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FESTE UND SONNTAGE IM GLANZ DER OSTERFREUDE:
Die Myrrhonbringenden Frauen werden zu den ersten Zeugen und Verkündern der Auferstehung

zum Freitag der lichten Woche nach Ostern
Die Feier der Lebensspendenden Quelle der Gottesmutter
zum Thomassonntag:
Der Hl. Apostel Thomas und die Wahrheit (von Erzbischof Stylianos von Australien) 
zum Sonntag der myrhontragenden Frauen:
"Als Erstes begegnet der Auferstandene den Frauen" (Predigt des Hl. JOHANNES Goldmund)
"Gedanken zu den Heiligen Frauen in den Tagen nach Ostern (Eva Catafygiotu Topping)"


 

 

 

Die Feier der Lebensspendenden Quelle der Gottesmutter

 

zum Freitag nach Ostern

*Quellenhinweis*
 

Während der ganzen Lichten Woche wird in allen Gottesdiensten der Kirche nur die Freude von der Auferstehung des Heilands verkündet. Anlässlich aller Gottesdienste, sogar der Begräbnisse, wenn sie in dieser Woche stattfinden, verharren wir in der Auferstehungsfreude. Trotzdem hat die Kirche am Freitag der Lichten Woche noch eine freudebereitende Botschaft für uns. Sie stellt uns nämlich die Gottesmutter dar, welche der Anfang unserer Erlösung ist. Der Platz dieses Festes ist ein Beweis für die Ehre, welche die Kirche der Gottesmutter bringt. Diese Feier ist ein Zeugnis für uns, dass die Kirche dort, wo sie den auferstandenen Christus verkündet, auch die verkündet, aus welcher er Fleisch annahm, diejenige, die der Anfang seines Erlösungswerkes war.

 

Die Mutter Gottes wird in dieser Feier als Quelle der seelischen und leiblichen Heilung vorgestellt, als zu uns dauernd fließende Gabenquelle, als Wunderquelle, über deren Genuss wir uns freuen. Dieser Vergleich hat seinen Ursprung an einer wirklichen Quelle, durch welche die Gottesmutter viele Heilungen bewirkt hatte und wo der Kaiser Leon der Große eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter erbauen ließ. Die Kirche ist nachher von Justinian, Basilius dem Mazedonier und seinem Sohn, Leon dem Philosophen, erneuert worden. Die Feier ist als Gedenktag der Erneuerung dieser Kirche entstanden und wird bis heute gefeiert. Im Verlauf der Zeit aber wandelte sich die Feier der Kirchenerneuerung immer mehr in ein Fest der Gottesmutter um, welche die Quelle aller durch Wasser geschehenen Heilungen ist.

 

Was versteht man unter der „lebensspendenden Quelle der Gottesmutter“?

 

Angefangen am Ostersonntag, hört man in der Kirche eine Woche lang nur ihren Aufruf, uns zu freuen über die aus dem Grabe Christi, dem Quell der Unverderblichkeit zu uns strömenden Gaben:

 

„Wohlan, neuen Trank lasst uns trinken, nicht Wundertrank aus dürrem Felsen, nein, der aus dem Grabe Christi strömenden Unvergänglichkeit Born, in welchem wir Kraft erlangen.“

 

So, wie wir Christus Quell des Lebens, des lebendigen Wassers, der Unvergänglichkeit und der Unsterblichkeit nennen, so nennen wir auch die Gottesmutter:

 

„Quelle, aus welcher alles Gute strömt und uns allen die Huld fließt“ „himmlisches Manna und göttliche Quelle des Paradieses“ , Quelle voller „Wunder, die bereit zufließen sind“.

 

Am Freitag der Lichten Woche ruft uns die Kirche, um auch aus dieser Quelle, aus diesem Gnadenwasser zu trinken, um aus dem überfluss von Huld und Barmherzigkeit zu kosten, welcher aus der immer sprudelnden Quelle der Gottesmutter zu uns kommt:

 

„Ihr Kranken, schöpft das Heilungswasser, weil die Allreine aus der göttlichen Quelle den wahren Genuss ausgießt und den Wonnestrom herausfließen lässt. Deswegen trinken wir gläubig aus dem im überfluss vollen Brunnen.“

 

Wenn wir die beiden Quellen und das von ihr herausfließende Wasser näher betrachten, bemerken wir, dass es sich um dasselbe erlösende und heilende Wasser handelt, welches aus einem einzigen Quell, Gott, hervorfließt, was die Festgottesdienste klar hervorheben:

 

„Freue dich, Maria, du, die edelste des Menschengeschlechtes, Allreine. Freue dich, weil der Schöpfer des Alls wie ein Tropfen auf dich herabkam und dich als unsterbliche Quelle zeigte, du göttliche Braut."

 

„Als erhellte und geheiligte Lade des Gebieters des Alls kenne ich dich, Jungfrau und Quelle der Unvergänglichkeit, welche das Wasser, Christus, hervorquellen lässt, aus dem wir trinken."

 

Der Ursprung des Wassers der Unsterblichkeit ist Gott. Er ist auf die Gottesmutter wie ein Tropfen herabgekommen und hat sie zu einer Quelle gemacht, die unseren Durst stillt. Das Menschsein der Gottesmutter wurde von der Gottheit des Wortes geheiligt, durch dessen Wohnungnehmen in ihr, und darum ist sie voll von Gnade, deshalb lässt sie auch uns das Wasser der erhaltenen Gnade, das Wasser der Erlösung, hervorquellen.

 

Die Gaben oder die Wirkung der Quelle
Die erste und größte der Menschheit geschenkte Gabe der Mutter Gottes war ihr Sohn. Durch ihre Reinheit und Verfügbarkeit ermöglichte die Gottesmutter die Menschwerdung Christi als völlige Initiative Gottes. Dank ihrer Reinheit und Verfügbarkeit und ihrem erhaltenen und nachher der Welt weitergegebenem Geschenk wurde die Mutter Gottes zu einer reichlichen Gabenquelle für die ganze Menschheit. In den Gottesdiensttexten dieses Festes wird sie mit einem fruchtbaren Feld verglichen, das dank des göttlichen Regens reichliche Früchte trägt:

 

„Wunderbare und erstaunliche Werke vollbrachte der Gebieter der Himmel in dir, Allreine. Von oben her tropfte er wahrhaft wie ein Regen in deinen Schoß, göttliche Braut, und machte dich zu einer Quelle, aus welcher alles Gute herausfließt und die allen, die Stärkung des Leibes und Gesundheit der Seele brauchen, durch das Wasser der Gnade in Form von vielen Wundern deine Huld ausgießt.“

 

Christus bediente sich seiner Mutter wie eines ehrwürdigen Gefäßes, um über uns seine Wohltaten auszugießen. Sie ist die Hoffnung der Sterblichen auf Gott, das feste Fundament des Glaubens, der Turm der Jungfräulichkeit und die Pforte des Heils. Durch sie wurde das Paradies geöffnet, sie beseitigte den Makel der Sünde, durch sie siegen die Christen und verfallen die Feinde. Die Gottesmutter heilt unsere Seelen. Von ihr aus, wie von einer dauernd fließenden Quelle, werden die Wohltaten ausgegossen, welche wie das frische Brunnenwasser die Gläubigen laben.

 

„Heilbäche lässt du aus deiner Quelle herausfließen denen, die gläubig zu dir eilen, göttliche Braut. Umsonst gibst du den Kranken reichliche Heilungen. Den zu dir kommenden Blinden schenkst du klares Sehen, die Humpelnden machst du aufrecht und die Gelähmten stark. Den Toten hast du auferstehen lassen und das Leiden vieler Wassersüchtiger und Kranken geheilt.“

 

„Wer wird deine Kraft beschreiben können, du Quelle, die du voll von Wundern viele und übernatürliche Taten in deinen Heilungen vollbringst? Welch große Gaben, die du allen verschenkst! Denn nicht nur die schweren Krankheiten der zu dir Kommenden hast du liebevoll verjagt, sondern du nimmst auch die seelischen Leidenschaften hinweg, Allreine, und dabei offenbarst du dein großes Erbarmen.“

 

In seiner Allwissenheit wusste Gott, dass wir mutiger zu jemandem, der uns ähnlich ist, kommen können, um so mehr zu einer liebenden Mutter. Deswegen schenkte „der Spender der Güter“ der ewig Seligen eine Menge seiner Gaben, die sie uns unseren Bedürfnissen entsprechend weiterschenkt.

 

„Alle Gläubigen heilst du: Die Fürsten, die Leute aus dem Volk, die Armen, die Führer, diejenigen, die unter Not leiden oder überfluss haben, allen lässt du, Quelle, das Wasser wie ein einziges Heilmittel zufließen.“

 

Für uns ist die Gottesmutter immer eine Stütze, eine nicht täuschende Hoffnung, zu der wir eilen, sooft wir in Bedrängnis sind, und bei der wir jedes mal Hilfe finden und uns dadurch freuen.

 

„Du erfreust übernatürlich, Jungfrau, die Gläubigen, wenn du aus dem ewigen Quell ihnen die Gnade herausfließen lässt und ihnen dabei Kraft über die Feinde, ständigen Sieg, Gesundheit, Frieden und Erfüllung aller Bitten gibst.“

 

Wir angesichts der lebensspendenden Quelle

 

Die Orthodoxe Kirche glaubt an die Vermittlung der Gottesmutter und verehrt sie wie eine Hochgeehrte und Allheilige. Die Verehrung der Gottesmutter ist auf ihr Mitwirken an der Menschwerdung Christi, sowie auch auf ihre Vermittlung und ihre Hilfe als von ihrem Sohn untrennbare Mutter der Kirche begründet. Am Freitag der Lichten Woche, wenn wir der lebensspendenden Quelle der Gottesmutter gedenken, haben wir die Gelegenheit, uns in der Anwesenheit derer zu fühlen, vor der die ganze Schöpfung sich freut und staunt. Wir stehen auch vor der Gottesmutter und bewundern ihre Größe und die vielen Gnadentaten, derentwegen wir uns freuen.

 

„Wer wird deine Kraft beschreiben können, du Quelle, die du voll von Wundern viele und übernatürliche Taten in deinen Heilungen vollbringst? Welch große Gaben, die du allen schenkst! Denn nicht nur die schweren Krankheiten hast du liebevoll verjagt, sondern du wäschst auch die seelischen Leidenschaften, Allreine, und dabei offenbarst du dein großes Erbarmen.“

 

Wir bleiben nicht nur beim Staunen angesichts der Gottesmutter, sondern ihrer Wundertaten eingedenk, preisen wir sie selig und bringen ihr Lobgesang:

 

„Freue dich, du Quelle, die du das Leben trägst und den Meeren gleich über alle Welt Wunder ausgießt; 
du Wolke, die reicher an Gaben als die Ströme des Nils ist; 
der zweite Schiloach, welcher das Wasser wie aus einem Stein herausfließen lässt und die reinigende Wirkung des Jordans hat; 
erlösendes Manna, welches den Reichtum im überfluss hat, für diejenigen, die es suchen; 
Mutter Christi, Jungfrau, 
welche du der Welt großes Erbarmen darreichst.“



Der Festikos ist eine wunderschöne Lobhymne zur Mutter Gottes:

Allreine Gottesgebärerin, die du unaussprechlich das ewige Wort des Vaters geboren hast, 
öffne meinen Mund, Hochgeehrte, 
mach mich zu einem deiner dich Lobenden, 
damit ich dich preise und deiner Quelle so singe:

Freue dich, du Quelle der unaufhörlichen Freude; 
freue dich, du Ausgießung der unaussprechlichen Schönheit.

Freue dich, Erlösung von allerlei Krankheiten; 
freue dich, überwindung verschiedener Leidenschaften.

Freue dich, allreiner Strom, welcher die Gläubigen heilt, 
freue dich, vorzügliches Wasser für die Kranken auf vielerlei Weise.

Freue dich, Wasser der Weisheit, welches die Unwissenheit vertreibt; 
freue dich, des Herzens Wein gemischt aus Lilienparfüm.

Freue dich, des Manna spendender Lebensbecher; 
freue dich, reinigendes Bad und Nektar aus der göttlichen Quelle.

Freue dich, die du überwindungsmöglichkeit der Schwachheit offenbarst; 
freue dich, du, die du die Flamme der Leidenschaften auslöschst. 
Freue dich, erlösungsbringendes Wasser!“

Es ist ein Ruf, der aus der Fülle unserer Freude entspringt, eine Huldigung, die wir unserer göttlichen Mutter bringen. Es ist unser Lob, das wir unserer Mutter, die wir mit unseren geistlichen Augen sehen, bringen. Gleichzeitig bitten wir sie, dass ihre lebengebende Quelle auch über uns fließt, damit sie uns im Gebet Beistand sei und uns vor Leidenschaften bewahre:

„Lass mir jetzt, 
Jungfrau, du Quelle, Gottesgebärerin, 
ein Wort der Gnade herausquellen, 
damit ich deine Quelle lobe, 
die den Gläubigen Leben und Gnade aufgehen lässt, 
weil du das hypostatische Wort hervorgehen ließest.“

„Immer tötet mich der Feind mit den Antrieben der Genüsse, 
Gebieterin. Du, Quelle, Gottesgebärerin, 
übersehe mich nicht, 
eile mir zu Hilfe 
und befreie mich von seinen Fallen, 
damit ich dich lobe, ewig Gebenedeite.“


 

Die Anwesenheit der Jungfrau bringt viel Menschlichkeit ins Leben des Christentums. Durch sie wird der Himmel erhellt, er wird sensibler, weil sich dort eine Mutter befindet, die neben Gott ist, welche dank seiner Gutwilligkeit einerseits auf ihn Mutterautorität hat, wenn sie für uns bittet, und andererseits Mutterzärtlichkeit angesichts unserer Schwierigkeiten!

