Kloester: Wurzeln intensiven Christentums

Letzte Aenderung:
Vorabend des Thomassonntags
18.04.1999


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Hl.BERG ATHOS        Kloester in BULGARIEN        DEUTSCHLAND


Kloester sind fuer uns orthodoxe Christen von besonderer Wichtigkeit.

Das Leben der Moenche erinnert uns daran, dass wir dazu berufen sind, in dieser Welt zu leben,
aber "nicht von dieser Welt zu sein."

Besonders in unserer Zeit mit ihrem ungezuegeltem Streben nach materieller Bereicherung und ungehemmter Sucht nach schnell vergaenglichem Vergnuegen,
ist das alternative Lebensmodell der Moenche eine wichtige Orientierungshilfe.

Hl.Antonius und Wuestenvaeter


Besuch bei den Vätern auf dem Heiligen Berg Athos



Orthodoxe Kloester in BULGARIEN



 


 

 

Moenchsskit-Hl.Spyridon
Geilnau/Lahn

Vater Abt: Sīchi-Archimandrit BASILIUS (Grolimund)

 

 

 

Deutsches Orthodoxes Hl. Dreifaltigkeitskloster Buchhagen,Bodenwerder
Vater Abt: Sīchi-Archimandrit JOHANNES (Pfeiffer)







Deutsches Orthodoxes Dreifaltigkeitskloster 37619 Buchhagen :

Besuch bei den Vätern auf dem Heiligen Berg Athos

 

Freuet Euch in Christo alle Zeit !

 

Vom Heiligen Berg zurückgekehrt möchten wir euch an dem Segen, den uns die Väter von dort mitgaben, und an den reichen und wertvollen Eindrücken teilhaben lassen.

 

Durch den Beistand der allheiligen Mutter Gottes Maria und dank der persönlichen Beziehungen unseres höchstgeweihten Metropoliten Symeon von West- und Mitteleuropa hatten wir seit 14 Jahren wieder eine hochoffizielle Einreisegenehmigung aus Konstantinopel erhalten, direkt von Patriarch Bartholomäos. Am Donnerstag den 4. März machten wir uns auf den Weg, übernachteten bei geistlichen Schülern in Hannover, die uns am frühen Morgen des 5. zum Flugplatz brachten. Nach einem unruhigen Flug kamen wir glücklich in Thessaloniki an, wo wir Vtr. Gerassimos, andere Väter und Freunde trafen. Gemeinsam besuchten wir den Tempel der göttlichen Weisheit, Hagia Sophia, andere alte byzantinische Kirchen und einige Ikonenmalstudios am Platz der heiligen Weisheit. Das erste Wochenende konzelebrierten wir in der Gemeinde von Vtr. Gerassimos, in der reichlich überfüllten Dorfkirche von Sana und genossen die herzliche Gastfreundschaft der dortigen Christen. Am Montag früh um 6.00 ging dann der Bus nach Himmelsstadt (Uranoupolis) und um 9.00 trug uns die Fähre in den heiligen Bezirk. Es war eine tiefe Freude, nach 7 Jahren wieder Athosluft zu schnuppern.

 

Athoshauptort KARYES

Die ersten Tage blieben wir in Karyes bei Vtr. Gerassimos, wo es viel zu erzählen und zu besprechen gab und wo wir später noch etliche seiner neuen geistlichen Schüler kennenlernten. Im Kellion Buraseri, wo wir über die gewaltige Bautätigkeit staunten, wollten wir eigentlich nur den Weg zu einem Einsiedler erfragen, kamen aber dabei ins Gespräch und wurden dreifach eingeladen, zu bleiben. Dass wir keine Chorkleidung dabei hatten, wurde als Entschuldiging nicht akzeptiert; der Gastvater gab uns aus der Kleiderkammer Chormäntel, Skufia und Kukullen, damit wir ordentlich am Gottesdienst teilnehmen konnten. Ein Mönch erhielt eigens den Segen uns den Weg zu dem versteckt liegenden Einsiedlerhäuschen zu führen; einen wunderbar verträumten Waldpfad. Vtr. Chariton, einen ehemaligen Mitbruder aus Kutlumusiu, trafen wir aber nicht an, so kamen wir schon eine Stunde vor der Vesper wieder nach Buraseri. Es leben dort 25 Mönche, u.a. der begnadete Ikonenmaler Vater Arsenios, der auch die alte, ehemals russische Kirche wunderbar im neubyzantinischen Stil ausgemalt hat. Das Mitternachtsgebet begann nachts um 1.30, anschließend Orthros bis etwa um 5.00, dann gab es 2 Stunden Pause und um 7.00 die kleinen Stunden und Liturgie, anschl. Trapeza. Wir wurden aufgefordert, einige Stücke im deutschen Choral zu singen, der übrigens nicht nur hier, sondern überall mit Bewunderung aufgenommen wurde.

