungen werden.
Dieser Mut und die Bereitschaft das Ringen auch durch Entbehrungen durchzuhalten ist besonders für die Zeit der Grossen 40-tägigen Fasten notwendig. Das aktive, bewusste Fasten ist ein deutliches Bekenntnis zur Möglichkeit der Überwindung der "animalischen Naturgesetze" und ein Zeichen der Bereitschaft zu wahrer Menschlichkeit im Ebenbilde Gottes.
Wenn wir dies Bedenken, dann wird uns das Fasten nicht als unliebsame Einengung erscheinen. Wir werden erkennen das Fasten nichts mit Trübsinn zu tun hat, sondern mit Freude die Gelegenheit zur Erneuerung des Lebens ergreifen.

Deshalb wollen wir das Fasten nicht nur als äusserliche Übung der "Gesetzestreue" sehen, sondern als Gelegenheit uns dem Heil der Vergöttlichung zu nähern:

Beginnend mit der Bitte, dass sich auch uns die "TÜREN der UMKEHR" öffnen mögen !

Die Sonntage der 4 Wochen der Vorbereitung der Vor-Fastenzeit führen uns durch ihre Evangelien an diese "Türen der Umkehr" heran.
Diese Zeit soll genutzt werden, um uns zu Besinnen, uns zu überlegen und wenn möglich mit dem Beichtvater abzusprechen in welcher Weise wir am Fasten der Kirche in unseren konkreten Lebensumständen teilhaben können. Realistischerweise wird uns nämlich ausser in Klöstern die genaue Einhaltung aller Fastenregeln der Kanones (kat´akrib ei an) nicht so ohneweiteres möglich sein. Gleichzeitig wird ein am Sinn und nicht nur am Buchstaben orientiertes Fasten auch weitgehenden Verzicht auf die Genussmittel, Süssigkeiten, Fernsehen und andere "Suchtmittel" unserer Zeit bedeuten. Dies vor allem, um frei zu werden, die "Lebensqualität" eines inneren geistlichen Lebens für uns neu zu entdecken und zu intensivieren.
Die Vorfastenzeit bietet Gelegenheit zur konkreten Planung dieser Umkehr. Aus praktischer Erfahrung ist es auch empfehlenswert die Umsetzung der Pläne "austesten", um für die 40 Tage nur Vorsätze zu fassen, die wir dann auch weitgehend umsetzen können.
Wichtig ist es aber auch, sich auch gleich darauf vorzubereiten, dass wir nach jedem Fall auch wieder bereit sind aufzustehen - und das "Rennen" fortzusetzen. Nicht umsonst werden wir auch an die 40 Jahre erinnert, in denen das Volk des Herrn auf dem Weg durch die Wüste die neu gewonnene Freiheit erprobte:
Befreit aus der auch beQuem gewordenen Gefangenschaft "an den Fleischtöpfen Ägyptens", gerettet von äusseren Feinden nach der DurchQuerung des Roten Meeres und immer wieder im Glauben gestärkt auf dem Weg in das Land der Verheissung wie wir in unseren Anstrengungen auf dem Weg zur Vergöttlichung. Aber trotz der neu empfangenen Richtschnur der 10 Gebote, von Gott genährt durch das Manna vom Himmel und mehrmals gerettet durch die Wunder des Wassers des Lebens:
Nahe an Gott aber auch in dieser Situation immer wieder zurückgefallen in gefährliche Sünden
- aber auch immer wieder durch Gottes Gnade und menschliche Anstrengung wieder versöhnt mit dem Schöpfer des Lebens.
ER will uns nie vernichtend strafen, sondern wie es uns Christus während Seiner 40 Tage in der Wüste gezeigt hat, immer wieder für uns und unsere Erlösung mit dem Satan, dem Versucher, ringen. Wir können darüber umso mehr Freude empfinden, je öfter wir nach unseren Sündenfällen wieder aufstehen und den Kampf wieder aufnehmen.
"Nur vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und nur ihm allein dienen" (Lk 4,8) erinnert uns der Apostel an dieses Privileg der "Synergie", der Einladung Gottes an uns, unsere begrenzten Kräfte mit Seiner Allmacht zu verbinden.


Bereiten wir uns auf die freudebringenden Anstrengungen dieses Kampfes vor, um dann nach der "Vollendung der 40 Tage" auch mit wenigstens teilweise verdienter Freude die Früchte der Auferstehung ernten zu dürfen !


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 
~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation durch grossen Chor ~~~
www.musicarussica.com - RealAudio


Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !


~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
aus: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"


 

Sonntag vom Zöllner und Pharisäer

Apostel: 2 Tim 3: 10-15
Evangelium: Lk 18: 10-14


Die Apostellesung erinnert uns, an heilsamen Traditionen festzuhalten.
Das Evangelium macht aber sofort deutlich, dass damit nicht ein gesetzlicher Konservatismus gerechtfertigt werden soll:
Der Pharisäer, der getreu alle überkommenen Vorschriften einhält, und sich dessen vor Gott rühmt, wird beschämt durch den ausserhalb des Gesetzes stehenden Zöllner, der in Demut seine Unwürdigkeit bekennt.
Am ersten Vorfastensonntag werden wir auf die erste Voraussetzung dafür hingewiesen, dass die kommende Fastenzeit für uns heilsam wird:
DEMUT



Lasset uns fliehen
die hochmütige Prahlerei des Pharisäers
und lernen
das demütige Seufzen des Zöllners !
Zu unserem Erlöser lasset uns rufen:
Vergib uns,
Allerbarmer !


Vor uns liegt ein Ausstieg, ein Aufstieg ins Heiligtum, in das Innerste des heilbringenden Mysteriums Christi, hin zur kostbaren Herzmitte auch unserer Existenz, deren eigentlichen Sinn dises Mysteriums birgt.

Wir nahen uns dem Ostermysterium entweder als "Zöllner" oder als "Pharisäer":
- als solche, die kommen zur wahren Verwirklichung dessen, wozu wir berufen sind
- oder als solche, die in den "Naturgesetzen" ihrer Umgebung verfangen, das eigentliche Ziel ihres Lebens verfehlen.

Der offenbahrende Gott zeigt uns welche Grundhaltungen -Seiner erlösenden Liebe gegenüber- für uns heilsam oder nutzlos sind:

Der Pharisäer steht für den Selbstgerechten, den Menschen, der sich selbst verwirklichen will, dank all seiner Leistungen und seiner Selbstsicherheit, der auf seinen Individualismus stolz ist:
"Er betet bei sich selbst: ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen"

Der Zöllner zeigt uns dagegen, die allein fruchtbare, die Haltung, für die das Heil nahe ist:
Er "steht von Ferne und wagt es nicht, seine Augen gen Himmel zu erheben". Er weiss um die Distanz zur erhabenen, ganz anderen Wirklichkeit des über alles erhabenen, allerhöchsten Gottes über jeden Gott, DEN, zu dem sich der selbstgerechte Mensch selber machen wollte. Er weiss um seine Schulden, die Sünden und "klopft an s e i n e Brust", nicht an die Brust der anderen um andere für deren Vergehen zu tadeln. Er weiss, das sein Schöpfer auch sein ihn liebender Erlöser ist, der ihm sogar an seiner göttlichen Natur Anteil geben will. Der sich selbst richtig einschätzende Zöllner (= der Sünder par excellence), e r b i t t e t das Erbarmen Dessen, Der die Liebe ist:
"Gott, gewähre mir Deine Gnade !"

 

“Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Predigt zum Sonntag des Zöllners und Pharisäers
von P. Konstantinos, München
* Quellenhinweis *

„Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,10-14)

Die heutige Evangeliumsperikope zeigt uns zwei Arten von Gläubigen; zwei charakteristische Typen von Menschen, die in die Kirche kommen. Der erste kommt, um sich zu zeigen, um anzugeben, um sein angeblich so heiliges Leben vorzustellen, um die Bewunderung der anderen zu erregen, um Gott, seiner Ansicht nach, zu verpflichten für seine Taten, für seine Tugenden, die der Bewunderung und des Lohnes würdig sind.

Welch ein Irrtum, welch ein Trug, welch ein Frevel! Ein Frevel vor Gott und den Menschen. Denn Gott nimmt solche Gebete nicht an, und die Menschen verabscheuen diese Art, ja ekeln sich vor ihr. Bei meinen Hausbesuchen höre ich viele Klagen und Kritik an vielen an uns, die wir zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber zu Hause, in der Arbeit, im Umgang mit anderen ganz anders sind, als wie wir uns hier im Umfeld der Kirche zeigen möchten. Wir sind leicht erregbar, ungerecht, sprunghaft und haben tausend andere Fehler, die unseren Charakter verraten. Wir kommen in die Kirche mit großen und auffallenden Kreuzen, mit großen und vielen Kerzen, aber wir verbergen in uns den Pharisäer, der uns so treffend im Hl. Evangelium beschrieben wird.

Ich möchte nicht länger bei der Charakterisierung und Beschreibung dieser Art von Menschen verbleiben. Ich möchte, dass wir uns etwas mehr Gedanken machen über eine andere Art, nämlich über jenen, den der Pharisäer verachtet, auf den er mit dem Finger zeigt und über den er schlecht redet.

Wer ist es? Es ist ein sündiger Zöllner. Früher mussten die Bauern den Zehnten zahlen, d.h. ein Steuereinnehmer, kein Beamter des Staates, hatte sich vom Staat das Recht gekauft, die Steuern von den Bauern einheben zu dürfen. Dieser Steuereinnehmer oder seine Leute hatten die Möglichkeit Missbrauch zu üben, zu stehlen, die Bauern auszubeuten. Und sie haben den Unwissenden und Hilflosen das Gesetz vorgehalten, um damit ihre Gesetzwidrigkeiten zu verschleiern. In der Zeit Christi hatte die römische Herrschaft für diese Arbeit die Zöllner, die in der Regel stahlen und ihre Landsleute rücksichtslos und schamlos betrogen. Deshalb hatte niemand Achtung vor ihnen. Deshalb betont der Pharisäer der heutigen Evangeliumsperikope: „Gott, ich danke Dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin ... oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Der Zöllner wiederum kannte seine Schuld. Er wagte es nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben. In einem abgelegenen Teil des Tempels klopfte er sich, niedergebeugt und voller Reue, an die Brust und flüsterte immer wieder: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Es waren dies seine einzigen Worte, aber sie kamen tief aus seinem Herzen. Worte der Reue und Buße, die zeigten, dass in dieser Brust seine Seele litt und eine geistige Geburt, eine seelische Wiedergeburt möglich wird. In diesem Kampf in seiner Brust stürzte der Zöllner den Sünder in sich vom Sockel seiner Geldgier und legte den Grundstein für ein neues Leben. Das ist das Werk der Buße. Als der Zöllner zu bereuen begann, erfuhr er die erste Frucht dieser Tugend: die Demut.

Man sagt, dass die Demut die Tugend der Alten und der Weisen sei. Aber auch der Zöllner zeigte sich demütig. Ganz hinten im Tempel klopfte er sich an die Brust und sagte: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Seht seine große Demut, ganz spontan kamen ihm diese Worte über seine Lippen. Und diese Worte waren nicht von der satten Arroganz der dürren Worte des Pharisäers.

Die aufrichtige Reue des Zöllners führte ihn zur Demut, welche „die beste der Tugenden ist“, wie uns der hl. Augustinus sagt, und diese führt uns weiter zum Gebet, das eine „Kraftreserve“ ist, wie es ein anderer Denker ausdrückte. Die Tradition überliefert uns, dass König David, als er seine übergroße Sünde bereute, bitterlich weinte, wie es der 50. Psalm beschreibt, den wir in vielen Andachten unserer Kirche lesen. Aus den Tränen Davids wuchsen aus der Erde zwei Bäume: eine Weide, die auf immer trauert und eine Zeder, deren Harz sich in Weihrauch verwandelt.

Tatsächlich Quellen aus der aufrichtigen Reue zwei Tugenden: die Demut, die der Weide gleicht, die ihre Zweige nach unten neigt und das Gebet, das wie Weihrauch zum himmlischen Altar Gottes aufsteigt.

Das ist die Dreiheit der Tugenden - Reue und Buße, Demut, Gebet -, die uns heute das Triodion der Zerknirschung in Erinnerung bringt. Das Triodion, das heute beginnt, ist die Zeit, die uns auffordert, uns auf diese Tugenden zu besinnen. Jeder Sonntag des Triodions erinnert uns an eine andere Tugend. Die Kette unserer Tugenden verbindet uns mit dem gütigen Gott.

Selig werden sein, die
in der heutigen Zeit der Gleichgültigkeit im Glauben, ja seiner Ablehnung,
es zustande bringen,
sich durch diese Kette mit Jenem zu verbinden,
der den Zerknirschten und Demütigen im Geiste nahe ist.

Amin.

Übersetzung aus dem Griechischen: G. Wolf


 

Sonntag vom Verlorenen Sohn

Apostel: 1 Kor 6: 12-20
Evangelium: Lk 15: 11-32


Vater Alexander Schmeman: " Rückkehr aus dem Exil "

Die Apostellesung dieses Herrentages stellt die christliche Freiheit heraus und steckt damit die Grenzen des Fastengebots ab:
"Alles ist mit erlaubt, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen"
Damit ist das Fasten jeder fremden Beurteilung von aussen entnommen. Es kann daher nach orthodoxem Verständnis auch nicht zum öffentlichen Gesetz werden, zumal es, wie der Herr anweist (Mt 6: 16-18) im Verborgenen geschehen soll.
Das Evangelium stellt dann den eigentlichen Sinn der Fastenzeit heraus: Der Aufbruch zur Umkehr zum Vater, der den Verlorenen Sohn mit Freuden aufnimmt und reich beschenkt. Es ist wohl kein Zufall, dass an diesem Herrentag erstmals im Nächtlichen Psalmengebet (Ps 136) angestimmt wird.


Deine väterliche Herrlichkeit
habe ich ohne Verstand verlassen.
übel verschwendet habe ich den Reichtum
den Du mir gegeben hast.
So rufe ich Dir die Worte des Verlorenen Sohnes zu:
"Ich habe gesündigt gegen Dich,
barmherziger Vater.
Nimm mich auf,
der ich umkehre,
und lass mich bei Dir sein
wie einen Deiner Taglöhner !"


Der selbstherrliche, auf seine vermeintliche Autonomie allzu stolze Mensch ist -von seinem Ursprung her- Sohn des himmlischen Vaters. Alles, was er hat, hat er von Gott.
Er zieht in ein gottfernes Land, liefert sich einer gottfernen Gesellschaft aus. Er nimmt so viel er kann aus seiner Mitgift, dem Eigentum Gottes. Er verschwendet es hemmungslos an Idole, die ihm kurzfristig faszinierend erscheinen. Als es seine Mitgift verbraucht hatte, im Genuss des Materiellen, Innerweltlichen, tritt die Hungersnot ein. Nichts vermag ihn zu sättigen im Anblick des Absterbens seiner Lebendigkeit, niemand, keine Parole kann ihn mehr begeistern. Keines seiner Idole kommt ihm zu Hilfe: "Ich sterbe hungers !"
Aber er hat noch die Kraft seine Niederlage einzugestehen: "Wie viele Tagelöhner im Hause meines Vaters haben Überfluss an Brot. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen".
Es ihm gleich zu tun, dazu fordert uns die Kirche auf, jetzt in der Zeit des Aufbruchs in die Grossen Fasten vor der Auferstehung.

"Ich will mich aufmachen", ich will aufstehen, damit Überblick gewinnen, Gewohntes verlassen und mich auf den Weg machen, den die Fastenzeit mir öffnet, hin zum Vaterhaus.
Das ist das Ziel: zu Gott, zu unserem Vater zu gelangen.
Er macht mich frei.
Er nährt mein innerstes Leben.
Er will mir in der Wohnung Seiner Herrlichkeit Geborgenheit auf ewig bieten.

"Ich will dem Vater sagen: ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir; ich bin nicht wert, Dein Sohn zu heissen". Die Not der Sünde, der Gottesferne, ist die tiefste Not. Wo sie am grössten ist, ist sie am gefährlichsten, besonders wenn jeder Hilfeschrei betäubt und ihre Symptome verdrängt werden. Sünde ist immer gegen alles gerichtet, was sich über den irdischen Niederungen, den menschlichen Gemeinheiten, wölbt. Die Sünde widersetzt sich der Güte Gottes. Sie ist immer Lüge gegen die Wahrheit des göttliche Lebens in uns.
Wer könnte sagen, er wäre ohne Sünde: "Weil kein Mensch lebt ohne zu sündigen" (1 Könige 8: 46) ?

Die Fastenzeit schafft uns eine gute Gelegenheit, unsere Sünden vor Gott, unserem Vater zu bekennen: im Mysterium der Busse (der Beichte und Umkehr).
Es tut uns gut, wenn wir noch sagen können: "Ich habe mich versündigt an der Liebe zu Gott und den Nächsten" !

"Als er (wir) noch weit entfernt war(en), sah ihn (uns) der Vater -und war von Mitleid gerührt, er lief ihm (uns) entgegen, fiel ihm (uns) um den Hals und küsste ihn (uns). Die Liebe des Vaters kommt uns stets in Christus entgegen, wenn der Sünder aufrichtig seinen hilfsbedürftigen Zustand mit Glauben und kindlicher Hoffnung und Vaterliebe ausbreitet. Sein Mitleid teilt unser Leid und unseren Tod. Der Sünder öffnet die Herzwunde Christi, Gottes, aus der das Wasser des Mysteriums der Taufe (die Väter nennen das Mysterium der Busse "eine zweite Taufe") und das Blut der Eucharistie (des Mysteriums vom allerreinsten Leib und Blut des Herrn) fliesst.
Gott umarmt uns als Seine Kinder.
Gott schützt uns mit Seiner Kleidung (in der Taufe haben wir "Christus angezogen"), der besten Kleidung, der Kleidung der Kindschaft Gottes -wenn wir uns blossgestellt fühlen, wie einst Adam.
Gott setzt uns ein, in Sein Erbe, das unverwesliche Erbe der Unsterblichkeit.
Und trotz all dieser Gaben will er unsere Freiheit: Er gibt uns den Siegelring der Freien.
Die Kirchenväter deuten es noch tiefer:
Die Schuhe weisen auf die Befähigung auf dem Weg (Christi) fortzuschreiten, das Siegel auf das Siegel des Heiligen Geistes.
Unser Vater bereitet uns das Freudenmahl -das Ostermahl, -die Göttliche Liturgie.
Auch wenn wir dem zweiten Sohne gleichen, der tief in seinen Alltag verstrickt ist, und glaubt durch äusserliche "Anständigkeit" immer im Sinne des Vaters gehandelt zu haben, und so zum Knecht seiner Selbstgerechtigkeit geworden ist, und wenn wir, wie er, nicht hineingehen wollen, um uns für das Freudenfest bereit zu machen, so sucht uns doch der Vater heim: "Da kam sein Vater heraus, und redete ihm zu"
Hören auch wir auf Gott, unseren Vater wenn er uns durch die Tradition der Kirche jetzt in der Vorfastenzeit auf das österliche Freudenfest vorbereitet !

Ja, wir wollen nicht mehr fern der Freude der Gemeinschaft mit Gott, fern dem wahren, von Ihm geschaffenen Leben des Paradieses, leben.
Ja, ich werde die Fesseln der Torheit lösen, die mir von Ihm geschenkten Reichtuemer nicht mehr mehr mit Sündern verschwenden, sondern mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren.

An den Flüssen von Babylon saßen wir ...
gedenkend der Stadt des Herrn ...
Wie könten wir dem Herr ein Lied singen
in einem fremden Land ?
Sollte ich dich vergessen, o Stadt meines Gottes,
so verdorrt meine rechte Hand
so klebt meine Zunge am Gaumen
wenn ich Deiner vergesse,
wenn ich nicht Gottes Stadt über alle meine Freuden stelle ...

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza

 

 

Erzpriester Alexander Schmemann:
(langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)


Rückkehr aus dem Exil

zum Sonntag vom Verlorenen Sohn

An diesem Sonntag der Vorbereitung auf die Fastenzeit hören wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Zusammen mit den Hymnen dieses Tages erschließt uns dieses Gleichnis die Zeit der Reue als die Rückkehr des Menschen aus dem Exil.

Der verlorene Sohn, so hören wir, bricht auf in ein fernes Land und verschwendet dort alles, was er besitzt.
Ein fernes Land!
Das ist die einzig zutreffende Bezeichnung für unsere Bedingtheit als Mensch,
die wir annehmen und zu der unseren machen müssen, wenn wir unseren Weg zu Gott hin beginnen.
Ein Mensch, der niemals diese Erfahrung gemacht hat, und sei es auch nur für kurze Zeit, dass er in der Gottesfeme lebt und von dem wahren Leben abgeschnitten ist, wird niemals verstehen, was es mit dem Christentum auf sich hat.
Und jemand, der vollständig in dieser Welt und in dem Leben dieser Welt »zuhause« ist, der nie von dem sehnsuchtsvollen Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit schmerzlich getroffen wurde, der wird nie verstehen, was bereuende Umkehr ist.

