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Erzpriester
Vater SERGIUS Heitz
ist am 7. Oktober 1998,
am Vorabend der Gedaechtnisfeier des Heiligen
Sergius von Radonesch alten Stils,
im Alter von 90 Jahren und vier
Monaten
aus der Muehsal dieses Aeons
"vom Vater des Lichtes, bei
welchem keine Veraenderung ist, noch Wechsel des Lichtes und der
Finsternis " (Jak 1:17)
zum Dienst im himmlischen Heiligtum abberufen
worden .
Der bewegte Lebensweg, auf den ihn Gott gefuehrt hat, hat ihm weite
Horizonte eroeffnet,
seine Lebensaufgabe blieb aber stets, der
Orthodoxie im Westen einen fuer alle Christen zugaenglichen Raum zu
schaffen.
Bis zuletzt hat er fuer die Festigung der deutschsprachigen
Orthodoxie gekaempft,
sich abgemueht und sich trotz mannigfacher
Hindernisse nicht entmutigen lassen.
Auch die Wechsel zwischen
verschiedenen orthodoxen Jurisdiktionen,
die man ihm mancherorts
oberflaechlicherweise vorgeworfen hat,
entsprangen in erster Linie
der Sorge um die Weiterexistenz der deutschsprachigen Orthodoxie.
Dieser seiner Sorge verdanken wir nicht nur seine Buecher "Der
Orthodoxe Gottesdienst",
die zuletzt unter dem Titel "Mysterium der
Anbetung" in mehreren Baenden erschienen sind,
sondern auch den
Katechismus " Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit "
wie auch
einen Predigtband, unzaehlige Beitraege in Fachzeitschriften sowie
die inhaltliche Planung und Gestaltung seiner eigenen Zeitschriften
"Orthodoxie aktuel " , danach "Orthodoxie in der Gegenwart"
und nicht
zuletzt
GRUENDER und GEISTLICHER VATER
unserer "ORTHODOXEN
FRATERNITAET in DEUTSCHLAND".
Vater Sergius hat erst in diesem Jahr seinen Lebenslauf in
Stichworten diktiert,
vor allem um die aus Anlass seines 90.
Geburtstags veroeffentlichten Angaben zur Biographie
richtigzustellen.
Als er dann mit seinem Diktat fertig war meinte er,
dies sei ein Nekrolog. Er sollte recht behalten.
06.06.1908
geboren in Grafenstaden bei Strassburg im Elsass
24.06.1908
r.-k.
getauft im Strassburger Muenster
1919-1924
r.-k.
Bischoefliches Gymnasium in Strassburg
1924-1931
Studium an der roemisch-katholischen theologischen Fakultaet der Universitaet
Strassburg;
befreundet mit orthodoxen Theologen wie
- Chrysostomos Koronaeos,
dem
letzten Direktor der Hochschule von Chalki,
- Patriarch Justin von
Bukarest,
- Metropolit Philaret, Koregent des minderjaehrigen bulgarischen
Zaren,
- Archimandrit Benedict Ghius, dem spaeteren Reformator des
rumaenischen Moenchtums und Gruender der akademischen Gemeinschaft
vom "Brennenden Dornbusch"
16.07.1931
r.-k.
Lateinische Priesterweihe
1935-1945
r.-k.
Pfarrer in Hartmannsweiler im Oberelsass;
Gruendung eines oekumenischen Arbeitskreises zwischen Lutheranern und
Katholiken;
Mitarbeit an der evangelischen Zeitschrift "Kirche und Liturgie";
Mitherausgeber einer kirchlichen Wochenschrift "Der Sonntag", die
1942/43 von den Nationalsozialisten verboten wurde;
Herausgabe eines Gesang- und Gebetsbuches fuer die Dioezese
Strassburg: "Jubilate";
1936 erstes Mal Gemeindefeier der Ostervigil;
befreundet mit Abt Ildefons Herwegen in Maria Laach und Prof.
Johannes Pinsk in Berlin.
1945-1947
r.-k.