Am nächsten Tag machten wir uns nochmals auf den Weg zu dem Einsiedler. Er berichtete von anderen, z.T. inzwischen verstorbenen Einsiedlern aus seiner Nachbarschaft, besonders von einem Narren in Christo, der die Gabe der Hellsichtigkeit besaß. Er bestätigte, dass die Gnade der Schau des ungeschaffenen Lichtes auf Athos erheblich verbreiteter sei, als man gemeinhin annehme.

Von Karyes aus besuchten wir ein anderes Kellion, das der Verkündigung (25.März) geweiht ist. Den Abt, Vtr. Chrysostomos, hatte ich während des Prozesses von Vtr. Gerassimos näher kennen und schätzen gelernt. Der Altvater und einige andere waren aber außerhalb. Vtr. Ephraim, der während der Abwesenheit des Altvaters die Leitung innehatte, lud uns ein, am anderen Morgen die Liturgie zu zelebrieren, was wir gerne annahmen. Vtr. Ephraim ist Spezialist und selbstverständlich Praktiker des byzantinischen Chorales, zugleich aber Liebhaber der Gregorianik. So war unser deutscher Choral für ihn eine absolute Entdeckung. Wir sangen, verglichen und freuten uns gemeinsam der heiligen Schönheit. Er schenkte uns ein Buch, welches die Gemeinschaft des Kellions vor kurzem herausgegeben hat, worin detailliert das liturgische Typikon des Athos beschrieben wird. Dann führte er uns durch das Kloster; es liegt sehr malerisch auf einem Bergsporn, gegen den Hang durch gewaltige Maueranlagen geschützt besteht es aus 4 größeren, miteinander zu einer Hofanlage verbundenen Gebäuden. Alles war vor 5 Jahren abgebrannt und ist seither mit viel Geschmack und Fachverstand neu errichtet. Die Kirche ist noch Baustelle. Im Synodikon hat man getreu den Stil der Gründungszeit des Klösterchens aufgegriffen und über 4 Holzsäulen eine bezaubernde Deckenkonstruktion mit aufwendigen Holzschnitzereien und Stuckaturen im balkanischen Barockstil eingebaut. Die Trapeza ist ringsum ausgemalt. Vor dem Eingang zum inneren Kloster liegt ein Atelier für die Ikonenmalerei und die Holzschnitzerei. Beim Abschied lud Vtr. Ephraim uns ein, möglichst bald wiederzukommen, um auch Altvater Chrysostomos zu treffen.

Nach einer abenteuerlichen Holpertour mit dem Geländewagen kamen wir nach Watopädi.

Kloster WATOPAEDI

Meine alten Mitbrüder aus Kutlumusiu freuten sich über das Wiedersehen, einige fehlten indes : Vtr. Athanasios war gerade zum Metropoliten gewählt worden und Abt Efraim war mit etlichen Mitbrüdern zu seiner Inthronisation nach Zypern gereist. Bei meinem letzten Besuch vor 7 Jahren waren die Väter stolz, dass sich die Bruderschaft von gut 20 auf 40 Mönche vergrößert hatte; inzwischen sind es über 80 ! Das Kloster ist in weiten Teilen hervorragend restauriert, der Gästebereich hat absolut Hotelqualität. Im Tempel sind die traumhaften Fresken gereinigt, die zahllosen Silber- und Bronzelamoen, die mächtigen Leuchter aus Messing, Silber und Platin, der gewaltige bronzene Choros, alles ist auf Hochglanz poliert und mit hunderten von Öllampen und Kerzen bestückt. Überwältigend aber ist der wundervolle Gesang und der liebevolle Umgang der Mönche. Zu den großen Gottesdiensten singen auf jedem Chor 10 bis 15, über präzisestem Ison und mit sauberster Intonation. Die Sängergruppen wechseln sich ab, so dass alle Mönche beteiligt sind. Der Kult entfaltet hier seine ganze byzantinische Pracht und Würde; und doch ist nichts gekünstelt oder theatralisch. Das reiche und strenge Ritual wird vielmehr mit bestechender Leichtigkeit und Natürlichkeit, fast Lässigkeit durchgeführt. Man hat eigens einen Professor für byzantinischen Choral aus Athen engagiert, der die Mönche unterrichtet, von denen sehr viele gerade Anfang 20 sind. Man spürt, dass das liturgische Leben vom Herzensgebet getragen und von hesychastischem Geiste durchdrungen ist.