Oft wird die bereuende Umkehr einfach mit einer nüchternen und »sachlichen« Aufzählung von Sünden und Übertretungen, einem »Schuldbekenntnis« bei einer gerichtlichen Anklage, gleichgesetzt.
Geständnis und Absolution werden als juristische Akte betrachtet.
Man übersieht jedoch etwas sehr Wesentliches, ohne das weder das Schuldbekenntnis noch die Absolution eine wirkliche Bedeutung oder Wirksamkeit erlangen können. Dieses »Etwas« ist ganz genau das Empfinden des Verbanntseins von Gott, weit verbannt von der Freude der Gemeinschaft mit ihm und fern dem wahren Leben zu sein, das durch Gott geschaffen und geschenkt wird. Es ist in der Tat leicht zu bekennen, dass ich an den vorgeschriebenen Tagen nicht gefastet habe, dass ich meine Gebete vergessen habe oder jähzornig gewesen bin. Eine ganz andere Sache ist es jedoch, wenn ich mir unvermittelt eingestehen muss, dass ich Schande auf mich geladen und meine geistliche Schönheit verloren habe, dass ich mich sehr weit von meinem eigentlichen Zuhause, von meinem wahren Leben entfernt habe, und dass ich in dem innersten Gewebe meiner Existenz etwas Kostbares, Schönes und Reines in nicht wiedergutzumachender Weise zerstört habe. Indessen bedeutet dies, und nur dies, die bereuende Umkehr, und deshalb entsteht auch ein tiefgreifendes Verlangen, umzukehren, zurückzugehen und jenes verlorene »Heim« wiederzufinden.

Von Gott habe ich wunderbare Reichtümer erhalten:
zunächst das Leben und die Möglichkeit, mich dessen zu erfreuen,
ihm einen Sinn geben zu können,
es mit Liebe und Erkenntnis ausfüllen zu können;
dann – in der Taufe –
das neue Leben in Christus selbst,
die Gabe des Heiligen Geistes,
den Frieden und die Freude auf das ewige Königreich.
Ich habe die Erkenntnis Gottes erhalten,
und in ihm die Erkenntnismöglichkeit einer jeden Sache,
und die Kraft, Kind Gottes zu sein.

Und dies alles habe ich verloren;


dies alles verliere ich ständig, nicht nur in den besonderen »Sünden« und »Übertretungen«, sondern durch die Sünde aller Sünden, indem ich meine Liebe von Gott abwende und das »ferne Land« der Schönheit des Hauses des Vaters vorziehe.
Aber die Kirche ist da, um mich daran zu erinnern, was ich aufgegeben und verloren habe.
Und während sie mir dies ins Gedächtnis zurückruft, erinnere ich mich; so wie es das Kontakion dieses Tages ausdrückt:
»Fern von der Herrlichkeit des Vaters bin ich in meiner Torheit Fesseln umhergeirrt
und habe mit den Sündern die Reichtümer, die du mir anvertraut hattest, verschwendet.
So rufe ich mit dem verlorenen Sohn zu dir:
Barmherziger Vater, ich habe gegen dich gesündigt.
Nimm mich reuigen Sünder wieder auf und nimm mich an wie einen deiner Tagelöhner ... !« Und während ich mich erinnere, spüre ich in mir das Verlangen und die Kraft zurückzukehren:
»... Ich werde mich aufmachen und zu meinem mitfühlenden Vater zurückkehren
und werde zu ihm unter Tränen sagen:
Nimm mich auf wie einen deiner Diener! «

In diesem Sinne singen wir heute den sehnsuchtsvollen Psalm 136:


An den Flüssen von Babylon saßen wir und weinten, Sions gedenkend...
Wie könnten wir dem Herrn ein Lied singen, in einem fremden Land?
Sollte ich dich, o Jerusalem, vergessen, soll meine Rechte verdorren!
Meine Zunge klebe an meinem Gaumen, wenn ich deiner vergesse,
wenn ich nicht Jerusalem über alle meine Freuden stelle ...



Das ist der Psalm des Exils. Die Juden sangen ihn während der babylonischen Gefangenschaft, im Andenken an ihre heilige Stadt Jerusalem. Er wurde seit jeher das Lied desjenigen, der sich seines Verbanntseins in der Gottesfeme bewusst und hierdurch zu einem neuen Menschen wurde: zu jemandem, den nichts von dieser gefallenen Welt zufrieden stellen kann, da er seiner Natur und Berufung nach ein Pilger des Allerhöchsten ist. Dieser Psalm wird noch zweimal, an den beiden letzten Sonntagen vor der Fastenzeit gesungen. Und somit offenbart sich die Fastenzeit als Pilgerfahrt und Bereuen,

als UMKEHR.

Schmemann, Alexander (Erzpriester und langjähriger Dekan der Orthodoxen Theologischen Akademie der USA St. VLADIMIR´s)
"Die Große Fastenzeit - Askese und Liturgie in der Orthodoxen Kirche"
Veröffentlichungen des Instituts für Orthodoxe Theologie, Bd. 2, München 1994

hier aus St. Andreas Bote

"An den Flüssen von Babylon ..." 
~~~ Na Rekach Babylonskich ~~~
Chor des Klosters in Pyuchtiza


 

Sonntag der beginnenden FLEISCHENTHALTUNG

Sonntag vom Gericht

Apostel: 1 Kor 8:8 - 9:2
Evangelium: Mt 25: 31 - 46



Dieser Herrentag wird nach dem Evangelium "vom Gericht" oder nach der Tradition der Kirche "Herrentag der Fleischenthaltung" (= APOKREO = MESOPUSTNA = Carne val) genannt. Mit dem Abendgottesdienst an diesem Sonntag beginnen die Gläubigen sich in Fleischenthaltung zu üben.
In der folgenden Woche wird der Körper noch einmal mit Milch, Butter und Käse gelabt, bevor danach am Abend des nächsten Sonntags die Grossen 40-tägigen Fasten vor der österlichen Festzeit beginnen.


Orthodoxe Mönche und Monialinnen verzichten auf Dauer auf die Ernährung durch Fleisch. Während der Fasten enthalten sich auch die Laien. Der Verzicht auf Fleisch soll als ein Zeichen der Hoffnung auf das Himmelreich verstanden werden. Im ewigen Friedensreich Gottes werden sich Seine Geschöpfe nicht mehr fressen und gefressen werden(Jes 11: 6-9). Unser Fasten nimmt dieses Friedensreich im Glauben vorweg.
Die Apostellesung betont wieder einmal die wahrhaft christliche Freiheit gegenüber allen religiösen Speisevorschriften:

Brüder, Speise wird uns nicht vor Gott bestehen machen;
weder fehlt uns etwas, wenn wir nicht essen,
noch gewinnen wir etwas, wenn wir essen"
(1 Kor 8:8 )


Die Grenze dieser Freiheit ist jedoch das Gewissen unseres Nächsten, wenn er sich zu etwas verführen lässt, das ihm schadet.

Das Evangelium stellt uns das Gleichnis vom Jüngsten Gericht vor Augen. Mit der Symbolik vom Hirten, der am Abend des Tages die Schafe von den Ziegenböcken sondert, werden wir auf das Kriterium dieser für alle Ewigkeit wichtigen Entscheidung aufmerksam gemacht:
Erwählten wie Verworfenen,wird nach ihrem Tun Heil oder Unheil zuteil:
Aber sie erkennen erst jetzt, dass nicht die Befolgung irgendwelcher hochgesteckten abstrakten Prinzipien sondern die Art ihres Verhaltens gegenüber dem Schwächeren Mitmenschen entscheidet !

Vor dem ewigen Gericht werden jene in das Reich Gottes eingehen, die ihre Liebe konkret an ihren Mitmenschen bewiesen haben:
an den Armen, den Gefangenen und den Kranken. Unsere bewiesene Liebe oder unsere erwiesene Lieblosigkeit entscheidet !
Sünde ist Trennung und Isolierung von Gott, da Gott der Absolut Liebende ist. Und so wie Gottes Liebe zu uns konkreten unwürdigen menschlichen Individuen sind wir zu konkreter Liebe zu jeder menschlichen Person aufgerufen, der uns Gott in unserem Leben begegnen läßt.
Die christliche Liebe ermöglicht uns in jedem Menschen, der uns begegnet Christus zu sehen. Jeden Menschen, den Gott in Seinem unerforschlichen und ewigen Plan in mein Leben geführt hat, und sei es auch nur für einige Augenblicke, hat Er zu mir geführt um mir Gelegenheit zu geben an Seiner Liebe zu allen Geschöpfen teilzuhaben. Denn ist Seine Liebe nicht jene alle Äußerlichkeiten, alle Andersartigkeit, alle Herkunft und Intellektualität übersteigende Kraft die zur jeweils einzigartigen personalen Wurzel seines menschlichen Seins vorstößt, das wir getrost makellos und absolut sehen dürfen: seine ihm vom Schöpfer eingehauchte Seele, die wahrhaft göttliche Seite jedes Mitmenschen. Die christliche Liebe ist tätige Bekräftigung dieses Glaubens. Und diese Liebe ist so wie Gottes Liebe immer konkret. Wir sind damit nicht aufgerufen, allgemein und abstrakt die "Menschheit" allgemein und nicht in Form irgendwelcher Pläne für die Zukunft, die konkret gegen einzelne Personen und in einer konkreten "Etappe" "über Leichen geht", zu lieben, sondern immer die konkrete Person, die HIER und JETZT vor uns steht !
Wir wissen, dass alle Menschen dieser personalen Liebe bedürfen - dem Erkennen ihrer einzigartigen Seele in ihnen, in der sich die Schönheit der ganzen Schöpfung in einzigartiger Weise widerspiegelt.
Und so haben auch wir diese Liebe nötig:
Jetzt - und am Tage unseres Gerichtes !
Wir können das ewige Heil nicht erlangen, ohne die verzeihende Liebe dessen, der uns durch den Hauch Seiner Liebe das Leben gegeben hat und Der uns dann daran messen wird, ob wir diese Liebe erhalten und weitergegeben haben.

Die Hymnen des heutigen Tages halten fest, dass wir, an diesem Massstab gemessen, alle schuldig geworden sind vor Gott; wir können Sein Erbarmen nicht verdienen, sondern nur erbitten. Vorbereitet durch die vergangenen Herrentage sollen wir aber nicht ängstlich abseits stehen, sondern dürfen wir darauf hoffen, dass Gott, unser Vater, uns mit Macht, Weisheit und Güte zu unserem Heil helfen will !


Wenn Du, o Gott, kommen wirst
auf Erden in Herrlichkeit
wird das All erzittern
und von Deinem Richterstuhl ein Feuerstrom ausgehen,
die Bücher werden geöffnet und das Verborgene wird offenbar.
Dann errette mich aus dem nie erlöschenden Feuer
und würdige mich,
zu Deiner Rechten zu stehen,
gerechtester Richter !


Kommet, lasset uns dem Herrn frohlocken,
jauchzen dem Fels unseres Heils !

Lasset uns vor Sein Angesicht treten
mit unserem Bekenntnis !
Mit Psalmen lasset uns Ihm zujubeln !

 

"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~

Der Umkehr Pforten öffne mir,
Du, Der Du das Leben schenkst !
...
Denn durch schändliche Sünden habe ich meine Seele befleckt
und mein Leben in Nachlässigkeit vergeudet.
...
In Deiner Güte mache mich rein
durch Deine huldvolle Milde !

 

Sünde, UMKEHR, Reue und Vergebung in der Hl.Schrift
und die Bedeutung für uns.

Aus dem 2.Vortrag von Vater FJODOR Hölldobler, Herbstseminar 1998
Bischofsheim a.d.Rhön

* Quellenhinweis *


Als pastorale Grundlage zu unserem Thema aus der Hl. Schrift ist zunächst das Gebet zu beachten, das der Priester zu Beginn der Beichte liest:
Hier wird der "büssende David" genannt, "der sich von seinen Verfehlungen bekehrt hat".
Das bezieht sich auf 2 Samuel 11: 14 - 27, wo David den Hethiter Uris bei der Eroberung der ammonitischen Stadt Rabba umkommen lässt, um in den Besitz seiner Frau Batseba zu gelangen, die er dann auch heiratet und die ein Kind von ihm bekommt. In 2 Sam 12: 1 - 14 wird geschildert, wie eines Tages der Prophet Natan zu ihm kommt. Er kleidet sein Anliegen zunächst in eine Geschichte von einem Reichen und einem Armen: Der Reiche hatte viele Schafe und Rinder, der Arme hatte nur ein einziges Schaf, das er sehr liebte. Da bekam der reiche Mann Besuch. Er nahm dem Armen das Schaf weg, schlachtete es und setzte es seinem Gast vor.

Während Natan erzählt, wird David immer zorniger und ruft: "Der Mann soll sterben, der das getan hat." Aber er muss sich sagen lassen, dass -er- dieser Mann ist: "Gott sagt dir: Ich habe dir alles gegeben, Sauls Tochter, seine Frauen und seine Herrschaft. Du hättest noch mehr bekommen können. Warum musstest du Uris umbringen und seine Frau heiraten ?" Natan ging, nachdem David seine Schuld eingesehen hatte, aber als Strafe sollte das Kind sterben. An diese Stelle gehört nun der immer wieder neu ergreifende Psalm 50. David wurde krank vor Kummer. Am selben Tag ist gemeldet worden, dass sein Sohn krank ist. Er betet und fastet, aber am siebenten Tage stirbt das Kind.

David war ohne Zweifel der modernste Staatsmann im Vorderen Orient seiner Zeit. Er war kein orientalischer Despot, sondern hing persönlich an der Überlieferung seines Volkes, die aus der Wüstenzeit herkam. Er war Landsknecht, Künstler, Gottsucher, Prophet und Fürst zugleich. In David verstand sich Israel aufs neue von Gott erwählt und geführt. Aber in David hatte alles Menschliche Raum, im Guten wie im Bösen, wie diese Geschichte zeigt. Die Busse, zu der David fähig war, zeigt seine Grösse als religiöser Mensch, als Prophet und Künder des Bussgedankens.

Sodann wird Manasse genannt, dessen Bussgebet der Herr "angenommen" hat. In 2 Chr 32: 21 - 33: 12 lesen wir, wie Jerusalem von den Assyrern belagert wird. Hiskia bleibt Gott treu, indem er dem Propheten Jesaja vertraut. Die Assyrer müssen abziehen, nachdem offensichtlich eine Seuche im Lager ausgebrochen ist. Solange Hiskia lebt, wagen die Assyrer keinen einzigen neuen Angriff auf Jerusalem. Nach seinem Tode wird sein Sohn Manasse zum König gekrönt, da versuchen die Baalsanhänger, ihn zur Abkehr von Gott zu bewegen. Manasse hört auf ihren Rat und führt den Götzendienst in Juda wieder ein. Er stellt sogar im Tempel Gottes ein Götzenbild auf. Die Assyrer besiegen Manasse und nehmen ihn gefangen. In Fesseln wird Manasse durch die Strassen von Jerusalem geführt. In Babylon wird er ins Gefängnis geworfen. Im assyrischen Kerker überdenkt Manasse, wie die Assyrer zur Regierungszeit seines Vaters Jerusalem nicht einnehmen konnten, weil er Gott diente, und dass er selbst von Gott abgefallen war. Er bereut seine Sünden und bittet Gott um Vergebung. Eines Tages wird er vor den König von Assyrien gebracht, der ihn nach Hause schickt, um Juda zu regieren.

Im Neuen Testament genannt wird "die Sünderin", der "die Schuld" von Jesus Christus vergeben wurde.
Gemeint ist die Frau, die ins Haus kam, als er Gast im Hause des Pharisäers Simon war, Lk 7: 37. Die Erzählung vom Mahl beim Pharisaär Simon wird von Lukas allein überliefert, ist jedoch mit jener von Mt 26: 7 -13 verwandt, wo eine Frau im Hause Simons des Aussätzigen in Betanien Jesu Füsse salbt. Dort ärgert sich manch einer unter den Jüngern Jesu wegen der "Verschwendung", hier hingegen der Pharisäer, weil die Frau eine Dirne ist, die mit Jesus in Kontakt kommt. Diese Begebenheit ist Anlass für eine bemerkenswerte Lehre des Evangeliums (7:47): Wer für viele Sünden Verzeihung erlangt hat, wird viel Liebe zeigen.

Sodann wird der "bitterlich weinende Petrus" zitiert, dem der Herr die "Verleugnung nachgesehen" hat. Die ergreifende Szene aus der Passion ist ja doch sehr bekannt.

Wenn wir nun die genannten Schriftstellen vergleichen, so sehen wir, dass die genannten Sünden eine gemeinsame Wurzel haben.
Das ist einfach die Gottvergessenheit.
David, der es herrlich verstand zu singen: "Mein Hirt ist Gott der Herr", dieser David dringt in die Herde ein wie ein Wolf und vergisst den Hirten.
Manasse erliegt den Einflüsterungen seiner Ratgeber, die ihm versprechen, dass er so reich und mächtig würde wie die Assyrer, wenn er Götterbilder aufstellen lässt so wie sie, und vergisst seinen Gott. Wer seinen Leib der Hurerei hingibt, der vergisst, dass dieser ein Tempel Gottes ist ( 1 Kor 3: 16 ). "Hütet euch vor der Unzucht ! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt ausserhalb des Leibes.
Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt ?" ( 1 Kor 6: 17 )
Als Petrus sagt: "Ich kenne diesen Menschen nicht !" hat er Ihn in diesem Augenblick tatsächlich nicht mehr gekannt. Er hat alles vergessen aus der existentiellen Bedrohung heraus.

So sind auch wir als Sünder meist nicht grundsätzlich gegen die Gebote Gottes eingestellt. Wir wollen meist auch seine göttliche Autorität nicht anfechten wie Lucifer, aber in der Stunde der Versuchung vergessen wir einfach, was vorher war, wie gut der Herr zu uns war. Die dunkle Nacht der Sünde hält uns gefangen.
Deshalb verwendet die Orthodoxie soviel Kraft auf die Heiligung der Sinne, auf die Vergöttlichung der sinnlichen Sphäre, um dem Menschen die Verführbarkeit durch die entsprechenden Anreize zu nehmen.

Die Heilige Schrift ist voll von Beispielen der Gottvergessenheit:
Adam und Eva "vergessen" Gottes Gebot / Kain vergisst seinen brüderlichen Auftrag / Noahs Zeitgenossen vergessen ihren Schöpfer / die Turmbauer zu Babylon vergessen Gottes Allmacht / Jakobs Brüder vergessen, dass Gott erwählt / die Israeliten vergessen Seine Führung und beten das goldene Kalb an / zwei Söhne des Aaron vergessen ihren priesterlichen Dienst und meinen "Feuer ist Feuer" / das Volk vergisst seinen Ernährer und wünscht sich zurück an die ägyptischen Fleischtöpfe / Aaron und Miriam vergessen, dass sie sich nicht mit Moses vergleichen können und dass Er -ihm- das Volk anvertraut hat / Korah und andere Gemeindevorsteher vergessen, dass Moses der von Gott erwählte Führer ist und bestreiten seine Autorität, mit dem Argument, die ganze Gemeinde sei heilig. / Vor der Schlangenplage vergessen die Leute Gottes Wohltaten und lästern gegen das Manna / im Gelobten Land vergessen sie wieder Gott und beten fremde Götter an, die Kanaaniter können sie besiegen.
Die Gottvergessenheit durchzieht die ganze Geschichte des Gottesvolkes. Kaum ging es allen gut und sie lebten in Frieden vergassen sie Gott und kehrten erst durch die Umstände belehrt zurück.

Für uns ist es auch sehr wichtig, die Zeichen zu erkennen, mit denen Gott unsere Umkehr fordert, der Mensch kann durch allerhand Warnzeichen erkennen, dass er sich von Gott entfernt hat und kann durch Busse der drohenden Strafe entgehen. Er wird umkehren und Aufnahme finden wie der Verlorene Sohn.

Die Rückkehr ins Vaterhaus geschieht durch das Busssakrament. Joh 20: 19 - 23 berichtet seine Einsetzung.
Das Gebet des Priesters bei, bzw. vor der Beichte zitiert Mt 18: 22, wo der Herr auf die Frage des Petrus hin sagt, dass die Sünden siebenundsiebzigmal vergeben werden sollen. Der Neue Bund hat uns Gottes verzeihende Liebe nahegebracht und der Priester, der die Macht hat, zu binden und zu lösen, wird sich in verantwortungsvoller Weise darauf einstellen .

 


 


"Die Tueren zur Umkehr, oeffne mir, Lebensspender ! ..." 
 