 

 

Vater Serafim Pâtrunjel, Die Orthodoxe Spiritualität der Osterzeit, Kommentar zum Pentekostarion, Würzburg 1998, S. 130-134
hier aus St. Andreas Bote

 

 

 

 

Der Hl. Apostel Thomas und die Wahrheit

 

von Erzbischof Stylianos von Australien

*Quellenhinweis*
 

Wenn Ostern der Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres ist, dann ist der Sonntag nach Ostern, den die Kirche „Antipascha“ oder „Sonntag der Erneuerung“ nennt, eine „Erneuerung der Auferstehung. Er kann mit Recht sowohl der erste als auch der achte Tag genannt werden. Der achte Tag, weil er acht Tage nach Ostern gefeiert wird, und der erste, weil er Anfang der anderen ist. Der achte, weil er als Vorbild des abendlosen Tages der künftigen Welt betrachtet wird, des Tages welcher der erste und einzige sein wird, weil keine Nacht ihn mehr zertrennen wird“ (Synaxarion zum Thomas-Sonntag). Deshalb sollte er auch als wichtiger als die anderen Sonntage gesehen werden.

 

Es ist nur folgerichtig, dass an diesem hervorragenden und großen Tag die Kirche das Gedächtnis für einen Heiligen angesetzt hat, der auch über den entsprechenden geistigen Glanz verfügt. Daher feiern wir an diesem Sonntag das Gedächtnis des Hl. Apostels Thomas und deshalb ist dieser Sonntag auch als „Thomas-Sonntag“ bekannt. Allerdings scheint dieser Apostel im Volksglauben der verrufenste Jünger Jesu zu sein. Unglauben war als Beschuldigung sogar bei den Wüstenvätern mehr als jede andere Sünde gefürchtet. Der Hl. Petrus, der in einem Augenblick menschlicher Schwäche Christus verleugnete, wurde aber nicht als Ungläubiger oder Verräter bezeichnet, im Gegenteil. Aber der Hl. Thomas wurde, ohne wirklich ohne Glauben gewesen zu sein, der „ungläubige Thomas“ genannt und wurde für alle Zeit das Symbol für Unglauben und Zweifel par excellence. Klar ist aber doch, dass eine solche Charakterisierung mit einem Apostel und Heiligen unvereinbar ist. Was stimmt also? Irgendetwas muss in der Erzählung fehlen oder nicht beachtet sein, dass wir die geschilderten Ereignisse nicht in der richtigen Konsequenz sehen können.

 

Um den richtigen Blickwinkel zu finden und den Widerspruch zu verstehen, müssen wir etwas sorgfältiger untersuchen, was denn genau das Verhalten des Hl. Thomas gegenüber dem Auferstandenen war und wie Christus Selbst dieses Benehmen gesehen hat. Dazu benutzen wir den Text des Evangeliums (Joh 20,19-29).

 

Wir erinnern uns, dass die Jünger sich versammelt und „aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten“. Da kam Jesus und trat in ihre Mitte. Bevor er ihnen„seine Hände und seine Seite“ zeigte, damit sie erkannten, dass es wirklich Er war, der gekreuzigt worden war und nicht irgendein Geist, sagte er zu ihnen „Friede sei mit euch!“ In diesen beiden Worten (εἰρήνη ὑμῖν) liegt der Schlüssel für die Lösung des geschilderten Problems. Friede war die unerlässliche Voraussetzung und die einzige Macht, die die Panik und Verwirrung, hervorgerufen durch das Miterleben der Passion, beseitigen konnte. Nur der Friede würde es den Jüngern ermöglichen das Mysterium der Auferstehung ohne allen Zweifel zu akzeptieren. Deshalb überträgt Christus Seinen Frieden auf die Jünger, bevor er Seine Hände und Seine Seite als Beweis zeigt. Dann war es nur natürlich, dass „sich die Jünger freuten, dass sie den Hern sahen.

 

Aber, Thomas war bei diesem ersten Treffen nicht dabei. Als er die anderen Jünger sagen hörte „wir haben den Herrn gesehen“, konnte er weder Furcht noch Verwirrung aus seiner Seele verbannen. Mehr noch, da er mit sich selbst wie auch mit seinem Meister ehrlich sein und nicht nur ein Lippenbekenntnis ablegen wollte, machte er die direkte Erfahrung mit dem Auferstandenen zur Bedingung für seinen Glauben. Als „acht Tage darauf“ die Jünger wieder versammelt waren, war„Thomas dabei“ und Jesus erschien in ihrer Mitte und wiederholte die Worte und Gesten Seines ersten Kommens. Er beginnt wieder mit den Worten „Friede sei mit euch!“, damit auch das verhärtete Herz des Thomas befreit werde. Und gleich danach sagt er zu ihm „Streck deine Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und werde nicht ungläubig, sondern gläubig!

 

Nun müssen wir uns eine Reihe wichtiger Einzelheiten ansehen:

 

Obwohl der Hl. Thomas aufgefordert wird, Christus zu berühren, wagt er es nicht. Vielleicht wäre es richtig zu sagen, dass es nicht länger nötig war. Er hat seinen Frieden erhalten und kann nun frei von Furcht sehen und glauben.

 

Als ihn Christus auffordert ihn zu berühren sagt Er zum Hl. Thomas nicht „sei nicht ungläubig“ sondern „werde nicht ungläubig“ (μὴ γίνου ἄπιστος), d.h. dass Er ihn nur vor einem möglichen und nicht vor einem existierenden Unglauben bewahrt.

 

Christus beschließt das Gespräch mit der bewegenden Aussage „weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Wir sehen hier, dass Er Thomas weder beschuldigt noch rügt nur nach Seinem Anblick zu glauben. Auch die anderen Jünger hatten sich erst gefreut, als sie, wie schon erwähnt, den Herrn gesehen hatten. Jedenfalls wollte der Herr Seine Jünger daran erinnern, dass der Mensch von Gott eine Fülle anderer Fähigkeiten und Gefühle erhalten hat, nicht nur die Augen! Wenn schon die Alten wussten welch trügerische und unzuverlässige Zeugen „die Augen und Ohren“ für die Sterblichen sind, dann hatte der Gott-Mensch um so mehr das Recht an die Priorität dieser tieferen Wurzeln zu erinnern, die der Mensch hat um die Wahrheit zu erkennen. Deshalb hält er die, die diesen tieferen Wurzeln vertrauen für selig, ohne in irgendeiner Weise diejenigen zu verurteilen, die ihre fünf Sinne gebrauchen, die ja auch von Gott gegeben sind.

 

Es ist typisch, dass der Hl. Thomas nicht einfach zufrieden war, sich wie die anderen Jünger zu freuen, als er den Auferstandenen sah. Sein Gefühlsansturm und seine Lauterkeit veranlassten in ihm das Verlangen, mit den Fingern die offenen Wunden Christi zu berühren, um Ihm dadurch wieder irgendwie körperlich nahe zu sein. Und seine überschwängliche Natur veranlasste ihn zu dem unvergleichlichen Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott!“. Ein Bekenntnis, das kein anderer Augenzeuge der Auferstehung machen konnte, nicht einmal die zärtlichen und ausdrucksvollen Frauen, die als Erste den Herrn sahen.

 

Wir müssen auch sehen, dass dieses Bekenntnis des Hl. Thomas nicht nur eine allgemeine und leichtfertige Anerkennung der Göttlichkeit Christi war, sondern die persönliche Bekräftigung und die bedingungslose Hingabe der ganzen Existenz des Jüngers an seinen Meister, der den Tod besiegt hatte. Diese völlige Hingabe an die Fülle der göttlichen Macht wird durch das Wort „mein“ in Bezug auf den Auferstandenen ausgedrückt.

 

Nach all dem wird klar, dass der Hl. Thomas (der während der drei Jahre des öffentlichen Wirkens des Gott-Menschen keineswegs aufgefallen war wie andere Jünger, wie Petrus, Jakobus und Johannes) nun wegen der Auferstehung Christi und seinem Verhältnis dazu in den Augen aller Gläubigen und der Geschichte als etwas Besonders gesehen wird. Diese Besonderheit ist aber nicht negativ, wie man aus einer oberflächlichen Wertung der Ereignisse schließen könnte, sondern positiv. Er fällt auf und ist nicht mehr völlig gleich mit den anderen Jüngern (denn er brauchte auch nicht mehr als die anderen um zu glauben), er fällt dadurch auf, dass er mit seinem leidenschaftlichen und einzigartigen Bekenntnis sozusagen „das höchste Gebot“ für das Mysterium der Auferstehung abgegeben hat. Die Kirche ehrt ihn daher rechtens als Apostel und Heiligen und hat richtigerweise die Feier seines Gedächtnisses auf einen so hervorragenden Sonntag im Jahr gelegt.

 

Nun bleibt uns nur noch die Beantwortung der letzten Frage. Wenn man alle diese positiven Argumente betrachtet, warum hat der Volksglaube dann einen Apostel dieser Bedeutung und trotz seines leidenschaftlichen Bekenntnisses den „ungläubigen Thomas“ genannt? Zuerst muss man festhalten, dass die Volksfrömmigkeit (die spontan und anspruchslos die tiefere gemeinsame Erinnerung und das Bewusstsein des einen Volkes Gottes ausdrückt) keinem solch schreienden Irrtum und keiner solchen Ungerechtigkeit unterliegen könnte. Wir müssen vielmehr annehmen, dass der unverbrüchliche Glaube und die Hingabe der Volksfrömmigkeit an die Person des Gott-Menschen nicht einmal die Spur eines Vorbehalts, und sei es nur für einen Augenblick, in allem was die Göttlichkeit und Einzigartigkeit des Lebens des Gott-Menschen betrifft (sowohl in seiner Gesamtheit wie in den einzelnen Begebenheiten) ertragen könnte. Das allein ist der Grund, warum die Volksfrömmigkeit ihr Feingefühl mit diesem „ungläubig“ ausdrückt, was keineswegs verhindert, dem Hl. Apostel Thomas durch alle Zeitalter hindurch die ihm gemäße Ehre der Verehrung der Kirche zu erweisen.

 

 

 

Voice of Orthodoxy, vol. 11/5, The Official Publication of the Greek Orthodox Archdiocese of Australia, May 1990; übers. G. Wolf.
hier aus St. Andreas Bote

 

 

 

 

Die Begegnung der Frauen 
mit 
dem Auferstandenen

 

Eine Predigt des Hl. Johannes Chrysostomos

*Quellenhinweis*
 

Nach der Auferstehung erschien der Engel. Weshalb kam er und schob den Stein fort? 
Wegen der Frauen; 
sie sahen ihn ja am Grab sitzen. Damit sie glaubten, dass der Herr erstanden ist, sollten sie sehen, dass das Grab ohne Leichnam war. Deshalb hatte der Engel den Stein weggewälzt, deshalb war auch das Erdbeben entstanden, damit sie sich aufrafften und munter werden sollten. Sie waren ja aufgebrochen, den Leichnam zu salben; und das geschah in der Nacht, so dass einige vielleicht noch schlaftrunken waren. 

Weshalb, aus welchem Grund sprach der Engel: »Fürchtet euch nicht!« ?
Er wollte ihnen zunächst die Furcht nehmen und dann die Auferstehung verkündigen. ... 
Ihr habt keinen Grund zur Furcht, sagte er,  - wohl aber jene, die den Herrn gekreuzigt haben. 
Als er ihnen nun die Furcht genommen hatte durch seine Worte wie auch durch sein Aussehen – er erschien ja in leuchtender Gestalt, da er eine solche Freudenbotschaft zu überbringen hatte – , fuhr er fort: 
»Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.« 
Der Engel scheute sich nicht, den Gekreuzigten zu erwähnen; denn er ist ja der Ursprung des Heils. 
»Er ist auferstanden.« 
Woraus ist das ersichtlich? »Wie Er gesagt hat.« 
Wollt ihr mir nicht glauben, meinte Er, so erinnert euch an Seine Worte, und ihr werdet mir den Glauben auch nicht versagen. Dann folgt ein weiterer Beweis: 
»Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.« 
Deshalb hatte er doch den Stein entfernt, um ihnen diesen Beweis zu geben. 
»Und sagt seinen Jüngern: Ihr werdet ihn in Galiläa sehen.« 

Er forderte sie auf, auch anderen die frohe Kunde zu melden – ein Umstand, der sie ganz besonders zum Glauben bewegen musste. 