Kloster GROSSE LAWRA

Wegen der Abwesenheit des Abtes verkürzten wir unseren Aufenthalt, um später wieder zu kommen, und richteten unser Schritte zur großen Lawra. Leider gab es kein Schiff; der Hafen der Lawra ist kaputt und man gelangt nur mit dem Auto dorthin. Das Athos-Taxi ist ein ausgezeichneter Mercedes-Geländewagen, der allerdings bei den entsetzlichen Wegeverhältnissen auch unerlässlich ist. Bei der Beanspruchung dürfte der Fahrtlohn kaum die Unkosten decken. Nach 32 km über Schlamm und Geröllpisten waren wir jedenfalls froh, das Gefährt wieder verlassen zu können. Die alten Väter in der Lawra freuten sich riesig über das Wiedersehen; wir wurden ausgefragt über Deutschland und unser deutsches Kloster und freuten uns über die neuen Entwicklungen. Wir trafen von den alten Vätern Jesaja, Bessarion, Bartholomaios, Philemon, Zacharias, Paissios den Krankenvater, Prodromos, Nikodimos und Basileios, der jetzt Gastvater ist, Symeon ist gestorben. Es sind aber eine Reihe neuer Väter da und es gibt 10 junge Novizen; im Garten und längs des Weges zur rumänischen Skite des Vorläufers sind hunderte von Metern neuer Trockenmauern aus Natursteinen gebaut, rumänische Arbeiter bauen aus roh entrindeten Stämmen riesige Gewächshäuser, der mächtige Tsimiski-Turm nebst Turm-Kapelle wird restauriert und die vormals völlig zerfallene Hofanlage gegenüber dem Eingang ist in ein äußerst ansprechendes Gästehaus verwandelt. Im Tempel vermisste ich jedoch die alten riesigen Bronzeleuchter mit den Löwen, auch die marmornen Proskynetarien und die Intarsienlesepulte waren gegen neue ausgetauscht. Vtr. Euthymios liest wie eh und je, Abt Phillip, wenn auch sehr alt geworden, präsidiert mit aller Würde. Entsprechend dem Typikon wurden uns am Abend des ersten Besuchstages im inneren Heiligtum die heiligen Reliqiuen zur Verehrung dargeboten, darunter das schwere eiserne Kreuz des hlg. Athanasios, das den Neophyten bei der Mönchsweihe aufgelegt wird. Ausnahmsweise öffnete man uns sogar die Weihekapelle des hlg. Athanasios, so dass wir am Ort meiner ersten Mönchsweihe beten konnten.

Nach drei Tagen fuhr uns Novize Demetrios mit dem neuen Mercedes-Geländewagen zunächst zum Weihwasser des hlg. Athanasios, dann weiter Richtung Iweron.

Kloster IWERON

Wegen Straßenarbeiten mussten wir aber umkehren und den Umweg über Prowata nehmen. Da nutzten wir die Gelegenheit und stiegen bei Karakallou aus, um zu Fuß den etwa halbstündigen Weg nach Philotheou hinauf zu steigen.

Kloster PHILOTHEOU

Es regnete und und war recht kalt, so dass wir leicht verschnupft und wie die begossenen Pudel im Kloster ankamen. Zu unserer großen Freude empfing uns ein deutscher Mönch, Vater Gelasios aus Potsdam. Er hatte bereits früher vom Kloster Buchhagen gehört und war glücklich, uns nun selbst zu begegnen. Zwischen den Diensten nutzten wir jede Minute zum Austausch. Im Tempel wurden wir sogleich auf die Ehrenplätze gestellt und ich hatte die entsprechenden Teile zu rezitieren. Nach dem Nachtgottesdienst und dem morgendlichen Mahl empfing uns Abt Ephraim "für 5 Minuten" zur Audienz. Als er von unserem Weg, von der Klostergründung, den kirchenpolitischen Schwierigkeiten und Kämpfen hörte, wurden aus den 5 Minuten unversehens 2 Stunden. Er bat uns, liturgische Stücke im deutschen Choral vorzusingen und lauschte mit größter Aufmerksamkeit und sichtlicher Bewegung. Auch erzählte er von den Bemühungen, von Philotheou aus ein griechisches Kloster in Deutschland zu gründen, den innerkirchlichen Widerständen dagegen und den zahlreichen Gründungen, die dann stattdessen in den USA in den letzten 15 Jahren entstanden sind. Mit Bewunderung, Segnungen und Ermahnungen, nur ja auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen entließ er uns, reich beschenkt mit Weihrauch, Ikonen, Rosenkränzen, selbstgemachtem Raki, reicher aber noch beschenkt durch die brüderliche Anteilnahme und die Freude, die aus der Begegnung erwachsen war, durch die Mitteilung wertvoller Erfahrungen und manchen guten Rat. Vtr. Gelasios gab uns noch eine Kassette mit Gesängen aus einem der amerikanischen neuen Klöster, wo man den byzantinischen Choral benutzt.