~~~ Komponist: Artemij WEDEL /// Interpretation: F.TSCHALJAPIN mit Chor der Russischen Orthodoxen Kathedrale Paris 1932 ~~~
zur Link-Quelle: "http://www.musicarussica.com"
~~~vollständig:Chor der Christi-Verklärungskathedrale, Moskau /Regent Vladimir LVOV~~~
zur Link-Quelle: "http://en.liturgy.ru/zvuk/zvuk.php"

 

Sonntag vom VERLUST des PARADIESES
VERGEBUNGSSONNTAG !

BUTTERENTSAGUNG !

- am Abend des Sonntags:
BEGINN der GROSSEN 40-taegigen FASTEN



"Über die Vergebung" von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Apostel: Rm 13:11 - 14:4
Evangelium: Mt 6: 14 - 21



Das Evangelium dieses Sonntags, an dessen Abend die Grossen Fasten beginnen, erinnert uns daran, dass wir Vergebung vom Herrn erst erwarten können, wenn wir nicht selbst bereit sind, unseren Mitmenschen zu vergeben, was sie uns an Verletzung zugefügt haben - und sie unsererseits um Vergebung zu bitten für das, was wir bewusst oder unbewusst an ihnen gefehlt haben.
Darum findet an diesem Sonntagabend nach der Vesper in die Handlung des Gegenseitigen Vergebens statt, wie sie am Schluss des Apodipnons in Klöstern täglich geübt wird. In manchen Kirchen wird dieser Ritus aus praktischen Gründen unmittelbar nach der Liturgie ausgeführt. In den Häusern ist die Vergebung als Abschluss der Karnevals- und Butterwoche mit einem Fest vor allem für die Kinder verbunden, dabei werden zum letzten Mal die Milch- und Butterspeisen genossen.
Die folgende Woche ist ganz dem intensiven Fasten gewidmet. Es beginnt die fortlaufende Lesung aus dem Buch Genesis, die im Sündenfall und dessen Folgen mündet. Mit dem Verlust des uns von Gott bereiteten Paradieses durch unsere selbstzerstörerischen Abwege beginnt auch die Sehnsucht nach dem Ende der widernatürlichen Sünden und dem neuen Paradies. Die dafür erforderliche Bereitschaft zur Umkehr wird in der kommenden Woche durch das Gebet des heilsamen Busskanons des Hl.Andreas von Kreta gefördert. Wir fühlen mit, dass wir mit unseren Sünden nicht allein sind, aber werden auch dazu ermutigt, uns den Figuren des Bibel anzuschliessen, die den Mut fanden, Gott um Vergebung zu bitten, und Ihm damit wieder nahe zu kommen.
Trotz -und vielleicht wegen- all unserer negativen Erfahrungen ruft uns die Apostellesung zu:

" Jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir gläubig wurden.
Die Nacht ist vorgerückt, der Tag hat sich genaht "

(Rm 13:11 ff)


Für die Fastenzeit wird uns mitgegeben:

" Wer isst, soll den nicht verachten, der nicht isst;
und wer nicht isst, soll den nicht richten, der isst;
denn Gott hat ihn angenommen.
Wer bist du denn, dass du einen fremden Knecht richtest ?
Seinem eigenen Herrn steht oder fällt er - aber er wird stehen; denn der Herr hat die Macht, ihn aufrecht zu erhalten "

(Rm 14: 3-4)



Und so erbitten wir in allem für den bevorstehenden Weg der Umkehr in den Grossen 40-tägigen Fasten vom Herrn selbst Führung, Stärkung und Weisheit:


Führer auf dem Weg der Weisheit,
Urgrund des Verstandes,
Lenker der Unverständigen
und Beschützer der Armen,
festige, unterweise mein Herz, Gebieter.
Gib mir das Wort, Du Wort des Vaters !
Denn, siehe, nicht lassen ab
meine Lippen zu Dir zu schreien:
Barmherziger,
erbarme Dich meiner,
des Gefallenen !
(Kondakion)

 

 

Über die Vergebung
zum Sonntag der Vergebung
von Erzbischof Antonij von Surozh (London)

Zunächst: Verzeihen bedeutet nicht Vergessen; beides ist sogar im Grunde unvereinbar miteinander.
Wenn mir jemand ein Unrecht zugefügt hat, das ich vergebe und vergesse, dann sind wir beide in Gefahr, dass das gleiche sich wiederholt, denn einerseits entsteht und vergeht diese Verzeihung auf der Stelle: sie ist nichts Beständiges und auf die Zukunft hin Ausgerichtetes.
Etwas Vergangenes ist an eine Grenze gelangt, die es nicht überschreitet;
die Zukunft ist ohne Erfahrung aus der Vergangenheit.

Andererseits, wenn ich vergesse, vergesse ich zweierlei: wohl vergesse ich das Unrecht, das mir angetan wurde, gleichzeitig aber auch den Grund, aus dem es mir zugefügt wurde, und ich kann den Betreffenden niemals vor der Versuchung bewahren, in die gleiche Situation zurückzuverfallen.

Man muss sich erinnern, dass dieser Mitmensch, sobald er in jene bestimmte Lage versetzt wird, diese bestimmte Schwierigkeit hat; folglich darf man ihn nicht wieder in dieselbe Lage bringen; man muss die zurückbleibende Schwäche erkennen.
Darum ist es so wichtig, sich zu erinnern, denn das ist die einzige Möglichkeit das Verzeihen fortzusetzen. „Ich habe dir deine ungeduldige Handlung verziehen, aber ich habe dadurch entdeckt, dass diese bestimmte äußerung, jene Geste, diese besondere Situation sie hervorrufen können.“
Es gilt, den andern vor diesen Situationen zu bewahren, solange, bis man ihm geholfen hat die notwendige Kraft zu gewinnen, die Spannung zu überwinden. Andernfalls stoßen wir unsere Mitmenschen ständig neu in Situationen hinein, wo sie unfehlbar auf die gleiche Weise reagieren werden, wie sie das Problem hervorrief.

Außerdem ist das Verzeihen eine besondere Weise, einen anderen Menschen anzunehmen.
Das beginnt in dem Augenblick in dem man sagt: „Ich nehme dich an, so wie du bist. So wie du bist trage ich dich, wie man ein Kind über eine schwierige Stelle hinwegträgt oder wie man ein Kreuz trägt, aber ich weise dich nicht zurück. Zu sagen, dass ich dich annehme, so wie du bist, heißt keineswegs, dass du bist wie du sein solltest.

Nur wenn man einen Menschen so annimmt, wie er ist, kann man ihm helfen sich zu ändern.
Aber man darf nicht zuerst fordern, er müsse sich ändern, um ihm zu versprechen, hernach werde man ihn lieben.
Im Russischen sagt man: „Liebe mich schwarz ! Wenn ich erst weiß bin, werden alle mich lieben.“
Es gibt nur Probleme wo der Mensch sie schafft. Ein Mensch aber, der Probleme schafft, muss so sehr geliebt werden, dass er im Vertrauen den Glauben an sich selber wiederfinden kann, die Selbstachtung und jene schöpferische Hoffnung, die ihm ermöglichen wird, sich zu ändern.

Folglich übernimmt man mit dem Verzeihen die Verantwortung für einen Menschen, so wie er ist, mit der Hoffnung auf die Zukunft, jedoch ohne Bedingungen zu stellen!
Man verzeiht nicht unter Bedingungen. Es geht nicht an, einem Menschen „mit Bewährungsfrist“ zu verzeihen. Das zeigt sich sehr deutlich im Gleichnis vom Verlorenen Sohn.
Der Vater fordert nichts; ihm genügt es, den Sohn wiedergekehrt zu sehen, um zu wissen, dass er die Umkehr vollzogen hat, dass er verändert zurückqekehrt ist. Verändert bedeutet ganz und gar nicht vollkommen. Er mag sich verändert haben und dennoch für eine lange Zeit für die Familie schwer erträglich geworden sein. Dem Vater genügt es, dass sein Sohn wiedergekehrt ist; was noch zu tun bleibt, kann man gemeinsam überwinden.

Das Verzeihen enthält vielerlei Elemente.
Zuerst muss einer kommen und um Verzeihung bitten oder doch wenigstens einen Schritt in diese Richtung tun;
es ist nicht schwer, zu verzeihen, wenn man glaubt, im Recht zu sein;
es ist auch nicht schwer, einen Schritt entgegen zu kommen, wenn man im Recht ist oder sich im Recht wähnt.
Darum muss derjenige, der im Recht zu sein glaubt, den ersten Schritt tun. Eine Gebärde, ein unmerklicher Hinweis, dass eine Aussöhnung erwünscht wäre, muss genügen, diesen Schritt zwingend zu machen.
Dann aber muss ein solcher Versuch zur Versöhnung bedingungslos angenommen werden, denn ein Mensch kann sich nur ändern im Maße der Hoffnung, die wir in ihn setzen, im Maße der Liebe, die wir ihm zu geben vermögen und im Maß unseres Glaubens an ihn.

In einer Gemeinschaft stellt sich das Problem anders.
Die Tatsache, dass ein Mensch Mitglied einer Gemeinschaft ist, kann ein Problem bedeuten, nicht nur für einen Einzelnen, sondern für eine ganze Gemeinschaft. Dann muss die Gemeinschaft zu der zugleich kranken und heilenden Gemeinschaft der Kirche werden: krank, weil jeder von uns ein Sünder ist und wir alle eine zutiefst beschädigte Gemeinschaft sind; dennoch aber auch eine Gemeinschaft, die fähig ist Gesundheit zu vermitteln, zu heilen, das ewige Leben mitzuteilen. Denn keine christliche Gemeinschaft besteht nur aus ihren sichtbaren Gliedern: Christus ist in ihrer Mitte, der Heilige Geist ist ihr gegeben, und ob es die Kirche in ihrer Gesamtheit oder eine kleine Kirchengemeinde ist – in der Gemeinschaft sind Gott und Mensch gänzlich für einander gegenwärtig, und wir können in Gott die Kraft finden, die wir als Menschen nicht besitzen.

Unrecht nicht völlig zu vergessen ermöglicht eine Erfahrung, die wie wenig andere den Weg zur Demut freilegt.
Die Erfahrung, geliebt zu werden in vollem Bewusstsein dessen wie wir sind
– nicht trotzdem, oder weil man nicht wüsste, wie wir sind – ist ein sehr herrliches Geschenk, das Anlass zu Dankbarkeit und Demut wird und das aus unserem Leben ein demütiges Voranschreiten im Gebet macht.
Doch muss die Verzeihung auch angenommen werden.
Oft meinen Menschen, keine Verzeihung annehmen zu können, weil sie sich selber nicht verzeihen können. Selber können wir uns nicht verzeihen, aber wir müssen von einem anderen Menschen die Verzeihung annehmen können, – mag vorgefallen sein was will – dass er uns zugetan bleibt; was eine wahrhaft unverdiente Gnade ist. Und das ist schwer.
Viele Menschen vermögen auch in der Absolution Gottes Verzeihung nicht anzunehmen und können nicht absolviert werden. Gott hat verziehen – aber sie haben die Absolution trotzdem nicht erhalten.

Es ist auch schwer, die Verzeihung unverdient anzunehmen.
Es kann demütigend sein. Aber wenn wir besser verstehen lernen, wenn wir zu geben lernen, lernen wir auch zu empfangen. Einer, der sich selbst nicht verzeihen lassen kann, vermag auch selbst niemals zu vergeben. Einer, der nicht annehmen kann, geliebt zu werden, anerkannt zu werden, Hingabe zu empfangen, kann auch seinerseits nicht lieben, anerkennen, Hingabe aufbringen, denn derlei geschieht wechselseitig. Unverdient zu empfangen lernt man in staunender Freude, Demut und Dankbarkeit, mit der wir eine unverdiente Gabe beantworten. Und haben wir das erst entdeckt, können auch wir zu schenken beginnen ohne uns darum dem Empfangenden gegenüber überlegen zu fühlen.

Natürlich ist unser Verzeihen nicht Gottes Verzeihen.
Doch müssten wir lange warten, bis wir so zu verzeihen vermöchten. Aber wir können damit beginnen zu lernen, uns gegenseitig in all unserer Begrenztheit anzunehmen. Es ist schwer, um Verzeihung zu bitten, es ist auch nicht leicht, zu verzeihen, doch Verzeihung zu verweigern ist ebenfalls schwer.

Am Sonntag vor der Großen Fastenzeit, nach dem Verzeihungsgottesdienst, der ein Gottesdienst der Buße und der Hoffnung ist, sollen alle Glieder einer Gemeinschaft einander um Verzeihung bitten.
Jahrelang habe ich die Leute ermuntert, einander zu vergeben;
dann habe ich beobachtet, wie sie mit Wärme und Enthusiasmus Leute um Verzeihung baten, die sie niemals beleidigt hatten;
aber sie bewiesen sehr viel mehr Zurückhaltung bei anderen, von denen sie selber Verzeihung zu erhoffen hatten;
und schließlich sah ich sie denen den Rücken kehren, die keinerlei Bedürfnis hatten ihnen zu verzeihen, weil sie sich ihnen gegenüber tatsächlich allzu rüde verhalten hatten.
– Da habe ich zunächst verlangt, dass niemand Verzeihung von jemand erbitten sollte, den er nicht darum bitten wollte,
– weil er noch zu keinem Frieden mit ihm gefunden hatte.
Dann sollten sie sagen: „ich bitte Sie nicht um Verzeihung, weil meine Einstellung sich noch nicht geändert hat. Wenn Sie mir verzeihen ändert das nichts; ich verabscheue Sie und habe die Absicht, Sie auch weiterhin zu verabscheuen.“
Und von denen, deren Verzeihung man erbat, die sie nicht gewähren konnten dass sie antworten sollten:
„Ich bin sehr bekümmert, aber mein Herz ist noch zu schwer, ich bin noch zu bitter, ich kann Ihnen noch nicht verzeihen.“

Dann aber wurden beide Parteien aufgefordert, sich in der Beichte vor Gott hinzustellen und ihm zu sagen:
„Herr, ich erwarte von Dir jetzt Vergebung. Selber Vergebung zu gewähren, verweigere ich. Ich erwarte einen Schritt auf mich zu, lehne es aber selbst ab diesen Schritt zu tun .....“ Jemandem zu sagen, „Ich lehne es ab, zu verzeihen,“ wirkt so erschütternd, dass die Menschen zu denken beginnen. Gesagt zu bekommen, „ich kann dir nicht mit Überzeugung vergeben“ ist ebenfalls erschütternd.

Wenn in einer Gemeinschaft der Mut aufgebracht wird, wenigstens so aufrichtig zu sein, dass man es fertig bringt, zu sagen: „Ich bin nicht imstande dir zu verzeihen;
das heißt nicht, dass du so schlimm bist, dass ich dir nicht verzeihen könnte, sondern, dass ich so schlimm bin, es nicht fertig zu bringen, dir zu verzeihen“, dann wird derjenige, der nicht verzeiht, Gegenstand der Sorge und der Fürbitte der Gemeinschaft, mehr als der andere, dem die Verzeihung verweigert wird – solange, bis er Verzeihung erbitten kann.

Wenn uns ein Mensch begegnet, so ist das niemals ein zufälliges Zusammentreffen.
Dieser Mensch muss in unserer Gegenwart, unserm Blick, der Art, wie wir ihn behandeln, der Art, wie wir auf der Straße an ihm vorübergehen, eine Gottesgegenwart, lebendiges Gebet spüren.
Jemand kommt, stets ist er mir ein Gesandter des Herrn: ob er mit einer Botschaft kommt oder mit ausgestreckter Hand – wir sind aufgerufen, eine Liebestat zu tun, eine Tat christlicher Liebe.

Jeder Umstand, dem wir im Leben begegnen, ist gottgewollt, wir sollen in die Situation eintreten und Gott gegenwärtig machen durch unsere Gegenwart und unser Gebet. Ob ein Leben erfolgreich ist oder nicht macht wenig aus im Hinblick auf das Gebet.
Was auch kommen möge, vor jeder neuen Situation können wir bitten:
Herr, gib mir Einsicht,
gib mir ein Herz, das fähig ist, zu antworten,
gibt mir den rechten Willen,
sei gegenwärtig in dem was hier geschieht.

Wenn ein anderer spricht, können wir ständig beten und den Herrn bitten, uns verstehen zu lehren, nicht nur die Worte, die ausgesprochen werden, sondern das tiefe Bedürfen, die Wirklichkeit, die sich hinter den Worten oftmals verbirgt. Und wenn die Zeit gekommen ist und der andere nicht mehr spricht, kann man so lange schweigen und beten, bis man etwas zu sagen weiß; und wenn einem dann ein Gedanke gekommen ist, der die Klarheit und Gewissheit der Dinge hat, die von Gott kommen, – dann können wir ihn vorbringen und hernach Gott bitten, er möchte für den anderen Menschen bewirken, was wir nicht zu bewirken vermögen, er möchte, wenn wir einen Irrtum begingen, ihn uns verzeihen und ihn heilen, und wenn der Mensch gegangen ist, weiter für ihn beten.

Die Art, wie man eine Frage stellt, die Art, wie man zuhört, wie man eine Entfaltung möglich oder unmöglich macht, ist so wesentlich.
Einen Menschen, der nichts zu antworten weiß und sich schämt, – mit dem Gefühl zurückzuschicken, völlig versagt zu haben
- oder doch mit ein wenig Hoffnung und der Freude, jedenfalls als Mensch angenommen worden zu sein.

Alles kann im Gebet verankert sein.
Man kann lernen, sich der Gegenwart Gottes ständig bewusst zu werden, mit einem klaren, lebendigen Gefühl, ihm zugewandt bleiben; jedoch immer mit voller Aufmerksamkeit; denn es ist vielfach Unaufmerksamkeit, die nach und nach die Wirklichkeit aller Dinge zerstört...

Übersetzung aus dem Englischen: Irene Hoening
hier aus St. Andreas Bote

 

 

 

 

FESTE UND SONNTAGE
IM GLANZ DER OSTERFREUDE

und der

SEHNSUCHT nach der VOLLENDUNG
im
HEILIGEN GEIST


Die Myrrhonbringenden Frauen werden zu den ersten Zeugen und Verkündern der Auferstehung

zum Freitag der lichten Woche nach Ostern
Die Feier der Lebensspendenden Quelle der Gottesmutter
zum Thomassonntag:
Der Hl. Apostel Thomas und die Wahrheit (von Erzbischof Stylianos von Australien) 
zum Sonntag der myrhontragenden Frauen:
"Als Erstes begegnet der Auferstandene den Frauen" (Predigt des Hl. JOHANNES Goldmund)
"Gedanken zu den Heiligen Frauen in den Tagen nach Ostern (Eva Catafygiotu Topping)"

 

 

2. Sonntag nach der Auferstehung - Thomassonntag

 

3. Sonntag nach der Auferstehung - von den Myrrhonträgerinnen

 

4. Sonntag nach der Auferstehung - vom Gelähmten am Teich von Bethesda

 

5. Sonntag nach der Auferstehung - von der Samariterin

 

6. Sonntag nach der Auferstehung - vom erleuchteten Blinden

 

 

HIMMELFAHRT unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus

 

 

7. Sonntag nach der Auferstehung

 

 

 

 

 

 

Die Feier der Lebensspendenden Quelle der Gottesmutter

zum Freitag nach Ostern

*Quellenhinweis*
Während der ganzen Lichten Woche wird in allen Gottesdiensten der Kirche nur die Freude von der Auferstehung des Heilands verkündet. Anlässlich aller Gottesdienste, sogar der Begräbnisse, wenn sie in dieser Woche stattfinden, verharren wir in der Auferstehungsfreude. Trotzdem hat die Kirche am Freitag der Lichten Woche noch eine freudebereitende Botschaft für uns. Sie stellt uns nämlich die Gottesmutter dar, welche der Anfang unserer Erlösung ist. Der Platz dieses Festes ist ein Beweis für die Ehre, welche die Kirche der Gottesmutter bringt. Diese Feier ist ein Zeugnis für uns, dass die Kirche dort, wo sie den auferstandenen Christus verkündet, auch die verkündet, aus welcher er Fleisch annahm, diejenige, die der Anfang seines Erlösungswerkes war.

Die Mutter Gottes wird in dieser Feier als Quelle der seelischen und leiblichen Heilung vorgestellt, als zu uns dauernd fließende Gabenquelle, als Wunderquelle, über deren Genuss wir uns freuen. Dieser Vergleich hat seinen Ursprung an einer wirklichen Quelle, durch welche die Gottesmutter viele Heilungen bewirkt hatte und wo der Kaiser Leon der Große eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter erbauen ließ. Die Kirche ist nachher von Justinian, Basilius dem Mazedonier und seinem Sohn, Leon dem Philosophen, erneuert worden. Die Feier ist als Gedenktag der Erneuerung dieser Kirche entstanden und wird bis heute gefeiert. Im Verlauf der Zeit aber wandelte sich die Feier der Kirchenerneuerung immer mehr in ein Fest der Gottesmutter um, welche die Quelle aller durch Wasser geschehenen Heilungen ist.

Was versteht man unter der „lebensspendenden Quelle der Gottesmutter“?

Angefangen am Ostersonntag, hört man in der Kirche eine Woche lang nur ihren Aufruf, uns zu freuen über die aus dem Grabe Christi, dem Quell der Unverderblichkeit zu uns strömenden Gaben:

„Wohlan, neuen Trank lasst uns trinken, nicht Wundertrank aus dürrem Felsen, nein, der aus dem Grabe Christi strömenden Unvergänglichkeit Born, in welchem wir Kraft erlangen.“