Passend sagte er: »in Galiläa«, um sie aus Schwierigkeiten und Gefahren zu ziehen, damit die Furcht nicht etwa ihren Glauben beeinträchtige.
»Und sie verließen das Grab voll Furcht und Freude.« 
Wieso? Sie hatten etwas Bestürzendes und Unerhörtes erlebt: das leere Grab, wohin Jesus vor ihren Augen gelegt worden war. Deshalb hatte der Engel sie auch zum Schauen eingeladen, damit sie Zeugen beider Ereignisse würden, sowohl des Grabes als auch der Auferstehung. Sie begriffen auch, dass niemand Ihn hätte fortschaffen können, da dort so viele Soldaten lagerten; 

Er selbst musste auferstanden sein. 
Daher waren sie zugleich erfreut und verwundert und empfingen auch den Lohn für ihr Ausharren, da sie als erste sehen und verkünden durften, nicht nur was sie gehört, sondern auch was sie gesehen hatten.

Als sie in Freude und Furcht das Grab verließen, 
»siehe, da kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie aber umfassten seine Füße.« 
Mit überwältigender Freude eilten sie auf Ihn zu und empfingen durch die Berührung den Beweis und die volle Gewissheit Seiner Auferstehung. 
»Und sie warfen sich vor Ihm nieder.« 
Was sagte nun der Herr? »Fürchtet euch nicht!« 
Auch Er nimmt ihnen wieder die Furcht, um dem Glauben den Weg zu bahnen. 
»Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen.« 

Sieh, wie Er selbst durch die Frauen die frohe Kunde überbringen lässt, um, wie ich schon oft erklärt habe, das so unterschätzte (weibliche) Geschlecht zu Ansehen zu bringen, es zu berechtigter Hoffnung zu führen und das, was sie zu erleiden haben, zu heilen.

Vielleicht wünscht jemand von euch, bei ihnen gewesen zu sein und Jesu Füße zu umfassen? 
Wenn ihr wollt, habt ihr auch jetzt die Möglichkeit, nicht nur Seine Füße und Hände, sondern auch Sein heiliges Haupt zu umarmen, wenn ihr mit reinem Gewissen die ehrfurchtgebietenden Geheimnisse genießt. 

Doch nicht nur hier, sondern auch an jenem Tag werdet ihr Ihn schauen, wenn Er in unbeschreiblicher Herrlichkeit in Begleitung der Engel kommt.

Falls ihr nur Menschenliebe üben wolltet, werdet ihr dann nicht nur diese Worte: »Seid gegrüßt!« zu hören bekommen, sondern auch die anderen: 
»Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist« (Mt 24,34). 
 

Seid also menschenliebend, damit ihr diese Worte zu hören bekommt.


Und ihr goldbehangenen Frauen, die ihr die eiligen Schritte dieser Frauen erlebt habt, 
legt doch jetzt, wenn auch spät, die krankmachende Sucht nach dem Gold ab. 

Wollt ihr diesen Frauen nacheifern, 
legt den Schmuck ab, den ihr euch umhängt, 
und schmückt euch mit Mildtätigkeit!

 

 

Die Myrrhonbringenden Frauen werden zu den ersten Zeugen und Verkündern der Auferstehung

 

Heiser,  Lothar, Jesus Christus, Das Licht aus der Höhe, Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der Orthodoxen Kirche (Schriftenreihe des Patristischen Zentrums Koinonia – Oriens; Bd. 47), St. Ottilien 1998, S. 647 ff., Johannes Chrysostomos, 89. Homilie zum Matthäus-Evangelium, 2f.; PG 58, 783-785
hier aus St. Andreas Bote
 

 


 

 

 

 

 

Gedanken zu den Heiligen Frauen 
in den Tagen nach Ostern

von Eva Catafygiotu Topping

 

*Quellenhinweis*

 

Während der 50 Tage nach Ostern feiert die Orthodoxe Kirche einige außergewöhnliche Frauen als Heilige. 
 

Es sind die Myronträgerinnen,

die Samariterin

und die Blutflüssige Frau.

Ihre Namen erscheinen in unserem Kalender. Unsere liturgischen Bücher enthalten zahlreiche Hymnen zu ihren Ehren. Das Pentekostarion zeigt Hunderte von Beispielen. Und mehr als tausend Jahre lang haben Theologen und Bischöfe Predigten und Loblieder auf diese glaubensfesten heiligen Frauen verfasst.

Nach der liturgischen Tradition werden die Myronträgerinnen – unter ihnen Maria Magdalena, Johanna, Salome, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus – gemeinsam verehrt. 
Alle vier Evangelien (Mt 28, Mk 15, Lk 24, Joh 20) bezeugen, dass diese gläubigen Jüngerinnen die ersten Zeugen der Auferstehung waren; die ersten, die den Auferstandenen Herrn sahen, die ersten, die Frohe Botschaft (Εvαγγέλιον) zu verkünden, dass Christus, wie Er vorausgesagt hatte, wahrhaft von den Toten auferstanden ist.

Es ist eine eindrucksvolle und bedeutsame Tatsache, dass die Grundvoraussetzung des Christentums, die Auferstehung, ausschließlich vom Zeugnis von Frauen abhängt.

Das erste ‚Christus ist auferstanden’ kam aus dem Munde der Myrontragenden Frauen. 
Damit sind diese Jüngerinnen die ersten Evangelisten und Apostel. 
Weil die Jünger, die Elf des inneren Zirkels, geflohen waren und sich verbargen, erfuhren sie das Evangelion zuerst von den Frauen. 
Die Worte eines alten Hymnus machen klar wie die Reihenfolge ist:

„Als sie vom Engel die lichte Botschaft (κήρυγμα) der Auferstehung erfuhren, sagten die Jüngerinnen (μαθήτριαι) des Herrn zu den Jüngern: ‚Der Tod ist besiegt; Christus, Gott, ist auferstanden.’“

 

Noch eine Frau des Glaubens wird am fünften Sonntag nach Ostern gefeiert. 
Sie ist die Samariterin, mit der sich Christus eines heißen Mittags am Jakobsbrunnen unterhielt. 
Es ist die längste überlieferte Unterhaltung Jesu. Das vierte Kapitel des Johannes-Evangeliums erzählt die bemerkenswerte Geschichte der Begegnung mit Jesus. Als die Jünger sahen, wie ihr Lehrer mit einer fremden Frau sprach, waren sie schockiert. Die Ungehörigkeit war zu groß für ihre konventionellen Ansichten.
Jesus aber teilte ihre Vorurteile nicht. Er verachtete die Frau nicht wegen ihres Geschlechts, ihrer Lebensführung oder Religion. Lieber diskutierte er mit ihr über Theologie und lehrte sie Gott im Geist und in der Wahrheit zu verehren. 
Und ihr gegenüber, nicht seinen Jüngern, offenbarte er zum ersten Mal, dass Er der Messias war, den die Propheten Israels vorhergesagt hatten. 
Die Samariterin hörte die erstaunlichen Worte und glaubte Ihm. Dann lief sie, den Leuten der Stadt die Frohe Botschaft zu bringen. So stark war ihr Glaube, dass auch diese glaubten. Auch sie war ein erster Apostel. Später wurde die ‚Samariterin’ Thema vieler byzantinischer Hymnen und Predigten.

 

Aus den synoptischen Evangelien (Mt 9,20-26; Mk 5,25-34; Lk 8,42-48) kommt die Geschichte einer anderen gläubigen Frau. Sie ist die Unglückliche, die von der Gesellschaft und dem Kultus wegen eines Blut-Tabus verstoßen und beschämt wurde. Die Orthodoxie Kirche gedenkt ihrer als Hl. Veronika am 12. Juli. Sie wurde von ihrer Krankheit geheilt und von der Schande befreit als sie sich selbst heilte, indem sie den Saum des Gewandes Jesu berührte. In einem Hymnus aus dem 6. Jh. von Romanos dem Meloden sagt Christus zu der Frau, dass nicht Er die Heilung verursacht, sondern dass ihr Glaube dieses Wunder vollbracht habe. Immerhin zeigt diese Geschichte die Haltung Jesu gegenüber Ritualen, Tabus und Traditionen, die Frauen erniedrigten und diskriminierten. Ohne Rücksicht was die Tradition über Blut und „unreine“ Frauen lehrte, verwarf Jesus diese Vorstellung. Man kann sich schon etwas darüber wundern, dass sie sich in der Kirche bis heute gehalten hat.

 

Durch die Erfahrungen der Myronträgerinnen, der Samariterin und der Blutflüssigen Frau will die Kirche die Bedeutung der Auferstehung, von Ostern, mit seiner Botschaft von Leben, Freude und Hoffnung ausschmücken. Stark, selbstsicher, klug und tapfer hießen diese heiligen Frauen die Ankunft der Neuen Schöpfung, die Jesus einleitete, willkommen. Furchtlos, im Gegensatz zu den Jüngern, gingen die Myronträgerinnen zum Grab, erfuhren, dass Christus den Tod zertreten hatte und wurden die ersten Träger der christlichen Verkündigung. 
Die Samariterin sprach mit Jesus, entdeckte, dass der Messias gekommen war und verkündete Ihn der Welt. 
Um ihre Gesundheit und den Zugang zu Gesellschaft und Kultur wiederzugewinnen trotzte die Ausgestoßene den Konventionen, überwand ihre Furcht, drängte sich an Christus heran und fand Heilung durch ihren Glauben.

Im Zentrum jeder Erzählung steht Jesus. Er war es, der es diesen Frauen ermöglichte Freude und Befreiung zu erfahren. Es geschah, weil er sie als Personen akzeptierte und jede von ihnen als Mensch, geschaffen als Abbild Gottes, schätzte.

Er entwarf nie eine „frauengerechte“ Umwelt für sie. Er zwang sie nie in patriarchalische Muster.

Die Beziehung dieser weiblichen Heiligen zum Gründer des Christentums fordert in dieser Zeit nach Ostern zum Nachdenken auf.
 

 

http://www.stnina.org/97sp/97sp-topping-easter.htm, dt. von G. Wolf


 

 

Engel verkuendet die Auferstehung den Frauen - zeitgen.Ikone von Leonid USPENSKY Die Apostel am Grab nach der Verkuendung der Auferstehung durch die Frauen - zeitgen.Ikone von Leonid USPENSKY

 

HEILIGER und HOHER HERRENTAG des PAS´CHA
der AUFERSTEHUNGSTAG
FEST der FESTE

AUFERSTEHUNG  /Zeitgen. Ikone von Antonina Ganina

 

ХРИСТОС ВОСКЕСЕ
В ИЗПЪЛНЕНИЕ НА ХОРА
 ПРИ
НЕМСКАТА ГИМНАЗИЯ В СОФИЯ

 

CHRISTUS IST ERSTANDEN

VON DEN TOTEN,

HAT DEN TOD

DURCH SEINEN TOD ZERTRETEN

UND DENEN IN DEN GRAEBERN

DAS LEBEN GESCHENKT !




PASCHAL MESSAGE BY PATRIARCH KIRILL OF MOSCOW AND ALL RUSSIA
Osterbotschaft S.Hl. des Patriarchen ALEKSIJ II von Moskau und der ganzen Rus´
Metropolit MICHAEL (Staikos) von Austria: Christus ist erstanden: Ostersonntag
Metropolit AUGOUSTINOS (Lambardakis) von Deutschland: Osterpredikt 2004
Bischof HILARION von Wien und Österreich: Osterbotschaft 2004
Bischof HILARION von Wien und Österreich: Ostern ist immer

Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2015

Philipp Harnoncourt: Auf dem Weg zum leeren Grab
Martin Petzold: Zur Fülle der Freude in den Gottesdiensten der Ostertage


Predigt unseres Vaters unter den Heiligen
JOHANNES CHRYSOSTOMUS
zum heiligen und strahlenden, herrlichen und erlösenden Tag der Auferstehung Christi, unseres Gottes:


Wenn jemand fromm und gottliebend ist,
komme und erquicke er sich an dieser schoenen und glaenzenden Feier.

Wenn jemand ein wohlgesinnter Anhaenger ist,
gehe er froehlich ein in die Freude seines Herrn.

Wenn jemand sich beim Fasten abgemueht hat,
empfange er jetzt nach seinem Verdienst.

Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat,
empfange er heute seinen gerechten Lohn.

Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist,
feiere er dankend.

Wenn jemand zur sechsten Stunde angelangt ist,
so zweifle er nicht,
denn er wird nichts missen.

Wenn jemand bis in die neunte Stunde saeumte,
trete er unverzagt hinzu, ohne sich zu fuerchten.

Wenn jemand erst zur elften Stunde eingelangt ist,
fuerchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.
Denn der Gebieter ist freigebig
und nimmt den Letzten auf wie den Ersten.
Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist,
ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.

Zum spaeter Kommenden ist Er gnaedig
und freundlich zu dem Ersten.
Jenem schenkt Er
und diesen belohnt Er.

Die Werke nimmt Er an
und die Absicht lobt Er.
Die Tat ehrt Er
und der Entschluss ist Ihm willkommen.

Gehet also in die Freude unseres Herrn ein, ihr Alle.
Die Ersten und die Letzten:
empfanget den Lohn.