Kloster KUTLUMUSIU

Nach einem kurzen Besuch in Kutlumusiu, wo es wiederum gewaltige bauliche Veränderungen, besonders die völlig neu ausgemalte Trapeza und den an einen neuen, besseren Platz versetzten marmornen säulenumstellten und überkuppelten Weihwasserbrunnen zu bewundern gab, blieben wir die folgende Woche in Gregoriu.

Gregoriu ist ein Kloster, mit dem wir auch in den schwierigen Jahren 1985-93 immer guten Kontakt hatten. Auch diesmal wurden wir in alter brüderlicher Liebe freudig aufgenommen; viele Fragen waren zu beantworten. Seit meinem letzten Besuch 1992 sind erhebliche Baumaßnahmen bewältigt worden. Die Trapeza ist völlig neu gestaltet, mit aufwendigen Holzschnitzereien an der Decke, mit Säulenstellungen und Arkaden, eine geschnitzte Lesekanzel, und die Wände von Vater Theodoros in Eitempera hervorragend ausgemalt. Östlich des Haupttempels entsteht ein völlig neuer Zellentrakt, in dem auch die Bibliothek und das Skevophylakion untergebracht werden wird; ein Natursteinbau, der sich hervorragend zu der byzantinische Klosteranlage fügt und in welchen äußerst geschickt die alte Außenmauer einer Ruine integriert worden ist. Um die alte Wand nicht zu belasten wurde innen eine statische Betonwand vorgestellt, die nur in den Fensterlaibungen mit der Außenwand verbunden ist. Abt Georg lud uns am Wochenende zu meiner großen Freude ein, in der Nachtwache und der Liturgie zu konzelebrieren. Dass dies durch unsere Anbindung an die bulgarische Kirche nun wieder hochoffiziell geschieht, darüber freuten sich sichtlich auch die Väter des Klosters; wir wurden umarmt und immer wieder angesprochen. Vater Raffael hielt einige Ektenien auf Deutsch, ich wechselte zwischen Deutsch und Griechisch. Wie schon früher, so waren wir auch jetzt zutiefst von dem Ernst und der Würde des Gottesdienstes berührt, ebenso wie von dem liebevollen und würdigen Umgang, der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit der Väter untereinander. Der Altardienst wie auch das übrige Ritual im Tempel wird mit vollkommener Ruhe und äußerster Achtsamkeit vollzogen; über das Notwendige verständigt man sich schlicht und zuvorkommend, kurz, das Urbild geistgetragener liebevoller priesterlicher Hierurgie. Die asketische Schulung von Abt Georg hat hier wahrlich reife Früchte getragen. Es war der Vorabend des sauberen Montag. In der Trapeza gab es das letzte große Fischgericht vor der Fastenzeit, ein wahres Festmahl. Im Anschluß gab Abt Georg eine Unterweisung über den Gehorsam und die Unterscheidung. Er ermahnte die Väter, das Fasten als Zeit der Intensivierung und Erneuerung des geistlichen Lebens zu nutzen. Neue Arbeiten sollen nun nicht mehr begonnen werden, alle Kräfte konzentrieren sich vielmehr auf das Gebet, das liturgische wie die Übungen des Herzensgebetes. Die hesychastische Praxis ist im Kloster grundlegend und durchdringt das gesamte Leben wie die Liturgie. Die Komplet wurde heute in der Trapeza gehalten, anschließend sangen wir tischweise verschiedene Hymnen, wobei uns der deutsche Choral wiederum viel Zustimmung einbrachte. Der Abend wurde dann mit dem Segen und der gegenseitigen allgemeinen Sündenvergebung beschlossen, woraufhin sich alle Väter schweigend zurückzogen. Die nächsten drei Tage wurden in strengstem Fasten und Schweigen verbracht. Nur einzelne, die es nicht verkrafteten, sich völlig von Speise und Trank zu enthalten, erhielten nachmittags kat' oikonomian ein Wasser oder einen Kaffe und etwas Obst. Trotz oder besser wegen der asketischen Klarheit dieser Tage hatten wir in der Folge wesentliche Gespräche mit den Vätern Arthemios, Damian und Panaretos, und natürlich mit Abt Georg. Vtr. Panaretos führte uns ins Gebirge, wo unweit des Klosters die Höhle des heiligen Gregor Sinaites versteckt liegt. Später hat dort auch sein Schüler gleichen Namens gehaust, der dann an der Stelle eines verfallenen Poseidon-Tempels das heutige Kloster gründete. Unterwegs besuchten wir einen Einsiedler, der gerade Namenstag hatte. Wir erhielten Kaffee, Raki und seinen Segen, dann stiegen wir noch ein Stückchen höher hinauf zu einem Kathisma, wo sich Mönche des Klosters tageweise in völlige Ruhe zurückziehen können. Das Gespräch ging bis tief in die Nacht, zunächst allgemein um den Hesychasmus, dessen theologische Reflexion bei Gregor Palamas, die tragischen Missverständnisse und das folgenschwere Unwissen des Westens in diesen Dingen. Dann ging es konkret um die Erlangung der geistlichen Nüchternheit und die Unterscheidung zwischen dämonischen Einwirkungen, psychischen Effekten, und echter Gnadenwirkung. Panaretos berichtete noch von einem alten Vater, der noch mit 90 Jahren täglich über 100 große Metanien machte und stundenlang stehend betete, zusätzlich zum liturgischen Dienst. Äußerlich erblindet hatte er die Gabe der geistigen Schau. Überrascht waren wir über die ablehnende Haltung der Väter zur Homöopathie, hatten aber keine Gelegenheit mehr, dieser Frage weiter nachzugehen. Eine neue herzliche Bekanntschaft entwickelte sich mit Vtr. Damian. Er ist jetzt an die 30 Jahre alt. In London aufgewachsen führte er das übliche säkularisierte Leben unserer westeuropäischen Gesellschaft. Nach dem Tod seines Vaters kam er nach Griechenland und hörte das erste Mal von Athos und Mönchtum. Mehr aus Jux und einem Freund zuliebe machte er eine 4-tägige Pilgerreise mit. Aus den vier Tagen wurden drei Monate, an deren Ende er seine Metanie zur Aufnahme in die Klostergemeinschaft machte. Er berichtete, wie er nach einem halben Jahr nochmal in die Krise kam und "in die Welt" flüchtete. Doch nach kurzer Zeit war ihm das weltliche Leben derart schal und abgeschmackt, dass er nunmehr gefestigt und endgültig ins Kloster kam. Nach 2 Jahren empfing er die Mönchsweihe und ist nun schon seit 4 Jahren Mönch in Gregoriu. es war das erste und einzige Kloster, das er kennenlernte, und dort ist er geblieben. Insgesamt war der Austausch mit den dortigen Vätern herzlich und lehrreich, im Gottesdienst durfte ich mitsingen, das Magnifikat sogar auf deutsch, wobei ich auf dem rechten Chor unsere deutsche Melodie und die Väter vom linken Chor ihre byzantinische Melodie sangen, was sich hervorragend zusammen fügte, da beides im phrygischen Modus steht.

Reich gesegnet und geistlich auferbaut nahmen wir zum allgemeinen Bedauern unseren Abschied um noch ins bulgarische Kloster Sograf zu gelangen. Die Überfahrt war herrlich, im Sonnenschein mit klarer Sicht bis zur Sitonia. Im Hafen Dafne gaben wir zwecks Marscherleichterung ein erstes Paket mit den Geschenken auf die Post. Vom Hafen des Bulgarenklosters wanderten wir zunächst am Strand entlang zum Hafen des Klosters Hilandar,

Kloster HILANDAR


wo ein deutscher Mönch wohnt; dort wurden jedoch keine Besucher empfangen, da die Ordnung der Einsiedelei strengstes Schweigen vorsieht. So kehrten wir zum anderen Hafen zurück und nahmen den Weg nach Sograf, wo wir alsbald in die malerische Gebirgslandschaft eintauchten.