So, wie wir Christus Quell des Lebens, des lebendigen Wassers, der Unvergänglichkeit und der Unsterblichkeit nennen, so nennen wir auch die Gottesmutter:

„Quelle, aus welcher alles Gute strömt und uns allen die Huld fließt“ „himmlisches Manna und göttliche Quelle des Paradieses“ , Quelle voller „Wunder, die bereit zufließen sind“.

Am Freitag der Lichten Woche ruft uns die Kirche, um auch aus dieser Quelle, aus diesem Gnadenwasser zu trinken, um aus dem überfluss von Huld und Barmherzigkeit zu kosten, welcher aus der immer sprudelnden Quelle der Gottesmutter zu uns kommt:

„Ihr Kranken, schöpft das Heilungswasser, weil die Allreine aus der göttlichen Quelle den wahren Genuss ausgießt und den Wonnestrom herausfließen lässt. Deswegen trinken wir gläubig aus dem im überfluss vollen Brunnen.“

Wenn wir die beiden Quellen und das von ihr herausfließende Wasser näher betrachten, bemerken wir, dass es sich um dasselbe erlösende und heilende Wasser handelt, welches aus einem einzigen Quell, Gott, hervorfließt, was die Festgottesdienste klar hervorheben:

„Freue dich, Maria, du, die edelste des Menschengeschlechtes, Allreine. Freue dich, weil der Schöpfer des Alls wie ein Tropfen auf dich herabkam und dich als unsterbliche Quelle zeigte, du göttliche Braut."

„Als erhellte und geheiligte Lade des Gebieters des Alls kenne ich dich, Jungfrau und Quelle der Unvergänglichkeit, welche das Wasser, Christus, hervorquellen lässt, aus dem wir trinken."

Der Ursprung des Wassers der Unsterblichkeit ist Gott. Er ist auf die Gottesmutter wie ein Tropfen herabgekommen und hat sie zu einer Quelle gemacht, die unseren Durst stillt. Das Menschsein der Gottesmutter wurde von der Gottheit des Wortes geheiligt, durch dessen Wohnungnehmen in ihr, und darum ist sie voll von Gnade, deshalb lässt sie auch uns das Wasser der erhaltenen Gnade, das Wasser der Erlösung, hervorquellen.

Die Gaben oder die Wirkung der Quelle
Die erste und größte der Menschheit geschenkte Gabe der Mutter Gottes war ihr Sohn. Durch ihre Reinheit und Verfügbarkeit ermöglichte die Gottesmutter die Menschwerdung Christi als völlige Initiative Gottes. Dank ihrer Reinheit und Verfügbarkeit und ihrem erhaltenen und nachher der Welt weitergegebenem Geschenk wurde die Mutter Gottes zu einer reichlichen Gabenquelle für die ganze Menschheit. In den Gottesdiensttexten dieses Festes wird sie mit einem fruchtbaren Feld verglichen, das dank des göttlichen Regens reichliche Früchte trägt:

„Wunderbare und erstaunliche Werke vollbrachte der Gebieter der Himmel in dir, Allreine. Von oben her tropfte er wahrhaft wie ein Regen in deinen Schoß, göttliche Braut, und machte dich zu einer Quelle, aus welcher alles Gute herausfließt und die allen, die Stärkung des Leibes und Gesundheit der Seele brauchen, durch das Wasser der Gnade in Form von vielen Wundern deine Huld ausgießt.“

Christus bediente sich seiner Mutter wie eines ehrwürdigen Gefäßes, um über uns seine Wohltaten auszugießen. Sie ist die Hoffnung der Sterblichen auf Gott, das feste Fundament des Glaubens, der Turm der Jungfräulichkeit und die Pforte des Heils. Durch sie wurde das Paradies geöffnet, sie beseitigte den Makel der Sünde, durch sie siegen die Christen und verfallen die Feinde. Die Gottesmutter heilt unsere Seelen. Von ihr aus, wie von einer dauernd fließenden Quelle, werden die Wohltaten ausgegossen, welche wie das frische Brunnenwasser die Gläubigen laben.

„Heilbäche lässt du aus deiner Quelle herausfließen denen, die gläubig zu dir eilen, göttliche Braut. Umsonst gibst du den Kranken reichliche Heilungen. Den zu dir kommenden Blinden schenkst du klares Sehen, die Humpelnden machst du aufrecht und die Gelähmten stark. Den Toten hast du auferstehen lassen und das Leiden vieler Wassersüchtiger und Kranken geheilt.“

„Wer wird deine Kraft beschreiben können, du Quelle, die du voll von Wundern viele und übernatürliche Taten in deinen Heilungen vollbringst? Welch große Gaben, die du allen verschenkst! Denn nicht nur die schweren Krankheiten der zu dir Kommenden hast du liebevoll verjagt, sondern du nimmst auch die seelischen Leidenschaften hinweg, Allreine, und dabei offenbarst du dein großes Erbarmen.“

In seiner Allwissenheit wusste Gott, dass wir mutiger zu jemandem, der uns ähnlich ist, kommen können, um so mehr zu einer liebenden Mutter. Deswegen schenkte „der Spender der Güter“ der ewig Seligen eine Menge seiner Gaben, die sie uns unseren Bedürfnissen entsprechend weiterschenkt.

„Alle Gläubigen heilst du: Die Fürsten, die Leute aus dem Volk, die Armen, die Führer, diejenigen, die unter Not leiden oder überfluss haben, allen lässt du, Quelle, das Wasser wie ein einziges Heilmittel zufließen.“

Für uns ist die Gottesmutter immer eine Stütze, eine nicht täuschende Hoffnung, zu der wir eilen, sooft wir in Bedrängnis sind, und bei der wir jedes mal Hilfe finden und uns dadurch freuen.

„Du erfreust übernatürlich, Jungfrau, die Gläubigen, wenn du aus dem ewigen Quell ihnen die Gnade herausfließen lässt und ihnen dabei Kraft über die Feinde, ständigen Sieg, Gesundheit, Frieden und Erfüllung aller Bitten gibst.“

Wir angesichts der lebensspendenden Quelle

Die Orthodoxe Kirche glaubt an die Vermittlung der Gottesmutter und verehrt sie wie eine Hochgeehrte und Allheilige. Die Verehrung der Gottesmutter ist auf ihr Mitwirken an der Menschwerdung Christi, sowie auch auf ihre Vermittlung und ihre Hilfe als von ihrem Sohn untrennbare Mutter der Kirche begründet. Am Freitag der Lichten Woche, wenn wir der lebensspendenden Quelle der Gottesmutter gedenken, haben wir die Gelegenheit, uns in der Anwesenheit derer zu fühlen, vor der die ganze Schöpfung sich freut und staunt. Wir stehen auch vor der Gottesmutter und bewundern ihre Größe und die vielen Gnadentaten, derentwegen wir uns freuen.

„Wer wird deine Kraft beschreiben können, du Quelle, die du voll von Wundern viele und übernatürliche Taten in deinen Heilungen vollbringst? Welch große Gaben, die du allen schenkst! Denn nicht nur die schweren Krankheiten hast du liebevoll verjagt, sondern du wäschst auch die seelischen Leidenschaften, Allreine, und dabei offenbarst du dein großes Erbarmen.“

Wir bleiben nicht nur beim Staunen angesichts der Gottesmutter, sondern ihrer Wundertaten eingedenk, preisen wir sie selig und bringen ihr Lobgesang:

„Freue dich, du Quelle, die du das Leben trägst und den Meeren gleich über alle Welt Wunder ausgießt;
du Wolke, die reicher an Gaben als die Ströme des Nils ist;
der zweite Schiloach, welcher das Wasser wie aus einem Stein herausfließen lässt und die reinigende Wirkung des Jordans hat;
erlösendes Manna, welches den Reichtum im überfluss hat, für diejenigen, die es suchen;
Mutter Christi, Jungfrau,
welche du der Welt großes Erbarmen darreichst.“



Der Festikos ist eine wunderschöne Lobhymne zur Mutter Gottes:

Allreine Gottesgebärerin, die du unaussprechlich das ewige Wort des Vaters geboren hast,
öffne meinen Mund, Hochgeehrte,
mach mich zu einem deiner dich Lobenden,
damit ich dich preise und deiner Quelle so singe:

Freue dich, du Quelle der unaufhörlichen Freude;
freue dich, du Ausgießung der unaussprechlichen Schönheit.

Freue dich, Erlösung von allerlei Krankheiten;
freue dich, überwindung verschiedener Leidenschaften.

Freue dich, allreiner Strom, welcher die Gläubigen heilt,
freue dich, vorzügliches Wasser für die Kranken auf vielerlei Weise.

Freue dich, Wasser der Weisheit, welches die Unwissenheit vertreibt;
freue dich, des Herzens Wein gemischt aus Lilienparfüm.

Freue dich, des Manna spendender Lebensbecher;
freue dich, reinigendes Bad und Nektar aus der göttlichen Quelle.

Freue dich, die du überwindungsmöglichkeit der Schwachheit offenbarst;
freue dich, du, die du die Flamme der Leidenschaften auslöschst.
Freue dich, erlösungsbringendes Wasser!“

Es ist ein Ruf, der aus der Fülle unserer Freude entspringt, eine Huldigung, die wir unserer göttlichen Mutter bringen. Es ist unser Lob, das wir unserer Mutter, die wir mit unseren geistlichen Augen sehen, bringen. Gleichzeitig bitten wir sie, dass ihre lebengebende Quelle auch über uns fließt, damit sie uns im Gebet Beistand sei und uns vor Leidenschaften bewahre:

„Lass mir jetzt,
Jungfrau, du Quelle, Gottesgebärerin,
ein Wort der Gnade herausquellen,
damit ich deine Quelle lobe,
die den Gläubigen Leben und Gnade aufgehen lässt,
weil du das hypostatische Wort hervorgehen ließest.“

„Immer tötet mich der Feind mit den Antrieben der Genüsse,
Gebieterin. Du, Quelle, Gottesgebärerin,
übersehe mich nicht,
eile mir zu Hilfe
und befreie mich von seinen Fallen,
damit ich dich lobe, ewig Gebenedeite.“


Die Anwesenheit der Jungfrau bringt viel Menschlichkeit ins Leben des Christentums. Durch sie wird der Himmel erhellt, er wird sensibler, weil sich dort eine Mutter befindet, die neben Gott ist, welche dank seiner Gutwilligkeit einerseits auf ihn Mutterautorität hat, wenn sie für uns bittet, und andererseits Mutterzärtlichkeit angesichts unserer Schwierigkeiten!

 

Vater Serafim Pâtrunjel, Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit, Kommentar zum Pentekostarion, Würzburg 1998, S. 130-134
hier aus St. Andreas Bote

 

 

Der Hl. Apostel Thomas und die Wahrheit

von Erzbischof Stylianos von Australien

*Quellenhinweis*
Wenn Ostern der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres ist, dann ist der Sonntag nach Ostern, den die Kirche „Antipascha“ oder „Sonntag der Erneuerung“ nennt, eine „Erneuerung der Auferstehung. Er kann mit Recht sowohl der erste als auch der achte Tag genannt werden. Der achte Tag, weil er acht Tage nach Ostern gefeiert wird, und der erste, weil er Anfang der anderen ist. Der achte, weil er als Vorbild des abendlosen Tages der künftigen Welt betrachtet wird, des Tages welcher der erste und einzige sein wird, weil keine Nacht ihn mehr zertrennen wird“ (Synaxarion zum Thomas-Sonntag). Deshalb sollte er auch als wichtiger als die anderen Sonntage gesehen werden.

Es ist nur folgerichtig, dass an diesem hervorragenden und großen Tag die Kirche das Gedächtnis für einen Heiligen angesetzt hat, der auch über den entsprechenden geistigen Glanz verfügt. Daher feiern wir an diesem Sonntag das Gedächtnis des Hl. Apostels Thomas und deshalb ist dieser Sonntag auch als „Thomas-Sonntag“ bekannt. Allerdings scheint dieser Apostel im Volksglauben der verrufenste Jünger Jesu zu sein. Unglauben war als Beschuldigung sogar bei den Wüstenvätern mehr als jede andere Sünde gefürchtet. Der Hl. Petrus, der in einem Augenblick menschlicher Schwäche Christus verleugnete, wurde aber nicht als Ungläubiger oder Verräter bezeichnet, im Gegenteil. Aber der Hl. Thomas wurde, ohne wirklich ohne Glauben gewesen zu sein, der „ungläubige Thomas“ genannt und wurde für alle Zeit das Symbol für Unglauben und Zweifel par excellence. Klar ist aber doch, dass eine solche Charakterisierung mit einem Apostel und Heiligen unvereinbar ist. Was stimmt also? Irgendetwas muss in der Erzählung fehlen oder nicht beachtet sein, dass wir die geschilderten Ereignisse nicht in der richtigen Konsequenz sehen können.

Um den richtigen Blickwinkel zu finden und den Widerspruch zu verstehen, müssen wir etwas sorgfältiger untersuchen, was denn genau das Verhalten des Hl. Thomas gegenüber dem Auferstandenen war und wie Christus Selbst dieses Benehmen gesehen hat. Dazu benutzen wir den Text des Evangeliums (Joh 20,19-29).

Wir erinnern uns, dass die Jünger sich versammelt und „aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten“. Da kam Jesus und trat in ihre Mitte. Bevor er ihnen „seine Hände und seine Seite“ zeigte, damit sie erkannten, dass es wirklich Er war, der gekreuzigt worden war und nicht irgendein Geist, sagte er zu ihnen „Friede sei mit euch!“ In diesen beiden Worten (εἰρήνη ὑμῖν) liegt der Schlüssel für die Lösung des geschilderten Problems. Friede war die unerlässliche Voraussetzung und die einzige Macht, die die Panik und Verwirrung, hervorgerufen durch das Miterleben der Passion, beseitigen konnte. Nur der Friede würde es den Jüngern ermöglichen das Mysterium der Auferstehung ohne allen Zweifel zu akzeptieren. Deshalb überträgt Christus Seinen Frieden auf die Jünger, bevor er Seine Hände und Seine Seite als Beweis zeigt. Dann war es nur natürlich, dass „sich die Jünger freuten, dass sie den Hern sahen.“

Aber, Thomas war bei diesem ersten Treffen nicht dabei. Als er die anderen Jünger sagen hörte „wir haben den Herrn gesehen“, konnte er weder Furcht noch Verwirrung aus seiner Seele verbannen. Mehr noch, da er mit sich selbst wie auch mit seinem Meister ehrlich sein und nicht nur ein Lippenbekenntnis ablegen wollte, machte er die direkte Erfahrung mit dem Auferstandenen zur Bedingung für seinen Glauben. Als „acht Tage darauf“ die Jünger wieder versammelt waren, war „Thomas dabei“ und Jesus erschien in ihrer Mitte und wiederholte die Worte und Gesten Seines ersten Kommens. Er beginnt wieder mit den Worten „Friede sei mit euch!“, damit auch das verhärtete Herz des Thomas befreit werde. Und gleich danach sagt er zu ihm „Streck deine Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und werde nicht ungläubig, sondern gläubig!“

Nun müssen wir uns eine Reihe wichtiger Einzelheiten ansehen:

Obwohl der Hl. Thomas aufgefordert wird, Christus zu berühren, wagt er es nicht. Vielleicht wäre es richtig zu sagen, dass es nicht länger nötig war. Er hat seinen Frieden erhalten und kann nun frei von Furcht sehen und glauben.

Als ihn Christus auffordert ihn zu berühren sagt Er zum Hl. Thomas nicht „sei nicht ungläubig“ sondern „werde nicht ungläubig“ (μὴ γίνου ἄπιστος), d.h. dass Er ihn nur vor einem möglichen und nicht vor einem existierenden Unglauben bewahrt.

Christus beschließt das Gespräch mit der bewegenden Aussage „weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Wir sehen hier, dass Er Thomas weder beschuldigt noch rügt nur nach Seinem Anblick zu glauben. Auch die anderen Jünger hatten sich erst gefreut, als sie, wie schon erwähnt, den Herrn gesehen hatten. Jedenfalls wollte der Herr Seine Jünger daran erinnern, dass der Mensch von Gott eine Fülle anderer Fähigkeiten und Gefühle erhalten hat, nicht nur die Augen! Wenn schon die Alten wussten welch trügerische und unzuverlässige Zeugen „die Augen und Ohren“ für die Sterblichen sind, dann hatte der Gott-Mensch um so mehr das Recht an die Priorität dieser tieferen Wurzeln zu erinnern, die der Mensch hat um die Wahrheit zu erkennen. Deshalb hält er die, die diesen tieferen Wurzeln vertrauen für selig, ohne in irgendeiner Weise diejenigen zu verurteilen, die ihre fünf Sinne gebrauchen, die ja auch von Gott gegeben sind.

Es ist typisch, dass der Hl. Thomas nicht einfach zufrieden war, sich wie die anderen Jünger zu freuen, als er den Auferstandenen sah. Sein Gefühlsansturm und seine Lauterkeit veranlassten in ihm das Verlangen, mit den Fingern die offenen Wunden Christi zu berühren, um Ihm dadurch wieder irgendwie körperlich nahe zu sein. Und seine überschwängliche Natur veranlasste ihn zu dem unvergleichlichen Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott!“. Ein Bekenntnis, das kein anderer Augenzeuge der Auferstehung machen konnte, nicht einmal die zärtlichen und ausdrucksvollen Frauen, die als Erste den Herrn sahen.

Wir müssen auch sehen, dass dieses Bekenntnis des Hl. Thomas nicht nur eine allgemeine und leichtfertige Anerkennung der Göttlichkeit Christi war, sondern die persönliche Bekräftigung und die bedingungslose Hingabe der ganzen Existenz des Jüngers an seinen Meister, der den Tod besiegt hatte. Diese völlige Hingabe an die Fülle der göttlichen Macht wird durch das Wort „mein“ in Bezug auf den Auferstandenen ausgedrückt.

Nach all dem wird klar, dass der Hl. Thomas (der während der drei Jahre des öffentlichen Wirkens des Gott-Menschen keineswegs aufgefallen war wie andere Jünger, wie Petrus, Jakobus und Johannes) nun wegen der Auferstehung Christi und seinem Verhältnis dazu in den Augen aller Gläubigen und der Geschichte als etwas Besonders gesehen wird. Diese Besonderheit ist aber nicht negativ, wie man aus einer oberflächlichen Wertung der Ereignisse schließen könnte, sondern positiv. Er fällt auf und ist nicht mehr völlig gleich mit den anderen Jüngern (denn er brauchte auch nicht mehr als die anderen um zu glauben), er fällt dadurch auf, dass er mit seinem leidenschaftlichen und einzigartigen Bekenntnis sozusagen „das höchste Gebot“ für das Mysterium der Auferstehung abgegeben hat. Die Kirche ehrt ihn daher rechtens als Apostel und Heiligen und hat richtigerweise die Feier seines Gedächtnisses auf einen so hervorragenden Sonntag im Jahr gelegt.

Nun bleibt uns nur noch die Beantwortung der letzten Frage. Wenn man alle diese positiven Argumente betrachtet, warum hat der Volksglaube dann einen Apostel dieser Bedeutung und trotz seines leidenschaftlichen Bekenntnisses den „ungläubigen Thomas“ genannt? Zuerst muss man festhalten, dass die Volksfrömmigkeit (die spontan und anspruchslos die tiefere gemeinsame Erinnerung und das Bewusstsein des einen Volkes Gottes ausdrückt) keinem solch schreienden Irrtum und keiner solchen Ungerechtigkeit unterliegen könnte. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der unverbrüchliche Glaube und die Hingabe der Volksfrömmigkeit an die Person des Gott-Menschen nicht einmal die Spur eines Vorbehalts, und sei es nur für einen Augenblick, in allem was die Göttlichkeit und Einzigartigkeit des Lebens des Gott-Menschen betrifft (sowohl in seiner Gesamtheit wie in den einzelnen Begebenheiten) ertragen könnte. Das allein ist der Grund, warum die Volksfrömmigkeit ihr Feingefühl mit diesem „ungläubig“ ausdrückt, was keineswegs verhindert, dem Hl. Apostel Thomas durch alle Zeitalter hindurch die ihm gemäße Ehre der Verehrung der Kirche zu erweisen.

 

Voice of Orthodoxy, vol. 11/5, The Official Publication of the Greek Orthodox Archdiocese of Australia, May 1990; übers. G. Wolf.
hier aus St. Andreas Bote

 

 

Die Begegnung der Frauen
mit
dem Auferstandenen

Eine Predigt des Hl. Johannes Chrysostomos

*Quellenhinweis*

Nach der Auferstehung erschien der Engel. Weshalb kam er und schob den Stein fort?
Wegen der Frauen;
sie sahen ihn ja am Grab sitzen. Damit sie glaubten, dass der Herr erstanden ist, sollten sie sehen, dass das Grab ohne Leichnam war. Deshalb hatte der Engel den Stein weggewälzt, deshalb war auch das Erdbeben entstanden, damit sie sich aufrafften und munter werden sollten. Sie waren ja aufgebrochen, den Leichnam zu salben; und das geschah in der Nacht, so dass einige vielleicht noch schlaftrunken waren.