Die Reichen und die Armen,
freut euch miteinander.
Ausdauernde und Nachlaessige,
ehret den Tag.

Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt;
freuet euch heute.

Der Tisch ist beladen, geniesset alle.
Das Kalb ist gemaestet, niemand gehe hungrig hinaus.
Alle geniesset vom Gastmahl des Glaubens.
Alle geniesset vom Reichtum der Guete.

Niemand beklage Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich.
Niemand betrauere die Uebertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt.
Niemand fuerchte den Tod, denn des Erloesers Tod hat uns befreit.

Vernichtet hat den Tod, Der von ihm umfangen ward.
Die Beute hat dem Hades abgenommen, Der zu ihm herabkam.
Er liess Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleische.

Diese vorausschauend rief Isaja aus:
"Der Hades, ´spricht er,´ war voll Bitterkeit, als er Dir unten begegnete´."
Er war voll Bitterkeit, denn er war verhoehnt;
er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft;
er war voll Bitterkeit, denn er wurde gefesselt.
Er nahm den Leib und geriet an Gott.
Er nahm die Erde und traf auf den Himmel.
Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.

Tod, wo ist dein Stachel ?
Hades, wo ist dein Sieg ?
Auferstanden ist Christus und du bist gestuerzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Daemonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben triumphiert.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grabe.

Denn Christus ist von den Toten auferstanden,
der Erstling der Entschlafenen geworden.

Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit.
Amin.

 

Pas´cha heisst Uebergang vom Tod zum Leben, von der Finsternis zum Licht.
Dieser Uebergang geschieht mit der Auferstehung des Herrn und Erloesers fuer alle, die an Ihn glauben und durch die Taufe mit Ihm ein Leib sind.
Nach dem Ruf "CHRISTUS ist AUFERSTANDEN !" des Priesters und der Verbreitung des Auferstehungslichtes vom Altar an alle Glaeubigen beginnt der Jubelgesang, der dann die gesamte Liturgie ueber anhaelt:

Deine Auferstehung, Christus Erloeser,
besingen die Engel in den Himmeln;
wuerdige auch uns auf Erden,
reinen Herzens Dich zu loben.

ooo
Auferstehungstag !
Lasset uns Licht werden, Ihr Voelker !
Das Pas´cha, des Herrn Pas´cha !
Denn vom Tode zum Leben
und von der Erde zum Himmel
hat Christus, unser Gott, uns hindurchgefuehrt,
uns, die wir das Siegeslied singen:

Christus erstand von den Toten !

ooo
Lasset uns die Sinne reinigen
so werden wir Christus strahlen sehen
im unnahbaren Lichte der Auferstehung
und deutlich Ihn rufen hoeren:
"Freuet euch !",
wir, die wir das Siegeslied singen.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Die Himmel moegen sich freuen,
die Erde jubeln
und feiern die ganze Welt,
die sichtbare und die unsichtbare,
denn Christus ist erwacht.
Ewige Freude !

Christus erstand von den Toten !

ooo

CHRISTUS IST ERSTANDEN
VON DEN TOTEN,
HAT DEN TOD
DURCH DEN TOD ZERTRETEN
UND DENEN IN DEN GRAEBERN
DAS LEBEN GESCHENKT !

ooo

Lasset uns trinken den neuen Trank,
nicht aus unfruchtbarem Felsen
durch Zeichen hervorgebracht,
sondern aus der Unverweslichkeit Quelle,
da aus dem Grabe, aus dem wir kommen,
uns Christus Leben schenkt.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Nun ist alles mit Licht erfuellt,
Himmel und Erde und Totenwelt,
die ganze Schoepfung feiert Christi Erwachen,
in dem sie gegruendet ist.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Gestern ward ich begraben mit Dir, Christus;
heute bin ich auferweckt mit Dir, dem Auferstandenen.
Du selbst, Erloeser, verherrliche mich mit Dir
in Deinem Reiche.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Als die dem Morgen zuvorkommenden Gefaehrtinnen Marias
den Stein weggewaelzt fanden vom Grabe,
hoerten sie vom Engel:
"Den, der in immerwaehrendem Lichte ist,
was suchet ihr Ihn bei den Toten wie einen Menschen ?
Blicket auf die Grablinnen,
eilet, verkuendet der Welt,
dass auferstanden ist der Herr,
nachdem Er den Tod getoetet.
Denn Er ist der Sohn Gottes,
der Erloeser des Menschengeschlechtes."
ooo
Wie ein einjaehriges Lamm,
das willig den Opferkranz traegt, Christus,
ist Er fuer alle geopfert worden,
das reinigende Pas´cha;
es leuchtet aus dem Grab uns hervor,
die Sonne der Gerechtigkeit.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Du fuhrest hinunter
in die Tiefen der Erde, Christus,
und zerbrachest die ewigen Riegel
und der Gefesselten Ketten;
und nach drei Tagen,
wie Jonas aus dem Fische,
erstandest Du aus dem Grabe.

Christus erstand von den Toten !

ooo
Mein Erloeser,
Du lebendiges und nicht im Tode verbliebenes Opfer,
als Gott hast Du Dich Selbst dem Vater dargebracht
und mit auferweckt Adam, den Urahnen aller,
Du Auferstandener aus dem Grabe !

Christus erstand von den Toten !

ooo
Des Todes Toetung,
des Hades Vernichtung,
den Anfang des neuen,
des ewigen Lebens begehen wir festlich.
Im Tanze besingen wir den Urheber in Hymnen,
der allein ist gesegnet,
der Gott der Vaeter, und hochverherrlicht.

Christus erstand von den Toten !

ooo
In Wahrheit heilig
und allgefeiert
ist diese heilbringende, lichtglaenzende Nacht.
Sie ist Vorbote des hellstrahlenden Tages der Auferstehung,
in der das urewige Licht
leiblich hervorleuchtet aus dem Grabe allen.

Christus erstand von den Toten !

ooo
O grosses, o heiligstes Pas´cha, Christus,
o Weisheit und Wort Gottes und Kraft !
gib, dass wir wahrer noch teilhaben an Dir
am abendlosen Tage Deines Reiches !

ooo

ooo

ooo

Das Freudenpas´cha,
das Pas´cha des Herrn, das Pas´cha,
das hochhehre Pas´cha
ist aufgegangen, das Pas´cha !
Umarmen wir einander in Freude !
O Pas´cha, Du Erloeser von Trauer !
Aus dem Grabe strahlt heute hervor
wie aus einem Brautgemach
Christus, der die Frauen erfuellte mit Freude,
indem Er sprach:
"Bringet Kunde den Aposteln !"

ooo

AUFERSTEHUNGSTAG !

Lasset uns Licht werden an diesem Feste,
lasset uns einander umarmen,
lasset uns "Brueder!" sagen auch denen, die uns hassen,
lasset uns alles vergeben ob der Auferstehung und rufen:

ooo

CHRISTUS IST ERSTANDEN

VON DEN TOTEN,

HAT DEN TOD

DURCH DEN TOD ZERTRETEN

UND DENEN IN DEN GRAEBERN

DAS LEBEN GESCHENKT !



 

Christus ist erstanden: Ostersonntag
aus dem Buch "Auferstehung - von erlebter orthodoxer Spiritualität"
von
Metropolit MICHAEL (Staikos), Metropolit von Austria, Wien

Die Kirche jubelt. Und die Osterikone verdeutlicht das wohl tiefste aller Glaubensgeheimnisse. In ihrer Grundform bleibt sie immer gleich: Adam wird aus der Unterwelt geholt. Christus ergreift seine Hand, in manchen Darstellungen auch die von Eva, er hält sie und lässt den – oder die – Gefallenen mit auferstehen.

Hände halten einander. Vielleicht ruft gerade diese Ikone im Westen kein Fremdgefühl hervor, vielleicht ist sie deshalb so beliebt, weil sie thematisch an Michelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle erinnert, dessen Zentrum ja die Berührung der schöpferischen Hand Gottes mit der Hand des Menschen ist. Oder, weil die katholischen Christen zu Ostern dem Erstandenen dieses Lied singen: „Der Sieger führt die Scharen, die lang gefangen waren, in seines Vaters Reich empor, das Adam sich und uns verlor...“

Der spirituelle Gehalt dieser Ikone ist ein sehr pragmatischer, wenn auch kein rationalistischer, wie wir ihn auf westlichen Auferstehungs-Darstellungen finden. Westliche Bilder zeigen fast immer diese Szene: Das Grab öffnet sich, die Soldaten erschrecken, Christus ersteht mit einer Fahne in der Hand ... Die Orthodoxe Kirche wurde, besonders im 19. Jahrhundert, von derlei Bildern sehr irritiert, weil sie Versuche sind, das Unverständliche zu verstehen, das Unerklärliche erklären zu wollen. Sobald wir aber das Unverständliche verstehen und das Unerklärliche erklären können, brauchen wir kein Mysterium. Denn dieses beginnt ja genau dort, wo der menschliche Verstand aufhört und die Augen, die Ohren, die Sinne der Seele und des Geistes anfangen. Ein größeres Mysterium als die Auferstehung Christi gibt es nicht. Dieses Mysterium ist die Grundlage aller Geheimnisse der Kirche.

Im Gegensatz zu den westlichen Darstellungen ist das orthodoxe Auferstehungsbild ein erlösendes, und die Osterikone trägt den Namen „Das Hinabsteigen Christi in die Unterwelt“.

„Du stiegst bis in die tiefste Erde hinab und zerbrachst die ewigen Riegel, die festhielten die Gequälten, Christus, und nach drei Tagen, wie Jonas aus dem Ungeheuer, stiegst du herauf aus dem Grab.“


Das Fest der Feste bedeutet in der Orthodoxie praktisch die Erfüllung des Planes Gottes, sein Geschöpf nicht zu behandeln wie eine Uhr, die irgendwann aufgezogen und danach ihrem Schicksal überlassen bleibt, sondern die fortwährend gewartet wird. Einen Schöpfer, der sein Geschöpf alleinzulassen gedenkt, kennen wir nicht, dafür aber einen, der sein Geschöpf ununterbrochen begleitet, ohne die von ihm geschenkte Freiheit beeinträchtigen zu wollen. In diesem Sinne ist der Höhepunkt aller Feiertage des Jahres auf den Ostersonntag konzentriert, während alle übrigen – Weihnachten, die Taufe Christi usw. – den Weg dorthin bilden. Den Weg zur Erlösung, zur Auferstehung.

Selbst der Karfreitag ist eine Station dorthin. Deshalb endet auch der Passionshymnus „Heute hängt am Holz ...“ mit dem Vers: „Wir beten deine Passion an, zeige uns aber auch deine glorreiche Auferstehung“, das heißt: „Wir beten dein Kreuz an, und wir verherrlichen deine Auferstehung.“ Sie ist das Ziel der Ziele, jedem erreichbar, nichts und niemanden ausschließend.

Genau das bringt die Auferstehungsikone zum Ausdruck: Die Tore zum Hades zerschlägt Christus, er steigt herab in den Hades, um Adam und Eva, stellvertretend für alle Männer und Frauen (oder nur Adam, stellvertretend für das gesamte Menschengeschlecht) herauszuholen zur Auferstehung. Zusammen mit allen Gerechten, mit allen Heiligen, mit allen Menschen, die gerettet werden müssen. Mit allen Nachkommen von Adam und Eva, ob heilig oder nicht, das ganze Menschengeschlecht.

Es gibt einen Brauch, der das Geschehen symbolisch innerhalb der Liturgie zum Ausdruck bringen soll. Er entstammt dem zypriotischen Brauchtum, ist aber auch in anderen griechischen Gegenden lebendig und wurde von den Zyprioten auch in Wien eingeführt: Am Morgen des Karsamstag, beim ersten Auferstehungsgottesdienst, wird gesungen: „Erheb dich, Gott, und richte die Erde! Denn alle Völker werden dein Erbteil sein“ (Ps 82,8).Und während der Priester mit der Auferstehungsikone aus dem dunklen Altarraum tritt, während erstmals die Glocken läuten und Lorbeerblätter als Zeichen des Sieges gestreut werden, fangen die Gläubigen an, mit verschiedenen Gegenständen Lärm zu schlagen. Kinder, Alte, Jugendliche, sie alle klopfen auf die Stühle, schlagen metallene Gegenstände aneinander, hantieren mit allem, was klirrt und klappert, bis ein unvorstellbarer Lärm die Kirche erfüllt. Gemeint ist jener Lärm, der entsteht, wenn Christus die Tore zum Hades zerschlägt. (Man sieht auch auf der Ikone die beiden Tore kreuzförmig übereinanderliegen.)

Diese Szene, in welcher der Priester singt, die Glocken läuten und das Volk Lärm aller Art erzeugt, war hierorts unbekannt, hat sich aber so stark etabliert, daß dieser Morgengottesdienst heute zu den beliebtesten des Jahres gehört. Die Kirche ist voll, man hat sich diesen Brauch unterdessen allgemein angeeignet.