Kloster SOGRAF

Der Weg ist streckenweise verändert, aber es hat die alte spezifische Stille, die einen mählich umfängt, unwillkürlich die Gedanken zur Ruhe bringt und das Herzensgebet, wie das Licht in den Grund eines reglosen Bergsees fällt, aufsteigen lässt. Wir erreichten das Kloster am frühen nachmittag, als gerade die Vesper begann; im kleineren Tempel waren etwa 15, 16 Mönche versammelt. Wie sich später herausstellte, gibt es keine Einreisebehinderungen mehr. Abt Euthymios hatte kurz vor seinem Tod noch zwei Novizen aus Bulgarien gebracht, letztes Jahr kamen etwa 10 weitere hinzu, die z.T. an der theol. Hochschule studiert hatten. Alle waren ausgesprochen sympatisch und nach anfänglichem Zögern gab es sehr herzliche Begegnungen. Von den alten, uns bekannten Mönchen waren nur noch drei da. Gastvater ist Vtr. Sergios, ein sehr asketisch aussehender weißhaariger Priestermönch wie von einer Ikone, der aber kaum über 40 ist. Er war früher Opernsänger gewesen, dann wurde er Mönch und lebt jetzt seit etwa 4 Jahren in Sograf. Beim näheren Kennenlernen erfährt man ihn als tief gläubigen, achtsamen und liebevollen Vater. Auch in Sograf sieht man fortschreitende Bauarbeiten. Man hat eine neue Küche und ein kleineres Winterrefektorium eingerichtet, was aber noch nicht benutzbar war. In dem Bereich, wo wir übernachteten, waren die Sanitäranlagen hervorragend hergerichtet, alles gefliest, geschmackvolle Elemente. In den Zimmern allerdings wuchsen Moos und Schimmel an den Wänden hoch. Die riesige Anlage muss Stück für Stück renoviert werden, ein gewaltiges und keineswegs einfaches Projekt. Ein Ingenieur, der mit einer Deutschen aus Österreich verheiratet ist und fließend Deutsch spricht, berichtete uns über die Arbeiten. Da man im vorigen Jahrhundert in wenig sinnvoller Weise Metallkonstruktionen mit Naturstein und Stuck verbunden hat, treten erhebliche statische Probleme, Erosionsprobleme und Wasserschäden auf. Der Gottesdienst wird sehr ernsthaft gehalten, man macht mehr Metanien als anderswo, und auch der Umgang besonders der jungen Mönche ist geistlich und sehr angenehm. Einige der Neuen haben in Bulgarien eine Ausbildung im altbulgarischen Choral erhalten, der eng mit dem byzantinischen verwandt ist und mit derselben Neumenschrift notiert wird. Man möchte wünschen, dass diese willigen jungen Menschen Unterstützung finden, dass sie in dieser traumhaft schönen Einöde nicht völlig isoliert bleiben, sondern genügend Kraft und Anleitung für ihr keineswegs leichtes Leben erhalten.

Der Weg von Sograf nach Watopädi war ein echtes Abenteuer. Wir nahmen den alten Steinweg, der, von Mönchen und Maultieren nicht mehr genutzt, streckenweise kaum noch zu finden war. Alles war überwuchert, das Gebüsch hing vom Regen des Vortages noch voller Wasser, so dass wir nach einer Stunde bis auf die Haut durchnässt waren. Erst oben am Kammweg öffnete sich das Gesträuch. Auf der Höhe schwebten wir buchstäblich in den Wolken, bei Sichtweiten von kaum 50 Metern. Die Bäume sind von graublaugrünen Flechten umwuchert, was der Landschaft ein geradezu märchenhaftes Aussehen gibt. An der Wegekreuzung hielten wir für eine mittägliche Gebetszeit an. Schließlich verabschiedeten wir uns von dem Märchenwald mit einem Hymnos zur Mutter Gottes und begannen den langen Abstieg nach Watopädi. Die für Sograf und die innere Gebirgslandschaft so eigentümliche Stille wird von unterschwelligem Meeresrauschen abgelöst, auch die Pflanzenwelt wandelt sich wieder. Eine Stunde vor dem Ziel öffnet sich ein überwältigender Ausblick auf das Meer und das Kloster in der Ferne, der aber sogleich von der nächsten Gebirgsfalte wieder entzogen wird um bei der nächsten Biegung nur für ein paar Schritte wieder aufzutauchen. Die letzten Strecken vor Watopädi ist alles zu, umgestürzte Bäume versperrten den Weg, Ginster und Loorbersträucher wachsen zwischen den kaum noch erkennbaren Kalderimi. Was von dem Weg übrig ist, wird mehrfach von Bulldozerschneisen zerschnitten, ist aber an den Schnittstellen immerhin gekennzeichnet. So brauchten wir gut 3 Stunden. Dennoch möchten wir diese Wanderung im Nachhinein nicht missen, wenngleich Vtr. Raffael hinterher reichlich reduziert war. Zu guter Letzt fehlte vor dem Kloster eine Brücke; es half nichts, wir mussten den Fluss durchwaten. Im Kloster gab uns der zweite Gastpater, Vater Matthäos, ein Amerikaner, frische Gewänder und ein warmes Zimmer, was wir dankbar annahmen. Nachdem wir unser triefendes Zeug über die Heizung und die quitschenden Schuhe auf den Zinnen der Wehrmauer in der Sonne plaziert hatten, trotteten wir brav, abgetrocknet und neu eingekleidet, in den Haupttempel, wo gerade die Chairetismoi zur Gottesmutter gesungen wurde. Wärme, Glanz, Pracht und Gesang der tausendjährigen kaiserlichen und patriarchalen Erzabtei umhüllten uns sogleich, und Abt Ephraim, neben dem ich auf dem Ehrenthron zu stehen kam, frug mich nach der herzlichen Begrüßung sogleich über Buchhagen und unser Klosterleben aus. Es wurde auch hier ein freudiges Wiedersehen, die Mitbrüder waren inzwischen aus Zypern zurück. Am Wochenende gab es wieder Nachtwache; leider war Vtr. Raffael so krank, dass er nicht konzelebrieren konnte. In der 6 Stunden währenden Nachtliturgie hatte Abt Efraim an die 100 Beichten von Besuchern abzunehmen. Bemerkenswert war eine größere Gruppe von Gymnasiasten, die sich auf das Noviziat vorbereiteten und mit größtem Ernst und äußerster Ehrfurcht teilnahmen. Die Erfahrung lehrt, dass in der Regel diejenigen, die erst alles mögliche andere machen, später im Kloster Schwierigkeiten haben und labil bleiben, während diejenigen, die den Weg frühzeitig beginnen, oft schon mit 16 oder 18, später die besten und stabilsten Mönche werden. Freilich ist der Einzelne in der mönchischen Kultur und Gesellschaft des Athos in einem unvergleichlichen Maße geborgen und getragen und den schädlichen Einflüssen der Welt entzogen. Dies auch nur annähernd auf unsere Situation in Buchhagen zu übertragen dürfte erhebliche Sorgfalt und Anstrengung erfordern. Beim großen Einzug waren wir 