Weshalb, aus welchem Grund sprach der Engel: »Fürchtet euch nicht!« ?
Er wollte ihnen zunächst die Furcht nehmen und dann die Auferstehung verkündigen. ...
Ihr habt keinen Grund zur Furcht, sagte er,  - wohl aber jene, die den Herrn gekreuzigt haben.
Als er ihnen nun die Furcht genommen hatte durch seine Worte wie auch durch sein Aussehen – er erschien ja in leuchtender Gestalt, da er eine solche Freudenbotschaft zu überbringen hatte – , fuhr er fort:
»Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.«
Der Engel scheute sich nicht, den Gekreuzigten zu erwähnen; denn er ist ja der Ursprung des Heils.
»Er ist auferstanden.«
Woraus ist das ersichtlich? »Wie Er gesagt hat.«
Wollt ihr mir nicht glauben, meinte Er, so erinnert euch an Seine Worte, und ihr werdet mir den Glauben auch nicht versagen. Dann folgt ein weiterer Beweis:
»Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.«
Deshalb hatte er doch den Stein entfernt, um ihnen diesen Beweis zu geben.
»Und sagt seinen Jüngern: Ihr werdet ihn in Galiläa sehen.«

Er forderte sie auf, auch anderen die frohe Kunde zu melden – ein Umstand, der sie ganz besonders zum Glauben bewegen musste.

Passend sagte er: »in Galiläa«, um sie aus Schwierigkeiten und Gefahren zu ziehen, damit die Furcht nicht etwa ihren Glauben beeinträchtige.
»Und sie verließen das Grab voll Furcht und Freude.«
Wieso? Sie hatten etwas Bestürzendes und Unerhörtes erlebt: das leere Grab, wohin Jesus vor ihren Augen gelegt worden war. Deshalb hatte der Engel sie auch zum Schauen eingeladen, damit sie Zeugen beider Ereignisse würden, sowohl des Grabes als auch der Auferstehung. Sie begriffen auch, dass niemand Ihn hätte fortschaffen können, da dort so viele Soldaten lagerten;

Er selbst musste auferstanden sein.
Daher waren sie zugleich erfreut und verwundert und empfingen auch den Lohn für ihr Ausharren, da sie als erste sehen und verkünden durften, nicht nur was sie gehört, sondern auch was sie gesehen hatten.

Als sie in Freude und Furcht das Grab verließen,
»siehe, da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie aber umfassten seine Füße.«
Mit überwältigender Freude eilten sie auf Ihn zu und empfingen durch die Berührung den Beweis und die volle Gewissheit Seiner Auferstehung.
»Und sie warfen sich vor Ihm nieder.«
Was sagte nun der Herr? »Fürchtet euch nicht!«
Auch Er nimmt ihnen wieder die Furcht, um dem Glauben den Weg zu bahnen.
»Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.«

Sieh, wie Er selbst durch die Frauen die frohe Kunde überbringen lässt, um, wie ich schon oft erklärt habe, das so unterschätzte (weibliche) Geschlecht zu Ansehen zu bringen, es zu berechtigter Hoffnung zu führen und das, was sie zu erleiden haben, zu heilen.

Vielleicht wünscht jemand von euch, bei ihnen gewesen zu sein und Jesu Füße zu umfassen?
Wenn ihr wollt, habt ihr auch jetzt die Möglichkeit, nicht nur Seine Füße und Hände, sondern auch Sein heiliges Haupt zu umarmen, wenn ihr mit reinem Gewissen die ehrfurchtgebietenden Geheimnisse genießt.

Doch nicht nur hier, sondern auch an jenem Tag werdet ihr Ihn schauen, wenn Er in unbeschreiblicher Herrlichkeit in Begleitung der Engel kommt.

Falls ihr nur Menschenliebe üben wolltet, werdet ihr dann nicht nur diese Worte: »Seid gegrüßt!« zu hören bekommen, sondern auch die anderen:
»Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist« (Mt 24,34).
 

Seid also menschenliebend, damit ihr diese Worte zu hören bekommt.


Und ihr goldbehangenen Frauen, die ihr die eiligen Schritte dieser Frauen erlebt habt,
legt doch jetzt, wenn auch spät, die krankmachende Sucht nach dem Gold ab.

Wollt ihr diesen Frauen nacheifern,
legt den Schmuck ab, den ihr euch umhängt,
und schmückt euch mit Mildtätigkeit!

 

Die Myrrhonbringenden Frauen werden zu den ersten Zeugen und Verkündern der Auferstehung

 

Heiser,  Lothar, Jesus Christus, Das Licht aus der Höhe, Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 647 ff., Johannes Chrysostomos, 89. Homilie zum Matthäus-Evangelium, 2f.; PG 58, 783-785
hier aus St. Andreas Bote


 

 

 

 

Gedanken zu den Heiligen Frauen
in den Tagen nach Ostern

von Eva Catafygiotu Topping

 

*Quellenhinweis*

 

Während der 50 Tage nach Ostern feiert die Orthodoxe Kirche einige außergewöhnliche Frauen als Heilige.
 

Es sind die Myronträgerinnen,

die Samariterin

und die Blutflüssige Frau.

Ihre Namen erscheinen in unserem Kalender. Unsere liturgischen Bücher enthalten zahlreiche Hymnen zu ihren Ehren. Das Pentekostarion zeigt Hunderte von Beispielen. Und mehr als tausend Jahre lang haben Theologen und Bischöfe Predigten und Loblieder auf diese glaubensfesten heiligen Frauen verfasst.

Nach der liturgischen Tradition werden die Myronträgerinnen – unter ihnen Maria Magdalena, Johanna, Salome, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus – gemeinsam verehrt.
Alle vier Evangelien (Mt 28, Mk 15, Lk 24, Joh 20) bezeugen, dass diese gläubigen Jüngerinnen die ersten Zeugen der Auferstehung waren; die ersten, die den Auferstandenen Herrn sahen, die ersten, die Frohe Botschaft (Εvαγγέλιον) zu verkünden, dass Christus, wie Er vorausgesagt hatte, wahrhaft von den Toten auferstanden ist.

Es ist eine eindrucksvolle und bedeutsame Tatsache, dass die Grundvoraussetzung des Christentums, die Auferstehung, ausschließlich vom Zeugnis von Frauen abhängt.

Das erste ‚Christus ist auferstanden’ kam aus dem Munde der Myrontragenden Frauen.
Damit sind diese Jüngerinnen die ersten Evangelisten und Apostel.
Weil die Jünger, die Elf des inneren Zirkels, geflohen waren und sich verbargen, erfuhren sie das Evangelion zuerst von den Frauen.
Die Worte eines alten Hymnus machen klar wie die Reihenfolge ist:

„Als sie vom Engel die lichte Botschaft (κήρυγμα) der Auferstehung erfuhren, sagten die Jüngerinnen (μαθήτριαι) des Herrn zu den Jüngern: ‚Der Tod ist besiegt; Christus, Gott, ist auferstanden.’“

 

Noch eine Frau des Glaubens wird am fünften Sonntag nach Ostern gefeiert.
Sie ist die Samariterin, mit der sich Christus eines heißen Mittags am Jakobsbrunnen unterhielt.
Es ist die längste überlieferte Unterhaltung Jesu. Das vierte Kapitel des Johannes-Evangeliums erzählt die bemerkenswerte Geschichte der Begegnung mit Jesus. Als die Jünger sahen, wie ihr Lehrer mit einer fremden Frau sprach, waren sie schockiert. Die Ungehörigkeit war zu groß für ihre konventionellen Ansichten.
Jesus aber teilte ihre Vorurteile nicht. Er verachtete die Frau nicht wegen ihres Geschlechts, ihrer Lebensführung oder Religion. Lieber diskutierte er mit ihr über Theologie und lehrte sie Gott im Geist und in der Wahrheit zu verehren.
Und ihr gegenüber, nicht seinen Jüngern, offenbarte er zum ersten Mal, dass Er der Messias war, den die Propheten Israels vorhergesagt hatten.
Die Samariterin hörte die erstaunlichen Worte und glaubte Ihm. Dann lief sie, den Leuten der Stadt die Frohe Botschaft zu bringen. So stark war ihr Glaube, dass auch diese glaubten. Auch sie war ein erster Apostel. Später wurde die ‚Samariterin’ Thema vieler byzantinischer Hymnen und Predigten.

 

Aus den synoptischen Evangelien (Mt 9,20-26; Mk 5,25-34; Lk 8,42-48) kommt die Geschichte einer anderen gläubigen Frau. Sie ist die Unglückliche, die von der Gesellschaft und dem Kultus wegen eines Blut-Tabus verstoßen und beschämt wurde. Die Orthodoxie Kirche gedenkt ihrer als Hl. Veronika am 12. Juli. Sie wurde von ihrer Krankheit geheilt und von der Schande befreit als sie sich selbst heilte, indem sie den Saum des Gewandes Jesu berührte. In einem Hymnus aus dem 6. Jh. von Romanos dem Meloden sagt Christus zu der Frau, dass nicht Er die Heilung verursacht, sondern dass ihr Glaube dieses Wunder vollbracht habe. Immerhin zeigt diese Geschichte die Haltung Jesu gegenüber Ritualen, Tabus und Traditionen, die Frauen erniedrigten und diskriminierten. Ohne Rücksicht was die Tradition über Blut und „unreine“ Frauen lehrte, verwarf Jesus diese Vorstellung. Man kann sich schon etwas darüber wundern, dass sie sich in der Kirche bis heute gehalten hat.

 

Durch die Erfahrungen der Myronträgerinnen, der Samariterin und der Blutflüssigen Frau will die Kirche die Bedeutung der Auferstehung, von Ostern, mit seiner Botschaft von Leben, Freude und Hoffnung ausschmücken. Stark, selbstsicher, klug und tapfer hießen diese heiligen Frauen die Ankunft der Neuen Schöpfung, die Jesus einleitete, willkommen. Furchtlos, im Gegensatz zu den Jüngern, gingen die Myronträgerinnen zum Grab, erfuhren, dass Christus den Tod zertreten hatte und wurden die ersten Träger der christlichen Verkündigung.
Die Samariterin sprach mit Jesus, entdeckte, dass der Messias gekommen war und verkündete Ihn der Welt.
Um ihre Gesundheit und den Zugang zu Gesellschaft und Kultur wiederzugewinnen trotzte die Ausgestoßene den Konventionen, überwand ihre Furcht, drängte sich an Christus heran und fand Heilung durch ihren Glauben.

Im Zentrum jeder Erzählung steht Jesus. Er war es, der es diesen Frauen ermöglichte Freude und Befreiung zu erfahren. Es geschah, weil er sie als Personen akzeptierte und jede von ihnen als Mensch, geschaffen als Abbild Gottes, schätzte.

Er entwarf nie eine „frauengerechte“ Umwelt für sie. Er zwang sie nie in patriarchalische Muster.

Die Beziehung dieser weiblichen Heiligen zum Gründer des Christentums fordert in dieser Zeit nach Ostern zum Nachdenken auf.
 

http://www.stnina.org/97sp/97sp-topping-easter.htm, dt. von G. Wolf

 

 


 



HIMMELFAHRT CHRISTI




Auf zum Vater
steigt Christus empor


stellt vor Ihn
unsere menschliche Natur

die Er annahm
für uns




Festtagsikone Weissrussisch 17.Jhdt.




Mit der Himmelfahrt unseres Herrn und Erloesers Jesus Christus ist die oesterliche Zeit abgeschlossen und es beginnt die Vorbereitung auf Pfingsten. In der Kirche werden nicht mehr die Gesaenge des Osterjubels gesungen; die Glaeubigen begruessen einander nicht mehr mit dem Ostergruss. Dennoch empfinden wir keinen traurigen Abschied vom Herrn, sondern stellen uns viel mehr in freudiger Erwartung auf die verheissene Sendung des Heiligen Geistes ein. So faehrt Christus auf in die Herrlichkeit des Vaters, ohne sich von uns zu trennen. Mit Ihm wird auch unsere menschliche Natur der göttlichen Herrlichkeit teilhaftig.
Hier beginnt, was sich einst auch an uns und am ganzen Kosmos vollenden wird:
die Rückführung der von Gott getrennten Schöpfung !


Nachdem Du fuer uns die Heilsordnung erfuellt
und das Irdische mit dem Himmlischen vereint hast,
bist Du aufgefahren in Herrlichkeit,
Christus, unser Gott.
Ohne uns zu verlassen, ungetrennt,
rufst Du denen, die Dich lieben zu:
Ich bin mit euch,
und niemand kann wider euch sein !


Wie Du Selbst gewollt, wurdest Du geboren.
Und wieder erschienst Du, wie Du Selbst beschlossen,
und littest als Mensch.

Doch als Gott standest Du auf,
und zu den Himmeln in Herrlichkeit stiegest Du empor
und führtest hinauf der Menschen Natur,
und mit Herrlichkeit schmücktest Du sie.

 

 17.Jhdt.

CHRISTI HIMMELFAHRT
Festabschluss der Osterzeit
* Quellenhinweis *

Der Mittwoch, der dem fünften Sonntag nach Ostern folgt, ist der Tag, an dem wir die Osterzeit abschließen. Wir gedenken des letzten Tages der tatsächlichen Gegenwart des auferstandenen Christus unter Seinen Jüngern; und zur Ehre dieser Seiner Gegenwart, und um die Auferstehung noch einmal zu ehren, wiederholt die Kirche an diesem Mittwoch den gesamten Gottesdienst des Oster-Sonntags. Und nun kommen wir zum vierzigsten Tag nach Ostern, zu dem Donnerstag, an dem die Kirche das Fest der Auffahrt feiert (Lk 24,51).

Zur Vesper der Himmelfahrt am Mittwoch Abend werden drei Lesungen aus dem Alten Testament gelesen. Die erste Lesung (Jes 2,2-3) spricht vom Berg: "Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge ... zu ihm strömen alle Völker ... Viele Nationen machen sich auf den Weg ... Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn." Dies bezieht sich auf dem Ölberg, von dem Christus zu Seinem Vater aufstieg. Die zweite Lesung (Jes 62,10-63,3.7-9) wurde wegen der folgenden Worte gewählt: "Zieht durch die Tore ein und aus, und bahnt dem Volk einen Weg ... In seiner Liebe und seinem Mitleid hat er selbst sie erlöst. Er hat sie emporgehoben und sie getragen ...". Christus, aufgefahren in den Himmel, öffnet Seinem Volk die Tore, Er bereitet ihm den Weg, Er trägt es und hebt es mit sich empor. Die dritte Lesung (Sach 14,1.4.8-11) redet ebenso von dem Berg, der den Hintergrund für den letztendlichen Triumph Christi abgab: "Siehe, es kommt ein Tag für den Herrn ... Seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der im Osten gegenüber von Jerusalem liegt. ... An jenem Tag wird aus Jerusalem lebendiges Wasser fließen ..."
Die Gesänge für den Orthros von Himmelfahrt sind bereits erfüllt mit Andeutungen, die sich auf den Geist, den Tröster beziehen, den Christus senden wird. Himmelfahrt ist das Vorspiel für Pfingsten.

Bei der Liturgie wird der Anfang der Apostelgeschichte (Apg 1,1-12) gelesen. Jesus wird, nach einem letzten gemeinsamen Mahl mit Seinen Aposteln, emporgehoben und in einer Wolke aufgenommen. Die Gegenwart einer Wolke zeigt klar den symbolischen Charakter dessen, was man den physischen Aspekt der Himmelfahrt nennen könnte. Die Wolke, die das Offenbarungszelt, die Stiftshütte, umhüllte und die Israel durch die Wüste führte bildete das sichtbare Zeichen der göttlichen Gegenwart. Die Aufnahme Christi in eine Wolke ist keine banale Bildersprache: es bedeutet, dass das Ende des irdischen Lebens unseres Herrn die Aufnahme Seines verklärten Leibes in den Schoß Gottes ist.

Das Evangelium für die Liturgie (Lk 24,36-53) berichtet von den Geschehnissen, beginnend bei der ersten Erscheinung des auferstandenen Jesus bei den versammelten Jüngern, bis zu Seiner Himmelfahrt.
Wenn man die Osterfreude ernsthaft durchlebt hat, empfindet man schon einen gewissen Abschiedsschmerz, wenn der Himmelfahrtstag sich nähert. Wir wissen natürlich, dass er einer der großen christlichen Festtage ist, und doch erscheint er wie eine Trennung, ein Abschied und danach ist unser Herr nicht mehr in ganz derselben Weise bei uns. Die Jünger aber empfanden das nicht so. Sie hätten von Trauer überwältigt sein können, aber das Gegenteil war der Fall, denn "dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück" (Lk 24,52). Auch wir können zu dieser Freude der Himmelfahrt gelangen. Warum sollen sich Christen über die Himmelfahrt freuen?

Erstens, die Herrlichkeit unseres Herrn muss uns kostbar sein und die Himmelfahrt ist die Krönung Seiner irdischen Sendung. Er hat Seine Sendung, die Ihm der Vater aufgetragen hat, erfüllt. Sein ganzes Wesen verlangt nach dem Vater. Nun wird Er vom Vater willkommen geheißen für Seinen Sieg über Sünde und Tod – ein Sieg, der so bitter erkauft wurde. Nun wird Er im Himmel verherrlicht. Die Herrlichkeit und das Verlangen unseres Herrn sind für uns sicher wichtiger als die Art ‚sichtbarer Tröstungen’, die wir von Seiner Gegenwart erfahren könnten. Wir sollten lernen unseren Herrn genug zu lieben, um uns über Seine Freude zu freuen.

Zweitens zeigt uns die Himmelfahrt, dass Gott das ganze Werk der Wiedergutmachung Seines Sohnes annimmt. Die Auferstehung war das erste glänzende Zeichen dieser Annahme und Pfingsten wird das letzte Zeichen sein. Die Wolke, die heute Jesus Christus einhüllt und mit Ihm zum Himmel emporsteigt, stellt den Rauch des Opfers dar, der vom Altar zu Gott emporsteigt. Das Opfer ist angenommen und der Geopferte wird in die Gegenwart Gottes empfangen, wo Er weiter in ewiger und himmlischer Weise dargebracht wird. Das Werk unserer Erlösung ist vollendet und gesegnet.

Es kehrt aber nicht nur eine Natur Christi zum Vater zurück. Zu den Menschen kam der unkörperliche Logos herab. Aber heute tritt das fleischgewordene Wort, wahrer Gott und wahrer Mensch, in das Königreich des Himmels ein. Christus bringt die menschliche Natur, die Er angenommen hat, mit. Er öffnet der Menschheit die Tür. Wie als Stellvertreter nehmen wir die Wohltaten, die uns angeboten und ermöglicht werden, in Besitz. "[Gott] hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben." (Eph 2,6) Wenn wir glauben, sind für uns Plätze im Himmel vorbestimmt. Unsere Gegenwart ist erwünscht und erwartet.

Die Himmelfahrt lässt unsere Vorstellungen über den Himmel näher und realer erscheinen. Und was ist ‚Himmel’ genau? Theologisch wäre es nicht unmöglich, dass der Himmel ein ‚Ort’ ist, ein Ort, der unseren Erfahrungsraum transzendiert. Jedenfalls ist Himmel aber ein Zustand: ein Zustand vollkommenen Glücks. Zuallererst und ganz wesentlich besteht diese Glückseligkeit in der Schau Gottes und in der engen Gemeinschaft mit den Personen der Heiligen Dreieinigkeit und ihrem Leben in Liebe. Teil zu sein des göttlichen Lebens, Quelle des Vollkommenen und aller Glückseligkeit, ist unendliche Freude. Auch finden wir in Gott und bei Ihm alle die Personen und Dinge dessen Ursprung Er ist. Das können wir mit Sicherheit über den Himmel sagen – der ein Mysterium bleibt. Einfacher gesagt, stellen wir uns vor, wie es wäre, wenn wir unseren Herrn immer sehen könnten, Ihm immer nahe wären, ein Leben lebten das von Seinem durchdrungen und darin für immer festgemacht ist.

Denken wir an unsere letzte Heimat oft genug? Für die meisten Christen ist das Leben im Himmel nicht mehr als eine Ergänzung des irdischen Lebens, von der sie nur eine recht vage Vorstellung haben. Das Leben im Himmel wird als eine Art Postscriptum, ein Anhang zu einem Buch gesehen, dessen Text durch das irdische Leben geformt wird. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Unser irdisches Leben ist nur das Vorwort zum Buch. Das Leben im Himmel ist das Hauptkapitel und sein Text ist unendlich. Um mit einem anderen Bild zu sprechen, unser irdisches Leben ist nur ein Tunnel, eng, dunkel – und sehr kurz – der sich auf eine großartige, sonnenbeschienene Landschaft öffnet. Wir denken viel zu sehr an unser jetziges Leben. Wir denken viel zu wenig daran, wie das Leben sein wird. "Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen." (Jes 64,3)

Zum Orthros haben wir gesungen: "Wie Engel wollen wir Bewohner der Welt ein Fest feiern ..." (1. Stichos der Aines). Das soll besagen: öffnen wir unser Herz den Engeln und versuchen ihre Gefühle nachzuempfinden; dadurch können wir etwas von dem erfahren was sie erleben, wenn der Sohn zum Vater zurückkehrt; im Geiste sollten wir weitergehen und der Immerjungfrau Maria und den verherrlichten Heiligen nahe sein, die unsere wahren Mitbürger sein werden: "Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter" (Phil 3,20). Unser Leben würde umgestaltet, wenn, ab jetzt, unser Herz hinüberreichen würde in das Himmelreich, wo sich nicht nur das Gute für uns, sondern auch für unsere Lieben findet.

Als die Jünger von Christus getrennt wurden, blieben sie doch voller Hoffnung, denn sie wussten, dass sie den Geist empfangen würden. "Beim gemeinsamen Mahl gebot Er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters" (Apg 1,4). Die Wolke umgibt Christus, aber diese Wolke ist schon gefärbt durch die pfingstlichen Feuerzungen. Christus geht von uns, aber Er lässt uns in einer Haltung zurück, die nicht Bedauern ist, sondern eher frohes und vertrauensvolles Erwarten.

Der Weggang Jesu war sowohl ein Akt der Segnung als auch ein Akt der Anbetung, beide voneinander abhängig: "Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück." (Lk 24,51.52) Das sollte auch für uns das Fest Christi Himmelfahrt sein. Wenn Christus uns mit einer Segnung verlässt und wenn wir dabei vor Ihm niederfallen (bildlich gesprochen), werden wir mit neuer Kraft erfüllt – die von der Anbetung, vom Segen kommt – und wir werden wie die Apostel "in großer Freude" zurückkehren.

 

QUELLE:
A Monk of the Eastern Church:
" THE YEAR OF GRACE OF THE LORD "
A Spiritual and Liturgical Commentary on the Calender of the Orthodox Church
Crestwood N.Y., 1992, p. 198-201

hier:   Übers.: G. Wolf   in

* St.Andreas-Bote *

 



P F I N G S T E N


Allheilige
DreiEinigkeit
und
Mitfest des
Heiligen Geistes


Gepriesen bist Du,
Christus unser Gott,

der Du
zu Allweisen
die Fischer
gemacht hast,

indem Du ihnen sandtest
den Heiligen Geist,

und durch sie
den
Erdkreis eingefangen
hast,

Menschenliebender,
Ehre Dir !



Festtagsikone /Bulgarisch 18.Jhdt, Belowo, Schule v. Trjawna




Als Er herabfuhr, die Sprachen zu verwirren,
schied der Hoechste die Voelker;

als Er des Feuers Zungen verteilte,
berief Er zur Einheit
alle !

Einstimmig verherrlichen wir den Heiligen Geist.

PFINGSTEN in der Apostelgeschichte und nach den Kirchenvätern
Prof.Skaballanovitsch: Der HEILIGE GEIST in unseren täglichen Gebeten
Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper
Hl. Kyrillos von Jerusalem: Geist-Taufe am Pfingstfest
Metropolit STYLIANOS von Australien: Gedanken zur Frucht des Geistes
Metropolit MICHAEL: Realitaet des Heiligen Geistes

Das obige Gebet knuepft an die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel an. (Genesis 11) Waehrend dort menschliche Hochmut zur "Teilung der Zungen" fuehrte, vereinen die aus einer Quelle kommenden "Zungen des Feuers" des Heiligen Geistes die Menschen. In der Festtagsikone sehen wir die Schoepfung als "Kosmos" (griechische Wurzel: Ordnung,Harmonie) am unteren Bildrand den ausgegossenen Heiligen Geist auffangend. Der Turm zu Babel steht fuer die sich ueberschaetzenden Menschen, die himmelshohes Menschenwerk errichten wollen (wie die Ideologien in unserem Jahrhundert) aber durch ihren Absolutheitsanspruch die Menschheit zerreissen. Demgegenueber ist unser Troester, Erhalter und Lebensspender der eine und einigende Heilige Geist, der schon seit der Schoepfung (wo er ueber allen Wassern schwebte) allen Menschen gemeinsam ist.

Fuer die Kirche ist Pfingsten das Fest ihres Neubeginns. Die Ausgiessung des Heiligen Geistes macht aus den Juengern, die vorher mehrheitlich ungebildete Fischer waren, Allweise, die vor aller Welt predigen und die Kirche leiten.

Damit besiegelt Pfingsten die Heilsbotschaft der Auferstehung; der oesterlichen Gotteserkenntnis folgt die abschliessende Offenbarung der Dreieinheit Gottes.

Mit Pfingsten beginnt die Glaubensverkuendigung der Apostel und die Feier des Mysteriums der Erloesung in den Versammlungen der Glaeubigen. Erst dadurch wird das praktische Wachsen in der Heiligung, der Theosis, der Vergoettlichung, den Menschen ermoeglicht, nachdem sie durch Christi Opfertod und Auferstehung von Suende und Tod erloest wurden.

Der Kirchenraum wird in der Aufbruchsstimmung des Gedaechtnisses des Neuanfanges der Kirche mit Knospen und gruenen Zweigen geschmueckt, und die ringsum aufbluehende Schoepfung so in den Gottesdienst einbezogen, ein Brauch der an das alttestamentarischen Ernte- und Laubhuettenfest anknuepft. Die Glaeubigen schmuecken auch ihre Wohnungen mit Gruen und Blumen und tragen mancherorts auch waehrend der Liturgie die erstmals aufgebluehten Blumen in den Haenden entsprechend den Erstlingsopfern des Alten Bundes.

Mit Pfingsten beginnt auch im Kirchenjahr eine neue Phase, indem nach der auf Ostern bezogenen Zeit wieder der datumsgebundene Festkreis die Fuehrung uebernimmt: Die nachpfingstliche Offenbarung ruht auf den Gedaechtnissfesten der Heiligen, die den Glaeubigen daran erinnern, dass er zur Theosis, zur Ergoettlichung, berufen ist.
Dazu ist die Sendung und Erneuerung des Heiligen Geistes unbedingte Voraussetzung.

Daher wird nun am Abend des Pfingsttages zur Vesper (oder aus praktischen Gruenden gleich im Anschluss an die Liturgiefeier der Gemeinde) die Gabe des Heiligen Geistes in 3 feierlichen Gebeten erfleht:

 

Pfingsten

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“

Apg 2,1-11



Beachte, ich bitte dich, wie der Geist genau zu der Zeit kommt, da sie im Gebet versammelt sind, da sie Liebe zueinander haben.

Hl. Johannes Chrysostomos


OHNE DEN HEILIGEN GEIST
- IST GOTT FERN
- BLEIBT CHRISTOS IN DER VERGANGENHEIT
-
IST DAS EVANGELIUM VOLL TOTER BUCHSTABEN
- DIE KIRCHE EIN BLOSSER VEREIN
- DIE AUTORITÄT EINE HERRSCHAFTSFORM
- DIE MISSION PROPAGANDA
- BLEIBT LITURGIE BLOSSES RITUAL
- WIRD CHRISTLICHES ZUSAMMENLEBEN VON SKLAVENMORAL BESTIMMT.

Hl. Athenagoras aus Athen (2.Jhdt.)

 

Durch jenen Sturmwind wurden die geistigen Kräfte der Boshaftigkeit und alle unreinen Dämonen aus der Luft ausgetrieben und zerstreut.

Hl. Gregor Dialogos

 

Es heißt: "wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Winde".  Das zeigt, daß ihnen (den Aposteln) nichts in der Lage sein wird zu widerstehen, sondern daß sie alle ihre Feinde wie Staub zerstreuen werden.

Hl.  Johannes Chrysostomos



Entsprechend erschien der Geist in Gestalt des Feuers, denn Er treibt aus einem jeden Herzen, das Er erfüllt, die Gefühlskälte und entflammt es mit der Liebe zum Ewigen.

Hl. Gregor Dialogos



Weshalb erschien er im Bilde von Zungen? – Um zu zeigen, dass Er mit dem göttlichen Wort verwandt ist, denn dem Wort ist nichts so verwandt wie die Zunge; zugleich aber auch zur Gnadengabe des Lehrens, denn der Lehrer in Christus braucht eine begnadete Zunge. Weshalb erschien Er in feurigen Zungen? - Nicht nur wegen des einen Wesens des Geistes mit dem Vater und dem Sohn (denn unser Gott ist ein Feuer, das das Böse verzehrt), sondern auch wegen der Doppelwirkung der apostolischen Predigt, die beides zugleich bewirkt – die Wohltat und die Strafe

Hl.  Gregor Palamas


 

Du kannst den Geist nicht erzeugen.

Du kannst ihn nur  EMPFANGEN !


Johann Wolfgang Goethe


 

Kniebeugungsgebete der Pfingstvesper:
(hier wird seit Ostern zum erstenmal wieder gekniet; daher "Kniebeugungsgebet")

1)

a)

Allerreinster, makelloser, anfangloser, unsichtbarer, unbegreiflicher, unerforschlicher, unveraenderlicher, unueberwindlicher, unermesslicher,
langmuetiger Herr !

Du allein hast Unsterblichkeit und wohnst im unzugaenglichen Lichte !

Du hast den Himmel geschaffen
und die Erde und das Meer
und alle Geschoepfe in ihnen !

Du gewaehrst allen die Bitten - noch bevor Du gebeten wirst !

Dich bitten wir und Dich rufen wir an,
menschenliebender Gebieter,
Dich, den Vater unseres Herrn und Gottes und Erloesers Jesus Christus,
Der fuer uns Menschen und zu unserem Heile
aus den Himmeln herabgekommen ist
und Fleisch angenommen hat
von dem Heiligen Geiste
und aus der Immerjungfrau und ruhmreichen Gottesgebaererin Maria.

Er belehrte uns zuerst durch Worte,
spaeter unterwies Er aber auch durch Taten,
als Er das heilbringende Leiden erduldete.
Er gab uns ein Vorbild,
Deinen Dienern hier unten, obwohl sie sich Deine Gnade nicht verdient haben,
Dir Gebete darzubringen,
indem wir Nacken und Knie beugen
wegen unserer eigenen Suenden und den unwissentlichen Vergehen allen Volkes !

Du selbst, gnadenreicher und menschenliebender Gott, erhoere uns nun
an welchem Tag auch immer wir Dich anrufen,
besonders aber an diesem Tage des Pfingstfestes,
an welchem unser Herr Jesus Christus, nachdem Er gen Himmel gefahren war,
und sich zu Deiner, des Gottes und Vaters, Rechten gesetzt hatte,
den Heiligen Geist auf Seine heiligen Juenger und Aposteln herabgesandt hat;
dieser liess sich auch auf einen jeden von ihnen nieder
und sie wurden alle erfuellt mit Seiner unerschoepflichen Gnade
und verkuendeten in fremden Zungen Deine Grosstaten und weissagten.

Nun also erhoere uns, die wir Dich bitten,
und gedenke unser, die wir ansonsten hier unten hilflos und hoffnungslos sind,
und hebe auf die Gefangenschaft unserer Seelen,
der Du Milde hast fuer uns.

Nimm uns an,
die wir vor Dir niederfallen und rufen:

Wir haben gesuendigt !

Zu Dir kommen wir vom Mutterschosse an,
denn vom Mutterschosse an bist Du unser Gott.
Doch unsere Tage sind verflossen in Nichtigkeiten.
Wir haben Deine Hilfe verspielt und jede Rechtfertigung verloren;
dennoch rufen wir voll Zuversicht auf Dein Erbarmen:

Der Suenden unserer Unreife und unseres Unverstandes gedenke nicht,
und reinige uns von unseren verborgenen Suenden;
lass uns nicht im Alter verloren sein, wenn unsere Kraefte schwinden,
verlasse uns nicht ehe wir in die Erde zurueckkehren,
mache uns wuerdig der Umkehr zu Dir,
und sei uns geneigt in Huld und Gnade;
lege an unsere Suenden den Massstab Deiner Milde
und stelle die Unerschoepflichkeit Deiner Erbarmungen
der Menge unserer Suenden gegenueber.

Blicke herab, o Herr,
von Deiner heiligen Hoehe auf Dein vor Dir stehendes Volk,
welches reichliche Gnade von Dir erwartet.
Komm zu uns mit Deiner Gnade,
reisse uns aus der Gewalt des Teufels;
staerke unser Leben durch Deine heiligen und goettlichen Gebote;
einem treuen Schutzengel vertraue Dein Volk an;
versammle uns alle in Deinem Reich:
gewaehre Verzeihung denen, die auf Dich hoffen;
vergib ihnen und uns die Suenden;
reinige uns durch die Wirksamkeit Deines Heiligen Geistes
und vernichte die gegen uns gerichteten Raenke des Feindes !
 


b)

Gepriesen bist Du,
Herr, Gebieter, Allherrscher,
der Du den Tag durch das Strahlen der Sonne erleuchtet,
und die Nacht erhellt hast mit dem Abglanz.
Du hast uns gewaehrt,
den Lauf des Tages zu durcheilen
und uns zu naehern dem Beginn der Nacht;
erhoere unsere Bitten und die Deines ganzen Volkes;
vergib uns alle die absichtlichen oder unabsichtlichen Suenden;
nimm an unsere Abendgebet,
und sende ueber Dein Erbe die Fuelle Deiner Gnade und Deiner Erbarmungen.
Umschirme uns mit Deinen heiligen Engeln,
wappne uns mit den Waffen Deiner Gerechtigkeit;
umgib uns mit der Bastion Deiner Wahrheit;
bewahre uns mit Deiner Macht,
errette uns von jeder Bedraengnis
und vor jedem Anschlag des Widersachers,
verleihe uns auch,
dass der gegenwaertige Abend und die folgende Nacht
vollkommen, heilig und ohne Suende sei,
frei von Kummer und Anfechtungen,
so wie auch alle Tage unseres Lebens

auf die Fuerbitten der heiligen Gottesgebaererin und aller Heiligen
die Dir von Ewigkeit an wohlgefallen haben !

2)

a)

Herr Jesus Christus, unser Gott,
der Du Deinen Frieden den Menschen geschenkt hast,
und die Gabe des Allheiligen Geistes noch im Leben uns gegenwaertig und immerfort darbietest,
den Glaeubigen als unentreissbares Erbe,
sichtbarer aber dieselbe Gnade Deinen Juengern und Aposteln heute herabgesandt hast
und ihre Lippen durch feurige Zungen gekraeftigt hast,
durch welche wir Menschen die Erkenntnis Gottes in eigener Mundart im Gehoere empfangend,
mit dem Lichte des Geistes erleuchtet
und dem Irrtum, wie aus der Finsternis, entzogen sind
und durch die Verteilung der wahrnehmbaren und feurigen Zungen
und durch uebernatuerliche Wirksamkeit den Glauben an Dich erlernt haben
und Dich mit dem Vater und dem Heiligen Geiste
in einer Gottheit und Macht und Gewalt als Gott zu bekennen angefacht sind !


Du nun,
Abglanz des Vaters,
Seines Wesens und Seiner Natur unveraenderliches und unbewegliches Ebenbild,
Quelle der Erloesung und der Gnade,
oeffne auch mir Suender die Lippen und lehre mich,
wie und wofuer ich beten soll:
Denn Du kennst die Fuelle meiner Suenden,
Deine Barmherzigkeit aber wird die Unzahl derselben ueberwinden.

Siehe,
in Furcht stehe ich vor Dir,
in das unerschoepfliche Meer Deines Erbarmens werfe ich die Verzweiflung meiner Seele.
Leite mein Leben,
der Du durch Dein Wort
 jegliches Geschoepf mit der unbeschreibbaren Macht Deiner Weisheit leitest,
o stiller Hafen der vom Sturm Bedraengten,
und
weise mir den Weg, den ich wandeln soll.

Den Geist Deiner Wahrheit gib meinen Gedanken;
den Geist des Verstandes schenke meiner Unvernunft;
mit dem Geiste der Gottesfurcht erhelle meine Werke;
erneuere auch den rechten Geist in meinem Inneren,
und mit dem Geist Deiner Herrschaft staerke auch meine ausgleitenden Gedanken,
damit ich jeden Tag zu dem, was da frommt, durch Deinen guten Geist gefuehrt,
gewuerdigt sei,
Deine Gebote zu erfuellen
und ewig zu gedenken
Deiner herrlichen, ueber unsere Handlungen Rechenschaft fordernden Wiederkunft.

Lass mich nicht anschmiegen an die vergaengliche Reize,
sondern staerke mich, zu streben nach dem Genuss der zukuenftigen Schaetze.

Denn Du hast gesagt, o Gebietender,
dass ein jeglicher, was er auch bitten werde in Deinem Namen,
es unverwehrt empfangen werde von Deinem mitewigen Gott und Vater;
darum,
so flehe ich Suender Deine Guete an
am Tage des Herabkommens Deines Heiligen Geistes:
Um was ich gebeten, gib mir zum Heil.

Ja, Herr,
Du alle Wohltat reichlich darbietender Geber des Guten,
der Du ueberschwaenglich gibst, um was wir bitten,
Du bist der Mitleidige, der Erbarmende,
der Du suendlos teilgenommen hast an unserem Fleische,
und zu denen, die ihre Kniee vor Dir beugen, Dich mildherzig neigest,
auch zu Suehnung geworden bist fuer unsere Suenden,
so schenke denn, o Herr, Deinem Volke Deine Erbarmungen;
erhoere uns aus Deinem heiligen Himmel;
heilige uns mit der Kraft der Erloesung Deiner Rechten;
decke uns mit dem Schirme der Fluegel Deiner Engel,
verschmaehe nicht die Werke Deiner Haende.
Dir allein suendigen wir,
doch Dir allein dienen wir auch;
wir wollen nicht einen fremden Gott anbeten,
noch zu einem anderen Gott, o Gebietender, unsere Haende ausstrecken.
Verzeihe uns die Uebertretungen
und nimm die Bitten unseres Kniefalls an,
strecke nach uns allen Deine hilfreiche Hand aus.
Nimm an das Gebet aller, als ein wohlgefaelliges Rauchopfer,
welches vor Deinem huldreichen Throne aufgenommen wird !

b)

Herr, Herr, der Du uns errettest vor jedem Pfeil, der am Tage fliegt,
errette uns auch von jedem Ungemach, das im Finstern einherschleicht.
Nimm an das abendliche Opfer, das Aufheben unserer Haende.
Wuerdige uns auch,
die Strecke der Nacht tadellos zurueckzulegen, ohne Versuchung boeser Dinge
und erloese uns von aller Unruhe und Angst, die in uns vom Teufel erregt wird.
Verleihe unseren Seelen die Zerknirrschung
und unseren Gedanken die Besorgnis
ob der Pruefung in Deinem furchtbaren und gerechten Gerichte.
Festige an der Gottesfurcht unser Fleisch und ertoete unsere Bindung an Irdisches,
auf dass wir auch waehrend der Ruhe des Schlafes erleuchtet werden
durch die Betrachtung Deiner Gerichte.
Entferne auch von uns jede unziemende Einbildung und schaendliche Begierde.
Lass uns aber aufstehen zur Zeit des Gebetes,
nachdem wir uns im Glauben gestaerkt haben
und fortgeschritten sind in Deinen Geboten ! 


3)

a)

Du, ewig stroemende Quelle des Lebens und des Lichtes,
Du, mitewige schoepferische Kraft des Vaters,
Der Du die ganze Heilsordnung zur Erloesung der Sterblichen so herrlich erfuellt hast,
Christus unser Gott !
Der Du die unloesbaren Bande des Todes und die Riegel der Hoelle zersprengt
und die Menge der boesen Geister niedergetreten;
Der Du Dich selbst als tadelloses Schlachtopfer fuer uns dargebracht hast,
Deinen reinen, von aller Sünde unberuehrten und ihr unzugaenglichen Leib zum Opfer hingebend
und durch diesen furchtbaren und unaussprechlichen Priesterdienst uns das ewige Leben geschenkt hast,
Der Du zur Hoelle hinuntergestiegen bist,
die ewigen Riegel zertruemmert und den in der Tiefe Sitzenden den Aufgang gewiesen hast,
den urboesen Drachen des Abgrundes aber mit goettlich weiser Lockung gefangen genommen,
mit Ketten der Finsternis im Tartaros gebunden
und in unausloeschlichem Feuer und aeusserstem Dunkel gefesselt hast;
Du Weisheit des Vaters, deren Name gross ist,
Der Du den Bedraengten als grosser Helfer erscheinst
und erleuchtest diejenigen, die im Dunkel sitzen und im Schatten des Todes;
Du Herr der ewigen Herrlichkeit
und des hoechsten Vaters geliebter Sohn !
Ewiges Licht vom ewigen Lichte !
Sonne der Gerechtigkeit,
erhoere uns, die wir Dich bitten,
und lass ruhen die Seelen Deiner Diener,
unserer vordem entschlafenen Vaeter und Brueder und der uebrigen Blutsverwandten,
ja aller Glaubensverwandten aller Zeiten, deren Gedaechtnis wir jetzt feiern:
Denn Du hast Gewalt ueber alles und haeltst in Deiner Hand alle Enden der Erde,
Allgebieter, Allherrscher, Gott der Vaeter und Herr des Erbarmens,
Schoepfer des sterblichen und unsterblichen Geschlechts und aller menschlichen Natur,
der entstehenden und wieder vergehenden,
des Lebens und des Hinscheidens, des Hierweilens und der Versetzung in das Jenseits !
Der Du die Jahre den Lebenden bemissest und die Zeit des Todes bestimmst,
in das Totenreich hineinfuehrest und wieder herausfuehrest,
bindest in Schwaeche und loesest in Kraft,
das Gegenwaertige zum Nutzen einrichtest und das Zukuenftige zutraeglich anordnest,
der Du die mit dem Stachel des Todes Verwundeten
durch die Hoffnung der Auferstehung belebest;
Du Gebieter des Alls, Gott, unser Heiland, Du Hoffnung aller Enden der Erde
und derer die weit auf dem Meere sind,
der Du auch an diesem letzten und grossen und heilbringenden Tage des Pfingstfestes
uns das Geheimnis der heiligen und einwesentlichen und mitewigen und unteilbaren und unvermischten DreiEinigkeit offenbart hast
und das Ueberkommen und die Ankunft Deines heiligen und lebendigschaffenden Geistes in Gestalt feuriger Zungen ueber Deine Apostel gegossen
und sie zu Freudenboten unseres frommen Glaubens eingesetzt
und als Bekenner und Verkuendiger der wahren Gotteslehre erwiesen hast;
der Du auch an Deinem hocherhabenen und heilbringenden Feste das Flehen um Versoehnung fuer die, so in der Hoelle gehalten werden, anzunehmen geruhest
und uns die grosse Hoffnung gewaerest,
den von ihren Qualen Umfangenen Nachlass und Erquickung von Dir herabzusenden:
Erhoere uns Niedrige und Elende, die wir Dich bitten,
und lass die Seelen deiner entschlafenen Diener ruhen
an dem Orte des Lichtes, an dem Orte der Wonne, an dem Orte der Erfrischung,
von wo hinwegflieht aller Schmerz, alle Trauer und alles Seufzen,
versetze ihre Geister in die Gezelte der Gerechten
und wuerdige sie des Friedens und der Erholung;
denn nicht die Toten werden Dich preisen, o Herr,
noch werden sich erkuehnen, die Danksagungen darzubieten,
diejenigen so in der Unterwelt sind;
wir aber, die wir leben, preisen Dich und beten Dich an
und bringen Dir dar suehnende Gebete und Opfer fuer ihre Seelen !


b)

O Gott, Du Grosser und Ewiger, Heiliger und Menschenliebender,
der Du uns gewuerdigt hast,
auch in dieser Stunde zu stehen vor Deiner unnahbaren Herrlichkeit
zur Besingung und zum Lobe Deiner Wunder,
versoehne Dich uns, Deinen unwuerdigen Dienern,
und verleihe uns die Gnade, zerknirschten Herzens und ohne Hochmut
Dir den dreimalheiligen Lobgesang und die Danksagung darzubringen
fuer Deine grossen Wohltaten, die Du an uns getan hast und immerfort an uns noch tust.
Gedenke, Herr, unserer Schwachheit und vertilge uns nicht in unseren Suenden,
sondern uebergrosse Gnade nach unserer Demut,
auf dass wir, der Finsternis der Suenden entronnen,
am Tage der Gerechtigkeit wandeln moegen
und, angetan mit der Ruestung des Lichtes,
unangefochten verbleiben von jeglicher Arglist des Boesen
und Dich, den einzigen wahren und menschenliebenden Gott,
fuer alles voll Zuversicht preisen.
Denn Dein ist das wahrhaft und wirklich grosse Geheimnis,
o Gebieter und Schoepfer des Alls,
sowohl die zeitliche Aufloesung Deiner Geschoepfe,
als auch die spaetere Wiederherstellung und die Ruhe in Ewigkeit.
Wir sagen Dir Dank fuer alles, fuer unseren Eingang in die Welt und fuer unseren Ausgang,
welcher uns verheisst die Hoffnung auf die Auferstehung
und auf das unsterbliche Leben nach Deiner untrueglichen Offenbarung,
welches wir erlangen werden bei Deiner zweiten dereinstigen Ankunft.
Denn Du bist sowohl der Urheber unserer Auferstehung,
als auch der unbestechliche und menschenliebende Richter derer, die gelebt haben,
und der Vergeltung Gebieter und Herr !
Da Du auch in hoechster Herablassung in unseres Fleisches und Blutes verwandschaftliche Gemeinschaft getreten bist und unsere unvermeidlichen Leiden,
indem Du sie freiwillig erduldetest, aus innerstem Erbarmen angenommen hast,
so bist Du uns in dem, was Du selbst versuchend erlitten,
ein erfahrener Helfer geworden, wenn wir in Versuchung geraten.
Deshalb hast Du uns auch in Deine Freiheit von Leiden mit eingefuehrt.
Nimm denn nun an unsere Bitten und unser Flehen, Gebieter,
und lass ruhen alle Vaeter eines Jeden und Muetter und Kinder
und Brueder und Schwestern und sonstige Bluts- und Stammesverwandten,
auch alle Seelen, die in der Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben
vordem entschlafen sind, und versetze ihre Geister und Namen in das Buch des Lebens,
in den Schoss Abrahams, Isaaks und Jakobs,
in das Land der Lebendigen, in das Himmelreich, in das Paradies der Wonne,
einfuehrend sie alle durch Deine Lichtengel in Deine heiligen Wohnungen;
und erwecke auch unsere Leiber auf an dem Tage, den Du bestimmt hast
nach Deinen heiligen und untrueglichen Verheissungen.

So ist das nun, o Herr, kein Tod fuer Deine Diener,
wenn wir aus dem Leibe ausgehen und zu Dir, unserem Gott, eingehen,
sondern eine Hinuebersetzung von truebseligen
zu besseren und froehlicheren Umstaenden, Frieden und Freude.
Und wie wir auch wie andere gesuendigt haben,
sei gnaedig sowohl uns als auch ihnen;
denn niemand ist rein von Befleckung vor Dir,
auch nicht an einem Tag seines Lebens,
als Du allein, der Du ohne Suende auf Erden erschienen, unser Herr Jesu Christe,
durch den wir alle die Gnade und die Vergebung der Suenden zu erlangen hoffen.
Darum so erlasse und vergib und verzeihe uns und ihnen
als der guetige und menschenliebende Gott,
unsere Uebertretungen, die vorsaetzlichen und die unvorsaetzlichen,
die bewussten und unbewussten, die offenbaren und die geheimen,
welche wir in Taten und in Gedanken, in Worten
und in allen unseren Lebensaeusserungen und Bewegungen begangen haben.

Denen nun, die vorangegangen, schenke Du die Befreiung und Erquickung,
uns aber, die wir noch anwesend sind, segne;
gib uns ein gutes und friedliches Ende, sowohl uns, wie auch Deinem ganzen Volke;
oeffne uns auch den Schoss Deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe
an dem schrecklichen und furchtbaren Tage deiner Wiederkunft
und mache uns wuerdig Deines Reiches !

 

c)

O Gott, Du Grosser und Allerhoechster, der Du allein die Unsterblichkeit hast
und wohnest in unnahbarem Lichte,
der Du die ganze Schoepfung in Weisheit erschaffen,
das Licht von der Finsternis geschieden
und gesetzt hast die Sonne zur Herrschaft ueber den Tag,
den Mond aber und die Sterne zur Herrschaft ueber die Nacht,
der Du uns Suender gewuerdigt hast,
auch am gegenwaertigen Tage mit Bekenntnis vor Dein Angesicht zu treten
und Dir die Abendverehrung darzubringen,
Du menschenliebender Gott, lass unser Gebet vor Dich kommen wie Weihrauch
und nimm es an als duftenden Wohlgeruch.
Lass uns die gegenwaertige Abendzeit und die kommende Nacht friedlich sein;
bekleide uns mit der Ruestung des Lichtes,
bewahre uns vor dem naechtlichen Grauen und vor jedem Ungemach,
welches im Finstern schleicht
und gib uns den Schlaf, den Du zur Erholung unserer Schwachheit geschenkt hast,
frei von allen teuflischen Traeumen.

Ja, Du Gebieter des Alls, Spender des Guten,
auf dass wir auch auf unseren Schlafstaetten Reue fuehlen,
auch bei Nacht Deines allheiligen Namens gedenken
und durch die Beobachtung Deiner Gebote erleuchtet,
in der Freude unserer Seelen zur Lobpreisung Deiner Huld aufstehen
und Gebete und Flehen Deiner Barmherzigkeit darbringen moegen
fuer unsere eigenen Suenden und fuer Dein ganzes Volk,
welches Du
um der Fuerbitten willen der heiligen Gottesgebaererin
heimsuchen moegest mit Gnade !
 


 

Die Geist-Taufe der Jünger am Pfingstfest

Predigt des Hl. Kyrillos von Jerusalem (313 – 386)
* Quellenhinweis *



Jesus stieg in den Himmel hinauf und erfüllte Seine Verheißung, die Er den Jüngern gegeben hatte:
»Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben« (Joh 14,16).
Die Jünger blieben (in Jerusalem) und erwarteten die Ankunft des Heiligen Geistes.
»Als der Pfingsttag gekommen war« hier in dieser Stadt Jerusalem - auch diese Ehre wurde uns hier zuteil; deshalb sprechen wir nicht von Wohltaten, die auch andere erhalten haben, sondern von Gunsterweisen, die nur uns gewährt wurden. Am Pfingstfest also waren die Jünger hier, und vom Himmel kam der Beistand herab,
der Wächter und Heiligmacher der Kirche,
der Hüter der Seelen,
der Steuermann in Stürmen,
der Lichtbringer für die Irrenden,
der Kampfrichter für die Kämpfenden,
der Preisverleiher für die Siegenden
.

Der Geist kam herab, um die Apostel mit Kraft zu bekleiden und sie zu taufen. Denn der Herr sagt:
»Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft« (Apg 1,5).

Nicht Flickwerk war die Gnade, Vollendung war die Kraft.

Wie der, der bei der Taufe ins Wasser eintaucht, und von allen Seiten vom Wasser umspült wird, so wurden auch die Apostel vollkommen vom Geist getauft. Während das Wasser uns nur von außen umfließt, tauft der Geist die Seele unaufhörlich von innen her.
Du wunderst dich darüber? Du sollst ein Beispiel aus der Erfahrungswelt dafür bekommen, ein kleines und schlichtes, doch für einfachere Leute durchaus lehrreich: Wenn das Feuer in das feste Eisen bis nach innen eindringt, wird das ganze Eisen zu Feuer. Wird das kalte und schwarze Eisen heiß und leuchtend, wenn das Feuer, selbst materiell, in die Materie des Eisens eindringt, was wunderst du dich dann, wenn der Heilige Geist in das Innerste der Seele einkehrt?

Damit man wusste, wie bedeutend die herabkommende Gnadengabe war, erscholl gewissermaßen eine Himmelsposaune:
»Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt.«
Er zeigte die Ankunft dessen an, der den Menschen die Gnade verleiht, »das Reich Gottes mit Gewalt an sich zu reißen« (Mt 11,12); die Augen sollten die Feuerzungen sehen und die Ohren das Brausen wahrnehmen.
»Es erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.« Das Haus wurde zum Becken für das geistige Wasser. Die Jünger saßen in dem Haus, das ganz erfüllt wurde, und wurden vollständig getauft, wie ihnen verheißen war. Sie wurden an Seele und Leib mit dem göttlichen und heilbringenden Gewand bekleidet. »Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten, auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.« Feuer empfingen sie, doch kein verbrennendes, sondern ein heilwirkendes Feuer, das die Dornen der Sünde verzehrt und die Seele erleuchtet. - Dieses Feuer wird auch jetzt auf euch herabkommen, eure dornigen Sünden verzehren und vernichten, den kostbaren Schatz eurer Seele noch mehr erglänzen lassen und euch Gnade schenken; auch damals hat es den Aposteln Gnade geschenkt. - In Gestalt feuriger Zungen ließ sich die Gnade auf die Apostel herab, um ihr Haupt durch die feurigen Zungen mit ganz neuartigen und geistigen Diademen zu krönen.
Einst hatte ein feuriges Schwert das Tor zum Paradies versperrt; eine feurige, rettende Zunge brachte die Gnade zurück....

Bestürzung entstand in der Menge der Zuhörer, eine neue Verwirrung, entgegengesetzt zur ersten schlimmen in Babylon. Während bei der Verwirrung der Sprachen die Pläne durchkreuzt wurden, da sich das Trachten gegen Gott richtete, erfolgte hier eine Wiederherstellung und Einigung der Gesinnung, da das Streben gottesfürchtig war. Bei denen (in Babylon) kam es zum Fall, bei diesen (in Jerusalem) zum Auferstehen. ... Andere aber spotteten: »Sie sind vom süßen Wein betrunken.« Damit sagten sie spottend die Wahrheit. Tatsächlich war der Wein, die Gnade des Neuen Bundes, noch jung. Doch dieser junge Wein kam vom geistigen Weinstock, der oft schon in den Propheten Früchte getragen hatte und im Neuen Bund junge Triebe hervorbrachte. Wie in der sichtbaren Natur der Weinstock immer gleich bleibt und zur entsprechenden Zeit neue Früchte trägt, so hat auch der gleiche Geist, der bleibt, was Er ist und der oft schon in den Propheten gewirkt hat, jetzt etwas Neues und Wundervolles erstehen lassen. Auch über die Väter war die Gnade gekommen, doch jetzt kam sie im Übermaß. Damals erhielten sie Anteil am Heiligen Geist, jetzt aber wurden die Jünger völlig in ihn hineingetaucht.

Petrus, der den Geist empfangen hatte und sich dessen bewusst war, sprach: ... Trunken sind diese Männer in nüchterner Trunkenheit, die die Sünden abtötet und die Herzen mit Leben erfüllt, in einer Trunkenheit, die das Gegenteil vom leiblichen Betrunkensein ist. Sie macht vergessen, was man gewusst hat; diese aber verleiht Kenntnis von dem, was man nicht gewusst hat. Trunken sind sie, da sie den Wein des geistigen Weinstocks genossen haben, der sagt: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben« (Joh 15,5). ... »Es ist erst die dritte Stunde des Tages.« Der, welcher um die dritte Stunde gekreuzigt wurde, wie Markus (15,25) sagt, hat jetzt zur dritten Stunde die Gnadengabe gesandt. Keine andere Gnade ist es hier wie dort (am Kreuz). Jener, der damals gekreuzigt wurde und die Verheißung gegeben hat, hat seine Verheißung erfüllt.

 

QUELLE:
Kyrillos von Jerusalem:
17. Taufkatechese, 13-15.17-19; PG 33, 985 B-992 A
übersetzt in:
Heiser, Lothar:
JESUS CHRISTUS, das LICHT aus der HÖHE
Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche
(Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 714ff.
hier:   Übers.: G. Wolf   in

* St.Andreas-Bote *

Einige Gedanken zur Frucht des Geistes von Erzbischof STYLIANOS(geb. in Kreta, Metropolit von Australien, Sydney):
(anlaesslich der 7.Vollversammlung des Weltkirchenrates in Canberra)
"Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Sittenlosigkeit, ausschweifendes Leben, Goetzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jaehzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und aehnliches mehr"
(Gal 5, 19-22)
im Gegensatz dazu:
"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Guete, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung" (Gal 5,22-23)

Der unvollstaendigen Aufzaehlung der ueblen Werke der gefallenen Welt setzt der Apostel die unendliche Zahl 9 der Frucht des Geistes entgegen...
Vielleicht taeten die kranken und belasteten Christen unserer Zeit gut daran, sich wieder den wahren Quellen der christlichen Spiritualitaet im Blick auf die "Erneuerung der Schoepfung" zuzuwenden, wo uns verheissen wird, dass der Geist in uns als Troester wirkt. ...
Die Beschreibung der Frucht dieses troestenden Geistes beginnt mit der Liebe und endet mit der Selbstbeherrschung... Der Liebe (Selbsthingabe), als die erforderliche zentrifugale Kraft, die den Christen zu bewegen beginnt, steht die Selbstbeherrschung als zentripetale Kraft gegenueber, die ihn auf seiner Bahn haelt... Als Christen duerfen uns dieser Wirkung sicher sein: der Heilige Geist ist nicht der "unbekannte" Gott, ... der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !




 

Einige Gedanken zur Realitaet des Heiligen Geistes von Metropolit MICHAEL (geb. in Athen, Metropolit von Austria, Wien):
(Fachtagung 1998 der roem.-kathol. Erzdioezese Wien)
"Der Heilige Geist weht, wo Er will," deshalb kann er auch nicht als zu verwaltender Besitz betrachtet und es ist nicht sinnvoll "das Wirken des Heiligen Geistes ausserhalb der Grenzen der eigenen Kirche in Frage zu stellen."
Die Orthodoxe Kirche wird vielfach als "Spezialistin der Pneumatologie", der Lehre vom Heiligen Geist, betrachtet.
Dadurch wird sie aber bedauerlicherweise einerseits oft als Vorbild zur Schwaermerei hingestellt und andererseits als weltfremd und an den konkreten Problemen der Menschen ganz uninteressiert beurteilt. Tatsaechlich aber stellt in der Orthodoxie die "erfahrbare Heilsgeschichte" den Ausgangspunkt fuer jede Theologie dar: Das konkrete Wirken im konkreten Leben in der konkreten Geschichte steht im Vordergrund und nicht abstrakte, erkenntnistheoretische, metaphysische Spekulation zur Gottesfrage. Gerade deshalb sind wir ueberzeugt davon, dass es keine Zeit in der Menschheitsgeschichte ausserhalb der Wirkung des Heiligen Geistes gab, gibt und geben wird.

Ein Grundvertrauen auf den Heiligen Geist muessen die einzelnen Christen fuer ihr konkretes Leben haben, aber auch die Gesamtkirche auf Erden und deren Verantwortungstraeger bei Entscheidungen innerhalb der Kirche koennen und muessen auf den Heiligen Geist vertrauen. Fuer den Heiligungsprozess innerhalb der Kirche ist die Wirkung des Heiligen Geistes sogar unerlaesslich.

Der Heilige Geist wirkt in jedem Augenblick als wahrer Gott in jeder Seele und zugleich ueberall in der Schoepfung !


 


Sonntag
A L L E R H E I L I G E N

und
Sonntag der
HEILIGEN der LAENDER


Ikone zum Gottesdienst: Alle Bulgarischen Heiligen

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen.
Mit Ausdauer wollen wir laufen in dem Wettkampf, der vor uns liegt"

(Hebr 12,1)

Geistliches Wort des heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos
Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos: Die Fruechte des Pfingstereignisses
Vater Serafim Pâtrunjel: Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Die Heiligkeit ist die grundlegende Eigenschaft Gottes, die Eigenschaft aller uebrigen Eigenschaften,
die sie in sich schliesst, wie das weisse Licht alle Farben des Regenbogens.
Das Leben in Gott, die Vergoettlichung (Theosis), ist Heiligkeit;
ohne sie kann es in der Kirche keinerlei geistliche Gaben geben."
schreibt der grosse orthodoxe Denker Vater SERGEJ Bulgakov.

In der Goettlichen Liturgie ruft der Geistliche vom Altar unmittelbar vor der Teilung des Lammes der Allerheiligsten Gaben: "Das Heilige den Heiligen!" und die Glaeubigen antworten: "Einer nur ist heilig, Einer nur der Herr: Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen."
Von Heiligen kann man in der Kirche also nur reden, weil der Herr der Kirche heilig ist und durch Seine Herrschaft die heiligt, die Er sich auserwaehlt hat.
Dies aber bedeutet, dass grundsaetzlich jeder Getaufte zur Heiligkeit berufen ist, weil er in der Taufe "Christus angezogen hat" (wie wir singen) und fortan Ihm gehoert. Denn nur in diesem Sinne kann man Heiligkeit dem jederzeit auch zur Suende offenen Menschen zuschreiben: nicht als selbst erzeugte Qualitaet, sondern als gnadenhaftes Anteilerhalten an der Heiligkeit des DreiEinen Gottes.
Aber nur Wenige lassen die Heiligung an sich geschehen und "laufen in dem Wettkampf mit Ausdauer"; nicht alle vermoegen gleichermassen in dieser Herrlichkeit ihres Herrn zu stehen und sie wiederum auszustrahlen. Diejenigen aber, die so von der Gemeinschaft und Heiligkeit Christi erfuellt sind, dass sie diese ausstrahlen wie die Erde nach einem heissen Sommertag die Waerme, sie werden in der Kirche als Heilige verehrt.

das Folgende aus:
St.Andreas-Bote: empfehlenswerte Monatsschrift in deutscher Sprache mit aktuellem Kalendarium und ausgewaehlten aktuellen Texten der besten Theologen aus allen orthodoxen Traditionen
Fragen, Zuschriften an G.Wolf, Dammweg 1, 85655 Grosshelfendorf, 08095 - 1217; gerhard.wolf@t-online.de

Geistliches Wort des in die Ewigkeit heimgegangenen Pfarrers Heils-Oikonom HERAKLIT Dimaratos:
ehemaliger Pfarrer der Muenchner deutschsprachigen Andreas-Gemeinde
in der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland
Griechisch-orthodoxes bischoefliches Vikariat in Bayern

"Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt,
wollen wir alle Last und die Fesseln der Suende abwerfen."

(Hebr 12,1)

Liebe Gemeindemitglieder und Freunde der Orthodoxen Kirche !

Die Heiligen unserer Kirche

Das Wort "heilig" wird in der Heiligen Schrift hauptsaechlich fuer den Dreieinigen Gott verwendet. Er ist der Dreiheilige (Jes 6,3) und "Heiliger und Wahrhaftiger" (Offb 6,10). Deshalb singt unsere Kirche: "Einer ist heilig, einer der Herr, Jesus Christus ..."