Das beweist folgendes. Wenn man die offizielle Lehre der Kirche, die sich selbstverständlich nicht modifizieren lässt im Hinblick auf die Verstehensmöglichkeiten der Gläubigen, auf eine menschliche Art und Weise unterstützt, wenn man zulässt, diese Lehre auf menschliche Art und Weise auszudrücken, dann bleibt genügend „Verstehensraum“ für die Gläubigen.

Lärm und Feuer, dabei entsteht oft eine Stimmung, die man nicht rational erfassen kann. Und die Kirche lässt ihr freien Lauf. Denn die „Stimmung“ läuft ja auf Frömmigkeit hinaus, ohne Frömmigkeit entstünde sie überhaupt nicht. Wenn der Mensch durch strenge Liturgien, durch Ikonen, durch Mysterien immer nur gezügelt wird, dann muss er irgendwann jenen freien Raum finden, der nicht minder seine Religiosität zum Ausdruck bringt: Ostern ist ein Fest, das offen gezeigte Freude geradezu herausfordert. Deshalb singt die Kirche:

„Tag der Auferstehung, an dem wir erglänzen und einander in Festfreude umarmen. Sagen wir es, Brüder, auch denen, die uns hassen, verzeihen wir allen der Auferstehung wegen, und lasst uns rufen: Christ ist von den Toten erstanden, den Tod durch den Tod zertretend und denen in den Gräbern das Leben schenkend.“

Und der Kirchenvater, der heilige Johannes Chrysostomos (+ 14.9.407 in der Verbannung), vermittelt die Freude der Kirche in seiner Katechetischen Rede zum Ostersonntag, die zum festlichen Abschluss der Osterliturgie gehört ...

Also bezeugen Osterikone und Hymnen des Festes nicht nur die Rettung des ganzen Menschengeschlechts. Sie unterstreichen auch den besonderen Charakter der Gemeinschaft aller Gläubigen.

Metropolit Staikos, Auferstehung, von erlebter orthodoxer Spiritualität, Wien 2000, S. 108 ff.
hier aus St.Andreas Bote

 


PASCHAL MESSAGE BY PATRIARCH KIRILL OF MOSCOW AND ALL RUSSIA

to the Archpastors, Pastors, Deacons, Monks and Nuns

and All the Faithful Children of the Russian Orthodox Church

 

Beloved in the Lord my brothers the archpastors, all-honourable fathers,

pious monks and nuns, dear brothers and sisters!

 

It is with joy that I greet you with the ancient and yet eternally new and life-affirming victorious exclamation:

CHRIST IS RISEN!

This wondrous resonance of truly life-creating words contains the foundation of our faith, the gift of hope and the fount of love.

Just yesterday, together with the Lord’s disciples, we grieved at the death of our beloved Saviour, while today with the whole world, both visible and invisible, we sing triumphantly: ‘For Christ has risen, the everlasting eternal joy!’ (Canon of Holy Pascha). Just yesterday it would seem that the last hope for salvation had been lost, while today we have acquired firm expectation of eternal life ‘in the never-fading Kingdom of God.’ Just yesterday the ghost of corruption prevailed over creation, casting doubt over the meaning of our earthly life, while today we proclaim to each and all the great victory of Life over death.

The divinely-inspired apostle Paul spoke of the significance of the miracle that took place on that distant, and yet forever near to every Christian night; he tells us directly that this event has the greatest importance for our faith, for ‘if Christ be not risen, then is our preaching vain, and your faith is also vain’ (1 Cor 15:14). The Lord’s Passover is the very heart and invincible power of Christianity: as St. Philaret of Moscow says, it ‘creates hope, ignites love, inspires prayer, calls down grace, illumines wisdom, destroys all calamities and even death itself, gives vitality to life, makes bliss not a dream but a reality, glory not a phantom but the eternal lightning of the eternal light illuminating all things and defeating nobody’ (Homily on the Day of Holy Pascha, 1826).

Belief in Christ’s Resurrection is inextricably harnessed to the Church’s belief that the incarnate Son of God, in redeeming the human race and tearing asunder the fetters of sin and death, has granted to us genuine spiritual freedom and the joy of being united with our Maker. We are all in full measure communicants of this precious gift of the Saviour, we who have gathered on this radiant night in Orthodox churches to ‘enjoy the banquet of faith,’ as St. John Chrysostom puts it.

Pascha is the culmination of the Saviour’s path of thorns crowned with suffering and the sacrifice of Golgotha. It is not fortuitous that in both the writings of the Fathers and liturgical texts Christ is repeatedly called the ‘First Warrior in the battle for our salvation.’ ‘For I have given you an example,’ (Jn 13:15), the Lord says to his disciples and calls upon us all to follow the example of his life.

Yet how are we to imitate the Saviour? What sort of spiritual heroism can we apply to the realities of modern-day life? Today, when we utter the word ‘heroism,’ an image often arises in peoples’ minds of a legendary warrior, a historical figure or famous hero from the past. Yet the meaning of spiritual heroism lies not in the acquisition of resounding fame or the gain of universal recognition. Through spiritual deeds, immutably linked to our inner endeavours and the limiting of oneself, we can know by experience what true and perfect love is, for the willingness to sacrifice oneself, which lies at the foundation of all spiritual deeds, is the highest manifestation of this feeling.

The Lord has called us to the feat of active love embedded in losing oneself in service to our neighbour, and even more so to those who especially need our support: the suffering, the sick, the lonely and the downcast. If this law of life, which is so clearly manifested and expressed in the earthly life of the Saviour, becomes the inheritance of the majority, then people will be truly happy. Indeed, in serving others, we gain incomparably more than we give: the Lord then enters our hearts and by communicating with divine grace all of human life is changed. As there can be no holiness without labour, as there can be no Resurrection without Golgotha, so too without spiritual feats the genuine spiritual and moral transformation of the human person is impossible.

When spiritual heroism becomes the substance not only of the individual but of an entire people, when in striving for the celestial world the hearts of millions of people are united, ready to defend their homeland and vindicate lofty ideals and values, then truly amazing, wondrous things happen that at times cannot be explained from the perspective of formal logic. The nation acquires enormous spiritual strength which no disasters or enemies are capable of overcoming. The truth of these words is evidently attested by the Victory in the Great Patriotic War, achieved by the self-sacrificing heroism of our people. We shall mark the seventieth anniversary of this glorious date in the current year.

In afflictions and temptations we are called upon to preserve peace and courage, for we have been given the great and glorious promise of victory over evil. Can we be discouraged and despair? No! For we comprise the Church of Christ which, according to the Lord’s true word, cannot be overcome by the ‘gates of hell’ (Mt 16:18), and Divine Revelation bears witness to us by foretelling that ‘God shall wipe away all tears from their eyes; and there shall be no more death, neither sorrow, nor crying, neither shall there be any more pain: for the former things are passed away’ (Rev 21:4).

I prayerfully wish you all, Your Graces my brothers the archpastors, all-honourable fathers, dear brothers and sisters, strength of spirit and steadfastness in faith, peace and unfailing joy in the Lord, the Conqueror of death. Imbued by the light of Christ’s Resurrection and in communing with the mystery of the Paschal miracle, let us share our exultant joy with those who are close to us and those far from us in testifying to all of the Saviour who has risen from the tomb.

May we all the days of our life be forever warmed, comforted and inspired to good deeds by the ardent words of the good news of Pascha which impart to us the true gift of the joy of life:

CHRIST IS RISEN!

HE IS RISEN INDEED!

/+KIRILL/

PATRIARCH OF MOSCOW AND ALL RUSSIA

 

 

Osterpredigt S.E. des Metropoliten Augoustinos
in der Ev.-Luth. Matthäus Kirche in München
im Rahmen der gemeinsamen Ostervesper aller Christen der ACK
am Ostersonntag, 11. April 2004 um 18.00 Uhr

Christos anesti - alithos anesti!

Christus ist erstanden - Er ist wahrhaftig auferstanden!

So grüßten sich die frühen Christen zum Fest der Auferstehung Christi, und so grüßen sich noch heute unsere orthodoxen Gläubigen während der vierzig Tage zwischen Ostern und dem Fest der Himmelfahrt Christi.

Wenn ich Ihnen heute am Osterfest, das in diesem Jahr alle Christen am selben Tag feiern, diesen Gruß zurufe, so soll das mehr sein als eine alte ehrwürdige Sitte, – es ist ein Ruf der Glaubensfreude und der zuversichtlichen Hoffnung für die Überwindung des Todes auch für uns.

Heutzutage rühmen wir uns der Tatsache, dass wir – mindestens in Deutschland – in einer pluralistischen Gesellschaft mit interkulturellem Austausch leben. Gewiss ist es erfreulich, dass die Zeiten eines kämpferischen Gegeneinander zwischen Glaubensgemeinschaften und Religionen überwunden scheinen und dem Bemühen um ein friedvolles Miteinander zu weichen.

Andererseits habe ich oft die Befürchtung, dass Unterschiede, die nach wie vor zwischen uns bestehen, zu schnell übersehen und oberflächlich übergangen werden. Toleranz darf ja nicht zur Gleichmacherei führen, und Kultur hat zwar ursprünglich etwas mit Kultus zu tun, dennoch ist eine religiöse Wahrheit etwas anderes und mehr als Kultur und eine interkulturelle Gemeinschaft noch längst nicht die wahre Gemeinschaft der Gläubigen.

Und deshalb möchte ich es am heutigen Ostersonntag noch einmal und ausdrücklich sagen: Christus ist auferstanden von den Toten; er hat den Tod durch den Tod zertreten und denen in den Gräbern das Leben geschenkt! Das ist der Siegesruf der Christen! Und das ist es, was den christlichen Glauben von allen anderen Religionen ganz wesentlich unterscheidet und zu etwas Besonderem macht, – nämlich: dass Gott in Christus Mensch wurde, dass der Gottessohn sogar den Tod auf sich nahm, ihn überwand und vom Tode auferstand und damit die Menschen aus Sünde und Grab zu Gott emporzog und in die göttliche Gemeinschaft zurückbrachte. Diese Botschaft sind wir einer Welt schuldig, die sich nach Erlösung vom Tode und nach einem Leben in Frieden sehnt. Ehe wir allerdings diese Botschaft der Welt bringen können, muss sie in unserem eigenen Leben richtunggebend sein und verwirklicht werden. Nur so werden wir zu glaubhaften Zeugen des Auferstandenen.

Dabei kann uns das Evangelium helfen, das wir eben gehört haben. Es führt uns mitten in das Ostergeschehen hinein, wie es uns im Johannesevangelium berichtet wird.

Dort bringt Maria von Magdala nach dem ersten Erschrecken über das leere Grab den Aposteln die Nachricht, dass der Leichnam Jesu weggebracht worden sei. Petrus und Johannes überzeugen sich selbst davon, dass das Grab tatsächlich leer ist. Sie verstehen noch nicht, was das zu bedeuten hat, und kehren wieder um. Maria aber bleibt weinend am Grabe und erlebt dort die erste Erscheinung des auferstandenen Herrn. Er gibt ihr den Auftrag: “Gehe hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott” (Joh 20,17).

Sollen damit die Jünger vorbereitet werden auf die Erscheinung des Auferstandenen in ihrem Kreis? Das mag sein. Auf jeden Fall sollen sie sich an das erinnern – und wir mit ihnen – , was Jesus ihnen vor seinem Leiden sagte: “Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater” (Joh 16,28), und an anderer Stelle: “…ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden…ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen” (Joh 16,20.22).

Nun ist die Stunde des Wiedersehens und der Freude da. Der Auferstandene tritt mit dem Friedensgruß mitten unter die Jünger. Sie sind frei von Schrecken und Furcht. Er zeigt ihnen seine Wunden an den Händen und in der Seite, und sie werden froh, dass sie den Herrn sehen!

Einst hatte Jesus zum Vater gebetet: “So wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich auch sie in die Welt” (Joh 17,18). Jetzt ist mit dem Tag der Auferstehung zugleich der Tag der Sendung gekommen. Der Auferstandene ist der Erhöhte, der den Aposteln zur Erfüllung ihres Auftrages den lebendigen Atem des göttlichen Geistes einhaucht. Es findet ein geistlicher Schöpfungsakt statt, der die Jünger zu göttlichen Zeugen macht, damit “der Welt die Augen geöffnet werden über die Sünde, über die Gerechtigkeit und das Gericht” (Joh 16,8). Für den Evangelisten sind Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten, – sind Auferstehung, Erhöhung und Geistverleihung untrennbar miteinander verbunden.

In diesen Höhen des Heilsgeschehens gipfelt die Aussage der Evangeliumsbotschaft. “Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen”, sagt Jesus Christus (Joh 5,24). Das erfüllt sich im Sendungsauftrag des Auferstandenen an die Apostel. Die Geistverleihung wirkt eine Vollmacht zur Sündenvergebung. Und wie einst beim Wirken Jesu ist der vertrauende Glaube an den Gottessohn Voraussetzung für die Vergebung der Sünde. Hier setzt sich das innerweltliche Gericht fort, das mit der Gestalt Jesu in die Welt kam. An Jesus Christus scheiden sich die Geister und das um so mehr und ausdrücklicher, nachdem er Sünde und Tod überwunden hat.

Vielleicht ist es für uns ungewohnt, die Auferstehung Jesu Christi so eingefügt zu sehen in das gesamte Heilsgeschehen. Und zwar in ein Heilsgeschehen, an dem bereits am Ostertag die Apostel beteiligt werden und mitwirken sollen, damit die Welt an den ewig lebendigen Gott glaubt.

Das Evangelium verschweigt uns nicht, dass ein solcher Glaube nicht selbstverständlich ist. So will sich der Apostel Thomas nur von dem leibhaft Auferstandenen überzeugen lassen! Jesus geht darauf ein und hat dabei auch die im Blick, die künftig durch das Wort der Apostel an ihn glauben werden, so wie er bei seinem Vater für diejenigen betet, die durch das Zeugnis der Jünger zum Glauben kommen (Joh 17,20). Hier sind auch wir bereits mit gemeint; wobei wir lernen, dass der Glaubenszweifel keine Erscheinung nur der aufgeklärten Moderne ist, sondern uns bereits im engsten Kreis der Apostel begegnet. Was uns heute hemmt, an den auferstandenen Herrn zu glauben, sind ja tatsächlich viel weniger unsere naturwissenschaftlichen Kenntnisse und das neuzeitliche Denken als vielmehr unser Unwissen über den Gottessohn, unser Unverständnis den Geheimnissen Gottes gegenüber. Es ist unser träges Herz, das sich nicht aus den eigenen begrenzten Vorstellungen lösen kann. Wir verschließen uns den göttlichen Erfahrungen, die wir machen dürfen und sollen, und deshalb kann sich der Zweifel einschleichen und einen befreienden Glauben verhindern.

Damit wir aber aus unserem Zweifel nicht in Verzweiflung fallen, sollen wir dem Apostel Thomas folgen, der auf das Wort des Auferstandenen hin alle Fragen und allen Kleinmut hinter sich lässt. In dem lebendigen Jesus Christus erkennt und bekennt er seinen Herrn und Gott!

Das ist ein christliches Glaubensbekenntnis, das nicht überboten werden kann. Dieser vom Tode erstandene Jesus von Nazareth offenbart sich als wahrer Gott und wird von seinem Jünger als Gott angerufen und ausgerufen! Die Lichtspur der Göttlichkeit Jesu Christi zieht sich durch das ganze Johannesevangelium und findet in der Ostergeschichte einen unvergleichlichen Höhepunkt. Das Licht der Welt, der Gnadenbringer und Erlöser von göttlicher Art, der im Anfang des Evangeliums Mensch wurde in dieser Welt, offenbart sich nun seinen Aposteln als Sieger über Sünde und Tod, als Herr und Gott.

Wir öffnen unsere Augen und Ohren so vielen Dingen, unzählige Ideen und Gedanken dringen tagtäglich ein in unser Denken und Fühlen, – schließen wir doch unser Herz vor allem dem Glauben weit auf, damit wir die erlösende Botschaft der Auferstehungszeugen empfangen! Wenn irgendetwas in dieser Welt Vertrauen verdient, dann doch das Evangelium, die “Gute Nachricht” von der Überwindung des Bösen und dem Sieg des Lebens über den Tod.

Dann können wir selbst zu Zeugen des auferstandenen und erhöhten Herrn werden und dürfen mitwirken an Gottes Heilsgeschichte zur Rettung der Welt, – so wie es im Evangelium geschrieben steht, “dass Christus musste leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tag und dass gepredigt werden muss in seinem Namen die Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern” ( Lk 24,46.47).

Gott schenke uns allen die wahre Osterfreude und erhalte uns die lebendige Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten!

Amen.

Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa

 

 

 

Osterbotschaft 2004 des Bischofs von Wien und Österreich Hilarion, an die hochwürdigen Seelsorger und die gottgeliebten Gläubigen der Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche von Wien und Österreich

Im Herrn geliebte Väter, Brüder und Schwestern! Christus ist auferstanden!

Heute feiert die gesamte christliche Welt die Auferstehung Christi. Heute herrscht in jeder Kirche, in jeder Familie Freude über den Herrn Jesus Christus, der um unserer Erlösung willen gelitten hat und auferstanden ist.

An diesem "Fest der Feste" hören wir den an uns gerichteten Jubelruf des heiligen Johannes Chrysostomos: "Tretet also alle ein in die Freude eures Herrn! Ihr Reichen und ihr Armen, jubelt miteinander. Ihr Enthaltsamen und ihr Trägen, ehrt das Fest. Ihr, die ihr gefastet habt und die nicht gefastet haben, freut euch heute. Der Tisch ist reich gedeckt, genießt alle. Niemand gehe hungrig fort. Genießt alle das Gastmahl des Glaubens. Genießt alle den Reichtum der Güte!"

Unter den zum Ostergottesdienst Versammelten sind solche, die die Kirche regelmäßig besuchen, aber auch solche, die nur an den großen Feiertagen kommen, und solche, die nur selten das Gotteshaus besuchen. Es gibt unter uns Menschen, die seit ihrer Kindheit glauben, solche, die im reifen Alter zum Glauben gekommen sind, aber auch solche, die den Weg zu Gott gerade erst betreten haben. Aber Gott macht keinen Unterscheid zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden: Er glaubt an jeden Menschen. Er liebt jeden von uns, Er hört uns jedes Mal, wenn wir uns an Ihn wenden, und ist bereit, uns zu helfen.

Auch die von Gott Selbst gegründete Kirche ist immer bereit, jedem Menschen zu helfen. Wenn Sie es schwer haben, wenn Sie Leid oder Not haben, kommen Sie in die Kirche, beten Sie zu Gott, und Er wird Sie bestimmt erhören und Ihnen helfen. Aber vergessen Sie das Gotteshaus auch in den Augenblicken des Glücks nicht. Die Kirche soll Ihr geistliches Haus werden, wo Ihre Seelen gereinigt werden und das Leben durch die Gnade Gottes verklärt wird, die trotz aller menschlichen Unvollkommenheit wirkt, ungeachtet all unserer Sünden, Unzulänglichkeiten und Schwächen.

Bringen Sie Ihre Kinder in die Kirche, denn nach den Worten des Herrn ist "ihrer das Himmelreich" (Mt 19, 14). Glauben Sie nicht, dass es genügt, ein Kind zu taufen, damit es glücklich und gesund aufwächst; für sein geistliches Wohlergehen ist eine ständige Teilnahme am Leben der Kirche unumgänglich. Bringen Sie die Kinder zur Beichte und zur Kommunion, lesen Sie ihnen das Evangelium vor, lehren Sie sie zu beten, damit sie immer eine lebendige Verbindung zu Gott haben. Wenn Sie Ihre Kinder im christlichen Geist erziehen, können Sie sie vor vielen Versuchungen und Nöten bewahren, an denen die heutige Jugend zugrunde geht.

An diesem Tag der Freude beglückwünsche ich von ganzem Herzen alle Gläubigen der Russischen Orthodoxen Kirche, die auf dem Territorium Österreichs leben, - Russen, Ukrainer, Weißrussen, Moldawier, Österreicher und Vertreter anderer Nationalitäten, aber auch die Mitglieder der georgischen Gemeinde, die unsere Kirchen besuchen.

Ich beglückwünsche die Gemeindemitglieder der Kathedrale zum heiligen Nikolaus - dem geistlichen Zentrum unserer Diözese. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden in unserer Kirche weitläufige Restaurationsarbeiten durchgeführt. Wir haben nicht wenig vor zu tun, sowohl bei der Restaurierung als auch auf dem Gebiet der Entwicklung des Gemeindelebens. Liebe Gemeindemitglieder der Kathedrale! Wenn Sie den Wunsch haben zu helfen, wenden Sie sich an den Priester und sagen Sie es ihm: Jede Initiative, jeder Vorschlag wird mit Dankbarkeit angenommen werden.

Herzlich beglückwünsche ich die russisch-orthodoxen Gläubigen in der Steiermark. Lange Zeit haben Sie keinen ständigen Priester gehabt, aber jetzt wurde für die Gemeinde Mariä Schutz in Graz ein Priester ernannt, der regelmäßig die Gottesdienste feiern und Ihnen bei der Errichtung und Festigung der Gemeinde helfen wird.

Ich wende mich mit meinem Grußwort auch an die Gläubigen unserer Kirche, die in Innsbruck leben, wo in diesem Jahr zum ersten Mal ein Ostergottesdienst gefeiert wird. Ich hoffe, dass mit Gottes Hilfe auch in Tirol regelmäßig Gottesdienste stattfinden werden, aber dazu bedarf es vor allem Ihrer eigenen Initiative und Ihres Wunsches nach einem vollwertigen kirchlichen Leben.

Geliebte Kinder unserer Heiligen Kirche! Die Gegenwart und Zukunft der Russischen Orthodoxie liegt in unseren Händen. Seien Sie deshalb nicht passive Gläubige, die ihre christlichen Pflichten sofort nach dem Gottesdienst vergessen, sondern aktive Mitglieder der Kirchengemeinde, die ihren Beitrag in das Werk der Errichtung der Kirche Christi einbringen. Nicht nur Sie brauchen die Kirche, sondern die Kirche braucht auch Sie. Die Kirche existiert durch Sie, dank Ihrer Teilnahme an ihrem Leben, dank Ihrer geistigen, moralischen und materiellen Unterstützung. Jeder von Ihnen hat etwas, was er mit der Kirche teilen könnte: der eine hat materiellen Reichtum, ein anderer Freizeit, ein dritter Talente und Fähigkeiten, die er zum Nutzen der Kirche einsetzen könnte. Vergraben Sie Ihr Talent nicht in der Erde, setzen Sie es ein, damit es hundertfachen Nutzen bringe und das Leben vieler Menschen in Ihrem Umkreis verändere.

Meine Lieben! Hören wir in dieser lichten Osternacht den an uns gerichteten Aufruf des heiligen Apostels Paulus: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!" (Phil 4,4). Die Freude über die Auferstehung Christi möge nie aus Ihrem Herzen weichen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Nahestehenden Frieden, Freude und Wohlergehen. Der Segen des Herrn sei mit euch allen. Christus ist auferstanden!

Übersetzung aus dem Russischen: Erzdiakon Viktor Schilowsky, DDr. Johann Krammer

    

 

Ostern ist immer

Bischof Hilarion von Wien und Österreich

Die Kirche existiert, dem Himmel zugewandt auf der Erde, sie lebt in der Zeit und atmet doch zugleich Ewigkeit. Ewigkeitswert liegt auch dem kirchlichen Kalender und allen Gottesdiensten des Jahres-, Wochen- und Tageskreises zu Grunde. Im Rahmen eines Jahres gedenkt die Kirche des Schöpfungsplans und erlebt die gesamte Welt- und Menschheitsgeschichte in der göttlichen Heilsabsicht zur Rettung der Menschheit. Im Jahreskreis der Feste läuft das Leben Christi vor unseren Augen ab - von seiner Geburt bis zur Kreuzigung und Auferstehung, das Leben der Gottesmutter - von ihrer Zeugung bis zu ihrem Entschlafen, das Leben aller durch die Kirche verherrlichten Heiligen.

Im Laufe einer Woche und einer Tageseinheit wird diese Geschichte wiederum vergegenwärtigt in den Gottesdiensten. Jeder Kreis hat ein Zentrum, an dem er sich orientiert: Mittelpunkt des Tageskreises ist der Gottesdienst der Eucharistie, Zentrum des Wochenkreises ist der Auferstehungstag und Zentrum des Jahreskreises das Fest der Auferstehung Christi, Ostern.

Die Auferstehung Christi war das bestimmende Ereignis in der Geschichte des christlichen Glaubens. »Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich«, schreibt der Apostel Paulus (1. Korinther 15,14). Wäre Christus nicht auferstanden, wäre das Christentum lediglich eine von vielen Morallehren und religiösen - Weltanschauungen geworden, vergleichbar dem Buddhismus oder dem Islam.

Die Auferstehung Christi legte den Grund der Kirche durch neues Leben und ein neues gottmenschliches Sein, in welchem der Mensch Gott wird, weil Gott Mensch wurde. Das Fest der Auferstehung Christi war, solange es Kirche gibt, der Eckstein des christlichen Kalenders.

Die kirchlichen Feste sind nicht nur einfache Erinnerungen an Ereignisse aus weit zurückliegender Vergangenheit. Sie wollen uns vielmehr mit in jene geistliche Realität hineinnehmen, die hinter ihnen steht und überzeitliche unvergängliche Bedeutung hat für einen jeden von uns. Jeder Christ nimmt Christus als seinen Erretter an, der - ihm zugut - Fleisch geworden ist. Deshalb werden alle Ereignisse im Leben Christi für einen jeden Christen zu einem persönlichen Erlebnis und Teil geistlicher Erfahrung. Das Fest ist also heutige Aktualisierung eines vor langer Zeit erfolgten Geschehens und ereignet sich immer wieder, zeitlos. Zu Weihnachten hören wir in der Kirche »Heute ist Christus in Bethlehem geboren«, zu Epiphanias (dem Fest der Taufe Christi im Jordan) - »Heute wird die Natur der Wasser geheiligt«, zu Ostern - »Heute hat Christus den Tod überwunden und ist auferstanden aus dem Grabe.« Wenn Menschen außerhalb der Kirche sich häufig an die bereits ihren Händen entglittene Vergangenheit halten oder hoffnungsvoll auf die noch bevorstehende Zukunft zugehen, so werden sie in der Kirche aufgerufen in einem »ständigen Heute« zu leben, d. h. in einer realen, »heute« erfolgenden und täglich sich fortsetzenden Gemeinschaft mit Gott.

Daher durchdringt das Fest der Auferstehung Christi, obwohl es nur einmal im Jahr begangen wird, das ganze Kirchenjahr, und österlicher Abglanz liegt auf dem gesamten liturgischen Kreis. Ostern oder Passah ist nicht bloß ein Kalenderdatum. Für den Christen ist Ostern immer, weil er stets die Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus braucht. Der ehrwürdige Serafim von Sarow grüßte das ganze Jahr hindurch seine Besucher mit den österlichen Worten »Christus ist auferstanden«.

  

Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2015:

„Dies ist der Tag, den der Herr geschaffen hat,
lasset uns frohlocken und fröhlich sein!
Pas’cha das Schöne, Pas’cha, des Herrn Pas’cha,
Pas’cha, das hochhehre ist uns aufgegangen.
Pas’cha, umarmen wir einander in Freude.
Oh, Pas’cha, du Erlösung von der Trauer!“



In Freude frohlockt die Kirche. Christus – Treue, Christus – Wahrheit, Christus – Schönheit, Christus – unser Pas’cha: „das Schöne Pas’cha…“.
Wird es denn schön für alle in diesem Jahr?
Durch Gottes Barmherzigkeit werden viele von uns, die wir eifrig gefastet und uns um das Gebet gemüht haben, die aus reinem Herzen Buße getan haben – darauf hoffen können.

Und wie werden die Millionen orthodoxer Christen im Nahen Osten oder in der leidgeprüften Ukraine das Osterfest, Pas’cha feiern?
Wie viele Flüchtlinge harren in Lagern, wie viele retten ihr Leben in der Emigration, beweinen ihre Verwandten und Freunde, oder sind von ihnen getrennt, haben ihre Häuser verloren, entbehren der Grundlagen ihrer Existenz, haben die Schrecken menschlicher und teuflischer Grausamkeit erlebt…

Unsere Erfahrung lehrt uns, dass wenn die Kirche uns nahe ist,
der Gottesdienst, das Gebet, dann wird auch wenn zwei oder drei im Namen des Heilands versammelt sind, dieses Pas’cha – das Fest der Feste – für euch das Schöne sein. Das besagt die Erfahrung unserer Väter, die in den schwierigsten Umständen des Krieges und der Nachkriegszeit Kirchen errichteten. Sie ließen Kirchen buchstäblich aus dem Nichts entstehen, in Baracken, Kellern, stellten liturgische Geräte aus Blech her, schrieben die Texte von Hand und aus dem Gedächtnis. So mühten sie sich um der Buße und des Gebets willen, um zu den heilbringenden Mysterien des Leibes und Blutes Christi hinzutreten, an dem Auferstandenen, dem Erretter-Christus teilzuhaben.

Wie aber wird das Osterfest für viele und aberviele aussehen, die wohl getauft, aber nur dem Namen nach orthodoxe Christen sind, die nicht etwa durch fremdes, sondern durch eigenes Verschulden der geistlichen Zuflucht des Trostes beraubt sind, die ihrem eigenen Vaterhaus – der Kirche, fremd gegenüber stehen, die weder das Gefühl haben, wie wertvoll und wie notwendig das Gebet ist, noch den Sinn der Reue und des Fastens erkennen?
Wie oft begegnen wir Geistlichen solchen Menschen, denen die Sorge um die tiefe Reinigung des Herzens, um die Errettung, unverständlich scheint, die niemals oder nur vor sehr langer Zeit gebeichtet haben? Der Same, der vom Heiland im Mysterium der Taufe gesät wurde, – jener Same, der dazu berufen war, in der Gemeinschaft mit Christus zu wachsen, wurde entweder gestohlen (der Herr Selbst erklärt im Gleichnis vom Sämann: vom Widersacher – dem Teufel), oder er ist vertrocknet, ohne in Geduld Wurzeln geschlagen zu haben, oder er wurde durch die Dornen erstickt – den Hunger nach äußerem Wohlstand, in dem es Gott nicht gibt und nicht geben wird, wie bei dem im Gleichnis des Herrn, „der das Wort hört, aber weltliche Sorgen und der Trug des Reichtums ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht“ (Mt 13, 22).
Wie aber könnt ihr, deren Seelen Gott so wertvoll sind, dennoch die siegreiche Fülle des Festes „des schönen Pas’cha“ erwerben, zu dessen echten Teilhabern werden?

Der Weg ist einer für alle, der einzige für uns alle – das ist der Herr Selbst, der da sprach:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch Mich“ (Jo 14, 6).
Er – der Lebenspender, Der unseretwegen Mensch wurde, mit uns leidet und uns auferstehen lässt, weit öffnet Er uns
„die Tür der Buße“.
Er – der Heiland, der zu Gott Vater empor führt. Er durchlief den irdischen Weg – der Er auf das Kreuz empor stieg, in das Grab mit dem Leib und in den Hades mit der Seele herabstieg, Er vollbringt die grundlegende, dem menschlichen Verstand nicht begreifliche, mit menschlichen Händen nicht zu vollbringende Tat – öffnet uns die Türen der Liebe und der Reue. Lasst uns nun durch diese in die Freiheit heraustreten. Überlassen wir es Christus, unsere Fesseln zu zerreißen, die Höllenketten. Aber hindurchgehen durch die geöffnete „Tür der Buße“ müssen wir selbst: durch unsere Entschlossenheit, unsere Arbeit, unsere Liebe… und unseren Hass!

Ja! Eben durch unseren Hass – auf die Sünde, denn sie hält uns immer noch in Gefangenschaft.

Wahre Umkehr enthält unabdingbar Abneigung, Ekel: entschiedene Abkehr von der Sünde, klaren Willen sie nicht zu wiederholen, der Sünde nicht weiterhin als Sklave zu dienen, so wie wir uns ihr bisher unterworfen haben und in Gefahr sind uns auch weiterhin leichtfertig zu unterwerfen. Ruft doch der Prophet David über die Sünde und die teuflischen Gedanken, die uns dazu treiben: „Gesetzesübertreter hasse ich, doch Dein Gesetz habe ich lieb“ (Ps 118, 113). Wahre Umkehr enthält unbedingt auch das Gebet zu Christus um die Liebe zu Ihm, zu Seinem Licht, zu Seiner Schönheit; um die Festigung in der Tugend.

Ostern wird für uns wahrlich schön, wenn wir diese „Frucht bringen, die der Umkehr entspricht“ (Mt 3, 8). Wenn uns das böse und überhebliche Verurteilen fremd wird, das sich in die Gewänder vermeintlicher Gerechtigkeit kleidet. Wenn wir keinerlei von Gott geschaffenes Geschöpf zu verachten wagen – wer es auch sei: reich oder arm, gebildet oder einfach, sei er Russe oder Ukrainer, Jude oder Deutscher, Grieche oder Türke.

Um dieses Wunders willen wurden wir in das Wasser der heiligen Taufe getaucht, um durch die Buße verwandelt zu werden, aufzuerstehen. Die Buße nagelt uns an Christus an, lässt uns mit Christus auferstehen, führt uns aus der Tiefe der Hölle heraus, und öffnet uns in Christus das Paradies.

Das „Schöne Pas’cha“ – Christus – verleiht uns die ersehnte Freiheit und Frieden, gutes Stehen in der Wahrheit und Wohlergehen.

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Berlin-München
Auferstehung Christi 2015

 

 

 

 

 

Auf dem Weg zum leeren Grab

Philipp Harnoncourt, Graz

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit wohlriechenden Salben , die sie selbst zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab, in dem Jesus bestattet worden war. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war. Sie gingen in das Grab hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Während die Frauen ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden! Erinnert euch doch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen." Da erinnerten sie sich an seine Worte. Sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern. Es waren Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; und auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. Doch die Apostel hielten das alles für leeres Geschwätz und glauben den Frauen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort liegen.Dann ging er nach Hause - voll Verwunderung über das, was geschehen war. (Lukas 24, 1-12)

Das Evangelium der Osternacht, das eben vorgelesen worden ist - es ist wiederum vom Evangelisten Lukas geschrieben, wie das vom Palmsonntag und das vom Ostermontag -, spricht von einem Weg, wie diese beiden anderen.

Frauen gehen am dritten Tag nach dem Tod Jesu in aller Frühe zu seinem Grab, um ihm wenigstens noch jenen Dienst zu erweisen, der zwischen seiner Abnahme vom Kreuz und seinem sehr eilig vorgenommenen Begräbnis nicht mehr möglich war, ohne sich unrein zu machen.

Sie hätten am jüdischen Ostermahl nicht teilnehmen können, wenn sie nach Sonnenuntergang einen Leichnam berührt hätten, und außerdem war der folgende Tag auch noch ein Sabbat.

Jetzt aber wollten sie den Leichnam Jesu salben. Ihre große Zuneigung zu ihm kommt darin zum Ausdruck, dass sie selbst die wohlriechenden Salben bereitet hatten.

Niemand von den Menschen, die Jesus begleitet haben, erwartet ein Wunder. Er, auf den sie ihre Hoffnungen gesetzt haben, er, der Tote auferweckt hatte, er war jetzt selbst tot.

Die Repräsentanten der offiziellen Religion - die Ältesten, die Schriftgelehrten und die Hohenpriester - hatten seine Hinrichtung verlangt; ein aufgewiegelter Mob hatte lautstark seine Kreuzigung gefordert; und die Inhaber der politischen Macht - der bedeutungslose Schattenkönig Herodes der Jüngere und der römische Statthalter Pontius Pilatus hatten schließlich zugestimmt.

Wie eine riesige Seifenblase war das vielversprechende Wirken Jesu geplatzt und vernichtet.

Die Männer, die zu Jesus gehört hatten - seine Apostel und die übrigen Jünger - waren zwar anscheinend noch irgendwo in Jerusalem beisammen, aber ein Gang zum Grab lag ihnen fern. Zu groß war ihre Enttäuschung, vielleicht sogar ihre Verbitterung darüber, einige Jahre mit diesem Wunder-Rabbi vertan zu haben. Manche hatten schon von ihren großen Karrieren in seinem geträumt.

Einige machen sich schon bereit, um diesen Kreis schleunigst zu verlassen.

Wir haben auch heute - ebenso wie schon am Palmsonntag - zu beachten, dass die Evangelisten ihre Berichte nicht in den Tagen der geschilderten Ereignisse niedergeschrieben haben, gleichsam als Protokoll des Geschehens, sondern erst viel später, als sie bereits Zeugen des Glaubens an die Auferstehung Christi waren.

Umso erstaunlicher ist es, in wie schlechtem Licht sie sich selbst darstellen.

Die Frauen kommen allerdings etwas besser weg.

Wann immer in den Evangelien von Wegen gesprochen wird, auf denen sich etwas ereignet, gibt es neben dem oder hinter dem, was geschildert wird, etwas Besonderes zu beachten: einen Prozess - das heißt wörtlich einen Vorgang - der Glaubensbedeutung enthält. Glauben ist ja ein solcher Vorgang, eine Bewegung in einer bestimmten Richtung, gewissermaßen ein Sich-verlassen-auf. In jedem Vorgang bleibt etwas zurück, und Neues wird erreicht.

Der Weg der Frauen zum leeren Grab ist der zaghafte Beginn des Weges zum Glauben an die Auferstehung. Aber dieses Ziel ist noch weit entfernt.

Der Bericht lässt aber den aufmerksamen Hörer österliche Zeichen in manchen Bemerkungen erkennen. Die nachösterlichen Berichterstatter haben es nicht verabsäumt, verschlüsselte Hinweise auf die Auferstehung in ihre Texte einzubauen.

° Da ist einmal die Zeitangabe am Beginn des Berichtes: Am Ersten Tag der Woche. Der Erste Tag der Woche - nach unserer Wochentagsordnung immer der Sonntag - ist Gedächtnis des ersten Schöpfungstags, an dem Gott spricht: Es werde Licht!, und an dem der Schöpfer scheidet zwischen Licht und Finsternis. Die Erschaffung des Lichts, das Werk des ersten Schöpfungstages, ist vollendet im Sieg des ewigen Lichts über die Finsternis von Sünde und Tod. Für die Christen wird dieser Tag zu ihrem Urfeiertag, im Gedenken an jenen Tag, an dem Christus von den Toten erstanden und seinen Jüngern erschienen ist.

° Es folgt der Hinweis auf den Stein, der vom Grab weggewälzt war. Im österlichen Psalm 118 ist vom Stein die Rede, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist, zum Stein des Anstoßes, zum Stein der zwei Wege scheidet, zum großen Prüf-Stein zwischen Leben und Tod.