7 Priester und 2 Diakone, die Liti wurde im mittleren Narthex gesungen; der Haupttempel von Watopädi hat drei Narthexe, zwei innere und einen äußeren. Gerade am Sonntag der Orthodoxie in diesem altehrwürdigen Athoskloster mit so vielen ehrwürdigen Vätern gemeinsam die Basileiosliturgie zu zelebrieren und dabei das eine oder andere Stück auf deutsch singen zu können, war mir eine große Ehre und Freude. Beim großen Einzug bekam ich die große silberne, edelsteinprangende Staurothek mit einem Stück des heiligen Kreuzes zu tragen, außerdem wurden der Gürtel der Mutter Gottes, das Haupt des heiligen Johannes Chrysostomos und andere kostbare Reliquien mitgetragen und versicherten uns der geistigen Gegenwart der Heiligen beim Opfergang des Herrn zur Schädelstätte. Die anschließende Prozession mit den Ikonen, die damit verbundenen Ehrungen der Verteidiger und Bekenner der Orthodoxie und die Anathemata über die Irrlehrer und Verräter des Glaubens ließ allen Anwesenden den Ernst der Nachfolge Christi und die Verantwortung für die Bewahrung der heiligen Überlieferung der rechtgläubigen Kirche eindrücklich bewusst werden. In den weiteren Tagen ergaben sich vielfältige Begegnungen mit den Vätern, mit Nifon, Theonas und vielen anderen. Auch mit dem Chorallehrer Konstantin Aggelides, einem Mitarbeiter von Protopsaltis Lykourgos Angelopoulos, hatten wir Gelegenheit, praktische Fragen zu besprechen. Letzterer hatte bereits vor 18 Jahren unsern deutschen Choral in einer Radiosendung in Griechenland vorgestellt, nachdem er Vtr. Alexios und mich in der Lawra kennengelernt hatte; die Verbindung war dann aber abgerissen. Am Sonntagabend hielt Altvater Josef vor fast 100 Mönchen eine Lehrunterweisung über den Gehorsam. Er wohnt inzwischen außerhalb des Klosters in einem Kathisma; er ist sehr alt und etwas kleiner geworden, hat aber noch immer dieselbe mitreißende Art des Vortrages. Er unterschied den zwanghaften Gehorsam und den zweckgerichteten, daher letztlich egoistischen und heuchlerischen Gehorsam vom eigentlichen geistlichen, asketischen Gehorsam, der den Menschen frei macht. Der Ungehorsam steht am Anfang des Falles und er bringt Sünde, Krankheit, Elend, Unfreiheit und Tod. Nur die Liebe kann Trost und Rettung bringen, Gott selbst, der die Liebe ist. Altvater Josef lehrt nach wie vor, dass das A und O des mönchischen Lebens die Liebe ist; an diesem Abend nun prägte er das schöne Wort, dass der rechte, der asketische Gehorsam der "Leib" der Liebe sei. Denn im gegenseitigen Gehorsam suchen wir nicht unseren eigenen Willen, sondern erspüren mit aller Feinfühligkeit, wes der andere Bruder bedarf und trachten, ihm in Liebe Gutes zu tun. Dann ging es um die Treue in menschlichen wie in göttlichen Dingen und um die Furchtlosigkeit. Der Mönch fürchtet niemanden, nicht einmal den Teufel, wieviel weniger irgendwelche Große und Mächtige in dieser vergänglichen Welt. Zum Schluß sprach er über die ungeschriebene Tradition, die eigentliche Mitte der mönchischen Überlieferung, die nicht akademisch oder sonstwie rational zu erfassen ist, sondern nur im Leben weitergegeben und erfahren wird. "Ich selbst bin kein Gelehrter; und doch finde ich mich im Chor der Heiligen und der Kirchenväter wieder, weil ich zu den Füßen der heiligen Väter gesessen, weil ich ihren einfachen Worten geglaubt habe und ihnen gefolgt bin..." Wir sind nicht allein. Seit vielen Jahrtausenden sind nun schon Millionen von Asketen und Heiligen den Weg vor uns gegangen. Sie stehen uns vom Himmel her bei und erwarten unsere Ankunft.

Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir wieder bei Vtr. Gerassimos in Karyes. Sie waren ausgefüllt mit Beichten, geistlichen Gesprächen und Besuchen bei befreundeten Vätern. Einen segensreichen und lehrreichen Abend verbrachten wir noch im Kellion bei Vtr. Chrysosotomos und den dortigen Vätern. Seine reichen Erfahrungen mit dämonischen Einwirkungen und Kämpfen ließen uns manches, was wir in den Jahren hier in Buchhagen erfahren haben, neu reflektieren und einordnen. Wie schon mit anderen Vätern konnte ich auch hier Fragen der Mysterientheologie, insbesondere der Mönchsweihe als Sakrament der Kirche und als Sakrament der Synergie par excellence besprechen. Der Altvater wurde richtig wütend, als er über den Traditionsverlust sprach, der sich leider auch bei vielen orthodoxen Theologen bemerkbar mache. Gerade die Tendenz der Theologie, das Mönchtum als Träger des Mysteriums abzuwerten und auf eine fromme regulierte Lebensform zu reduzieren, sei ein Werk des Teufels. Denn der damit einher gehende Verlust der inneren mystischen Überlieferung höhlt die Kirche von innen her aus und macht aus ihr eine rein gesellschaftliche Institution, die allenfalls noch gewisse ethisch-moralische Normen zu verkünden, aber ihre geistige Schönheit und Fruchtbarkeit, ihre göttliche Kraft verloren hat.

Am Mittwoch mussten wir nach Saloniki zurückkehren, wo etliche Besorgungen zu erledigen waren. Im Wlatadonkloster waren wir schließlich mit Prof. Johannes Fountoulis, dem Leiter des Patriarchatsinstitutes für patristische und liturgische Forschung, mit dem wir seit etlichen Jahren in Verbindung stehen, verabredet, wo wir eine Reihe liturgischer Fragen, insbesondere der Rekonstruktion des frühchristlichen Gottesdienstes und der ursprünglichen Zelebrationsweise unserer Liturgien, die für das Typikon in unserer Krypta relevant sind, besprechen konnten. Anschließend zeigte man uns die Archive mit den Choralbüchern und frühen Tonaufnahmen sowie das Fotoarchiv der Athos-Handschriften.

 

Der Reisebericht ist nun recht lang geworden, und kann doch nur einen Bruchteil dessen vermitteln, was mitzuteilen wäre.

Amen +







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