Aber wenn Gott allein heilig ist, wie ist dann die Stellung der Heiligen?
Haben sie eine eigene Heiligkeit?
Wie stehen sie zu dem einen Heiligen und zu uns, ihren Bruedern und Schwestern?

Die Heiligkeit des Menschen gruendet in der Heiligkeit Gottes, weil der Mensch nach dem Ebenbild des Dreieinigen Gottes geschaffen wurde. Das hat Gott selbst Seinem Volk erklaert: "Denn ich bin der Herr, euer Gott. Erweist euch als heilig, und seid heilig, weil ich heilig bin." (Lev 11,44). Die Berufung des Menschen ist die Heiligung, welche in Erfuellung geht durch die Teilnahme am Leben Gottes in Jesus Christus. Christus hat uns Glaeubigen verbuergt, dass Er "das Licht der Welt" ist und wer Ihm nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern er wird das "Licht des Lebens" haben (Joh 8,12). Christus ist der "Abglanz Seiner Herrlichkeit" (Hebr 1,3), naemlich die Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters. Aber auch der Mensch soll "erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) durch die unerschaffene goettliche Energie. Er wird naemlich Teilhaber der goettlichen Herrlichkeit (Joh 17,22) und "Anteil an Seiner Heiligkeit gewinnen" (Hebr 12,10), "Licht der Welt" (Mt 5,14) und "Herrlichkeit Christi" (2 Kor 8,23). Der Apostel Paulus sagt: "Wir alle spiegeln mit enthuelltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in Sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn" (2 Kor 3,18)

Der Herr bestaetigt uns, dass jeder der Seiner Liebe mit eigener Liebe begegnet, zum "Tempel Gottes", zum "Tempel des Heiligen Geistes" zur "Wohnung Gottes durch den Geist" (1 Kor 3:16,6,19; 2 Kor 6,16; Eph 2,22; Joh 14,23) wird.
Jeder Christ, der in Gottes Gnade lebt, wird "zu demselben Leib gehoeren und an derselben Verheissung in Christus Jesus teilhaben" (Eph 3,6). "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20), "Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des goettlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und wir sollen werden "Kinder Gottes ohne Makel" (Phil 2,15), sagt der hl. Paulus.

Die Heiligen unserer Kirche hielten daran fest und lebten ihr Leben in Christus. Deswegen ermahnt uns der Apostel: "Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme" (1 Kor 11,1). Die Heiligen sind die "treuen Zeugen Christi". Ihr Leben ist dasselbe Leben Christi, welches sich zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Art an jedem Einzelnen von ihnen wiederholt. Sie sind die Menschen, welche durch "den Geist leben" und "in dem Geist" (Gal 5,25) wandelten; sie waren unverkennbar "ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch" (2 Kor 3,3). Die Heiligen unserer Kirche, verbunden mit Christus und uebergossen mit dem Licht des Heiligen Geistes, lebten wie eine Miniatur das Leben Christi. Ihre Gedanken, ihre Worte, ihr Handeln, waren Gedanken, Worte und Handeln Christi. Ihr ganzes Leben bestand aus der tatkraeftigen Fuelle des Heiligen Geistes in ihren Seelen. So sind die Heiligen in Christus "eine neue Schoepfung" (2 Kor 5,17). Sie sind die Taten Gottes im Leben des Menschen.

Die Lebensweise der Heiligen unserer Kirche ist der menschlichen Natur nach, so wie sie Gott geschaffen hat, angemessen. Demnach zeigen uns die Heiligen, wie in Wirklichkeit der Mensch ist und wie er leben soll. Das Leben der Heiligen also ist Teilhabe am Leben Christi; ihre eigene Heiligkeit besteht in der Heiligkeit Christi.

Die goettliche Ehre mit welcher die Heiligen unserer Kirche umgeben sind, ist ein Geschenk Gottes, unerschaffene Gnade, das unerschaffene goettliche Licht. Dieses Licht offenbart die Praesenz und die Wirkung des Dreieinigen Gottes in der Welt.
Beim Propheten Daniel sehen wir, dass die Ehre Gottes vom Throne Gottes als "loderndes Feuer" ausstroemt.
Das gleiche sehen wir im Buch Exodus, "da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht" (Ex 3,2; Ex 24,17; Ex 34, 29-30) und das Feuer wurde auf Mose uebertragen und sein Gesicht strahlte so, "dass die Israeliten das Gesicht des Mose nicht anschauen konnten" (2 Kor 3,7)

Die gleiche Herrlichkeit umhuellte den Propheten Elias, wie er gen Himmel fuhr (2 Koen 2,11).
Das ist das unerschaffene Licht, welches die Apostel auf dem Berge der Verklaerung sahen: "Petrus und seine Begleiter... sahen Jesus in strahlendem Licht" (Lk 9,32).
"Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht" (Mt 17,2).
Das unerschaffene Licht umstrahlte die Engel am leeren Grabe Christi (Mt 28,3; Mk 16,5; Lk 24,4), erschien dem Erstmaertyrer Stephanos (Apg 7,55), dem Apostel Paulus (Apg 9,3) und uebertraegt sich zu den Menschen Christi (Mt 5,14; Joh 17,22; 2 Kor 3,18)

Charakteristisch ist der nachfolgende Bericht ueber das Gespraech des heiligen Serafim von Sarov mit Motowilov, als das Licht, welches den Heiligen umhuellte, auf seinen Gespraechspartner uebertragen wurde:

Wie kann ich wissen, fragte ich Vaeterchen Serafim, ob ich mich auch in der Gnade des Heiligen Geistes befinde?
Das ist sehr einfach, antwortete er mir, weil der Herr sagte, dass alles einfach ist fuer denjenigen, der die Erkenntnis erwirbt. Die Apostel stuetzten sich auf diese Erkenntnis und konnten damit erkennen, ob der Geist Gottes sich in ihnen befaende oder nicht und sie behaupteten, dass ihr Tun in allem heilig und Gott gefaellig sei. Auf diesen Grundsatz stuetzten sich die Apostel und erkannten in ihren Herzen die Praesenz des goettlichen Geistes.
Trotz allem verstehe ich nicht, wie ich sicher sein kann, dass ich im Heiligen Geist bin. Wie kann ich in mir seine Praesenz erkennen?
Vaeterchen Serafim fragte, was willst du denn mein Sohn, ich habe es dir doch erklaert.
Ich will, sagte ich, es besser erkennen!
Dann packte mich Vater Serafim fest an den Schultern und sagte: Jetzt, mein Sohn, sind wir alle beide drinnen im Heiligen Geist Gottes. Warum schaust du mein Gesicht nicht an?
Ich kann dich nicht anblicken, Vaeterchen, amtwortete ich ihm; aus deinen Augen strahlen Flammen, dein Gesicht ist heller als die Sonne, du blendest mich!
Habe keine Angst, du strahlst jetzt wie ich; auch du hast nun die Fuelle des Heiligen Geistes."

Wir sehen also, dass die Heiligen keine eigene Heiligkeit besitzen, sondern Anteil haben an der Heiligkeit Christi. Sie sind "Tempel Gottes" und "Wohnstaette Gottes durch den Heiligen Geist". Deshalb ist die Ehre der Heiligen das unerschaffene goettliche Licht, die grosse Gabe und Gnade Gottes im Leben der Heiligen. Die Liebe der Heiligen bleit nicht ohne Erfolg vor Gott. Die Heiligen bitten fuer uns und fuer die ganze Schoepfung zu Gott, welcher wiederum mit Seiner Liebe entgegenkommt. Durch die Fuerbitten und durch die Liebe der Heiligen werden die Grenzen der Natur aufgehoben und die Liebe Gottes greift wohltuend in unser Leben ein.

Ihr Pfr. Oekon. HERAKLIT Dimaratos




Die Fruechte des Pfingstereignisses
von Protopresbyter Prof. Dr. Georgios Metallinos

Der erste Sonntag nach Pfingsten ist allen Heiligen gewidmet, denn die erste Frucht nach Pfingsten sind die Heiligen. Die Kirche besteht in der Welt, "um die Heiligen fuer die Erfuellung ihres Dienstes zu ruesten, fuer den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen" (Eph 4,12-13).
Diese bedeutsamen Worte des Apostels Paulus offenbaren das Ziel des Lebens in der Kirche: die Einheit aller im Glauben. Das bedeutet hier die Gegenwart des Heiligen Geistes im Herzen. Denn nur im Heiligen Geist gelangen wir zur Erkenntnis Christi und werden zu wahren Gliedern des kirchlichen Leibes.

Das Hindernis zur Heiligung ist der Suendenfall. Wie mit dem Suendenfall des Menschengeschlechtes die menschliche Natur erkrankte, so verwirklicht die Heiligung unsere Vergoettlichung. "Denn dieses Vergaengliche muss sich mit Unvergaenglichkeit bekleiden und dieses sterbliche mit Unsterblichkeit" (1 Kor 15,33). Unsere Natur kehrt nicht nur "zur urspruenglichen Schoenheit" zurueck, zum Zustand vor dem Suendenfall, sondern zur Vergoettlichung.
Die Vergoettlichung, die Heiligung der menschlichen Existenz, ist das Ziel des Menschen und die Hauptaufgabe der Kirche in dieser Welt. Sonst haette die Existenz der Kirche als Leib Christi in dieser Welt keinen Sinn. Die Kirche existiert in dieser Welt, um die ganze Welt zu heiligen und die Menschen zu vergoettlichen.

Die orthodoxe Tradition bezeichnet jene Personen als heilig, die zur Vergoettlichung gelangt sind und diese in der Geschichte bezeugen (die Vergoettlichung). Nach dem Hl.Johannes von Damaskus "ehren wir die Heiligen als diejenigen, die sich mit Gott aus freiem Willen vereint, Ihm in sich Wohnung gegeben haben und - durch Sein Teilhaben der Gnade nach - das wurden, was Er von Natur her ist". Die Heiligen werden Gott; nicht Goetter, sondern Gott der Gnade nach. Die Heiligen sind "die beseelten Tempel Gottes, die beseelte Wohnstaette Gottes, durch den Heiligen Geist, der in ihren Koerpern ein Tempel ist" (Hl.Johannes von Damaskus). Der hl. Johannes, der im 8. Jahrhundert die ganze konkrete kirchliche Tradition zusammenfasste, betrachtet nur diejenigen als lebendige Glieder der Kirche, die in einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott stehen, die je nach ihrer Empfaenglichkeit an der unerschaffenen Gnade Anteil haben. Genau diese sind die Heiligen, die wirklichen Glieder des Leibes Christi, die zu dem gelangt sind, was das Wort des Apostels Paulus bekennt: "nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20).
Nach der orthodoxen Tradition "macht die unsagbare Vergoettlichung diejenigen, die an ihr Anteil haben, zu Unerschaffenen, Anfanglosen und Unbeschreiblichen, obwohl sie ihrer Natur nach aus dem Nichtsein geschaffen wurden", sagt der hl. Maximos der Bekenner (PG 91,114 4). In der Vervollkommnung gelangt der Glaeubige zur Gottaehnlichkeit, zur Vollendung seiner Natur, zur Verherrlichung. Nach dem hl. Dionysios dem Aeropagiten "ist die Vergoettlichung das groesstmoegliche Aehnlichwerden und die Vereinigung mit Gott". Zur Person des hl. Apostels Paulus betont der hl. Gregor Palamas dessen Wandlung in Christo mit seinem Aufstieg bis zum dritten Himmel (2 Kor 12,2), dessen Vergoettlichung auf folgende Weise: "Solange Paulus das Leben lebte, das auf den Befehl Gottes hin aus dem Nichts geschaffen wurde, war er geschaffen; als er (Paulus) jedoch nicht mehr dieses, sondern jenes Leben lebte, das mit der Reinigung durch Gott gewaehrt wird, wurde er durch die Gnade unerschaffen".

Von einem Menschen zu sprechen und zu sagen, dass er unerschaffen ist, ist ein Aergernis, ein Skandal fuer die heutige Welt. Das aber ist die Sprache der Orthodoxie, die ihrer mystischen Erfahrung entspricht.

Die Vergoettlichung in dieser Welt beschraenkt der hl. Gregor Palamas aber nicht nur auf Paulus oder die Apostel, sondern er betont, "dass auch jeder, der Gott Logos erworben hat, und zwar lebend und wirkend, zum gleichen Punkt gelangt". So verstehen wir, warum in der Bibel die Heiligen "Freunde Gottes" und "Kinder Gottes", nicht aber "Knechte" genannt werden (Joh 1,12).

In der staendigen Praxis der Kirche werden die Heiligen nicht auf der Basis moralischer und innerweltlicher Kriterien anerkannt, sondern erst nach der Offenbarung ihrer Heiligkeit von Gott Selbst. Die "offizielle" Heiligsprechung in der Orthodoxen Kirche bedeutet also nicht irgendeine Ehrenbezeugung oder Belohnung fuer gewisse Verdienste. Es handelt sich vielmehr um die Bestaetigung und offizielle Proklamation der Wirklichkeit ihrer Vergoettlichung.

(wird fortgesetzt)


Zum Sonntag Aller Heiligen
 

"Ut omnes unum sint." (Joh 17,21)

In der Geschichte ist durch die himmlische Kirche der Heiligen eine neue Realität zum Vorschein gekommen. In der Welt jenseits des gewöhnlichen biologischen Lebens des Menschen erschien das Leben des menschgewordenen Gottessohnes. Von Pfingsten an macht der Geist die Gläubigen zu Gliedern des Leibes Christi, welche die Kirche bilden. Die Kirche Christi ist gleichzeitig sicht- und unsichtbar, ist der mystische Leib des Herrn, hierarchische Institution und soziale Gemeinschaft. Das göttliche und das menschliche Element bilden eine einzige theandrische Realität, einen Leib in Christus (Röm 12,15). Diese Verbindung unter dem himmlischen und dem menschlichen Teil führt dazu, dass die Engel und die Heiligen für die Lebenden Fürsprecher sind und die Lebenden die Gebete jener anrufen. So haben die Heiligen einen wichtigen Platz in der orthodoxen Spiritualität.

Am ersten Sonntag nach Pfingsten feiern wir das Fest "Allerheiligen auf der Welt, in Asien, Libyen, Europa, im Norden und Süden". Dieser Sonntag ist das Fest der Fülle der Kirche. Die vollkommene Kirche der DreiEinheit endet in der vollkommenen Kirche der Heiligen (Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion). Über die Bedeutung dieses Festes und über die Gründe seiner Feier an diesem Sonntag gibt uns das Tagessynaxarion eine ausführliche Erklärung:
"Unsere gotttragenden Väter haben angeordnet, dass wir nach der Herabkunft des Heiligen Geistes das heutige Fest feiern, denn sie wollten zeigen, dass die Herabkunft des Heiligen Geistes so große Wunder bewirkt hatte, dass sie, die aus gleichem Teig [gemeint ist die menschliche aus Fleisch bestehende Natur] wie wir geschaffen, geheiligt und zu Weisen gemacht wurden, und dass sie an Stelle der gefallenen Schar eingesetzt und durch Jesus Christus zu Gott geführt wurden; die einen durch Martyrium und Blut, die anderen durch tugendhaftes Leben, weil der Heilige Geist Wunder bewirkt hatte...
Einerseits ehren wir, indem wir das Fest feiern, viele andere, die, auch wenn sie durch ihre Tugend gottgefällig lebten, aus unbekannten Gründen (vielleicht wegen menschlichen Umständen) niemand bekannt wurden, obwohl sie vielleicht nun viel von  Gottes Herrlichkeit gelebt haben.
Andererseits gab es viele, die gottgefällig in Indien, Ägypten, Arabien, Mesopotamien, um das Schwarze Meer sowie überall im Westen, sogar bis zu den britannischen Inseln, und, kurz gesagt, in Ost und West gelebt hatten, deren Gedächtnis sich nach der Sitte der Kirche wegen ihrer Vielzahl nicht leicht feiern laesst. Damit wir auch die Hilfe derer, die irgendwo auf Erden gottgefällig waren, bekommen und auch die künftigen Heiligen berücksichtigen, ordneten die gotttragenden Väter das Fest Allerheiligen an, das alle, von den ersten bis zu den letzten Heiligen, enthält, die bekannten oder unbekannten, die vom Heiligen Geist, der in ihnen wohnte, geheiligt wurden.
Drittens sollten die einzelnen Feste der Heiligen auch zusammen an einem Tag gefeiert werden, um zu zeigen, dass sie für denselben Christus gekämpft haben, dass sie sich alle auf demselben Weg der Tugend befanden und nach Verdienst gekrönt wurden, als Diener desselben Gottes. Sie bilden die Kirche, sie ergänzen die jenseitige Welt hier bei uns und ermahnen uns zum gleichen Kampf, der verschieden nach dem Zustand jedes einzelnen ist."

(Pentekostarion: Allerheiligensonntag)

Das Fest Allerheiligen ist die letzte im Pentekostarion enthaltene Feier.
Seine Position will uns zeigen, dass das Ziel des ganzen erlösenden Werkes Jesu Christi und der Zweck der ganzen Spiritualität der Kirche die Heiligkeit -unsere Vereinigung mit Gott- ist.
Das Tagessynaxarion zeigt, dass die Feier "als Triodionsschluss“ eingesetzt wurde (darunter verstehen wir die beiden Bücher: das "Fasten-Triodion", für die Hymnen der großen Fastenzeit, und "Pentekostarion" für die Zeit im Jubel der Auferstehung),
und wie ein Rahmen alle Feste umschliesst.
Das Triodion enthält die sorgfältige Auslegung aller für uns von Gott gewirkten Heilstaten:
Die Verstossung der Teufel  aus dem Himmel wegen des ersten Unheils, der Sünde und die Vertreibung Adams aus dem Paradies, die ganze Oikonomia Gottes des Wortes und die Weise, in welcher wir wieder zu den Himmeln durch den Heiligen Geist erhoben werden, und wie wir dort gemäß den heiligen Vätern die gefallene Schar ersetzen.
Jetzt feiern wir alle, die durch das Wohlwollen des Heiligen Geistes geheiligt wurden:
Die herrlichen und heiligen Geister, das heißt die neun Scharen; die Urahnen und Patriarchen, die Propheten und die heiligen Apostel, die Märtyrer und die Hierarchen, die heiligen Bekenner und die ehrwürdigen Mönche, die Gerechten und die ganze Schar der heiligen Frauen und alle anderen unbekannten Heiligen.
Über, unter und mit allen Heiligen feiern wir aber die Heilige der Heiligen, die Allheilige und unsagbar mehr Geehrtere als der Engel Scharen, unsere Frau und Gebieterin und immerwährende Jungfrau Maria."
(Pentekostarion, Allerheiligensonntag, Synaxarion)
An dieser Feier freut sich Christus selbst, weil er den Glanz der Früchte seines Opfers sieht, freut sich die Kirche, welche ihre Erfüllung schaut, sind selig alle Heiligen vor dem himmlischen Thron und freuen wir uns alle, die wir das Beispiel ihres Lebens anschauen. Wir versuchen ihrem Glauben zu folgen, um am Ende der Laufbahn unseres Lebens (vgl. 1Kor 9,24) mit ihnen zusammen zu sein, und beten dafür.

Durch ihre Annäherung an Gott und durch die Nähe zu ihm sind die Heiligen unaufhörliche Mittler für unsere Erlösung.
Die Dankdoxologie für die Heiligen und ihre Anrufung in Bittgebeten für Lebende und Verstorbene bilden eine sehr alte christliche Praxis in welcher Gott in und unter uns verherrlicht wird.

Weil wir wissen, dass die Heiligen Menschen wie wir waren und dieselben dem Menschen zugehörenden Schwächen hatten, dass sie deswegen auch unsere Schwächen und Verfehlungen verstehen können, haben wir großes Vertrauen auf ihre Gebete für uns.
Die Heiligen sind folglich unsere Freunde, die wir bitten, bei Gott für unsere Erlösung zu vermitteln, damit wir ewig zusammen mit ihnen sein können.

 

QUELLE:
Bischof SOFIAN von Brasov (p. Serafim Pâtrunjel)
Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit (Kommentar zum Pentekostarion)
Würzburg 1998, S. 119ff     (hier aus
* St.Andreas-Bote *)





ХИМН
НА
СВЕТИТЕ БРАТЯ КИРИЛ И МЕТОДИ

В ИЗПЪЛНЕНИЕ НА ДЕТСКИЯ ХОР НА БНР

 


 

 


24. Juni

Geburt
des hl. Propheten, Vorlaeufers und Taeufers
JOHANNES



Die vormals Unfruchtbare
gebiert heute den Vorlaeufer Christi.

Dieser aber ist die Fuelle aller Weissagung:

Er wurde von den Propheten vorhergesagt,
er, der im Jordan durch Handauflegung bezeugte
die Erscheinung des Wortes Gottes,

er,
der Prophet,
Verkuender und
Vorlaeufer
ist.



Festtagsikone /Bulgarisch 17.Jhdt





 

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