Studentenpfarrer in Paris;
Vizepraesident von "Istina";
regelmaessige Besuche bei Studienfreunden in Rumaenien
1946-1948
Stellvertretender r.-k. Generalvikar
fuer Auslaendische Katholiken und
Auslaendische Nichtkatholiken in Frankreich
24. Juni 1948
Aufnahme in die Orthodoxie
Heirat mit Iljena Alexandrowna Gregorian
1. Maerz 1949
Weihe zum Priester fuer die franzoesischsprachigen Glaeubigen des
Patriarchats Moskau in Paris;
Herausgeber der orthodoxen Zeitschrift "Dans l´ Esprit et la Verite";
Dozent am Institut Orthodoxe Saint-Denis (Patriarchat Moskau);
befreundet mit Vladimir Lossky, Paris und Alexej Hackel, Berlin
Herbst 1949
Hausgeistlicher in Rueschlikon/Zuerich, um die oekumenischen
Beziehungen nicht zu belasten.
Mai 1950
Geburt und Tod des Sohnes Sergius
Herbst 1950
zurueck nach Paris, da die Schweiz keine Aufenthaltsgenehmigung
erteilte
1952
Geburt der Tochter Olga in Paris
Oktober 1956
Auf Anraten und Empfehlung von
Erzbischof Ioann (Maximovitsch) von
Shanghai und spaeter San Franzisko,
damals Bischof der Russischen
Kirche im Ausland in Versailles
und im Auftrag des
rumaenischen
Metropoliten Vissarion von Cernovic (Bukowina),
damals im Pariser
Exil:
Uebersiedlung nach Deutschland mit Wohnsitz in Duesseldorf;
Gruendung einer deutschsprachigen Gemeinde
1958
Erste Osternacht in der Jan-Wellem-Kapelle an der Faehrstrasse 95,
Duesseldorf;
Herausgabe von "Orthodoxie Heute"
1966
Ernennung zum Erzpriester anlaesslich der Herausgabe von
"Der
Orthodoxe Gottesdienst Bd.1: Goettliche Liturgie und Sakramente",
Mainz (Matthias Gruenewald Verlag) 1966
1969
Beginn des trotz aller Enttaeuschungen und Muehen bis zu seinem Ableben engagiert durchgehaltenen
orthodoxen theologischen Unterrichts an Samstagen in Duesseldorf, zunaechst in einer Privatwohnung, dann in der Trapeza der Faehrstrasse, der Ellerstrasse und im Alexianerkrankenhaus.
Die ersten Teilnehmer waren Arnold und Henk Pijnenburg (heute Erzpriester Chrysostomus),
Stephan Bakker (heute Protopresbyter Stephan) und Louis Berger (heute röm.-kath. Pfarrer in Kijkduin), spaeter Diakon Johannes Nothhaas und Heinz Becker Komuß
1970/71
Beschaffung eines geeigneten Gebaeudes als Residenz fuer den
zukuenftigen Erzbischof von Duesseldorf und Nordwestdeutschland
(Patriarchat Moskau)
in der Ellerstrasse in Duesseldorf
Mai 1972
Nach Einfuehrung des neuen Erzbischofs von Duesseldorf und
Nordwestdeutschland
Alexis (van der Mensbruegghe)
Teilnahme am
Landeskonzil der russischen Kirche in Sagorsk (Sergiev Posad),
anbei Verleihung der
Mitra von Patriarch Pimen.
Ab 1973
Teilnahme an Kongressen der schwedischen Sektion der
Fellowship
St.Alban und St.Sergius in Upsala;
GRUENDUNG der "ORTHODOXEN FRATERNITAET fuer die deutschsprachigen
Gemeinden"
1974/75
Voruebergehender Wechsel in die russische Dioezese des Patriarchats
Konstantinopel
(Paris, rue Daru),
da " Erzbischof Alexis dem
Gemeindeverein eine Satzungsaenderung aufzwingen wollte,
der die
Gemeinde voellig entmuendigt und politischer Willkuer preisgegeben
haette
(drohende Registrierung und Meldung der Gemeindemitglieder
nach Moskau und exklusive Verfuegungsgewalt ueber die Finanzen durch
den Erzbischof) "
-woertlich zitiert nach Vater Sergius Diktat;
Erscheinen der 1. Auflage von "Christus in euch: Hoffnung auf
Herrlichkeit",
Orthodoxes Glaubensbuch fuer erwachsene und
heranwachsende Glaeubige,
hrsg. von Sergius Heitz als Supplement der
Zeitschrift "Orthodoxie Heute",
erarbeitet von Susanne Hausammann und
Sergius Heitz.
Spaeter ins Niederlaendische, Franzoesische und
Bulgarische uebersetzt.