° Das leere Grab weckt zunächst keinen Auferstehungs-Glauben; es lässt - wie später zu sehen und zu hören ist - verschiedene Deutungen zu: vom gestohlenen Leichnam bis hin zu dem der aus dem Scheintod erwacht und aus dem Grab geflüchtet ist, um irgendwo im Osten ein neues Leben zu beginnen.

° Zwei Männer in leuchtenden Gewändern traten zu den Frauen. Es sind zwei, das heißt, sie haben eine glaubwürdige Botschaft authentisch zu bezeugen. Und sie tragen leuchtende Gewänder, das heißt sie sind Boten des Himmels.

° Noch ehe sie den Frauen ihre Botschaft kundtun, stellen sie jene bedeutungsschwere Frage, die den unüberhörbaren Vorwurf mangelnden Glaubens enthält: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier! Als Gefolgsleute Jesu hätten sie doch wissen müssen, dass ihn der Tod nicht festhalten kann.

° Jetzt erst folgt die neue Oster-Botschaft Er ist auferstanden! und dazu die Ergänzung, dass er ja vorausgesagt habe, er werde gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.

Anders als im Bericht von Matthäus und Markus findet sich bei Lukas keine Aufforderung an die Frauen, den Aposteln die Auferstehung Jesu mitzuteilen, aber sie gehen und berichten ihnen, was sie gehört und gesehen haben. Sie tun es beinahe ängstlich, als wären sie sich dessen, was sie erlebt haben, selbst nicht sicher!

Tatsächlich halten die Männer die Erzählung der Frauen für haltlose Phantastereien.

Allein Petrus macht sich auf den Weg, um sich selbst ein Bild vom Geschehen zu machen. Aber auch er kommt über eine große Verwunderung über alles, was geschehen war, noch nicht hinaus!

Der Weg zum leeren Grab, auch der Bericht vom leeren Grab und sogar der Lokalaugenschein beim leeren Grab führen noch nicht zum Glauben an die Auferstehung.

Erst der Auferstandene selbst - und nur er selbst! - bringt den Seinen die Gewissheit, dass er auferstanden ist.

Was für ein Trost für alle, die zweifeln - damals und heute!

 

Die Fülle der Freude in den Gottesdiensten der Ostertage
von Martin Petzolt

Die byzantinische Osternachtsfeier ist auch bei Deutschen seit vielen Jahren beliebt und etabliert. Viele besuchen jährlich den feierlichen Gottesdienst der Russen, Griechen oder Serben, der in allen größeren Städten stattfindet oder gehen zu einer deutschsprachigen orthodoxen Gemeinde. Der Osterjubel gipfelt in dem Hymnus „Christos voskrese“, „Christos anesti“, „Christus ist auferstanden von den Toten, im Tode hat er den Tod zertreten, und denen in den Gräbern Leben geschenkt“.

Zu Beginn der Osternacht nach der Prozession um die verschlossene, noch dunkle Kirche wird er angestimmt und in der Nacht, in der folgenden Oktav und in der gesamten Osterzeit unzählige Male wiederholt. Desgleichen begrüßen sich von nun ab die Gläubigen mit dem Gruß:

„Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaft auferstanden!“

Doch ist das Auferstehungsevangelium, das vor der Kirchentüre mit brennenden Osterkerzen in der Hand gelesen wird (Mk 16,1-8), gar nicht die erste Verkündigung der Auferstehungsbotschaft im Gottesdienst. Schon vor der Osternacht wird ein Gottesdienst gefeiert, der auf der Schwelle der Passion mit der Grablegung zum Ostermorgen steht und die Auferstehung ankündigt. Diese Vesper des Karsamstag, mit der der Sabbat und die Grabesruhe enden und der neue Tag des Ostern anbricht, hat bereits ein Auferstehungsevangelium (Mt 28,1-20), übrigens (mit Erweiterung) das Erste der Reihe der 11 Auferstehungsevangelien, in der das Evangelium zu Beginn der Osternacht das Zweite ist. In diesem Vespergottesdienst werden zum Evangelium die schwarzen Zelebrationsgewänder gegen österlich weiße und vergoldete ausgetauscht. Mit dem Ruf: „Steh auf, Gott, richte die Erde“ (Ps 81) verstreut der Priester in der ganzen Kirche grüne Blätter, die über Ostern liegen bleiben. Vorher schon wurde die alttestamentliche Prophetie der Auferstehung in 15 Lesungen vorgetragen und eventuell Kinder getauft. Auch die Hymnen zum „Herr, ich ruf zu dir“ weisen auf die Auferstehung und kündigen sie an: Der Hades kann Christus nicht halten, vielmehr geht er durch ihn zugrunde. Denn dieser beraubt den Hades seiner Beute und vernichtet den Tod durch seine Auferstehung. Schließlich gehen in der anschließenden Basiliosliturgie viele Gläubige bereits zur Osterkommunion, zumal sie bis zu diesem Gottesdienst, der wohl auch deshalb auf den Samstagvormittag gerückt ist, die strengen Fasten- und Nüchternheitsgebote eingehalten haben. Die Fastenzeit endet mit dem Auferstehungsgottesdienst und der Eucharistiefeier in der Osternacht.

In Griechenland nehmen die Gläubigen von dem Osterlicht das Feuer mit nach Hause, um damit die Kohlen anzuzünden, über denen die Osterlämmer gebraten werden. Nebelartig sind die Dörfer von fettem Dampf eingehüllt. Auch die Russen lassen in der Nacht die neuen Speisen, auf die während der gesamten Fastenzeit verzichtet wurde, segnen, symbolisiert im Kulitsch, einem Hefekuchen mit viel Ei und Butter, und der Paschatorte aus Quark, Butter und Ei, geschmückt mit Auferstehungssymbolen und dem Ostergruß. Oft, vor allem in den Klöstern, bleibt man nach dem Nachtgottesdienst noch zum gemeinsamen Essen, genannt Agape oder Liebesmahl, bei dem es nur noch Speisen und Getränke gibt, die vorher lange entbehrt wurden: Milch, Wein, Eier, Käse, Butter und – in den meisten Klöstern allerdings nicht – Fleisch.

Die Osterfeierlichkeiten, von der Vesper angefangen über die Osternacht mit dem freudigen Osterkanon des Johannes von Damaskus bis zum Ostermahl, haben noch einen weiteren Höhe- und Schlusspunkt: die Ostervesper, auch Vesper der Liebe (Esperinós tis agápis) genannt. Zu diesem Gottesdienst werden noch einmal die schönsten Gewänder angelegt, alle Kerzen angezündet, und mancherorts eine feierliche Prozession mit der Osterikone gemacht, da sie in der Nacht aus der Kirche zum Agapemahl geleitet wurde. Ganz sicher ist diese Vesper der fröhlichste Gottesdienst. Er steht nicht mehr an der Schwelle zum Auferstehungsfest, hat keine nächtliche Prägung mehr, ist nicht mehr vom Fasten bestimmt. Mittlerweile hat ein fröhliches Mahl stattgefunden, und alle sind gewissermaßen mitten in der Osterfreude. Die Vesper fällt zunächst dadurch auf, dass sie (zumindest im liturgischen Buch) sehr kurz ist. Es kommen überhaupt keine Psalmen vor, nicht einmal der Vesperpsalm 103. Nach dem mehrfachen Ostertroparion mit den Zwischenversen, mit denen die Osternacht begonnen hat, folgt gleich das „Herr, ich ruf zu dir“ mit den Sonntagsstichiren im Zweiten Ton. Darauf folgt eine weitere Verkündigung der Auferstehungsbotschaft im Evangelium (Job 20,19-25). Es ist die Perikope von der Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern am Abend des ersten Tages der Woche, eben dem Zeitpunkt, der sich mit der gerade gefeierten Vesper trifft. Diese schließt ja auch den ersten Tag der Woche, den Ostertag ab. Jesus zeigt seine Kreuzigungswunden, schenkt ihnen den Heiligen Geist und sendet sie aus mit der Vollmacht der Sündenvergebung. Während die Osternachtsliturgie mit dem Johannesprolog als Evangelium die neue Leseordnung beginnt, hören die Gläubigen in der Vesper somit wieder eine Auferstehungsverkündigung. Bei den Griechen ist es Brauch, dieses Evangelium, das ja von der Sendung der Jünger in die Welt handelt, in möglichst vielen Sprachen zu lesen, vor allem in den Klöstern und in Westeuropa, wo ja tatsächlich Menschen verschiedener Muttersprache gemeinsam Ostern feiern. Die Russen pflegen diesen Brauch in der Osternachtsliturgie. Darauf folgen die Freudenhymnen, die auch bereits in der Osternacht zur Laudes gesungen wurden und die Liebesgemeinschaft bekräftigen, die alle Erlösten verbindet, in der Eucharistie, im Liebesmahl und im gemeinsamen Lobpreis. Zum Psalmvers: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, lasst uns frohlocken und uns freuen an ihm“ lautet die Hymnenstrophe:

„Freudenpascha, Pascha des Herrn, Pascha. Das allverehrte Pascha ist uns aufgegangen. Pascha, in Freude lasst uns einander umarmen. O Pascha, Erlösung von Trauer. Denn aus dem Grabe wie aus einem Brautgemach, ist Christus aufgestrahlt. Die Frauen erfüllte er mit Freude, da er sprach: Bringt Kunde den Aposteln.“

Kann man deutlicher die Osterfreude und die daraus entspringende Liebe charakterisieren? In der Auferstehung gründet die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden, die immer auch eine Gemeinschaft der Liebenden sein muss. Nach dem „Ehre dem Vater“ folgt als Schlussstrophe:

„Der Auferstehung Tag! Strahlend prächtig lasst uns sein zum Fest und lasst uns einander umarmen. Lasst uns ‘Brüder’ sagen, auch zu denen, die uns hassen. Einig lasst uns in allem sein durch die Auferstehung. Und so lasst uns rufen: Christus ist auferstanden von den Toten, im Tode hat er den Tod zertreten, und denen in den Gräbern Leben geschenkt.“

Die Umarmung und geschwisterliche Liebe prägt tatsächlich das österliche Freudenfest. Schon vor der Osterkommunion bitten die Menschen sich gegenseitig persönlich um Vergebung. Und wenn in diesen Tagen so oft der Ostergruß gewechselt wird, und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch auf der Straße, im Geschäft, bei der Arbeit oder am Telephon, und wenn dazu auch noch der Osterkuss getauscht wird, dann wird etwas von der Erlöstheit der Christen sichtbar. Friedrich Nietzsche, der kritisierte, die Christen würden nicht erlöst wirken, hat wohl keine Vesper der Liebe und kein orthodoxes Ostern erlebt. Nach den Gesängen oder auch schon währenddessen kommen die Gläubigen zum Handkuss und Ostergruß nach vorne zum Patriarchen, Bischof, Abt oder Pfarrer und erhalten wie in der Osternacht noch einmal ein rotes Osterei. Aber die Osterfreude ist so groß und tief, dass sie hiermit nicht endet, sondern eine ganze Oktav in der Feier der Liturgie ihren Ausdruck findet. An jedem Tag wird der Osterkanon des Johannes wiederholt, die Osterstichiren der Laudes und Vesper bleiben dieselben, die Kleinen Stunden beinhalten nur Osterhymnen und die Gebete zur Stunde, die Blätter der Vesper vor der Osternacht bedecken den Boden der Kirche. Schließlich bleiben die Türen der Ikonostase geöffnet. Denn der Altar symbolisiert auch das Grab, wie dies an jedem Sonntagmorgen deutlich wird, wenn der Priester das Auferstehungsevangelium seitlich am Altar wie der Engel im Grab verkündet. Dieses ist leer, denn:

„Christus ist auferstanden! - Er ist wahrhaft auferstanden!“

aus: Der Christliche Osten, Jahrgang XLVII,1992/2, S. 83ff.
hier aus St.Andreas Bote

RUSSISCHES OSTERBRAUCHTUM-12

Des recettes pour le temps de Pâques

Sur l’Internet, plusieurs sites donnent des recettes de différents pays de plats préparés durant la période pascale.
Voici une sélection.

Pour commencer, voir cette page qui donne quelques explications sur les desserts et pâtisseries pascales. De nombreuses recettes, de différents pays d’Europe, sont proposées ici. C’est aussi le cas de cette autre page spécialisée dans les desserts ou encore de ces deux pages surtout consacrées aux desserts en chocolat. On trouve aussi des recettes de la paskha (terme orthographié de différentes manières) : deux sur ce site, une ici parmi d’autres recettes russes, ou encore ici. On trouve également des recettes grecques, comme celle du tsoureki, des biscuits de Pâques (Koulourakia lambriatika). Enfin, parmi d’autres, une recette pascale occidentale, vendéenne plus précisément : l’alise pacaude (ou ici), aussi appelée galette pâquaude ou pain de Pâques.


ХИМН 
НА 
СВЕТИТЕ БРАТЯ КИРИЛ И МЕТОДИ 

В ИЗПЪЛНЕНИЕ НА ДЕТСКИЯ ХОР НА БНР




ORTHODOX  CHRISTIAN  FAITH   in  AUDIO:   http://ourlifeinchrist.com

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Stefan Gross