1986
Erscheinen von "Mysterium der Anbetung, Bd. 1:
Goettliche Liturgie
und Stundengebet der Orthodoxen Kirche",
hrsg von Sergius Heitz,
uebersetzt und bearbeitet von Susanne Hausammann und Sergius Heitz,
Luthe-Verlag, Koeln
nach dreijaehriger Unterbrechung neue Folge von "Orthodoxie Heute"
(bis zum 16. Heft, 1991/ II)
1988
Erscheinen von "Mysterium der Anbetung Bd. III:
Die
Mysterienhandlungen der Orthodoxen Kirche und das taegliche Gebet der
Orthodoxen Glaeubigen",
Luthe-Verlag, Koeln
6. August 1992
Gesuch um die Wiederaufnahme in das Patriarchat Moskau mit der
Begruendung,
dass einerseits durch die neue politische Situation die
damalige Bedrohung vorueber sei
und zudem die deutschsprachige
Orthodoxie im Patriarchat Moskau besser aufgehoben erscheine,
da
andere Jurisdiktionen mehr an der Pflege ihres eigenen kulturellen
Erbes interessiert seien.
Oktober 1992
Aufnahme ins Patriarchat Moskau;
Verlust der Kirche an der Faehrstrasse 95, Duesseldorf an den 2.
Priester;
Neugruendung mit Unterstuetzung durch Diakon Stefan Gross,
den spaeteren Diakon Damian Langenscheidt und Priester Johannes Nothhaas
und einen Teil der Gemeindemitglieder aus Duesseldorf
der Gemeinde "zum Heiligen Michael und den Heiligen Koerperlosen
Maechten"
zuerst in der Korneliuskapelle und dann im Alexianer Krankenhaus
in Neuss bei Duesseldorf.
1994
Verbesserte und erweiterte Neuauflage von "Christus in euch: Hoffnung
auf Herrlichkeit"
in Zusammenarbeit mit der serbisch-orthodoxen
Moenchsskite des Heiligen Spyridon in Geilnau-Lahn,
Text typographisch überarbeitet von Protodiakon Stefan Gross
erschienen in Goettingen
(Vandenhoek und Rupprecht)
1996
Mitarbeit an der Nachfolgezeitschrift von "Orthodoxie Heute":
"Orthodoxie in der Gegenwart" hrsg. vom Klimmeck-Verlag, Schliern
(bisher 8 Hefte)
(aus der auch dieses In Memoriam zum Teil
uebernommen wurde - Anm.des Homepage-Herausgebers)
Vater Sergius hat ein erfuelltes Leben vollenden duerfen.
Er hatte
immer seine Arbeit fuer die deutschsprachigen orthodoxen Glaeubigen
vor Augen.
Dabei bedeutete die Aufnahme in die Orthodoxie bei ihm
nie, dass der Konvertit seine eigene Kultur, Mentalitaet und sprache
ablegen sollte, wenn er orthodox werden wollte.
Vater Sergius liess
es nicht zu, dass der universelle Anspruch der Orthodoxen Kirche
durch solche Opfer eingeengt wuerde.
Auf der Suche nach dieser im
geistlichen und theologischen Sinne weiten Konzeption, was Orthodoxe
Kirche sei, war seine Gemeinde zu den Heiligen Erzengeln zu
Duesseldorf die Anlaufstelle fuer alle in diesem Sinne Suchenden.
Denn jede nationale Ausrichtung des Aufbaus einer Orthodoxen Kirche
in der Diaspora - so wichtig diese im Anfang zur Sammlung und
pastoralen Betreuung auch ist - verliert nach der zweiten, dritten
Generation ihre geistliche Tragkraft, wenn die Kinder und Enkelkinder
der eingewanderten Vaeter und Grossvaeter die Sprache ihrer Vorfahren
im Gottesdienst nicht mehr verstehen.
Fuer diese Situation in der
Zukunft hat Vater Sergius Vorarbeitet geleistet, dass die Orthodoxe
Kirche bereit ist, die in Deutschland aufgewachsene neue Generation
aufzunehmen und deren Verlust fuer die Orthodoxie zu vermeiden.
(letzter Abschnitt weitgehend zitiert nach Pfarrer Johannes Nothhaas,
Mainz)
Da Vater Sergius mit ganzem Herzen und bis zuletzt mit vollem Einsatz
Liturg und Priester
war,
geziemt es sich,
mit einem auch an seinem
Grabe gesprochenen Priestergebet zu schliessen: